Sabolotnoje (, , ) ist ein verlassener Ort im Rajon Krasnosnamensk der russischen Oblast Kaliningrad. Der südliche Teil des ehemaligen Gemeindegebietes von Groß Warningken/Steinkirch mit zwei ehemaligen Hofstellen gehört zum Rajon Nesterow.

Die Ortsstelle befindet sich am Flüsschen Lobenka (dt. Lobinnis, 1938 bis 1945: Kuhfließ) fünf Kilometer östlich von Wyssokoje (Schilleningken/Hainau) und ist von dort über eine Nebenstraße zu erreichen.

Geschichte mini|Die Landgemeinde Groß Warningken auf einem Messtischblatt von 1931

Seine erste Erwähnung erfuhr der zunächst mit Groß Warningcken bezeichnete Ort im Jahre 1517.Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Steinkirch Um 1780 war Groß Warnincken ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 177. 1874 wurde die Landgemeinde Groß Warningken namensgebend für einen neu gebildeten Amtsbezirk im Kreis Pillkallen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Steinkirch 1938 wurde Groß Warningken in Steinkirch umbenannt.

1945 kam der Ort in Folge des Zweiten Weltkrieges mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. 1950 erhielt er den russischen Namen Sabolotnoje und wurde dem Dorfsowjet Lugowski selski Sowet im Rajon Nesterow zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., № 745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR „Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad“ vom 5. Juli 1950) Später gehörte der Ort zum Prigorodni selski sowjet.Laut dem in Kaliningrad erschienenen russisch-deutschen Ortsverzeichnis Населенные пункты Калининградской области: краткий справочник. / Ред. В.П. Ассоров, В.В. Гаврилова, Н.Е. Макаренко, Э.М. Медведева, Н.Н. Семушина. - Калининград: Калининградское книжное издательство, 1976 Sabolotnoje wurde vor 1975 aus dem Ortsregister gestrichen.In der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf soldat.ru (rar-Datei), taucht der Ort nicht mehr auf.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung, I. Die Provinz Preussen, Berlin 1874 277 1871 277 davon auf dem Vorwerk Neuhof 26 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 283 davon in Neuhof 24 1905 >Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 273 davon in Neuhof 33 1910 308 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 232 1939 217

Amtsbezirk Warningken/Steinkirch (1874–1945) Der Amtsbezirk Warningken (1939 bis 1945 „Amtsbezirk Steinkirch“) bestand zwischen 1874 und 1945 und gliederte sich in acht Landgemeinden:

Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bartschkühnen Kühnen Dagutschen Tegnerskrug Groß Daguthelen Streuhöfen Groß Warningken Steinkirch Sabolotnoje Klein Daguthelen Dorotheendorf (Ostpr.) Klein Warningken Seidlershöhe Kybarten Tiefenfelde Kirsanowka Werskepchen Schwarzwiesen

Kirche Kirchengebäude Eine Kirche erhielt Groß Warningken im Jahre 1895.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 110, Abb. 489. Sie wurde in neuromanischem Stil erbaut – als Ziegelbau mit gerade geschlossener Altarnische. Der quadratische Turm, der in eine achteckige Spitze auslief, war vorgesetzt. Nur fünfzig Jahre durfte das Gotteshaus existieren. Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit ließen das Gebäude nicht überstehen. Heute verlieren sich seine Spuren im wahrsten Sinne des Wortes „im Sand“.

Kirchengemeinde Die evangelische Kirchengemeinde in Groß Warningken wurde 1863 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen, 1968, S. 485. Bis zum Bau der Kirche jedoch vergingen immerhin 32 Jahre. Auch die Pfarrstelle wurde erst dann besetzt. Das zur Pfarrkirche gehörige Kirchspiel bestand aus 22 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen, von denen neun im Kreis Stallupönen (Ebenrode) lagen, die übrigen im Kreis Pillkallen (Schloßberg). Die Kirchengemeinde war patronatslos. Sie zählte 1925 insgesamt 3120 Gemeindeglieder und gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Pillkallen innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Kirchspielorte In das Kirchspiel der Kirche Groß Warningken (Steinkirch) waren Orte aus den beiden Kreisen Pillkallen (Schloßberg) und Stallupönen (Ebenrode) eingepfarrt:Ein * kennzeichnet einen Schulort

Name Änderungsname1938 bis 1946 RussischerName Name Änderungsname1938 bis 1946 RussischerName Abracken Kornfelde Wassilkowo Klein Tarpupönen Sommerkrug Rasdolnoje Ambraskehmen Krebsfließ *Klein Warningken Seidlershöhe Bartschkühnen Kühnen *Kummehlupchen Ebenfelde Bartschkehlen Bussardwalde Kybarten Tiefenfelde Kirsanowka Batschken Bussardhorst Peterlauken Petersort Majakowskoje *Dagutschen Tegnerskrug Petzingken Petzingen Groß Daguthelen Streuhöfen *Schilleningken Hainau Wyssokoje Groß Kubilehlen Schillingen *Groß Warningken Steinkirch Sabolotnoje *Sodargen Tretjakowo *Jucknischken Föhrenhorst Bolschoje Mostowoje *Szillen1936–38: Schillen Schellendorf Tschuikowo Klein Daguthelen Dorotheendorf (Ostpr.) Wertimlauken Kleinföhrenhorst

Pfarrer An der Kirche Groß Warningken amtierten bis 1945 als evangelische Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg, 1968, S. 48.

Eduard Hermann Rohman, 1893–1910 Alfred Schulz, 1910–1915 Rudolf Erich Sack, 1916–1923 Ernst Müller, 1924–1927 Erich Hein, 1928–1930 Martin Köppel, 1931–1934 Max Reich, 1936 Heinrich Petereit, 1936–1944

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Groß Warningken (Steinkirch) haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil 2: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Berlin 1992³, S. 51. Taufen (1893 bis 1944) Trauungen (1893 bis 1944), dazu die entsprechenden Namensregister.

Persönlichkeiten Aus Groß Warningken gebürtig Karl Plenzat (* 22. Juli 1882 in Groß Warningken; † 1945), deutscher Pädagoge und Volkskundler

Mit dem Ort verbunden Erich Rudolf Sack (1887–1943), deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Häftling im KZ Dachau, war von 1916 bis 1924 Pfarrer an der Kirche in Groß Warningken

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Rajon Nesterow