25px|verweis=Regenbogentrikot Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2017 Veranstalter Union Cycliste Internationale Sportart Straßenradsport Gastgeber Datum 17. bis 24. September 2017 Wettbewerbe 12 Offizielle Website https://bergen2017.no/ ← Doha 2016 Innsbruck 2018 →
mini|Kurze und lange Innenstadtrunden der Straßenrennen Die Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2017 fanden vom 17. bis 24. September im norwegischen Bergen statt.
Die Weltmeisterschaften setzten sich aus insgesamt zwölf Wettbewerben zusammen, je einem Straßenrennen, Mannschaftszeitfahren sowie einem Einzelzeitfahren für Männer und Frauen sowie je einem Straßenrennen und einem Einzelzeitfahren für U23-Fahrer, Junioren und Juniorinnen.
Organisation und Verlauf Die Idee, die Weltmeisterschaften nach Bergen zu holen, hatten drei norwegische Radsport-Enthusiasten, während sie 2011 – dem Vernehmen nach – gemeinsam am heimischen Küchentisch saßen. Mit den Weltmeisterschaften fand die größte internationale Sportveranstaltung in Norwegen seit der Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer statt. Erwartet wurden rund 1150 Sportlerinnen und Sportler aus rund 50 Ländern. Die Organisatoren rechneten mit rund 500.000 Zuschauern vor Ort.
Die Mannschaftszeitfahren begannen auf der Insel Askøy, um in die Innenstadt von Bergen zu führen. Die Einzelzeitfahren fanden im Stadtgebiet von Bergen statt; das Einzelzeitfahren der Männer – mit 31 Kilometern das bis dato kürzeste – endete mit einer Bergankunft auf dem Aussichtspunkt Fløyen mit einer Steigung von 9,1 Prozent über 3,4 Kilometer bis auf 316 Meter Höhe. Es war das erste Mal, dass das Einzelzeitfahren für Männer bei einer WM auf einem Berg endete. Das Straßenrennen der Männer startete in Øygarden, führte entlang der Küste und beinhaltete den Aufstieg zum Salmon Hill unterhalb des Ulriken, mit einer Steigung von 6,4 Prozent über 1,5 Kilometer.
Am Morgen des ersten Wettkampftages gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass der Fahrer John Degenkolb, der als Kapitän der Mannschaft ausersehen war, aus gesundheitlichen Gründen nicht bei der WM starten könne.
Schlusspunkt der Weltmeisterschaften war das Straßenrennen der Männer am letzten Sonntag der Woche: Der Slowake Peter Sagan gewann den Titel des Weltmeisters zum dritten Mal in Folge; dieser Hattrick ist einmalig in der Radsportgeschichte. Er war damit nach Alfredo Binda, Rik Van Steenbergen, Eddy Merckx und Óscar Freire der fünfte, der dreimal Weltmeister wurde, aber der erste, dem diese Erfolge in drei Jahren hintereinander gelangen. Sagan widmete seinen Sieg seinem im April bei einem Trainingsunfall ums Leben gekommenen Freund Michele Scarponi und dessen Frau.
Zwölf Kilometer vor dem Ziel, auf dem letzten Anstieg Salmon Hill konnte sich der Franzose Julian Alaphilippe absetzen, zu ihm gesellte sich der Italiener Gianni Moscon. Vier Kilometer vor dem Ziel näherte sich eine Gruppe von 26 Fahrern. Aus dieser Gruppe heraus kam es zum Sprintduell zwischen Sagan, Lokalmatador Alexander Kristoff und dem Australier Michael Matthews, das Sagan für sich entscheiden konnte, für sich selbst unerwartet, wie er später sagte. Moscon wurde später disqualifiziert, da er sich über eine kurze Strecke von einem Auto hatte mitziehen lassen. Die ehemaligen Rennfahrer Mario Cipollini und Óscar Freire gaben später zu bedenken, Sagans dominierende Stellung wurzele auch darin, dass es derzeit nicht viele Topfahrer gebe und ihn die anderen Mannschaften gewähren lassen würden.
Erfolgreichste Nationalmannschaft dieser Weltmeisterschaften war die aus den Niederlanden, die vor allem bei den Frauen dominierte: Chantal Blaak gewann das Rennen der Frauenelite, obwohl sie während des Rennens in einen Sturz verwickelt gewesen war, bei dem sich die US-amerikanische Fahrerin Megan Guarnier den Kiefer brach. Blaak gelang es, sich acht Kilometer vor dem Ziel aus einer Ausreißerinnengruppe zu lösen und das Rennen mit einem Vorsprung von 28 Sekunden zu gewinnen. Im Einzelzeitfahren gingen Gold und Silber an ihre Landsmänninnen Annemiek van Vleuten und Anna van der Breggen. Beide Fahrerinnen platzierten sich auch im Straßenrennen in den Top Ten. Der britische Rennfahrer und Straßenweltmeister von 2011 Mark Cavendish bezeichnete das Rennen der Frauen, das von vielen Attacken geprägt war, als „das aufregendste der WM“. Die dritte Goldmedaille errang Tom Dumoulin im Einzelzeitfahren.
Die italienische Mannschaft erreichte – wie schon im Jahr zuvor – besonders mit ihren Juniorinnen Erfolge: Elena Pirrone gewann Straßenrennen und Einzelzeitfahren und belegte weitere Podiumsplätze mit Letizia Paternoster und Alessia Vigilia. Auch bei den Junioren errang mit Antonio Puppio ein Italiener Silber. Insgesamt holte das italienische Team mit sieben Medaillen die meisten insgesamt. Den dritten Platz im Medaillenspiegel belegte das dänische Team, das zwei Goldmedaillen in den Nachwuchsklassen mit nach Hause nahm: Mikkel Bjerg gewann das Einzelzeitfahren der U23, und Julius Johansen, der erst kurz zuvor Vize-Europameister im Zeitfahren geworden war, das Straßenrennen der Junioren.
Die Mannschaft des Bundes Deutscher Radfahrer musste sich mit einer Silbermedaille für den U23-Fahrer Lennard Kämna begnügen, der nach einem beherzten Ausreißversuch noch vom späteren Sieger, dem Benoît Cosnefroy, eingeholt und überspurtet wurde. Kämna war auch Mitglied des Teams Sunweb, das Weltmeister im Mannschaftszeitfahren wurde. Fahrerinnen und Fahrer aus Österreich und der Schweiz konnten sich nicht auf dem Podium platzieren. Der österreichische Junior Florian Kierner belegte Rang sechs im Straßenrennen der Junioren. Der Schweizer Michael Albasini wurde Siebter im Straßenrennen der Männerelite.
Die Kosten für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften waren vorab mit 16,6 Millionen Euro veranschlagt worden, die tatsächlichen Kosten betrugen aber 23,4 Millionen Euro. Das Defizit entstand unter anderem durch den unerwarteten Ausfall von Sponsoren aus der Öl- und Gastindustrie sowie den gefallenen Kurs der norwegischen Währung seit dem Zuschlag für Bergen und der Budgeterstellung, weshalb beispielsweise die Zahlungen an den Weltverband UCI gestiegen waren. Der Norwegische Radsportverband steht nun in der Gefahr, in Insolvenz zu gehen. Bei einer Crowdfunding-Aktion kamen innerhalb weniger Tage 3,5 Millionen Kronen (375,000 Euro) zusammen. Dennoch werten die Organisatoren angesichts des enormen Zuschauerzuspruchs die Weltmeisterschaften als großen Erfolg.
