Knellendorf (oberfränkisch: „Knellndoff“) ist ein Gemeindeteil der Kreisstadt Kronach im Landkreis Kronach (Oberfranken, Bayern).
Geographie Das Dorf liegt an der Haßlach und am Geiersbächlein, das als rechter Zufluss in die Haßlach mündet, und am Birkacher Graben, der als linker Zufluss mündet. Eingerahmt wird Knellendorf vom Kienberg () im Nordwesten, vom Bierberg () im Osten und vom Tänngisberg () im Südwesten. Die Bundesstraße 85 führt nach Kronach (3,4 km südlich) und Gundelsdorf (1,6 km nördlich). Ein Anliegerweg führt nach Kathragrub (1,6 km westlich).
Im Ort steht eine Linde, die im Jahre 1648 als Friedenslinde auf kargem Kiesboden gepflanzt wurde. Sie ist als Naturdenkmal geschützt. 1951 wurde der Baum in der großen Gabelung ausgemauert. In den 1990er Jahren mussten die Hauptäste durch Stahlseile und Streben gesichert werden, da das Gehölz selbst bei mäßigem Wind verdächtig knarrte. Weitere Sicherungsmaßnahmen von professioneller Hand folgten. Seit mehreren Jahren findet das Lindenfest mit einem Gottesdienst vor dem Wahrzeichen statt.
Geschichte Es ist unklar, wann Knellendorf entstanden ist. 1348 wurde der Ort als „Knellenrod bey der Haßlach“ erstmals urkundlich erwähnt. 1388 wurde der Ort erwähnt, als das Kloster Langheim in Teuschnitz Grund an den Bamberger Bischof Lamprecht von Brunn verkaufte. Ab 1520 geht aus Unterlagen der Pfarrei Kronach der Name „Knellendorf“ hervor. Nach der Ortschronik entstand der Ortsname entweder aus Dorf des Knello oder er leitet sich von Nell (Hügel) ab.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Knellendorf aus 18 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Kronach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Vogteiamt Kronach. Grundherren waren das Kastenamt Kronach (1 Gütlein, 2 halbe Gütlein, 4 Viertelgüter, 1 Haus, 1 Walkmühle), die Frühmessstiftung Kronach (6 Sölden, 1 Schneidmühle) und das Kollegiatstift St. Stephan (1 Zinshof, 1 Söldengütlein).H. Demattio: Der Altlandkreis, S. 484.
Knellendorf fiel durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 an das Kurfürstentum Bayern. Mit dem Ersten Gemeindeedikt wurde Knellendorf dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Gundelsdorf zugewiesen. Infolge des Zweiten Gemeindeedikts (1818) entstand die Ruralgemeinde Knellendorf, zu der Bernsroth, Bierberg, Kathragrub, Krugsberg und Walkmühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kronach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kronach (1919 in Finanzamt Kronach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand ein Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Kaltenbrunn. Ab 1862 gehörte Knellendorf zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kronach (1879 in das Amtsgericht Kronach umgewandelt).H. Demattio: Der Altlandkreis, S. 588. Die Gemeinde hatte eine Fläche von 6,278 km². Blumau und Stressenleithe wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Gemeindegebiet gegründet.
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Knellendorf am 1. Juli 1971 nach Kronach eingegliedert.
KZ-Außenlager Gundelsdorf
Im benachbarten Gundelsdorf existierte von Herbst 1944 bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen im April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. Bei den Häftlingen handelte es sich um 100 aus dem KZ Plaszow deportierte polnische Jüdinnen und bis zu 90 jüdische Männer unterschiedlicher Nationalität, die aus verschiedenen anderen Lagern dorthin gebracht wurden. Der Großteil wurde als Zwangsarbeitskräfte im Luftwaffennachschublager in Gundelsdorf eingesetzt, rund 20 der Frauen mussten in einer Knellendorfer Firma Militäruniformen nähen. Seit 2002 erinnert ein auf Initiative der Evangelischen Jugend errichteter Gedenkstein am parallel zur Bundesstraße 85 verlaufenden Rad- und Fußweg zwischen den beiden Orten an das Außenlager.
