mini|Hans-Thomas Tillschneider (2014) Hans-Thomas Tillschneider (* 5. Februar 1978 in Timișoara, Rumänien) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker (AfD). Seit März 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und kulturpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion.Kultur – die neue Kampfzone. Das Erste, Titel, thesen, temperamente, 2017So sieht die Kulturpolitik der AfD aus. Bayerischer Rundfunk, 10. Juli 2019 Er ist seit 2020 stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt und seit 2021 auch 2. stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Tillschneider galt als Akteur des formal aufgelösten rechtsextremen Flügels seiner Partei und war Sprecher der ebenfalls aufgelösten Patriotischen Plattform der AfD. Tillschneider hat enge Kontakte zur rechtsextremen Identitären BewegungLea Frehse, Paul Middelhoff: Die Gewaltorientierung wächst. In: Zeit Online, 4. April 2018, abgerufen am 16. August 2018. und ist Mitbegründer des IB-nahen Kampagnennetzwerks Ein Prozent für unser Land. Er kooperiert eng mit dem Institut für Staatspolitik und dem Monatsmagazin Compact, die beide auch an Ein Prozent beteiligt sind.Henrik Merker: AfD in Schnellroda: Auf ein Bier mit Identitären. Störungsmelder, 21. September 2019.Rainer Roeser: Manna für „Flügel“-Fans. Blick nach Rechts, 29. Januar 2020.Alexander Schierholz: Rechtsextreme Verfassungsschutz sieht „Institut für Staatspolitik“ als Verdachtsfall. In: Mitteldeutsche Zeitung, 24. April 2020. Entsprechend wird er der „Neuen Rechten“ zugeordnet. Am 13. Februar 2020 wurde bekannt, dass er – neben Björn Höcke und Andreas Kalbitz – seit Jahresbeginn vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Leben Kindheit und Jugend Tillschneider wurde 1978 als Rumäniendeutscher (Banater Schwabe) in Timișoara im westlichen Rumänien, dem Zentrum des Banats, geboren. Die Familie floh in den frühen 1980er-Jahren nach Jugoslawien und von dort in die Bundesrepublik. Tillschneiders Vater war Leiter einer Kolchose. Über Kontakte zum Geheimdienst Securitate erhielt er Hinweise, wann die Grenze unbewacht sein würde. Tillschneider wuchs im baden-württembergischen Freudenstadt auf, besuchte das dortige Kepler-Gymnasium und legte 1997 das Abitur ab. Beim Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg von 1997 gehörte er zu den Preisträgern., landeswettbewerb-deutsch.de, abgerufen am 8. August 2016.
Ausbildung und akademische Laufbahn Nach einem Urlaub in Tunesien begann sich Tillschneider für den Islam zu interessieren. Ab 1998 studierte er Islamwissenschaften, Philosophie und Deutsche Literaturgeschichte an den Universitäten in Freiburg im Breisgau und Leipzig sowie 2000/2001Hans-Thomas Tillschneider, afd-lsa.de, abgerufen am 20. März 2016. in Damaskus und beendete das Studium 2004 als Magister Artium (M.A.). In einem Podcast der Generation Deutschland Sachsen-Anhalt erklärte er, dass er zwar "de facto" Arabistik studiert habe, gleichzeitig legte er dar, dass es sich dabei lediglich um ein Studium Generale gehandelt habe. Seine Arbeit Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) wurde u. a. im Journal of the American Oriental Society überwiegend positiv aufgenommen.Ahmed El Shamsy: Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) im frühen Islam. Arbeitsmaterialien zum Orient, 20 by Hans-Thomas Tillschneider. In: Journal of the American Oriental Society, 129 (2009) 3, S. 522–525. Der Islamwissenschaftler Jens Scheiner bemerkte in einer Rezension für Sehepunkte: „Tillschneider ist es gelungen, eine bisher kaum untersuchte Methode der juristischen Hermeneutik, die 'āmm/ḫāṣṣ-Exegese, dem Fachleser auf exzellente Weise näherzubringen und durch seine These, der zufolge diese Exegesemethode entscheidende Anstöße zur Entwicklung der uṣūl al-fiqh gegeben hat, die Forschung zur Entstehung des frühislamischen Rechts ein gutes Stück voranzubringen.“Jens Scheiner: Hans-Thomas Tillschneider: Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) im frühen Islam. Sehepunkte, Ausgabe 9 (2009), Nr. 10.
2005 begann er als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes eine Promotion an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Thema Die Offenbarungsanlässe (asbāb an nuzūl) im klassischen und modernen Islam. 2009 wurde er beim Islamwissenschaftler Ulrich Rebstock an der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg zum Dr. phil. promoviert. Die überarbeitete Fassung seiner Dissertation – 2011 erschienen als Monografie – wurde in Fachrezensionen positiv bewertet.Gabriel Said Reynolds: Typen historisch-exegetischer Überlieferung: Formen, Funktionen und Genese des asbāb an-nuzūl-Materials by Hans-Thomas Tillschneider. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies 76 (2013) 1, S. 120–122.Dirk Hartwig: Hans-Thomas Tillschneider: Typen historisch-exegetischer Überlieferung: Formen, Funktionen und Genese des asbāb an-nuzūl-Materials. In: Der Islam 93 (2016) 1, S. 332–346, doi:10.1515/islam-2016-0030.
Anschließend war er Postdoktorand im ERC-Projekt „Islamic Law Materialized“ am Institut de recherche et d’histoire des textes (IRHT) des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris. Von 2010 bis Ende Juli 2016 war Tillschneider Akademischer Rat auf Zeit am Lehrstuhl für Islamwissenschaft (Professur Rainer Oßwald) an der Sprach- und Literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth., Universität Bayreuth, abgerufen am 29. Juni 2015 (PDF-Datei)., abgerufen am 10. August 2016.
Zurzeit ruht seine universitäre Tätigkeit wegen des Landtagsmandats.Ralf Pauli: Rechte Hochschuldozenten. Dürfen sie so etwas twittern? In: die tageszeitung, 1. August 2016, S. 4.Olaf Przybilla: Bayreuth. AfD-Politiker soll Uni-Job aufgeben. In: Süddeutsche Zeitung, 16. März 2016, S. R17.
Weiteres Tillschneider ist konfessionslos und Vater. Seit 2015 lebt er in Sachsen-Anhalt.
Am 12. Februar 2020 wurde bekannt, dass seine außerparlamentarischen Aktivitäten ab sofort vom Verfassungsschutz beobachtet werden.zu radikal auf www.zeit.de, abgerufen am 13. Februar 2020
Politische Tätigkeit Partei Tillschneider, der 1996 der FDP angehörte, ist seit 2013 Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD); er gehörte 2014/2015 dem Landesvorstand der AfD Sachsen an.Hagen Eichler: AfD setzt auf das Thema Asyl. In: Volksstimme. 28. September 2015.Kai Kollenberg: Parteitag in Zwickau: Familie steht im Zentrum des Wahlkampfes. In: Leipziger Volkszeitung. 3. März 2014, S. 5. Von Seiten der Leipziger AfD-Geschäftsstelle wurden seine Funktionen als „Vorstandsmitglied, Schriftführer, Programmkommission“ ausgewiesen. So trägt er auch Mitverantwortung für das interne Papier „AfD Sachsen – Kernforderungen der AG Familie, Bildung, Hochschule, Wissenschaft“.Andreas Kemper: Keimzelle der Nation – Teil 2: Wie sich in Europa Parteien und Bewegungen für konservative Familienwerte, gegen Toleranz und Vielfalt und gegen eine progressive Geschlechterpolitik radikalisieren. Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft, Berlin 2014, S. 49. Darüber hinaus war Tillschneider Gründer des Arbeitskreises Islam.Eva Marie Kogel: Korankritik: Darf man behaupten, Allah sei gar nicht so groß? In: Die Welt. 28. März 2014, Nr. 74, S. 21. Im September 2015 kandidierte er, mittlerweile in Sachsen-Anhalt aktiv, erfolglosAlexander Schierholz: AfD in Sachsen-Anhalt: Harte Linie gegen Flüchtlinge. In: Mitteldeutsche Zeitung. 27. September 2015, abgerufen am 16. Juni 2021. beim Landesparteitag der AfD Sachsen-Anhalt in Güsten für das Amt des Schriftführers und des Beisitzers im Landesvorstand.Rainer Roeser: AfD Sachsen-Anhalt: Mit rechten Parolen in den Landtag. In: Blick nach Rechts. 28. September 2015.
Außerdem war er Mitglied der völkischen Patriotischen Plattform (PP).vgl. Oskar Niedermayer: Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland. In: Ders. (Hrsg.): Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013. Springer, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-02852-7. S. 175–207, hier: S. 204; Alexander Häusler: Die AfD. Partei des rechten Wutbürgertums am Scheideweg (= Expertisen für Demokratie. 1/2015). Friedrich-Ebert-Stiftung, FORUM BERLIN, Berlin 2015, ISBN 978-3-95861-163-4, S. 7; Gudrun Hentges: Sarrazins Erben: Ressentiments von PEGIDA und AfD finden sich schon beim Ex-Finanzsenator. In: ROSALUX. Journal der Rosa Luxemburg Stiftung. Ausgabe 1/2015, 20 f.; Alexander Hensel, Lars Geiges, Robert Pausch, Julika Förster: Die AfD vor den Landtagswahlen 2016. Programme, Profile und Potenziale (= OBS-Arbeitspapier. 20). Ein Projekt der Otto Brenner Stiftung, Frankfurt am Main 2016, S. 14.Siehe auch: „Patriotischen Plattform, die durch ultrarechte stark ins Völkische abdriftende Positionen und vor allem durch Islamhass auffällt“ bei Michael Lühmann: Meinungskampf von rechts Über Ideologie, Programmatik und Netzwerke konservativer Christen, neurechter Medien und der AfD. Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, Dresden 2016, ISBN 978-3-946541-02-8, S. 24.Lars Geiges, Stine Marg, Franz Walter: Pegida. Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft? (= X-Texte). Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3192-0, S. 159. Die PP wurde maßgeblich von Mitgliedern des sächsischen AfD-Landesverbandes initiiert; Tillschneider tritt öffentlich als „deren Sprecher“ in ErscheinungAlexander Häusler, Rainer Roeser: Die rechten ›Mut‹-Bürger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der »Alternative für Deutschland«. VSA, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89965-640-4, S. 104; ders.: Die »Alternative für Deutschland« – eine Antwort auf die rechtspopulistische Lücke? In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 108. – er gilt als Vorsitzender bzw. Leiter der Vereinigung.Alexander Häusler, Rainer Roeser: „Erfurt ist schön deutsch – und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“ Das politische Erscheinungsbild der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Thüringen. Hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Thüringen, Erfurt 2015, ISBN 978-3-95861-322-5, S. 38. Der Politikwissenschaftler Hajo Funke bezeichnet die PP als „Kampfverband zur Durchsetzung rechtsradikaler Positionen in der AfD“;Hajo Funke (unter Mitarbeit von Ralph Gabriel): Von Wutbürgern und Brandstiftern. AfD – Pegida – Gewaltnetze. vbb, Berlin 2016, ISBN 978-3-945256-64-0, S. 129. Verfassungsschützern verschiedener Bundesländer fiel die PP durch „rechtsextreme Positionen“ ähnlich der der „Identitären Bewegung“ auf.„Patriotische Plattform“. Verfassungsschutz nimmt AfD-Gruppe ins Visier. In: Der Spiegel vom 2. Juni 2017. Die Ablehnung des Aufnahmeantrags des Verlegers Götz Kubitschek und dessen Frau Ellen Kositza in die AfD durch den Bundesvorstand wurde von Tillschneider in seiner Funktion als Vorstand der PP öffentlich kritisiert.Gudrun Hentges: Sarrazins Erben: Ressentiments von PEGIDA und AfD finden sich schon beim Ex-Finanzsenator. In: ROSALUX. Journal der Rosa Luxemburg Stiftung. Ausgabe 1/2015, 20 f.Andreas Kemper: „… die neurotische Phase überwinden, in der wir uns seit siebzig Jahren befinden“. Die Differenz von Konservativismus und Faschismus am Beispiel der „historischen Mission“ Björn Höckes (AfD). Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, Jena 2015, S. 44 ().