mini|Johannes Obernburgers Unterschrift (hier im Adelsbrief für Peter Apian)HStA München, Adels- und Wappenbriefe 21, Ausschnitt. mini|Notariatssignet von Johannes Obernburger 1532. Die Abkürzungen lauten aufgelöst: Kl[eriker] D[iözese] Mainz, p[äpstlicher] u[nd] k[aiserlicher] N[otar].Elfriede Kern: Notare und Notarssignete vom Mittelalter bis zum Jahr 1600, München 2008, S. 496. mini|„Prachtwappen des einst höchst verdienstvollen kaiserlichen Rats und Sekretärs Johannes Obernburger aus dem Jahr 1537“.Vatikanische Apostolische Bibliothek: Cod. Pal. lat. fol. k,v. Übersetzung: Günther Koch Johannes Obernburger, auch Johannes Schmidt, auch Smydt, auch Faber, genannt ObernburgerEva M. Schlicht: Des Kaisers Carolus V. Secretarius und Geheimschreiber, Frankenland online, Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege, Frankenbund, 1992, S. 182–187, (* 1486Koch Aschaffenburg 2022, S. 15 in Obernburg am Main; † 21. Juni 1552Der Zeitzeuge und Gesandte Florian Graseck schrieb am 7. Juli 1552 an seinen Herzog Christoph von Württemberg, dass Obernburger am 21. Juni 1552 abends um 8 Uhr in seiner Herberge in Villach durch einen Sturz von einem begehbaren Dach tödlich verunglückt ist. Siehe: Ernst: Briefwechsel, Stuttgart 1899, S. 696. in Villach) war Mainzer Kleriker, oberster Sekretär in der Hofkanzlei Kaiser Karls V., kaiserlicher und päpstlicher Notar sowie Propst im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main. Als Dolmetscher und Übersetzer in Deutsch, Latein und Französisch für die deutschen Angelegenheiten stand Obernburger dem Kaiser sehr nahe.
Er ist einer der drei Obernburger, die im 16. Jahrhundert in kurmainzischen und kaiserlichen Diensten standen. Dazu gehören sein Bruder Peter Obernburger und dessen gleichnamiger Sohn.
Leben und Werdegang Familie und Herkunft Johannes Schmydt wurde um 1486 als ältester Sohn des begüterten Stiftshofspächter-Ehepaars Peter Schmidt und Catharina Schmidt geborene Welsch in Obernburg am Main geboren.Koch Aschaffenburg 2022, S. 15–17. Er hatte drei Geschwister, Paul, Peter und Anna. Paul folgte seinem Vater als Stiftshofpächter nach und blieb in Obernburg. Johannes und Peter strebten die geistliche Laufbahn an. Anna heiratete den Juristen und späteren Reichkammerrichter Conradt Heckmann.Koch Dachau 2022, S. 52-54: Itinerar und biografische Notizen.
Johannes und Peter besuchten um 1500 die Schule des Stifts St. Peter und Alexander in Aschaffenburg. Dort latinisierten sie ihren Nachnamen Schmidt zu „Faber de Obernburg“. 1513 wird Johannes im Archiv des Stifts St. Peter und Alexander in Aschaffenburg erstmals urkundlich erwähnt, als ihn sein jüngerer Bruder Peter als Testamentarier bestätigt.Koch Aschaffenburg 2022, S. 16, Anm. 7: „Ebenso bestätigte der Herr Vikar Peter Obernburger … Johann Fabri, seinen älteren Bruder.“
Beide wurden in Mainz zu Priestern geweiht, denn ab 1522 werden beide in den Reichsregisterbüchern (RRB) Kaiser Karls V. als Mainzer Kleriker bezeichnet.Groß: Reichsregisterbücher, Leipzig 1930, S. 40. Nr. 2437, RRB 36, fol. 156v Brüssel 21. März 1522: Erstmalige Nennung beider Brüder als Mainzer Kleriker. Studienbeginn und -ende sind nicht bekannt, weil die Matrikel der Universität Mainz aus dieser Zeit fehlen. Johannes Obernburger „gehörte seit Jugendtagen zum Hof“.Koch Aschaffenburg 2022, S. 42, Zitat aus der Epitaphinschrift.
Kirchenämter ab 1522 Johannes wurde Kantor in der Mainzer St. Stephanskirche, Domvikar in Mainzer St. Martinsdom, Kanoniker in der Wormser St. Martinskirche, Kanoniker in der Stiftskirche St. Viktor in Mainz und 1551 Propst im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main.Günter Rauch: Pröpste, Propstei und Stift von St. Bartholomäus in Frankfurt, in: Studien zur Frankfurter Geschichte Heft 8, Frankfurt am Main 1975, S. 103–107, „Johannes (Fabri) Obernburger“, Vorgeschichte, wie Obernburger „Propst in Frankfurt wurde“. Johannes übte keines dieser Ämter vor Ort aus, weil er wegen seiner Karriere im kaiserlichen Kanzleidienst ständig unterwegs und abwesend war.
Aufstieg zum kaiserlichen Sekretär 1526 Am 14. Februar 1522 begann Johannes seinen Dienst für Kaiser Karl V. als Schreiber in Brüssel.Groß: Reichsregisterbücher, Leipzig 1930, S. 34, Nr. 2057, RRB 36 fol. 156r: Brüssel, früheste Erwähnung als Schreiber in der Hofkanzlei. Ab Juli 1522 begleitete er den Kaiser auf seiner Seereise über England nach Spanien und dort auf nahezu allen Reisen durch das Land. 1526 stieg Obernburger in Granada im Alter von 40 Jahren zum kaiserlichen Sekretär auf.Groß: Reichsregisterbücher, Leipzig 1930, S. 64, Nr. 3648, RRB 36 fol. 90v: Granada, 1. August 1526: „mon. in Seckingen pr.pr.pr. Joanne Obernburger cl. Mog. d. secr. Caes. Mt.“: Erstmalige Nennung Obernburgers als kaiserlicher Sekretär.
Kaiserlicher und päpstlicher Notar 1532 Auf der Urkunde 1253 des Staatsarchivs Amberg, ausgefertigt am 8. April 1532 in Regensburg für das Kloster Waldsassen, platzierte Obernburger am unteren Rand sein Notariatssignet. Daneben fügte er handschriftlich seine Beglaubigungsformel an. Diese beginnt mit den Worten: „Et ego Johannes Obernburger…“.Koch Aschaffenburg 2022, S. 18 f: Übersetzung (gekürzt): „Und ich, Johannes Obernburger, Kleriker der Diözese Mainz, päpstlicher und kaiserlicher Notar ….habe …diese Urkunde angefertigt, vollendet, unterschrieben und mit meinem gewohnten Notarszeichen …beglaubigt.“ In seinem Notariatssignet ist die zweifache Amtsausübung deutlich erkennbar an der Kaiserkrone auf zwei Säulen und an den gekreuzten päpstlichen Schlüsseln. Die Abbildung stammt aus einer Sammlung von Notariatssignets aus dem Mittelalter. Für die Devise „CCRRC, - I,RQTOO!“ ist keine Auflösung bekannt.
Oberster Sekretär 1532 mini|Bildnis eines hochgestellten Sekretärs bei Kaiser Karl V. um 1520, stellt aber nicht Johannes Obernburger dar. Im Herbst des gleichen Jahres wurde Obernburger im Alter von 46 Jahren in Villach oberster Sekretär.Koch Aschaffenburg 2022, S. 19Koch Dachau 2022, S. 16. Eine Bestätigung dafür liefert die Inschrift auf dem Epitaph in Obernburg: „[…] in Villach in Kärnten, einer Stadt, wo er einst in glücklicheren Zeiten Deutschlands sein Amt als [Oberster] Sekretär übernommen hatte“.Koch Aschaffenburg 2022, S. 42.
Erhebung in den Adelsstand 1537 in Spanien Das Jahr 1537 verbrachte Obernburger in Spanien. In Valladolid, Monzon oder Saragossa erhob Kaiser Karl V. den 51-jährigen Obernburger in den Adelsstand.Koch Aschaffenburg 2022, S. 20Koch Dachau 2022, S. 20: RRB 35 fol.87r, Zeile 2: „Johann Obernburg, Nobilicat und Zierung seines Helms“. Die Jahreszahl 1537 ist im RRB 35 genannt. Ort und Datum fehlen. Der Wappenbrief gilt als verschollen. Eine farbige Darstellung seines Wappens mit der Jahreszahl 1537 befindet sich in der Vatikanbibliothek in Rom im Codex Palatinus latinus 775.
