mini|Villa Sieskind, ehemaliger Sitz der Theaterhochschule „Hans Otto“ (heute in Privatbesitz der GRK Holding) Die Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig war eine Theaterhochschule in Leipzig, die von 1953 bis 1992 bestand.
Geschichte Die Theaterhochschule Leipzig ging am 1. November 1953 aus dem Zusammenschluss des Deutschen Theater-Instituts Weimar, als dessen Nachfolgeeinrichtung sie sich verstand, mit der Theaterschule Leipzig hervor. Erster Rektor war der ehemalige Weimarer Institutschef Otto Lang.Manfred Pauli: Ein Theaterimperium an der Pleiße. Leipziger Theater zu DDR-Zeiten. Schkeuditzer Buchverlag Schkeuditz 2004, ISBN 3-935530-29-3, S. 200 Im Jahr 1967 erhielt die Theaterhochschule den Namen Theaterhochschule Hans Otto nach dem 1933 von den Nationalsozialisten ermordeten Schauspieler Hans Otto. Die Hochschule residierte in der Villa Sieskind in der Wächterstraße 15 im Leipziger MusikviertelHella Gormsen: Leipziger Spaziergänge. Musikviertel. Lehmstedt Verlag, Leipzig 2022, ISBN 978-3-95797-121-0, S. 28. sowie in benachbarten Gebäuden in der Beethovenstraße 15 und der Schwägrichenstraße 3.
Auch programmatisch begriff sie sich – insbesondere durch die Pflege des schauspielmethodischen und theoretischen Erbes von K. S. Stanislawski – als direkte Nachfolgerin des Weimarer Instituts. Erst gegen Ende der 1960er Jahre kam die Berufung auf die Schauspieltheorie Bertolt Brechts hinzu. Maßgeblichen Anteil an der Korrektur der ideologischen Vorbehalte gegen Brechts Methodik hatte der Schauspiellehrer Rudolf Penka, Absolvent und Mitarbeiter des Weimarer Instituts und seit den 1960er Jahren an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst tätig.Rudolf Penka: Arbeitserfahrungen mit Stanislawski und Brecht. In: Schauspielen - Handbuch der Schauspieler-Ausbildung. Henschelverlag Berlin 1981, S. 38
1964 wurde die Schauspielausbildung an der Leipziger Theaterhochschule von drei auf vier Jahre verlängert. Zugleich wurde ein Studiosystem ins Leben gerufen, das den Studenten nach Abschluss des zweijährigen Grundstudiums die Möglichkeit bot, bereits Praxiserfahrung am Theater zu sammeln. Sie erhielten weiterhin Unterricht in den technischen Fächern (beispielsweise Sprechen und Bewegung), waren jedoch zugleich in den Repertoire-Betrieb des jeweiligen Theaters integriert und produzierten eigene Studio-Inszenierungen. Das Studiosystem war damals einmalig an deutschsprachigen Schauspielschulen und wurde an den Staats- und Stadttheatern Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt, zeitweilig auch Magdeburg, Weimar und Halle praktiziert. Das Schauspiel-Studium wurde mit einem Diplom abgeschlossen.
Zum spezifischen Profil der Theaterhochschule ‚Hans Otto‘ zählte die enge Verknüpfung von künstlerisch-praktischer und wissenschaftlich-theoretischer Ausbildung. In den frühen 1970er Jahren wurde die Abteilung Choreografie gegründet, die bis zum Ende der Theaterhochschule bestand. Zudem bot die Hochschule einen vierjährigen, seit 1975 fünfjährigen Studiengang der Theaterwissenschaft mit Diplomabschluss an. Leitende Professoren waren u. a. Armin-Gerd Kuckhoff, Rolf Rohmer, Gottfried Fischborn, Eckart Kröplin, Wolfgang Kröplin, Manfred Pauli, Gerda Baumbach und Rudolf Münz. Seit 1960 wurden auch Fernstudiengänge angeboten, die vor allem Theaterpraktikern die Möglichkeit boten, eine wissenschaftliche Qualifikation zu erwerben.Manfred Pauli: Ein Theaterimperium an der Pleiße. Leipziger Theater zu DDR-Zeiten. Schkeuditzer Buchverlag Schkeuditz 2004, ISBN 3-935530-29-3, S. 202 ff
Das Sächsische Hochschulstrukturgesetz vom 10. April 1992 löste die Theaterhochschule „Hans Otto“ zum 30. September 1992 auf. Das Schauspiel wurde als Fachbereich an die Hochschule für Musik und Theater (HMT) „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig angegliedert, die Theaterwissenschaft als neu gegründetes Institut für Theaterwissenschaft an die Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig. Der Fachbereich Choreografie wurde aufgelöst, das theaterwissenschaftliche Fernstudium noch bis zum 31. Dezember 1996 abschließend weitergeführt.
