Tretjakowo (, , ) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Geographische Lage Tretjakowo liegt im äußersten Südosten des Rajon Krasnosnamensk am Nordufer des Flüsschens Rauschwe (russisch: Tumannaja), in die hier die Breduppe (russisch: Brodowka) mündet. Durch den Ort verläuft eine Nebenstraße (27K-058), die von der Stadt Nesterow (Stallupönen/Ebenrode) durch den Truppenübungsplatz Dobrowolsk (russisch: Dobrowolski poligon) bis an die russisch-litauische Grenze bei der Ortsstelle von Kutusowo (bis 1945 die Stadt Schirwindt) führt. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Geschichte Der Ort wurde zunächst als Sodorgent Rauschenn erwähnt, hieß dann Pabredupöhnen und Papredupchen und im 18. Jahrhundert schließlich Sodargen.Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Sodargen Um 1780 war er ein Königliches Amtsvorwerk mit Windmühle und Sitz des Domänenamtes BudweitschenJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 153. Dazu gehörte spätestens seit dem 19. Jahrhundert auch das zwei Kilometer südöstlich gelegene Vorwerk Schwiegupönen, das zunächst noch ein eigenständiges Königliches Amtsvorwerk gewesen warJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 147. und einen Kilometer nordwestlich des gleichnamigen Ortes Schwiegupönen lag. 1874 wurde der Gutsbezirk Sodargen namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Stallupönen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Sodargen Das Vorwerk Schwiegupönen wurde 1938 in Schwiegen umbenannt.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Sodargen 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Am Rande eines Truppenübungsplatzes gelegen, diente der Ort unter der russischen Bezeichnung Tretjakowo nur noch militärischen Zwecken und wurde erst im Jahr 1997 offiziell wieder als Siedlung registriert und dabei in den Dorfbezirk Dobrowolski selski okrug im Rajon Krasnosnamensk aufgenommen.Durch den Beschluss der Oblastduma vom 22. Mai 1997, Nr. 38 "Об упорядочении учета сельских населенных пунктов области" (Über Regelungen der Erfassung der ländlichen Orte der Oblast) Von 2008 bis 2015 gehörte Tretjakowo zur Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 206 davon in Vorwerk Schwiegupönen 44 1871 171 davon im Vorwerk Schwiegupönen 21 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 257 davon im Vorwerk Schwiegupönen 59 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 232 davon im Vorwerk Schwiegupönen ?in der verwendeten Quelle unleserlich 1910 224 1925Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, Band 67, 1927 252 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 215 1939 368 Der Grund für diesen Anstieg war möglicherweise die Anlage eines Lagers des Reichsarbeitsdienstes. 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 150 2002Allrussische Volkszählung von 2002 100 2010Allrussische Volkszählung von 2010 35 2021Allrussische Volkszählung von 2021 54

Amtsbezirk Sodargen (1874–1945) Zum Amtsbezirk Sodargen im Kreis Stallupönen gehörten anfangs neun Landgemeinden und der Gutsbezirk Sodargen, am Ende waren es noch neun Gemeinden:

Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Ambraskehmen Krebsfließ Bartzkehmen Bartztal Gudweitschen Gutweide (Ostpr.) Kosakweitschen Rauschmünde Osznaggern Sandau (Ostpr.) 1936–38: Oschnaggern Radszen Raschen (Ostpr.) 1936–38: Radschen Russen 1939 in die Gemeinde Sandau (Ostpr.) (ex Osznaggern) eingegliedert Schwiegupönen Neuenbach Sodargen Tretjakowo 1928 vom Gutsbezirk in eine Landgemeinde umgewandelt Wabbeln Tschapajewo

Am 1. Januar 1945 bildeten den Amtsbezirk Sodargen die Gemeinden: Bartztal, Gutweide (Ostpr.), Krebsfließ, Neuenbach, Raschen (Ostpr.), Rauschmünde, Sandau (Ostpr.), Sodargen und Wabbeln.

Kirche Die meist evangelische Bevölkerung Sodargens war bis 1945 in das Kirchspiel der Kirche Groß Warningken (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Steinkirch, dann russisch: Sabolotnoje, heute nicht mehr existent) eingepfarrt. Sie war Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Tretjakowo im Einzugsbereich der sieben Kilometer weiter südlich gelegenen neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Babuschkino (Groß Degesen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Literatur Brenneisen, Ernst-August: Stationen eines Lebens. Ein ostpreußischer Bauer erzählt. Dortmund 1992. ISBN 978-3-923293-37-7.

Weblinks Tretjakowo bei bankgorodov.ru Tretjakowo bei prussia39.ru Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Sodargen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk