Nikitowka (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.
Geographische Lage Nikitowka liegt drei Kilometer nördlich der früheren Kreisstadt Dobrowolsk (Pillkallen/Schloßberg) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508). Bis zur Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) sind es 16 Kilometer. In Nikitowka zweigt die Kommunalstraße 27K-299 ab, die über Prawdino (Grumbkowkeiten/Grumbkowsfelde) nach Leskowo (Rammonischken/Hagenfließ) an der Regionalstraße 27A-026 (ex R511) führt. Bis 1945 war der Ort Bahnstation an der Bahnstrecke Pillkallen–Lasdehnen (Schloßberg–Haselberg) der Pillkaller Kleinbahn.
Geschichte mini|Die (Land)gemeinde Uszpiaunen (Uschpiaunen, Kiesdorf) auf Messtischblättern von 1931/1936/1938 Uschpiawne wurde vor 1540 durch Abtrennung vom damaligen Schloßbergk gebildet.Erwin Spehr: Aus der Geschichte des Kreises Schloßberg (Pillkallen), auf wiki.genealogy.net Um 1780 bestand Uschpiaunen aus einem melierten Dorf und einem königlichen Amtsvorwerk. Gleichzeitig war der Ort Sitz eines Domänenamtes.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 173. 1874 wurde Uszpiaunen Namensgeber eines neu gebildeten Amtsbezirks im Kreis Pillkallen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Kiesdorf (Ostpr.)1111 Zu diesem gehörten (u. a.) die Landgemeinde Uszpiaunen und der Gutsbezirk Uszpiaunen (Domäne). Zum Gut Uszpiaunen gehörte auch das sechs Kilometer südöstlich gelegene Vorwerk Lobingen (nach 1938 Loben, nicht mehr existent). 1928 wurde der Gutsbezirk Uszpiaunen in die Landgemeinde Uszpiaunen eingegliedert, allerdings ohne das Vorwerk Lobingen, das zur Landgemeinde Schaaren kam. Seit 1936 schrieb man offiziell (wieder) Uschpiaunen. 1938 wurde der Ort in Kiesdorf (Ostpr.) umbenannt.
Im Jahre 1945 kam der Ort in Folge des Zweiten Weltkriegs mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahre 1947 erhielt er die russische Bezeichnung Nikitowka und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Nowouralski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk eingeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) Später gelangte der Ort in den Prawdinski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte Nikitowka zur Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 681 in der Landgemeinde 474, im Gutsbezirk 207 1871 627 in der Landgemeinde 433, im Gutsbezirk 194, davon im Vorwerk Lobingen 22 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 810 in der Landgemeinde 563, im Gutsbezirk 247, davon im Vorwerk Lobingen 46 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 942 in der Landgemeinde 698, im Gutsbezirk 244, davon im Vorwerk Lobingen 39 1910 900 in der Landgemeinde 701, im Gutsbezirk 199 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 887 1939 868 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-046 ~ 210 2002Allrussische Volkszählung von 2002 181 2010Allrussische Volkszählung von 2010 170 2021Allrussische Volkszählung von 2021 122
Amtsbezirk Uszpiaunen/Kiesdorf (1874–1945) Der Amtsbezirk Uszpiaunen wurde 1874 im Kreis Pillkallen eingerichtet. Zunächst gehörten ihm sieben Landgemeinden (LG) und drei Gutsbezirke (GB) an.
Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Jutschen (LG) Weidenbruch Welikolukskoje Karczarningken (LG) Blumenfeld (1929) Schelesnodoroschnoje Laschen (LG) Ossienen (LG) Ossen 1928 zur LG Schaaren Paslöpen (GB) 1928 in die Stadt Pillkallen eingegliedert Petereitschen (LG) Petershausen (Ostpr.) Schaaren (GB) Scharen Schtschedrino seit 1928 LG Szameitkehmen Lindenhaus Bolotnikowo 1936–1938: Schameitkehmen Uszpiaunen (LG) Kiesdorf (Ostpr.) Nikitowka 1936–1938: Uschpiaunen Uszpiaunen, Domäne (GB) 1928 zur LG Uszpiaunen
1935 wurden die Landgemeinden in Gemeinden umbenannt. 1936 wurde die Schreibweise des Amtsbezirks in Uschpiaunen geändert. Seit 1938 oder 1939 hieß der Amtsbezirk Kiesdorf (Ostpr.). Ihn bildeten am 1. Januar 1945 die Gemeinden Blumenfeld, Kiesdorf (Ostpr.), Laschen, Lindenhaus, Petershausen, Scharen und Weidenbruch.
Kirche Mehrheitlich war die Bevölkerung Uszpiaunens bzw. Kiesdorfs vor 1945 evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel der Kirche Pillkallen eingepfarrt und gehörte somit zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Nikitowka im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Babuschkino (Groß Degesen), die zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.
Weblinks Nikitowka bei bankgorodov.ru Nikitowka bei prussia39.ru Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Kiesdorf (Ostpr.)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk