mini|Mann in einem Gorillakostüm Ein Gorillakostüm (auch Gorillaanzug) ist ein Ganzkörperkostüm in Form und Erscheinungsbild eines Gorillas. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trugen als gorilla men bezeichnete Schauspieler diese Kostüme, um Gorillas in Horrorfilmen oder Filmkomödien darzustellen. In den 1960er Jahren verwendeten Maskenbildner Spezial-Make-up und künstliche, separat aufgebrachte Gesichtspartien und ab den 1990er Jahren entwickelten Elektronikingenieure besondere Masken mit elektronisch ferngesteuerten Gesichtszügen (Animatronics), um Gorillakostüme in Filmen und in der Werbung noch realistischer wirken zu lassen. Gorillakostüme werden auch bei karitativen Veranstaltungen und als Verkleidung für humorvolles Erschrecken an Halloween oder im Karneval verwendet.

Kostümtypen mini|Gorillakostüm (Karneval in Barranquilla, Kolumbien) Kommerzielle Gorillakostüme sind meist schwarz oder dunkelbraunDer Fachhandel bietet auch Gorillakostüme in anderen Farben wie Lila, Rot, Blau, Grün oder Fluoreszenzfarben. und bestehen aus künstlichem Fell (Webpelz) oder ähnlichen Materialien. Die in verschiedenen Größen verfügbaren Kostüme können einteilig (Ganzkörperkostüm) oder mehrteilig – Körperkostüm mit separaten Händen, Füßen und Kopfmaske – sein; einige Modelle haben zusätzlich eine kahle Brustplatte aus Kunststoff. Nach dem Anlegen verschließt man das Kostüm mittels Reißverschluss oder Klettverschluss. Diese Kostüme werden an Karneval, Halloween und zu Kostümpartys getragen.

Professionelle Gorillakostüme für Theater- und Filmproduktionen sind meist von Maskenbildnern hergestellte Einzelstücke, die durch Verwendung von Naturhaar, beispielsweise ausgekämmten Yak-Haaren,Lina Das: Face to face with the Cadbury's drumzilla (Archivlink), Daily Mail, 27. Oktober 2007. sehr realistisch wirken. Zusätzlich kann die Gesichtsmaske mit Mikromotoren ausgerüstet sein, die meist von mehreren Personen von außen ferngesteuert werden und dadurch eine besonders natürliche Mimik erlauben.

Verwendung von Gorillakostümen Es gibt viele Verwendungsmöglichkeiten für Gorillakostüme, die von der Filmindustrie über kommerzielle Dienstleistungen, karitative Zielsetzungen bis in die Wissenschaft und hin zum reinen Privatvergnügen reichen.

Film Kostüme zur Darstellung eines Gorillas – in dramatischer Weise als reales, bedrohliches Tier oder eher in humorvoll-absurder Weise als „Mann im Gorillaanzug“ – werden in Filmen und seltener beim TheaterBeispielsweise The Curse of P.P. Fartingham's Gorilla Suit seit der Zeit um 1918 und 1920 verwendet.

Bei der bedrohlichen Darstellung von Gorillas wurde auf eine unterschwellige Warnung vor einer sexuellen Bedrohung, besonders der Hauptdarstellerinnen dieser Filme, durch die Tier-Personifizierung der „Bestie im Mann“ hingewiesen. In der humoristischen Darstellung findet sich dazu das Gegenstück, der augenscheinlich komische „Mann in der Bestie“, wodurch ein Gorillakostüm diese beiden künstlerischen Elemente zusammenführen kann.

Ein Schauspieler oder Stuntman, der auf die Darstellung von Gorillas (oder gorillaartigen Wesen) spezialisiert ist, wird im Englischen als gorilla man (dt. Gorillamann) bezeichnet. Berühmte gorilla men waren: Carlos (Charles) Cruz Gemora (1903–1961), der in etwa 30 Kriminal- und Horrorfilmen bis 1958 die Art und Weise prägte, wie Gorillas dargestellt wurden. Gemora entwarf auch in den 1930er und 1940er Jahren eigene, sehr natürlich wirkenden Kostüme und trug sie – nach Studien der Körpersprache von Gorillas in Zoos – auch selber in Filmen. Emil Van Horn (? – 1967), ein Vaudeville-Schauspieler, der in etwa 9 Gorilla-Filmen mitspielte; neben seinen Rollen als „Gorilla“ stellte er keine anderen Charaktere in Filmen dar. Ray "Crash" Corrigan (1902–1976), ein Fitness-Trainer, Stuntman, und Western-Schauspieler; er besaß ein eigenes Gorillakostüm und spielte zwischen 1934 (Tarzan and His Mate; dt. Tarzans Vergeltung) und 1945 (The White Gorilla) in mehreren Gorilla-Filmen mit. Steve Calvert (1916–1991); er kaufte 1948 das Gorillakostüm von Ray Corrigan und bekam gleich die Rolle des Gorillas im ersten Jungle-Jim-Film von Johnny Weissmüller. Calvert spielte realistische Gorillas in unrealistischen B-Movies wie Bela Lugosi Meets a Brooklyn Gorilla, The Bowery Boys Meet the Monsters, Bride of a Gorilla, The Road to Bali, Bride of the Beast etc. George Barrows (1914–1994); er stellte sein eigenes Gorillakostüm her und debütierte 1953 in The Abbot and Costello Show. Janos Prohaska (1919–1974); der Ungar arbeitete als Stuntman in Hollywood und spielte meist Gorillas in Fernsehshows und Filmkomödien wie Clyde the Ape in Bikini Beach (1964), den Gorilla in Gilligan's Island etc. Er spielte auch Bären.

Die folgenden Filme sind Beispiele für die beiden Verwendungsarten von Gorillakostümen in Filmen.Die Liste enthält nur Filme, in denen Gorillakostüme nach obiger Definition verwendet wurden. Filme wie die Planet-der-Affen-Serie oder Hollow Man – Unsichtbare Gefahr, bei denen animierte Gorillas oder Spezial-Make-up und individuell angepasste Masken und ähnliches verwendet wurden, finden keine Berücksichtigung.

Dramatische Verwendung Go and Get It war ein sehr früher, nun verloren gegangener Horrorfilm. Den mordenden Gorilla spielte der Berufsringer und Schauspieler Lewis „Bull“ Montagna (1887–1950). Mord in der Rue Morgue (1932) ist ein Horrorfilm, in dem ein Gorilla, dargestellt von Charles Gemora, mehrere Morde begeht. Der Film lehnt sich an die Kurzgeschichte Der Doppelmord in der Rue Morgue von Edgar Allan Poe an, in der ein Orang-Utan der Mörder ist. Der Würger von Coney Island (Gorilla at Large, 1954) ist ein Horror-Mystery-B-Movie in 3-D mit der Besonderheit, dass sowohl ein „richtiger Gorilla“ als auch „ein Mann in einem Gorillakostüm“ von dem gorilla man George Barrows gespielt werden.

Humorvoll-absurde Verwendung Die Marx Brothers im Zirkus (1939) – In seiner Autobiografie Groucho and MeGroucho Marx: Groucho & Me, Virgin Books (4. Aufl. 2008), IBAN 978-0-7535-1950-9, S. 173–177. beschreibt Groucho Marx – mit sehr viel Marx’scher Fantasie, denn der Gorilladarsteller war Charles Gemora – die Schwierigkeiten, die den Dreharbeiten bei At the Circus vorausgingen. Es gab zwar zwei trainierte Gorillas in Hollywood, aber beide waren über Jahre ausgebucht. Man suchte deshalb den Kontakt mit dem Agenten eines Gorilladarstellers, der aber, wie sich herausstellte, kein Gorillakostüm besaß. Schließlich fand man einen Agenten, „der ein Gorillakostüm vertrat“, dem aber der dazugehörige Gorilladarsteller fehlte. Die Verhandlungen mit beiden Agenten waren nicht einfach, da beide Agenten „die Interessen ihrer Klienten vertraten“ und es am Drehtag neben der Aufheizung durch die Scheinwerfer zusätzlich sehr heiß war, wodurch der Darsteller in dem ungewohnten Gorillakostüm erst ohnmächtig wurde und sich danach weigerte, ohne Frischluftzufuhr in diesem Kostüm weiter zu arbeiten. Doch Marx zufolge wurden ungewöhnliche Lösungen gefunden, die die berühmte finale Gorilla-am-Trapez-Szene des Films ermöglichten.

Der rosarote Panther (1963) enthält eine bemerkenswerte Autoverfolgungsjagd durch das nächtliche Rom, an der neben Autos zwei Männer in Gorillakostümen, zwei Personen in einem Zebrakostüm, ein als Ritter Verkleideter, Polizisten sowie weitere Personen beteiligt sind.

Weitere Filmkomödien, in denen Gorillakostüme eingesetzt wurden, sind: Unsere tollen Tanten in der Südsee (1964), Morgan: A Suitable Case for Treatment (dt. Protest) (1966), Take the Money and Run (dt. Woody, der Unglücksrabe) (1969), The Thing with two Heads (dt. Das Ding mit den 2 Köpfen) (1972) (besonders, da ein Gorillakostüm mit zwei Köpfen hergestellt und verwendet wurde), The Ghost Busters (1975), L'Animal (dt. Ein irrer Typ) (1977), Trading Places (dt. Die Glücksritter) (1983), Männer (1985) etc.

