mini|Kirche St. Agatha mini|Frontfassade von Westen Die Kirche St. Agatha ist eine der beiden römisch-katholischen Pfarrkirchen von Dietikon im Kanton Zürich. Sie steht im Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Dietikon.

Geschichte Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert Ab dem 8. Jahrhundert befand sich im Gebiet der heutigen Basi eine erste christliche Kultstätte in Dietikon. Im Dorfkern von Dietikon ist eine Pfarrkirche seit dem Jahre 1089 urkundlich nachgewiesen. Es wird angenommen, dass die Kirche St. Ulrich und Josef erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts erbaut wurde, wahrscheinlich als Filiale der Stadtkirche von Baden. Zur Kirche St. Ulrich und Josef gehörten im 14. Jahrhundert mehrere Kapellen.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 6–9. So war St. Ulrich und Josef die Mutterkirche der umliegenden Gemeinden Glanzenberg (1259 an Weiningen ZH abgetreten), Killwangen (1319 an Baden abgetreten), Spreitenbach, Urdorf und Geroldswil. Noch im Jahr 1489 wurde in Urkunden für die Kirche der Hl. Ulrich als erster Titelheilige genannt. Nach einem Kirchenbrand wurde die Kirche neu der Hl. Agatha geweiht. Der Hl. Josef blieb weiterhin der Nebenpatron der Kirche. Das Patronat der Kirche von Dietikon wurde 1257 von Rudolf von Habsburg zusammen mit dem Patronat der Filialen Spreitenbach und Urdorf an das Kloster Wettingen vergabt.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 201. Als das Kloster Wettingen im Jahr 1529 den reformierten Glauben annahm, wurden auch in der zum Kloster Wettingen gehörenden Kirche St. Agatha Dietikon die Bilder und Altäre aus der Kirche entfernt und eine Kanzel in den Chor gestellt. Nach der Schlacht bei Kappel 1531 setzten die katholischen Orte die Wiedereinführung des katholischen Glaubens im Kloster Wettingen durch. Im Jahr 1532 wurde deshalb in der Kirche St. Agatha Dietikon wieder der Altar in der Kirche aufgestellt, doch blieb in Dietikon eine reformierte Minderheit bestehen. Durch das Landfriedensgesetz wurde die Kirche St. Agatha beiden Konfessionen zugesprochen. Auch das Pfarrhaus wurde zunächst von einem reformierten und einem katholischen Pfarrer bewohnt. Der reformierte Pfarrer zog sich jedoch bald nach Urdorf zurück, das ganz zum neuen Glauben übergetreten war. Die Ernennung des katholischen und des reformierten Pfarrers geschah jeweils durch den Abt von Wettingen, dem von der Stadt Zürich eine Dreierliste vorgelegt wurde, aus der er zu wählen hatte. Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 10. Noch vor der Aufhebung des Klosters Wettingen im Jahr 1841 ging im Jahr 1838 das Patronat vom Kanton Aargau an den Kanton Zürich über. Als im Jahr 1803 die Helvetische Republik aufgelöst wurde, erhielt der Kanton Zürich durch die Mediation die beiden katholisch geprägten Gemeinden Rheinau ZH und Dietikon. Die dortigen Pfarreien waren – ab 1863 auch noch mit der Pfarrei St. Peter und Paul in Winterthur – die einzigen, die im sonst reformiert geprägten Kanton Zürich öffentlich-rechtlich anerkannt waren. Diese Sondersituation änderte sich erst im Jahr 1963 im Rahmen einer Volksabstimmung, durch die die römisch-katholische Kirche im ganzen Kanton Zürich anerkannt war.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 201.

