Rose Mary Gaines (* 26. Juni 1960 in Martinez, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Sängerin, Begleitsängerin, Songwriterin und Keyboarderin. Sie arbeitete unter anderem mit Prince zusammen und war Ende 1990 Gründungsmitglied seiner Begleitband The New Power Generation.
Gaines veröffentlichte neun Studioalben, die jedoch kommerziell nicht erfolgreich waren. Ihr musikalischer Stil ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Popmusik und Rockmusik zuzuordnen. Zudem erschienen seit Mitte der 1990er Jahre EPs mit Remix-Versionen ihrer Songs aus den Genres Elektronische Tanzmusik, Eurodance und House. Darüber hinaus ist Gaines als Gastsängerin auf mehreren Tonträgern vertreten.
Von 2011 bis 2022 zog sich Gaines aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit zurück und beendete ihre aktive Musikkarriere. Erst im Oktober 2023 gab sie im Rahmen eines Podcasts ein kurzes Interview, kehrt jedoch nicht in die Musikbranche zurück.
Leben Kindheit und Jugend Rose Mary Gaines wurde 1960 in Martinez, Nordkalifornien, geboren und wuchs dort als jüngstes von zehn Kindern auf, von denen zwei bei der Geburt starben. Ihre Mutter Mattie Mae (* 20. August 1929; † 12. Juli 2019) war von 1944 bis 1961 mit Gaines’ Vater verheiratet, der 1966 erstochen wurde. 1974 heiratete sie Curtis West (* 5. Juli 1934; † 24. Juni 2011), den Gaines ebenfalls als „Vater“ bezeichnete.Begleitheft der CD Closer Than Close, Motown Record Company, 1995. Von Rosie Gaines’ Geschwistern leben (Stand 2026) noch zwei Brüder und zwei Schwestern.
Familie Gaines hat eine Tochter, Latoya (* 1978), die ebenfalls Sängerin ist und zwei Söhne hat. Gaines war zudem zweimal verheiratet. Ihren ersten Ehemann, Curtis Ohlson (* 1957), lernte sie auf der High School in Pittsburg, Kalifornien, kennen. In der dortigen Marching Band spielte sie Piccoloflöte, während Ohlson Bandleader war. Beide waren insgesamt fünf Jahre in der Band aktiv, davon zwei Jahre als verheiratetes Paar. Später arbeitete Ohlson als Komponist, Musiker und Musikproduzent und veröffentlichte in den 1980er Jahren zwei Studioalben.
Gaines war ein zweites Mal mit dem Niederländer und Songwriter Francis Jules verheiratet, den sie im Sommer 1990 während der Nude Tour kennenlernte.Uptown (2004), S. 122. Sie ist außerdem die Tante des US-amerikanischen R&B-Sängers Ro James.
Rosie Gaines glaubt an Reinkarnation und erklärte 1995, dass sie unter Berücksichtigung aller Leben, die sie bereits gelebt habe, „wahrscheinlich 400 bis 500 Jahre alt“ sei. Sie betrachtet ihr eigenes Lebensalter nicht im herkömmlichen Sinne und vertritt die Ansicht, dass Menschen niemals sterben.
Gesundheitliche Probleme (seit 2009) 2009 wurde Gaines nach einer selbst verabreichten Überdosis Insulin zur stationären Behandlung in eine Psychiatrie in Rotterdam eingeliefert. Sie ist Diabetikerin und leidet seit Jahren an Übergewicht. 2014 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand, und Gaines verbrachte den Großteil des Jahres in Krankenhäusern, da sie eine Insulintherapie verweigerte. Infolgedessen kam es zu Schwellungen ihrer Beine, die sich infizierten.
Neben ihren körperlichen Beschwerden beeinflussten im Laufe der Jahre auch Gaines’ psychische Probleme ihren Lebensstil. 2014 übernachtete sie gelegentlich vor dem U-Bahnhof in Bay Point (Kalifornien). Vorübergehend wohnte Gaines bei einem ihrer Brüder, ihrer Tochter Latoya und bei ihrer Mutter, die ihr Hilfe anboten, jedoch darauf bestanden, dass sie einen Arzt aufsucht. Dies lehnte sie wütend ab und verschwand. Ihre Tochter gab daraufhin eine Vermisstenanzeige auf und fand Gaines schließlich in einer Telefonzelle im Schlafanzug.
Laut Curtis Ohlson, Gaines’ erstem Ehemann, boten ihr Freunde eine Unterkunft an. Ein nicht genannter prominenter Musiker stellte ihr ein Haus in Hayward, Kalifornien, mit Klavier und Swimmingpool zur Verfügung. Gaines lehnte jedoch ab: „Ich mag Hayward nicht. Hayward ist böse.“
Die US-Sängerin Brenda Vaughn (* 1958), eine Freundin von Gaines, organisierte ihr eine Unterkunft in einem Gästehaus in Vallejo, Kalifornien, die sie ebenfalls ablehnte. Vaughn erklärte: „Sie hätte ihr eigenes Zimmer und drei Mahlzeiten pro Tag gehabt, aber sie hat psychisch nicht mitgemacht.“ Gaines wollte nur in Antioch oder Pittsburg leben. „Danach suchen wir“, ergänzte Vaughn.