Fernsehserien Gorillakostüme wurden gelegentlich in meist humorvollen Fernsehserien eingesetzt wie beispielsweise in The Abbott and Costello Show,Saison 1, Episode 26: "Safari" (29. Mai 1953) The Addams Family,Saison 1, Episode 6: Morticia and the Ladies League (23. Oktober 1964) Gilligans InselSaison 1, Episode 22: Diamonds Are an Ape's Best Friend (27. Februar 1965) und The Big Bang Theory.Saison 7, Episode 1: The Hofstadter Insufficiency (26. September 2013)

Theater/Posse 1836 war der damals berühmte Affendarsteller Eduard Klischnigg zu einem Gastspiel in Wien. Für ihn schrieb Johann Nestroy die Posse mit Gesang Der Affe und der Bräutigam. Klischnigg spielte darin den „echten“ Affen Mamok, ein anderer Schauspieler verkleidete sich als Gorilla, um der Dame seines Herzens zu imponieren – das Stück ist ein reiner Verwechslungsklamauk.

Werbung Gorillakostüme werden in der Werbung eher selten eingesetzt. Ist dies aber der Fall und werden die Videos fachlich perfekt und humorvoll präsentiert, finden sie hohe Aufmerksamkeit.

American Tourister Um auf die Stabilität ihrer Produkte hinzuweisen, plante der Kofferhersteller American Tourister (heute Samsonite) 1970 ein Werbevideo, in dem ein Gorilla einen American-Tourister-Koffer malträtiert, ihn aber nicht zerstören kann.

Man suchte vergeblich nach einem echten Gorilla und begnügte sich schließlich mit dem ehemaligen Zirkusschimpansen Oofi im Zoo von Mexiko-Stadt. Innerhalb eines Tages sollte der Dreh beendet werden, aber Oofi zeigte nur wenig Interesse an dem braunroten Koffer: Er begnügte sich damit, den Kofferanhänger abzureißen und darauf herumzukauen. Auch das „Nachhelfen“ seines Wärters mit einem Elektroschocker brachte nicht den erwünschten Erfolg. Erst nachdem man Futter im geschlossenen Koffer deponierte, kam es im Käfig zu Szenen, die in dem Werbevideo zu sehen sind.

1980 wiederholte man diese Werbestrategie und erweiterte sie auf zwei Videos, doch sollte diesmal ein „richtiger Gorilla“ die Hauptrolle spielen. Da man aus den Erfahrungen mit Oofi gelernt hatte, verpflichtete man diesmal den gorilla man Don McLeod,Don McLeod in der Internet Movie Database der bereits im Gorillakostüm in der Fernsehserie Tarzan: The Epic Adventures (1996–1997) mitgewirkt hatte und der später noch in den Filmen Die Glücksritter (1983) und Der Mann mit zwei Gehirnen (1983) Gorillas darstellte.Die Gorilla-Videos von American Tourister gehören zu den beliebtesten Werbefilmen der amerikanischen TV-Geschichte.

Cadbury Im Jahr 2006 und bis Mitte 2007 waren das und die Verkaufszahlen des Süßwarenherstellers Cadbury durch mehrere Herstellungspannen und ungeschickte Public Relations auf einen Tiefpunkt gesunken und das Unternehmen kündigte an, 7.500 Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Die Marketing-Abteilung beauftragte daraufhin 2007 die Werbeagentur Fallon Worldwide, London, eine Cadbury-Werbekampagne mit einem Budget von 6,2 Millionen Pfund Sterling durchzuführen. Neben Werbetafeln, Inseraten in Magazinen, Kino- und Fernsehwerbung und Werbeveranstaltungen war das Kernstück ein etwa anderthalb Minuten langes Video,Das Video wurde am 31. August 2007 zum ersten Mal im britischen Fernsehen gezeigt. das einen „Gorilla“ zeigt, der in einem Musikstudio die Schlagzeugeinlage zu dem Song In the Air Tonight von Phil Collins spielt.Cadbury-Video Gorilla, Erstveröffentlichung: 31. August 2007 Erst ganz zu Ende des Videos erscheint die Cadbury-Werbung. Das Video verbreitete sich viral – 500.000 Abrufe bei YouTube in der ersten Erscheinungswoche – und eine darauf folgende Marktforschung zeigte, dass diese Kampagne das Ansehen von Cadbury wieder verbesserte. Das Gorillakostüm im Video wurde von dem Schauspieler Garon Michael getragen, der als gorilla man auch in den Filmen Congo (1995), Instinkt (1999) und Planet der Affen (2001) mitgewirkt hatte. Eine Besonderheit war dabei die spezielle Beweglichkeit und Ausdrucksfähigkeit des Gorillagesichts, das mit ferngesteuerten Mikromotoren animiert werden konnte.