2009 wurde die Fachrichtung Schauspiel der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig zum Schauspielinstitut „Hans Otto“ umbenannt.
Rektoren Rektoren waren: 1953–1958: Otto Lang (1906–1984) 1958–1961: Karl Eggstein 1961–1969: Armin-Gerd Kuckhoff (1912–2002) 1969–1982: Rolf Rohmer (1930–2019) 1982–1990: Rudolf Münz (1931–2008)
Bekannte Professoren und Hochschullehrer
Wolfgang Fleischmann (* 1936), Professor für Schauspiel Gottfried Fischborn (1936–2020), Professor für Dramaturgie und Theatergeschichte Peter Förster (1939–2018), Professor für Schauspiel, langjährig Leiter der Schauspielabteilung Margrit Glaser (1906–1977), Professorin für Schauspiel; 1956–1958 künstlerische Leiterin der Staatlichen Schauspielschule Berlin (heute: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) Peter Mario Grau (* 1955), Dozent für Schauspiel Jens-Uwe Günther (* 1937), Dozent für Musikerziehung; Komponist Maik Hamburger (1931–2020), zeitweilig Gastprofessor Peter Herrmann (1941–2015), Musikdozent, Komponist; später Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und 1984–87 deren Rektor Dieter Hoffmeier (1932–2023), Professor für Theatergeschichte Eckart Kröplin (* 1943), Professor für Theorie und Geschichte des Musiktheaters Wolfgang Kröplin (* 1941), Dozent für Drama und Theater Osteuropas; Leipziger Chefdramaturg Armin-Gerd Kuckhoff (1912–2002), Professor für Dramaturgie, 1961–69 Rektor der Hochschule Gerhard Neubauer (* 1939), Professor für Schauspiel Rudi Penka (1923–1990), Professor für Schauspiel, Leiter der Schauspielabteilung; 1962–1975 Direktor der Schauspielschule Berlin (später Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin) Rolf Rohmer (1930–2019), Professor für Theatergeschichte, 1969–82 Rektor der Hochschule Tom Schilling (1928–2026), Choreograph, Professur für Choreographie (ab 1986) Erika Stephan (1929–2018), Dozentin für Inszenierungsanalyse und Theaterkritik
→ Weitere bekannte Professoren
Bekannte Absolventen (alphabetische Reihenfolge) 1983: Thomas Bading (* 1959), Schauspieler und Theaterregisseur 1973: Gerda Baumbach (* 1950), Theaterwissenschaftlerin, Universitätsprofessorin 1961: Dieter Bellmann (1940–2017), Schauspieler und Regisseur 1968: Heinz-Martin Benecke (* 1938), Schauspieler und Autor Astrid Bless (1944–2009), Schauspielerin und Kabarettistin Sarah Bonitz (* 1988), Schauspielerin 1980: Dagmar Borrmann (* 1955), Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin Thomas Büchel (* 1965), Schauspieler 1980: Ulrich Burkhardt (1951–1997), Dramaturg, Intendant des Meininger Theaters 1988: Olaf Burmeister (* 1960), Schauspieler Alexander Darkow (* 1980), Schauspieler Hendrik Duryn (* 1967), Schauspieler 1977: Uta Eisold (* 1954), Schauspielerin und Regisseurin 1965: Peter Ensikat (1941–2013), Schriftsteller und Kabarettist, Künstlerischer Leiter der Berliner Distel Eberhard Esche (1933–2006), Schauspieler 1965: Günter Falkenau (1938–2004), Schauspieler und Regisseur 1963: Klaus Fiedler (1938–2013), Theaterregisseur 1959: Gottfried Fischborn (1936–2020), Theaterwissenschaftler und Hochschulprofessor 1965: Peter Förster (* 1939), Regisseur, langjährig Leiter der Schauspielabteilung 1955: Werner Freese (1931–1982), Regisseur, Schauspieldirektor und Dozent 1951: Hannelore Freudenberger (* 1929), Schauspielerin Renate Geißler (* 1940), Schauspielerin Detlef Gieß (* 1951), Schauspieler und Synchronsprecher 1957: Hans Jochen Genzel (* 1935), Chefdramaturg der Komischen Oper Berlin 1980: Lutz Graf, Regisseur Jethro D. Gründer (* 1958), Schauspieler, Autor und Regisseur, Künstlerischer Leiter des Freien Eisenacher Burgtheaters 1981: Gerhard Hähndel (* 1956), Schauspieler 1954: Gert Hänsch, (1922–1984), Schauspieler Sebastian Hartmann (* 1968), Theaterregisseur, ehemaliger Intendant des Schauspiels Leipzig 1978: Uwe Heinrich, Schauspieler 1973: Regine Heintze (* 1950 ?), Schauspielerin und Regisseurin 1981: Astrid Höschel (* 1957), Schauspielerin, Dozentin 1958: Christel Hoffmann (* 1936), Theaterwissenschaftlerin Dieter Hoffmeier (1932–2023), Theaterwissenschaftler und Hochschulprofessor 1979: Karl Ernst Horbol (* 1953), Schauspieler und Autor Susanne Hoss (* 1968), Schauspielerin 1970: Dietmar Huhn (* 1944), Schauspieler 1974: Matthias Hummitzsch (* 1949), Schauspieler Julia Jäger (* 1970), Schauspielerin 1966: Hans-Peter Jantzen (* 1944), Schauspieler 1994: Jan Jochymski (* 1969), Theaterregisseur Joachim John (1933–2018), Maler, Grafiker und Autor Rüdiger Joswig (* 1949), Schauspieler und Synchronsprecher Sonja Kehler (1933–2016), Schauspielerin und Diseuse 1990: Petra Kleinert (* 1967), Schauspielerin Volkmar Kleinert (* 1938), Schauspieler, Sprecher und Dramaturg Freya Klier (* 1950), Autorin und Regisseurin Alexander Kerbst (* 1964), Musicaldarsteller und Schauspieler 1966: Hans-Peter Körner (* 1943), Schauspieler und Kabarettist 1971: Michael Krieg-Helbig (* 1945), Schauspieler Wolfgang Kröplin (* 1941), Theaterwissenschaftler, Leipziger Chefdramaturg 1974: Isolde Kühn (1953–2014), Schauspielerin 1957: Harry Kupfer (1935–2019), Opernregisseur, Nationalpreis 1. Klasse der DDR 1993: Bettina Jahnke (* 1963), Theaterwissenschaftlerin, Regisseurin, Intendantin 1992: Guido Lambrecht (* 1968), Theater- und Filmschauspieler Thomas Langhoff (1938–2012), Theaterregisseur, Intendant des Deutschen Theaters Berlin 1977: Jürgen Leskien (* 1939), Schriftsteller, Dramaturg und Entwicklungshelfer 1965: Christel Leuner (1944–2025), Schauspielerin 1972: Claudia Loerding (* 1950), Schauspielerin 1973: Ute Lubosch (* 1953), Schauspielerin, Dozentin, Regisseurin 1952: Hans Dieter Mäde (1930–2009), Dresdener Generalintendant; Generaldirektor der DEFA 1957: Hans-Diether Meves (1933–2010), Regisseur am DT Berlin, von 1968 bis zum erzwungenen Rücktritt 1972 Magdeburger Generalintendant Steven Merting (* 1970), Schauspieler Ronny Miersch (* 1985), Schauspieler Hans-Peter Minetti (1926–2006), Schauspieler; Präsident des Verbandes der Theaterschaffenden der DDR 1964: Udo Molkentin (1936–2026), Schauspieler 1979: Ulrich Mühe (1953–2007), Film- und Theaterschauspieler, Oscarpreisträger 1984: Heike Müller-Merten (* 1961), Chefdramaturgin in Dresden, Leipzig, Graz 1975: Regina Nitzsche (* 1951), Schauspielerin 1983: Jochen Noch (* 1956), Theater- und Filmschauspieler, Direktor der Otto-Falckenberg-Schule an den Münchener Kammerspielen 1977: Ralf Novak (* 1952), Schauspieler 1967: Wolfgang Pampel (* 1945), Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher 1968: Siegfried Pappelbaum (1937–2020), Schauspieler 1983: Tom Pauls (* 1959), Schauspieler und Kabarettist Irina Pauls (* 1961), Choreographin 1956: Klaus Pfützner (1929–2007), Theaterwissenschaftler, Dramaturg, 1. Sekretär des Theaterverbandes der DDR 1956: Klaus Piontek (1935–1998), Schauspieler 1959: Otti Planerer (* 1938 ?), Schauspielerin Klaus Pönitz (1940–2005), Fernsehschauspieler, Grimmepreisträger 1984: Frauke Poolman (* 1961), Schauspielerin 1980: Wolf-Dietrich Rammler (* 1952), Schauspieler, Hochschullehrer, Professor für Schauspiel 1972: Peter Rauch (* 1947), Schauspieler Peter Reinhardt, Schauspieler und Synchronsprecher, Vorstandsvorsitzender des Interessenverbands der Synchronschauspieler 1985: Arne Retzlaff (* 1960), Regisseur, Schauspieldirektor und Autor Gottfried Richter (* 1947), Schauspieler Falk Rockstroh (* 1958), Theater- und Filmschauspieler Günther Rücker (1924–2008), Erzähler, Dramatiker und Regisseur Udo Schenk (* 1953), Schauspieler und Synchronsprecher 1965: Klaus Schleiff (1939–2022), Schauspieler und Regisseur Erich Schleyer (1940–2021), Drehbuchautor, Moderator, Schauspieler, Fotokünstler, Journalist und Kinderbuchautor Andreas Schmidt-Schaller (* 1945), Schauspieler Claudia Schmutzler (* 1966), Schauspielerin