Ab dem 20. Jahrhundert Ende des Simultanverhältnisses Der Bau der Spanisch-Brötli-Bahn und die danach einsetzende Industrialisierung hatten einen raschen Anstieg der Bevölkerung von Dietikon zur Folge. Die alte Simultankirche wurde deshalb sowohl für die katholische als auch für die reformierte Gemeinde viel zu klein. Auch waren aus verschiedenen Gründen mehr als zwei Gottesdienste am Sonntagmorgen nicht möglich, sodass die Platzverhältnisse den Bischof von Chur, Georg Schmid von Grüneck an der Firmansprache zu Allerheiligen 1911 zur Aussage brachte: „Spannen Sie alle Kräfte an, um aus dieser Sardinenbüchse herauszukommen“.Bischof Georg Schmid von Grüneck, zitiert nach: Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 31. In den 1910er Jahren wurde deshalb die Beendigung des Simultanverhältnisses von beiden Kirchgemeinden angestrebt, ohne dass man sich jedoch mit der anderen Kirchgemeinde hätte einigen können. Auch war lange nicht klar, welche der beiden Kirchgemeinden die alte Kirche behalten würde. Auf beiden Seiten wurde für den Bau einer je eigenen, neuen Kirche Geld gesammelt und nach geeignetem Bauland Ausschau gehalten. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde 1918 eine Schätzung der Anteile der beiden Kirchgemeinden an der alten Simultankirche vorgenommen. Da die katholische Ausstattung reichhaltiger war, war deren Anteil an der alten Kirche grösser. An einer Abstimmung der reformierten Kirchgemeinde am 23. Januar 1921 entschieden ihre Mitglieder mit 78 von 120 Stimmen, das Auskaufangebot der katholischen Kirchgemeinde anzunehmen. Am 13. September 1925 hielten die reformierten Christen in der alten Simultankirche ihren letzten Gottesdienst und zogen zur Einweihung der neu erbauten reformierten Kirche.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 30–33.

Kirchenneubau Die katholische Baukommission schrieb zu Beginn der 1920er Jahre einen Architekturwettbewerb aus, von dem die Kommission drei Projekte in die engere Wahl zog, welche von den renommierten Kirchenarchitekten Adolf Gaudy (Romanshorn), Anton Higi (Zürich) und Joseph Steiner (Schwyz) stammten. Pater Albert Kuhn (Einsiedeln) und die Architekten Siegwart (Aarau) sowie Scheyer (St. Gallen) begutachteten die Projekte und empfahlen die Ausführung des Entwurfs von Gaudy. 192 von 224 Stimmberechtigten genehmigten an der Kirchgemeindeversammlung vom 14. Dezember 1924 dieses Bauprojekt. Da die neue Kirche etwa die doppelte Fläche der alten Simultankirche aufweisen sollte, musste der alte Friedhof von Dietikon durch Exhumierungsarbeiten geräumt werden. Im Oktober 1925 wurden mit den Fundamentarbeiten begonnen, während die alte Kirche innerhalb der neuen Fundamente weiterhin in Betrieb war. Am 26. Oktober 1925 fand der erste Spatenstich für die neue Kirche St. Agatha statt. Am Aschermittwoch, dem 17. Februar 1926 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Am gleichen Tag wurde die Innenausstattung der alten Kirche in eine hölzerne Notkirche überführt, in der Folgezeit wurde die alte Kirche abgetragen. Am 5. März 1926 wurde der alte Kirchturm gesprengt.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 34–39 Am 11. September 1927 fand die Weihe der neuen St. Agatha-Kirche durch Diözesanbischof Georg Schmid von Grüneck statt.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 43–44. 1939–1940 wurde an der Tramstrasse das Kirchgemeindehaus erbaut. In den Jahren 1976–1977 wurde die Kirche St. Agatha nach Plänen des Architekten Felix Schmid, Rapperswil renoviert. Hierbei wurden auch die Vorgaben der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils definitiv umgesetzt. Aus Veroneser Marmor wurden der Volksaltar, der Ambo und der Taufbrunnen von Albert Wider, Widnau SG geschaffen. Im Seitenschiff links des Chorraumes entstand eine Werktagskapelle mit Tabernakel, Altar und Kreuz für 40 Personen. Neu wurde auch ein Beichtaussprachezimmer geschaffen an Stelle des rechtsseitigen Kapellenraumes an der Ostfront der Kirche. Die linksseitige Taufkapelle wurde zur Marienkapelle umfunktioniert. Ebenso wurde die Sakristei überholt und neu eingerichtet. Am 27. März 1977 wurde die erneuerte Kirche von Bischof Johannes Vonderach eingeweiht.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 62–73. 1989–1991 erfolgte der Erweiterungsbau des alten Vereinshauses zum heutigen Pfarrei-Zentrum St. Agatha. 1996–1997 zum 70. Jahrestag der Kirchweihe wurde die Kirche innen gereinigt und der Turm saniert. Abgerufen am 24. September 2014.

