Eröffnung: 27. April 2008 Linien: Unterirdische Stationen: 4 (Stammstrecke) + 1 (andere Tunnel)
Die Stammstrecke III ist eine von drei Stammstrecken der Stadtbahn in Dortmund. Sie führt von Westen nach Osten. Der Stadtbahnbetrieb wurde am 27. April 2008 aufgenommen. Im Unterschied zu den meisten anderen U-Stadtbahnnetzen in Deutschland wird diese Stammstrecke nicht spezifisch mit Stadtbahnwagen, sondern mit konventionellen niederflurigen Straßenbahnwagen (NGT8) bedient. Bis Dezember 2011 fand noch ein Mischbetrieb mit Stadtbahnwagen des Typs N8C statt.
Geschichte Die heutige Stammstrecke III folgt im Wesentlichen dem Verlauf des historischen Hellwegs. Dessen Verkehrsbedeutung entsprechend, gehörte die innerstädtische Teilstrecke zu den am frühesten eingerichteten Strecken des schienengebundenen Nahverkehrs in Dortmund. Ihre Geschichte beginnt mit der am 13. August 1881 eröffneten Pferdebahnlinie Dorstfeld – Funkenburg. Zu dieser Zeit war die Straßenbahn für die Industriearbeiter beim Weg zur Arbeit zu teuer, sie dienten vielmehr vor allem den Freizeit-Bedürfnissen des gut situierten Bürgertums. Bezeichnend dafür sind die Zielhaltestellen an beiden Enden der Strecke: Im Westen A. Ziegler’s Etablissement an der Dorstfelder Emscherbrücke, ein großes Gasthaus mit Außenbewirtschaftung und Saalbau für Feste, Versammlungen, Musikdarbietungen und Ähnlichem, im Osten die Funkenburg an der Kaiserstraße mit einem ähnlichen Angebot.
Die Strecke führte über die Rheinische Straße zum Westentor (damals Körnerplatz), den Westen- und Ostenhellweg zum Ostentor und durch die Kaiserstraße zur Funkenburg. Betrieben wurde sie ab dem 4. Oktober 1881 von der neu gegründeten privaten Dortmunder Straßenbahn-AG für Pferde- und Dampfbetrieb, zunächst eingleisig mit Ausweichen. Die Zunahme des Verkehrs erzwang aber schon bald ein zweites Gleis und am 1. März 1894 die Elektrifizierung. Schon 1898 wurde die Strecke von der Funkenburg bis Körne verlängert, als Vorbedingung für dessen spätere Eingemeindung (1905). Die Gesellschaft ging nach zwei Namenswechseln (1881 und 1890, Deutsche bzw. Allgemeine Lokal- und Straßenbahngesellschaft) nach Ablauf der Konzession 1906 unter dem Namen Städtische Straßenbahn Dortmund ins Eigentum der Stadt über.
Davon unabhängig gründete der damalige Landkreis Dortmund gemeinsam mit dem Unternehmen AEG die Elektrische Straßenbahn des Landkreises Dortmund. Am 26. August 1906 wurde der Betrieb von Körne bis zum eigens eingerichteten Depot Wickede eröffnet, am 26. November desselben Jahres bis zum Bahnhof Unna. Zwar schloss die Streckenführung in Körne unmittelbar an die „städtische“ Bahn mit gleicher Spurweite an, jedoch mussten die Fahrgäste in andere Wagen umsteigen. In Asseln, Aplerbecker Straße, gab es Anschluss an die meterspurige Hörder Kreisbahn. Deren Strecke über Aplerbeck zum Schwerter Wald war bereits 1902 eingerichtet worden. In Aplerbeck konnte in die 1898 eröffnete Stammstrecke der Hörder Kreisbahn (Aplerbeck – Hörde – Brünninghausen – Barop – Hombruch), am Schwerter Wald nach Schwerte und Westhofen umgestiegen werden. Der Abschnitt Asseln – Aplerbeck wurde am 10. Mai 1934 auf Busverkehr umgestellt, der Abschnitt Aplerbeck – Schwerter Wald auf Normalspur umgebaut und am 1. April 1971 stillgelegt. Im Jahr 1912 wurde der letzte Abschnitt des Linienweges in Unna geändert; vom Markt aus führte die Linie nun statt zum Bahnhof zum Schützenhof am südlichen Stadtrand. Dieser neue Streckenabschnitt wurde aber 1916 nach nur vier Jahren wieder eingestellt, so dass die Linie vorerst am Markt endete; ab 1923 wurde wieder der Unnaer Bahnhof als Endstation angefahren. In Unna konnte ab 1909 am Bahnhof bzw. am Markt in die Kleinbahn Unna–Kamen–Werne umgestiegen werden.Klaus Basner, Peter Kracht, Klaus Seifert: Unna – Historisches Porträt einer Stadt, Band 2 (1806–2013). Historischer Verein zu Unna e.V., Unna 2013, ISBN 978-3-9813452-9-2, S. 178.
1914 wurden beide Dortmunder Bahnbetriebe auf Verlangen des Landkreises unter dem Namen Dortmunder Straßenbahn GmbH vereinigt, und es wurde durchgängig gefahren, allerdings nicht die heutige Stammstrecke, sondern aus Osten und Westen jeweils bis zum Hauptbahnhof. Während der Ruhrbesetzung gab es in Brackel eine Grenzstation mit Pass- und Zollkontrollen. Als der Straßenbahnverkehr auf dem Hellweg zunehmend störte, wurde eins der Gleise (in Ost-West-Richtung) in schmale nördliche Parallelstraßen des Hellwegs verlegt (Brüderweg und Erste bzw. Vordere Kampstraße).Bruno Wittke (Stadt Dortmund): Vom „grauen Bruder“ zur Flaniermeile – Der Brüderweg als Teil des Boulevards Kampstraße. Dortmunder Denkmalhefte Nr. 05, ISSN 2192-9408, abgerufen am 29. Juli 2021. Die Linie nach Unna erhielt die Nummer 12, die 1941 in 9 geändert wurde. Die 9 hatte jahrzehntelang Bestand, auch noch nach Gründung des VRR am 1. Januar 1980 als „409“. Ab 2. Juni 1985 wurde die Liniennummer in 403 geändert, aus der mit Einführung der Stadtbahn-Stammstrecke die U43 wurde. Bereits ab 5. Juli 1964 führte die „9“ jedoch nicht mehr über Hauptbahnhof, sondern ging über die Kampstraße bis Dorstfeld bzw. Marten durch; dieses Datum kann also als Beginn der Stammstrecke III gelten.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auf der „9“ als erste Linie der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenommen, am 2. Juni 1945 zwischen Massen und Wickede, ab 22. Juli auch bis Ostentor. Nach den Kriegszerstörungen und während des Ausbaus des Brüderwegs wurde die östliche Hellweglinie ab Ostentor vorübergehend über die Gleise der aufgegebenen Ringlinie zum Hauptbahnhof geleitet, also über die Weißenburger Straße, die Schwanenstraße und den (alten) Burgwall. Im Jahr 1949 beschloss der Rat der Stadt, zwei etwa 30 m breite Verkehrsschneisen durch die noch weitgehend zerstörte Innenstadt zu schlagen: Eine Nord-Süd-Achse (Bornstraße – Kuckelke – KleppingstraßeVerbreiterung Kleppingstraße 1952, abgerufen am 29. März 2019. – Ruhrallee) und eine Ost-West-Achse (Hamburger Straße – Brüderweg – Kampstraße – Rheinische Straße). Er konnte dabei auf frühere Überlegungen aus der Zeit vor und nach 1933 aufbauen, u. a. auf Studien von 1929 (Architekten Pinno und Grund) und 1938 (Hermann Jansen) zur Verbreiterung von Brüderweg und KampstraßeStephan Strauß (Stadt Dortmund): Im Westen was Neues – Der Boulevard Kampstraße zwischen Petrikirche und Westentor. Dortmunder Denkmalhefte Nr. 07, ISSN 2192-9408, abgerufen am 29. Juli 2021. sowie von 1939 zur Neuanlage der heutigen Kleppingstraße und einer weiteren Achse zum NSDAP-Gauzentrum. Da nur noch wenige Gebäude im Weg standen, das Aufbaugesetz von 1950Aufbaugesetz NRW landtag.nrw.de, abgerufen am 30. März 2019. solche Planungen begünstigte und weil Dortmund in der Wiederaufbauzeit des beginnenden Wirtschaftswunders als Industriestadt finanziell vergleichsweise gut dastand, waren die Planungen innerhalb des Wallringes schon bis Mitte der 1950er Jahre vollendet und dienten dann natürlich auch als wichtige Straßenbahntrassen. Als Nachzüglerin dieser Achsen-Pläne wurde am 19. August 1964 die Strecke durch die neu ausgebaute Hamburger Straße eröffnet und ersetzte die Gleistrasse durch die innere Kaiserstraße.
Am 31. Juli 1965 wurde der Streckenabschnitt Wickede – Unna eingestellt, vom ehemaligen Bahnübergang beim heutigen S-Bahn-Halt Wickede über Altwickeder Hellweg – Massener Hellweg – Hansastraße – Hochstraße – Mühlenstraße – Massener Straße – Unna Markt – Bahnhofstraße – Bahnhof Unna. Bis in die Nachkriegszeit hatte es in Unna einen Anschluss an die ebenfalls normalspurige Straßenbahn nach Kamen und Werne gegeben, die ursprünglich zusammen mit dem Abschnitt Körne–Unna geplant war, dann aber unabhängig gebaut und betrieben wurde.