Wettkämpfe Datum Zeit Klasse Distanz (km) Runden Weltmeister 2017 Weltmeister 2016 Mannschaftszeitfahren Sonntag, 17. September 12:05 Elite Frauen 42,5 15:40 Elite Männer 42,5 Einzelzeitfahren Montag, 18. September 10:35 Juniorinnen 16,1 1 kurze 13:05 Männer U 23 37,2 1 kurze + 1 lange Dienstag, 19. September 11:35 Junioren 21,1 1 lange 15:55 Elite Frauen 21,1 1 lange Mittwoch, 20. September 13:05 Elite Männer 31 2 + 3,4 km Bergankunft Fløyen Tom Dumoulin Tony Martin Straßenrennen Freitag, 22. September 10:05 Juniorinnen 76,4 4 Elisa Balsamo 13:15 Männer U 23 191 10 Samstag, 23. September 9:30 Junioren 135,5 5 + 40 km 13:15 Elite Frauen 152,8 8 Sonntag, 24. September 10:05 Elite Männer 276,5 12 + 40 km
Ergebnisse Frauen Straßenrennen Platz Athletin Land Zeit 1 Chantal Blaak 4:06:30 h 2 Katrin Garfoot + 0:28 min 3 Amalie Dideriksen + 0:28 min 4 Annemiek van Vleuten + 0:28 min 5 Katarzyna Niewiadoma + 0:28 min 6 Christine Majerus + 0:28 min 7 Susanne Andersen + 0:28 min 8 Anna van der Breggen + 0:28 min 9 Emilia Fahlin + 0:28 min 10 Elena Cecchini + 0:28 min … 24 Martina Ritter + 0:28 min 42 Lisa Brennauer + 1:19 min 43 Ramona Forchini + 1:19 min 49 Lisa Klein + 2:31 min 51 Trixi Worrack + 2:31 min 54 Romy Kasper + 4:01 minStreckenlänge: 152,8 Kilometer.Es waren 153 Fahrerinnen am Start, von denen 76 das Ziel erreichten; eine Fahrerin startete nicht. Vorzeitig beendet haben das Rennen u. a. Christina Perchtold und Kathrin Schweinberger aus Österreich; Charlotte Becker und Claudia Lichtenberg aus Deutschland; Linda Indergand und Nicole Hanselmann aus der Schweiz. mini|Chantal Blaak aus den Niederlanden wurde Weltmeisterin im Straßenrennen.
Einzelzeitfahren Platz Athletin Land Zeit (min) Abstand (s) 1 Annemiek van Vleuten 28:50,35(43,899 km/h) 2 Anna van der Breggen 29:0251 + 12,16 3 Katrin Garfoot 29:09,28 + 18,93 4 Chloé Dygert Owen 29:28,30 + 38,95 5 Ellen van Dijk 29:42,41 + 52,06 6 Linda Villumsen 29:46,08 + 55,73 7 Ashleigh Moolman 30:08,88 + 1:18,53 min 8 Lauren Stephens 30:10,21 + 1:19,86 min 9 Hannah Barnes 30:13,77 + 1:23,42 min 10 Cecilie Uttrup Ludwig 30:24,44 + 1:34,09 min … 11 Lisa Brennauer 30:38,65 + 1:48,30 min 16 Trixi Worrack 30:53,88 + 2:03,53 min 25 Ramona Forchini 31:37,83 + 2:47,48 min 28 Marlen Reusser 31:49,27 + 2:58,92 min 29 Martina Ritter 31:52,70 + 3:02,35 minStreckenlänge: 21,1 Kilometer Es starteten 54 Fahrerinnen aus 34 Ländern.