Arbeitsspektrum im Kanzleidienst Tagesgeschäft mini|Adelsbrief für Peter Apian 1541, verfasst in Regensburg am 20. Juli 1541 und unterzeichnet von Johannes Obernburger. Als oberster Sekretär, Dolmetscher und Übersetzer in Deutsch, Latein und Französisch war Obernburger verantwortlich für die Bearbeitung der deutschen Angelegenheiten der Religions-, Außen-, Innen-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.Koch Aschaffenburg 2022, S. 20–23. Obernburger unterzeichnete zahllose Bestätigungen von Privilegien aller Art für die Reichsstädte und Reichsklöster sowie Wappenbriefe für einzelne Personen. Ein herausragendes Beispiel ist der Adels- und Wappenbrief für Peter Apian vom 20. Juli 1541, ausgestellt in Regensburg.Original: Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Adels- und Wappenbriefe 21.Koch Aschaffenburg 2022, S. 22 (Abbildung)Koch Dachau 2022, S. 23 (Abbildung)Günther Koch: Ein Brief und seine Geschichte, in: Karl Röttel: Peter Apian: Astronomie, Kosmographie und Mathematik am Beginn der Neuzeit. Erste Auflage, Eichstätt 1995, S. 47-51: Abbildung und auszugsweise zitierter Inhalt des Adelsbriefes. Weitere Aufgaben waren die Vorbereitung und Organisation der Reichstage in Regensburg 1541, Speyer 1544,Eltz Erwein: Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. Jüngere Reihe, Band 15, Teile 1–4, Reichstag von Speyer 1544, Göttingen 2001, Obernburger Johann S. 118, 380, 756, 1740, 1935, 2356. Verlesung der Proposition am 20. Februar 1544. Sekretär für deutsche Angelegenheiten. Worms 1545,Aulinger Rosemarie: Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. Jüngere Reihe, Band 16 Teil 1 und 2, Reichstag von Worms 1545, München 2003, S. 103, 104, 106, 197, 1621, 1644, 1723. Obernburger Johann, Sekretär Karls V.; Obernburger Peter, Rat des Kf. Von Mainz. in Augsburg 1548Mehlhausen Joachim: Das Augsburger Interim von 1548, Neukirchen-Vluyn 1970, S. 144. Johann Obernburger unterzeichnete am 30. Juni 1548 das Augsburger Interim. sowie wieder in Augsburg 1550/51.Eltz Erwein: Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. Jüngere Reihe, Band 19 Teile 1 und 2, Reichstag von Augsburg 1550/51, München 2005, S. 68, 84, 85, 189, 449, 1062 (Verlesung der Proposition), 1220, 1302, 1663. Obernburger Johan, «Meister Hans», Sekr. für die deutschen Angelegenheiten.
Das Formularbuch des Johannes Obernburger Zur Erleichterung seiner Arbeit verwendete Obernburger auch ein Formularbuch, eine in Latein geschriebene Sammlung mit Abschriften von kaiserlichen Goldbullen, königlichen Rechten, Bestätigungen und Beglaubigungen von Urkunden, Druckprivilegien, Sendschreiben und anderen Schriftstücken. Das Original dieses Formularbuchs wird in der Vatikanbibliothek unter der Signatur Cod. Pal. lat. 775 verwahrt. Karl Röttel bezeichnete den Codex als „Formularbuch des Johannes Obernburger“.Karl Röttel: Peter Apian, Astronomie, Kosmographie und Mathematik am Beginn der Neuzeit, Eichstätt 1995, S. 288: „Formularbuch von Johannes Obernburger“.Aschaffenburg 2022, S. 24; Koch Dachau 2022, S. 170–209: Die Obernburger in zwei Formularbüchern Cod. Pal. lat. 775 und 776. Der Codex besteht aus Papierblättern und Pergamentbögen im Oktav-Format und hat einen Umfang von zehn Folioblättern Register (a-k) und 363 nummerierten Folioblättern Text. Eine Kopie des gesamten Codex in gebundener Form befindet sich im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg. Der Inhalt des Codex ist in einem Begleitheft mit 16 Abbildungen erschlossen.Koch Dachau 2022, S. 170–190.
Das Memoire Obernburgers von 1550 Über seine tägliche Arbeit hinaus beschäftigte sich Obernburger in den letzten Jahren seines Lebens auch mit strukturellen Problemen des Kanzleibetriebs. Am 9. April 1550 präsentierte er in Brüssel den Entwurf für eine neue Kanzleiordnung mit dem Titel „Conceptum ordinationum cancellariae imperialis revisum“, das „Memoire Obernburgers“ von 1550 mit genau 100 Artikeln in lateinischer Sprache.Walther 1909, S. 392–406, das Memoire Obernburgers von 1550. Im ersten Abschnitt über den Kaiser heißt es: „more praedecessorum principum“, übersetzt: zuerst das Wichtigste unterzeichnen. Das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg besitzt eine Kopie des Memoires in gebundener Form.Koch Dachau 2022, S. 210–219: Text der 100 Artikel.
Der ORDO CONSILII von 1550 Als oberster Sekretär nahm Obernburger an den Sitzungen des Reichshofrats teil und führte das Protokoll. Zwölf Bände dieser Protokolle aus den Jahren 1544 bis 1556 sind erhalten. Maßgebliche Teile bis 1552 stammen von der Hand Obernburgers. Gegenstand dieser Protokolle war auch die Neufassung der Reichshofratsordnung. Unter dem Titel „Der ORDO CONSILII von 1550“ wurden 23 Artikel in lateinischer Sprache auf dem Reichstag in Augsburg am 18. August 1550 veröffentlicht und in Kraft gesetzt.Gustav Winter: Der ORDO CONSILII von 1550. Ein Beitrag zur Geschichte des Reichshofrats, Wien 1892, S. 1–26 Das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg besitzt eine Kopie des ORDO CONSILII in gebundener Form.Koch Dachau 2022, S. 220–222: Text der 23 Artikel.
Einkommen Jährliches Gehalt mini|Kaiserliche Anordnung zur Stadtsteuer Nürnberg, Madrid, 15. August 1539.Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Losungamt, 35 neue Laden, U 510