Einige Musiker versuchten, Gaines zu erreichen. Da jedoch ihre Bankkonten geschlossen waren und sie weder Internet- noch Telefonanschluss besaß, „hat sie von nichts mitbekommen“. Vaughn berichtete, dass Bootsy Collins ihr für den Song Don’t Let ’Em (2002) Royaltys zukommen lassen wollte. Auch Prince habe Hilfe angeboten. mini|Luftaufnahme von der Stadt Richmond in Kalifornien, 2007 2015 lebte Gaines in einem Obdachlosenheim in Richmond, Kalifornien, wo das Personal sicherstellte, dass sie regelmäßig ihre Medikamente einnahm. Am 31. Januar 2015 fand ein Benefizkonzert zugunsten von Gaines im Musikklub Geoffrey’s Inner Circle in Oakland, Kalifornien, mit einer Kapazität von 1.255 Plätzen statt. Der Eintritt kostete je nach Kategorie 20 oder 30 US-Dollar. Moderatorinnen waren Luenell Campbell und Nikki Thomas.
Das Benefiz-Motto lautete „I Am My Sister’s Keeper“ („Ich bin der Beschützer meiner Schwester“). Das Konzert organisierte Gaines’ Freundin Brenda Vaughn, die in Oakland geboren wurde. Teilnehmer waren unter anderem D’wayne Wiggins (* 1961; † 2025) von Tony! Toni! Toné!, Otis Redding III (* 1963; † 2023) von The Reddings, Lenny Williams (* 1945) von Tower of Power, Maxine Jones (* 1962) von En Vogue und Levi Seacer Jr. (* 1961). Die Einnahmen des Konzerts sollten in ein Haus für Gaines in Pittsburg oder Antioch, Kalifornien, investiert werden, wo ihre Tochter mit ihren beiden Söhnen lebte.
Anlässlich von Prince’ Tod im April 2016 fand am 29. April im California Theatre in Pittsburg ein Tribute-Abend zu seinen Ehren statt, bei dem Gaines hätte auftreten und singen sollen. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie jedoch nicht teilnehmen; ihre Tochter Latoya vertrat sie stattdessen. Latoya Gaines erklärte, dass ihre Mutter über Prince’ Tod „am Boden zerstört“ gewesen sei.
2017 lebte Gaines im Haus ihrer Tochter. Im März kündigte Morris Hayes, ehemaliger Keyboarder in Prince’ Begleitband, die Reunion der Urformation von The New Power Generation an; Gaines konnte aufgrund gesundheitlicher Probleme aber nicht teilnehmen.
Im Oktober 2018 bestätigte Latoya Gaines, dass ihre Mutter weitere gesundheitliche Rückschläge erlitten habe und weiterhin an Diabetes sowie Depressionen leide.
Im April 2019 sammelten lokale Künstler aus Minneapolis (Minnesota) Spenden für Rosie Gaines, die weiterhin an gesundheitlichen Problemen litt. Anlass war der dritte Todestag von Prince, an dem eine viertägige Feier im Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, stattfand.
Im Oktober 2023 gab Gaines erstmals seit 2011 wieder ein Interview und berichtete, dass sie mittlerweile in Richmond, Kalifornien, lebe. Sie bedankte sich für die „Unterstützung im Laufe der Jahre“. Ihre Tochter, die ebenfalls anwesend war, fügte hinzu, ihre Mutter freue sich, nun „ein normaler Mensch zu sein“ und es gehe ihr „viel besser“. Dennoch benötige „die Heilung Zeit“, weshalb sie nicht in die Musikbranche zurückkehren werde.
Karriere Musikalische Anfänge mini|Aretha Franklin hatte musikalischen Einfluss auf Rosie Gaines Gaines’ musikalische Entwicklung begann in ihrer Kindheit: Ihre Mutter hörte Blues, Country und R&B, ihr Vater bevorzugte Funk. Als Einflüsse in ihrer eigenen Musik nennt Gaines Aretha Franklin, Bessie Smith, Billie Holiday, Chaka Khan, Ella Fitzgerald und Tina Turner. Darüber hinaus wurde sie von Bob Marley, Charlie Parker, Curtis Mayfield, Donny Hathaway, Duke Ellington, George Clinton und Stevie Wonder inspiriert. Ihr Keyboard-Spiel ist stark von Kirchenmusik geprägt. Noten kann Gaines nicht lesen.Uptown (2004), S. 110.