Mannschaftszeitfahren Platz Team Athletinnen Zeit 1 Team Sunweb Coryn Rivera / Leah Kirchmann / Ellen van Dijk /Lucinda Brand / Floortje Mackaij / Sabrina Stultiens 55:41,63 min(45,786 km/h) 2 Boels Dolmans Cyclingteam Karol-Ann Canuel / Anna van der Breggen / Chantal Blaak /Megan Guarnier / Christine Majerus / Amy Pieters+ 12,43 s 3 Cervélo Bigla Pro Cycling Team Lotta Lepistö / Lisa Klein / Cecilie Uttrup Ludwig /Ashleigh Moolman / Clara Koppenburg / Stephanie Gaumnitz +28,03 s 4 Canyon SRAM Racing Lisa Brennauer / Trixi Worrack / Hannah Barnes /Elena Cecchini / Mieke Kröger / Alexis Ryan + 1:04,79 min 5 Team Virtu Cycling Linda Villumsen / Claudia Koster / Sara Penton /Pernille Mathiesen / Amber Neben / Christina Malling + 2:51,52 min 6 FDJ Nouvelle-Aquitaine Futuroscope Roxane Knetemann / Shara Gillow / Eugénie Duval /Coralie Demay / Roxane Fournier / Aude Biannic + 3:23,04 min 7 BTC City Ljubljana Eugenia Bujak / Hanna Nilsson / Polona Batagelj / Urška Pintar / Corinna Lechner / Maaike Boogaard + 3:46,58 min 8 BePink Cogeas Alison Jackson / Olga Sabelinskaja / Katia Ragusa /Silvia Valsecchi / Ilaria Sanguineti / Francesca Pattaro + 4:58,84 min Streckenlänge: 42,5 KilometerInsgesamt nahmen neun Teams teil.
Ergebnisse Männer mini|Zum dritten Mal in Folge Weltmeister: Peter Sagan Straßenrennen Platz Athlet Land Zeit 1 Peter Sagan 6:28:11 h 2 Alexander Kristoff gl. Zeit 3 Michael Matthews gl. Zeit 4 Matteo Trentin gl. Zeit 5 Ben Swift gl. Zeit 6 Greg Van Avermaet gl. Zeit 7 Michael Albasini gl. Zeit 8 Fernando Gaviria gl. Zeit 9 Alexei Luzenko gl. Zeit 10 Julian Alaphilippe gl. Zeit … 20 Simon Geschke gl. Zeit 22 Lukas Pöstlberger gl. Zeit 40 Nikias Arndt + 2:32 min 41 Michael Schär gl. Zeit 44 Stefan Küng gl. Zeit 47 Marcus Burghardt gl. Zeit 50 Silvan Dillier gl. Zeit 68 Stefan Denifl gl. Zeit 69 Tony Martin gl. Zeit 90 Paul Martens + 5:49 min 99 Rick Zabel + 7:33 min 100 Fabian Lienhard gl. Zeit 111 Grégory Rast + 9:24 min 112 Marco Haller gl. Zeit 114 Nils Politt + 10:21 min 116 Jasha Sütterlin gl. Zeit 118 Johannes Fröhlinger gl. ZeitStreckenlänge: 267,5 Kilometer Es gingen 195 Fahrer aus 44 Nationen an den Start, von denen 62 das Ziel nicht erreichten. Ein Fahrer, der Italiener Gianni Moscon, wurde disqualifiziert.
Einzelzeitfahren Platz Athlet Land Zeit (min) Abstand (min) 1 Tom Dumoulin 44:41.00(41,626 km/h) 2 Primož Roglič 45:38,79 + 57,79 s 3 Chris Froome 45:53,90 + 1:21,25 4 Nelson Oliveira 46:09,52 + 1:28,52 5 Wassil Kiryjenka 46:09,75 + 1:28,75 6 Gianni Moscon 46:10,49 + 1:29,49 7 Wilco Kelderman 46:15,33 + 1:34,33 8 Rohan Dennis 46:18,39 + 1:37,39 9 Tony Martin 46:20,88 + 1:39,88 10 Jan Tratnik 46:24,45 + 1:43,45 … 19 Nikias Arndt 46:57,05 + 2:16,05 25 Stefan Küng 47:26,53 + 2:45,53 35 Jasha Sütterlin 48:09,07 + 3:28,07 40 Reto Hollenstein 48:15,04 + 3:34,04 Streckenlänge: 31 Kilometer Es gingen 64 Fahrer aus 41 Nationen an den Start.
Mannschaftszeitfahren