Tochterpfarreien Im 20. Jahrhundert war die Pfarrei St. Agatha Mutterpfarrei von drei Pfarreien: Die ab 1900 zu Heilig Kreuz Zürich-Altstetten gehörenden Gebiete von Oberurdorf und Schlieren wurden von 1955 bis 1960 vorübergehend St. Agatha Dietikon zugeschlagen, bis zunächst Bruder Klaus Urdorf und dann St. Josef Schlieren als eigenständige Pfarreien aufgebaut wurden. Da 1968 15‘000 Katholiken in Dietikon und den damals zur katholischen Kirchgemeinde Dietikons zählenden Gemeinden Geroldswil, Oetwil und Fahrweid-Weiningen lebten, wurden innerhalb von Dietikon die Gründung zweier weiterer Pfarreien angestrebt, von denen jedoch nur die eine realisiert wurde. Nicht zustande kam der Aufbau einer Pfarrei St. Ulrich, die den ursprünglichen Patron der Kirche St. Agatha als Kirchenpatron gehabt hätte. Diese Kirche wäre an der heutigen Schützenstrasse 2-8 im Quartier Breiti im Westen von Dietikon zu stehen gekommen. Als zweite Pfarrei der Stadt Dietikon wurde dagegen im Osten der Stadt im Schönenwerdquartier die Pfarrei St. Josef aufgebaut. Anlässlich der Einweihung der neu erbauten Kirche am 19. Oktober 1968 wurde das Gebiet zum Pfarrrektorat erhoben und am 3. September 1972 zur eigenständigen Pfarrei ernannt, von St. Agatha abgetrennt. Bereits im Jahr 1956 hatte sich in Geroldswil ein Kirchbauverein gegründet, mit dessen Geld sowie den eingegangenen Kirchensteuern seit der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der katholischen Kirche im Jahr 1963 in den 1970er Jahren eine eigene Pfarrei gegründet werden konnte. Im Jahr 1972 wurde im neu erbauten Zentrum von Geroldswil die Kirche St. Johannes eingeweiht. Per bischöflichem Dekret wurden Geroldswil, Oetwil an der Limmat und Fahrweid zu einer Pfarrei zusammengefasst und am 3. September 1972 von St. Agatha Dietikon abgetrennt.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 52–55. Abgerufen am 24. September 2014.

Katholische Institutionen in Dietikon 1950 bis 1974 gab es in Dietikon das Katholische Altersheim St. Antonius an der Schöneggstrasse 29. Dieses wurde nach dem Bau des städtischen Altersheims Ruggacker aufgelöst. Für die rund 100 Italienisch sprechenden Arbeiterinnen der Weberei Syz AG wurde von den Menzinger Schwestern Ende des 19. Jahrhunderts bis 1935 ein Wohnheim betrieben. Das St. Josefs-Heim wurde am 16. Juni 1902 in Schlieren gegründet und 1913 nach Dietikon an die Urdorferstrasse verlegt. Es war ein Heim für Halb- und Vollwaisen, für Mädchen und Knaben. Geleitet wurde das Heim von den Karmelitinnen D.C.J., deren Generalmutterhaus in Sittard (Holland) lag. 1975 wurde die Kapelle des St. Josefs-Heims gebaut.Eduard Müller und Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. S. 58–60. Geschlossen wurde das St. Josefsheim im Jahr 2005. Die letzten verbliebenen Ordensschwestern zogen in das Haus St. Joseph nach Ludwigsburg bei Stuttgart / Deutschland.

Heutige Pfarrei und Kirchgemeinde Die katholische Kirchgemeinde Dietikon ist für die beiden Kirche St. Agatha und St. Josef zuständig. Mit ihren 8'130 Mitgliedern (Stand 2021) ist sie die drittgrösste Kirchgemeinde des Kantons Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021 S. 104

Baubeschreibung Kirchbauten bis 1926