Bereits bei der Entwicklung der Stadtbahn-Netzstruktur in den späten 1960er Jahren war den Planern bewusst, dass der östliche Ast der Stammstrecke III in den Stadtteilen Körne, Wambel, Brackel, Asseln und Wickede als Stadtbahn auf besonderem Gleiskörper mit Hochbahnsteigen aus Platzgründen nicht auf der historischen Straßenachse Hellweg geführt werden könnte. Es gab deshalb Überlegungen, die dortige Straßenbahntrasse aufzugeben und teilweise durch eine tangentiale oberirdische Stadtbahn-Neubaustrecke am Nordrand dieses Siedlungsbandes zu führen, wie sie als Pendant am südlichen Siedlungsrand mit der heutigen S-Bahn-Linie S4 bereits vorhanden war. Die Strecke sollte auf Höhe der Lentstraße aus der Kaiserstraße nach Norden ausschwenken und weiter entlang der Hannöversche Straße und Brackeler Straße (OW IIIa – L 663n) nach Wickede geführt werden. Der ungefähre Trassenverlauf ist im Stadtplan von 1972 als geplante Straße angedeutetStadtplan 1972 landkartenarchiv.de, abgerufen am 3. März 2019, außerdem ist die damals geplante Strecke auch in einer Mitarbeiterzeitung vom Oktober 1965 dargestellt.Hans Cadenbach in Du und Dein Werk, Werkzeitschrift für die Belegschaft und Pensionäre der Dortmunder Stadtwerke AG, Oktober 1965 online, abgerufen am 30. Juli 2021 Vor allem in Wickede waren größere Neubaugebiete entstanden. Wegen des Umfangs des Projektes wurde die Verwirklichung auf später verschoben und die Idee seitdem nie wieder aufgewärmt. Die Strecke hätte das Fahrgastvolumen der heutigen U43 allerdings auch nur zum kleineren Teil aufnehmen können.
Das Depot in Wickede wurde 1974 geschlossen, das Gebäude wird bis heute als Einkaufsmarkt genutzt (seit 2021 Thomas Philipps, vormals Fruchtbörse und Rewe).
Ende der 1970er Jahre wurde der Bau eines Tunnels in der Innenstadt unter der ehemaligen Trasse beschlossen, der Bau begann aber erst zwanzig Jahre später Ende der 1990er Jahre. Am 27. April 2008 wurde der fahrplanmäßige Betrieb im Tunnel aufgenommen. Mit Baukosten in Höhe von 198,8 Millionen Euro für die knapp 3 km lange Strecke und der Haltestellen war der Bau vergleichsweise günstig. Gebaut wurde er in bergmännischer Bauweise (u. a. Bagger und Rohrschirm) in Mergelstein und sandigen, kiesigen und schluffigen Tonen.
Der Tunnel beginnt auf der westlichen Seite östlich der Haltestelle „Heinrichstraße“ und beinhaltet dann die Haltestellen „Unionstraße“, „Westentor“, „Kampstraße“, „Reinoldikirche“ und „Ostentor“. Danach führt die Strecke der Linie U43 wieder aus dem 2335 Meter langen Tunnel an die Oberfläche. Die Linie U44 schwenkt schon östlich der Haltestelle „Reinoldikirche“ in einen zweiten eigenen 600 Meter langen Tunnel ein und kommt dann vor der nächsten Haltestelle auch an die Oberfläche.
2007/2008 wurde der Streckenabschnitt in Dortmund-Asseln zweigleisig ausgebaut, für den Teil zwischen Brackel und Asseln erfolgte der Baubeginn nach mehrjähriger Verzögerung Ende Juni 2020. Der Ausbau in Asseln erfolgte bei laufendem Bahnbetrieb, lediglich für die Gleisumschlüsse wird kurzfristig Schienenersatzverkehr eingesetzt.
Vom 3. bis zum 13. April 2017 und vom 4. bis zum 23. März 2018 wurde jeweils wegen Gleisbauarbeiten ein Schienenersatzverkehr von Brackel bis Wickede eingerichtet, dies dürften seit 1945 die längsten Zeitspannen ohne Straßenbahn im Dortmunder Osten gewesen sein.
Im Wickeder Ortskern ist der zweigleisige Ausbau im Gespräch. Wann dort aber Baustart ist, steht nicht fest, auch die Kosten stehen noch nicht fest. Mit einem Baubeginn wird hier wohl frühestens in den 2030er Jahren zu rechnen sein.
Zum 50. Jahrestag der Strecke hat DSW21 auf YouTube einen historischen Film veröffentlicht, der jedoch kurz darauf wieder entfernt wurde.youtube.com
Betrieb Linien Linie Linienweg / Anmerkungen
Bis zu den starken Beschädigungen an den Drehgestellen der Baureihe NGT8 2016 begann und endete die U43 montags bis freitags von etwa 9 bis 12 Uhr sowie samstags an der Haltestelle Pothecke statt In den Börten.
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