Ursprünglich wollte Gaines Musikerin werden. Als Kind erhielt sie von ihrer Mutter eine kleine Orgel und zugleich Förderung für ihren Gesang. Bereits im Alter von vier Jahren hatte sie ihren ersten Liveauftritt im Cotton Club in Pittsburg (Kalifornien). Ab diesem Zeitpunkt wusste sie, dass sie ihr Leben der Musik widmen wollte. Mit fünf Jahren spielte und sang sie in der Familienband Unity: Ihr Bruder Carl spielte E-Bass, ihre Schwester Mal Schlagzeug, ihr Cousin Gitarre, ihre Schwägerin übernahm die Backing Vocals. Unity spielte Funk und Soul, veröffentlichte jedoch keine Alben oder Songs. Als Teenager war Gaines zudem Mitglied der Bands A Touch of Class, Flash und The Oasis.
Anfang der 1980er Jahre war Don Cornelius Gaines’ Musikmanager. In dieser Zeit arbeitete sie unter anderem mit The Whispers zusammen, konzentrierte sich jedoch hauptsächlich auf Auftritte als Solosängerin in Musikklubs Nordkaliforniens.
1985 unterzeichnete Gaines einen Schallplattenvertrag bei Epic Records und veröffentlichte ihr Debütalbum Caring, das kommerziell nicht erfolgreich war. Auf dem Album wirkten unter anderem Dann Huff, Greg Phillinganes, Paulinho da Costa, Altsaxophonist Marc Russo von den Yellowjackets, Wilton Felder sowie E-Gitarrist Levi Seacer Jr. mit. Produzenten und Arrangeure waren Gaines’ erster Ehemann Curtis Ohlson und Don Cornelius.
Ihr zweites Studioalbum No Sweeter Love sollte ursprünglich 1987 bei Epic Records erscheinen. Das bereits fertiggestellte Album wurde jedoch nicht veröffentlicht, und die Single Crazy wurde nach anfänglicher Verfügbarkeit zurückgezogen. Gründe für die Zurückhaltung wurden nicht öffentlich bekannt. Erst 2000 erschien das Album schließlich bei Expansion Records.
Für Curtis Ohlsons Debütalbum So Fast (1987) schrieb Gaines den Song You und übernahm den Hauptgesang im Titelsong. Auch auf Ohlsons zweitem Album Better Than Ever (1989) wirkte sie mit und sang unter anderem den Hauptpart im Stück A Thousand Years.
Zusammenarbeit mit Prince (1989–1992) mini|Levi Seacer Jr., 1993 Mitte Dezember 1989 lud Levi Seacer Jr. Gaines nach Chanhassen in Minnesota in Prince’ Paisley Park Studio ein. Seacer, mittlerweile Gitarrist in Prince’ Begleitband, kannte Gaines von den Aufnahmen ihres Debütalbums Caring (1985). Gaines sollte den von Prince geschriebenen Song I Want U einsingen, den Seacer ursprünglich für The Pointer Sisters produziert hatte. Seacer arrangierte zudem ein Treffen zwischen Gaines und Prince: „Ich überzeugte Prince davon, dass er sich von ihr What’s Going On von Marvin Gaye anhören sollte. Er konnte nicht glauben, was er hörte“, erinnerte sich Seacer.Jones (1997), S. 171. Prince fragte Gaines, ob sie seiner neu zusammengestellten Begleitband beitreten wolle. Gaines wollte zunächst als Solokünstlerin arbeiten,Jones (1997), S. 172. worauf Prince antwortete: „Nimm bei uns teil und ich werde dann mit dir eine Platte aufnehmen.“Ro (2011), S. 195. Sie willigte ein und wurde als Sängerin und Keyboarderin für die Nude Tour im Sommer 1990 engagiert.
Gaines fühlte sich in der Begleitband zunächst unwohl: Im Tourbus war sie die einzige Frau und verbrachte die meiste Zeit nach den Konzerten oft allein. Sie empfand, dass einige Bandmitglieder auf sie neidisch waren, da sie als Sängerin eine prominente Rolle auf der Nude Tour innehatte. Zudem wurde sie wegen ihres Übergewichts gehänselt. Nachdem Gaines drohte, die Tour zu verlassen, reagierte Prince: Sie konnte nun gemeinsam mit Mavis Staples, die im europäischen Teil der Tour als Vorprogramm auftrat, in einem separaten Bus reisen.Uptown (2004), S. 113.
Im Sommer 1990 begann Prince mit den Aufnahmen für Gaines’ Album, das er ihr versprochen hatte. Es sollte den Titel Concrete Jungle tragen, und einige Songs nahm er in London auf.Uptown (2004), S. 114. Anfang Dezember 1990 wurde Gaines in Prince’ neue Begleitband The New Power Generation integriert.Uptown (2004), S. 119.