Baudenkmäler mini|hochkant|Wegkreuz südlich von Knellendorf In Knellendorf gibt es 10 Baudenkmäler: Haus Nr. 11: ehemaliges Wohnstallhaus Haus Nr. 12: Wohnstallhaus Stockanger 17: Wohnstallhaus Wegkreuz Gedenkstein Kreuzwegstationen am Franziskanerweg Drei Bildstöcke, darunter der Bildstock an der Gundelsdorfer Straße Grenzsteine
Die folgenden Häuser listete Tilmann Breuer in dem Buch Landkreis Kronach von 1964 mit ihren ursprünglichen Hausnummern auch als Kunstdenkmäler auf. Sie werden in der Denkmalschutzliste nicht geführt, da sie entweder nicht aufgenommen, abgerissen oder stark verändert wurden. Haus Nr. 3: Eingeschossiger Wohnstallbau mit Satteldach, Wohnteil – bis auf die massive Hofseite – verschieferter Blockbau des 17./18. Jahrhunderts mit profilierten Balkenköpfen auf der Hofseite. Der Stallteil wurde erneuert.T. Breuer: Landkreis Kronach, S. 66. Ursprüngliche Hausnummerierung. Haus Nr. 10: Ehemals eingeschossiger Sandsteinquader mit zur Hälfte abgewalmten Mansarddach vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Er besitzt Eckpilaster, an den Kapitellen Festons. Am Sturz der Haustür sind eine Maske und eine Ranke reliefiert. Der Giebel ist verschiefert. Ein Teil des Hauses wurde nachträglich in entstellender Weise mit zwei Geschossen ausgebaut.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Knellendorf Jahr 1818 1824 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 180 247 208 187 204 186 207 230 212 229 227 218 216 241 237 228 220 238 239 233 312 327 320 330 441HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 25 29 35 35 34 35 43 58 Quelle Otmar Fugmann: Festschrift & Chronik Freiwillige Feuerwehr Knellendorf, 2006, S. 45.
Ort Knellendorf Jahr 1818 1824 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 121 167 116 162 155 175 175 249 260 403 368Häuser 19 24 22 27 33 45 101Quelle
Einwohnerentwicklung im gesamten ehemaligen Gemeindegebiet Einwohnerstatistik der Stadt Kronach, Stand 2018 Jahr 2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Einwohner 430 398 389 376 387 385 401 390 402 402
Religion Die Bewohner sind überwiegend römisch-katholisch und nach St. Johannes der Täufer in Kronach gepfarrt.
Vereine Freiwillige Feuerwehr Knellendorf Sportverein Knellendorf 1980 e. V.(SVK) Junge Union Knellendorf Bulldogfreunde Knellendorf
Regelmäßige Veranstaltungen In Knellendorf organisieren Vereine und Dorfgemeinschaft regelmäßig folgende Veranstaltungen: Januar: „Knut-Fest“ (JU) Februar: Schlachtschüssel (SVK) März (2 Wochen vor Palmsonntag): „Hejfa-Toutla“; traditionelles „Tod-Austragen“ durch Kinder mit anschließendem „Backes-backen“ (Pfannkuchen-backen) Ostern: „Raschpeln“ (Kinder ziehen mit Holzraspeln/-ratschen während der „glockenlosen Zeit“ von Gründonnerstag bis Karsamstag durch das Dorf) April/Mai: Maibaum-Aufstellung (Knellendorfer Vereine) Pfingsten (zweijähriger Rhythmus): Bulldog-Treffen (Bulldogfreunde); 2017 im September als „Kartoffel-Fest“ Juni: Johannisfeuer (Feuerwehr) Juli: Kirchweih (SVK) August: Lindenfest (JU) Oktober: Oktoberfest (SVK) November: Christbaum-Aufstellen (Feuerwehr) Dezember: Dorfweihnacht (Knellendorfer Vereine)
Literatur
Otmar Fugmann: Festschrift & Chronik Freiwillige Feuerwehr Knellendorf, 2006.
Weblinks
knellendorf.de – Private Website über Knellendorf
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Geographie (Kronach) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kronach) Kategorie:Ersterwähnung 1348 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971