mini|Ehemaliges Schulhaus von 1897 mini|Ehemaliges Köblerhaus aus Schwimbach im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim
Schwimbach ist ein Gemeindeteil des Marktes Thalmässing im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Schwimbach hat eine Fläche von 5,662 km². Sie ist in 794 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 7130,99 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Appenstetten und Stetten.
Geographische Lage Das Pfarrdorf liegt im Norden des Naturparks Altmühltal, im Tal des Schwimbaches, eines Zuflusses der Thalach, rund drei Kilometer nordöstlich von Thalmässing. Gemeindestraßen verbinden Schwimbach mit der Umgebung und der etwa 2,5 km östlich vorbeiführenden Bundesautobahn 9.
Die Dorfflur war im 19. Jahrhundert 316 Hektar groß.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung ist für das Jahr 1225 im Urbar der Marschälle von Pappenheim überliefert. In Schwimbach gab es einen Ortsadel, der im Burgstall, genannt Biburg, saß; so ist für 1253 ein Ulrich „de Swinnebach“ erwähnt. 1301 verkaufte Herrmann von Stauf seinen Eigenbesitz in Schwimbach an den Eichstätter Domkustos Albert Fricho/Frikko, der mit den Einkünften aus dem neuen Besitz 1302 eine Kanonikerstelle am Eichstätter Willibaldschor stiftete.Karl Friedrich Hohn: Atlas von Bayern. Geographisch-statistisch-historisches Handbuch... , Nürnberg 1840, Spalte 175; Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 44 (1929), S. 26 f. 1330 verkaufte Heinrich von Dürrenwang das Dorf und die Vogtei an Hans von Wilhalmsdorf. 1372 ist ein Chunz von Wilhalmsdorf zu „Swinpach“ genannt.Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 39 (1924), S. 39 Durch Kauf von den Vormündern seiner Kinder dieses Conrad Wilhelmsdorfer/Wilmsdörfer kam das Dorf mit Markung, Gericht und Vogtei am 3. Juni 1383 unter dem Spitalpfleger Brand Groß in den Besitz des Heilig-Geist-Spitals in Nürnberg;Das älteste Urbar des Nürnberger Heilig-Heist-Spitals, Nürnberg 1991, S. 50, Anm. 389; Bundschuh V, Spalte 267 das Besetzungsrecht der Pfarrei besaß das Spital schon seit 1339 durch Kauf von dem Eichstätter Dompropst Hermann von Stauff.Mader, S. 284; Buchner II, S. 855 Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf 14 mal ausgeplündert; bei einem Einfall im Jahr 1633 wurden 23 Gebäude des Dorfes vernichtet. Zum Wiederaufbau trugen niederösterreichische Exulanten bei.Manfred Enzner und Eberhard Krauß: Exulanten aus der niederösterreichischen Eisenwurzen in Franken. Eine familien- und kirchengeschichtliche Untersuchung, Nürnberg 2005, S. 443 f. Eine Lithographie von 1754 zeigt, dass im 18. Jahrhundert Fachwerkgiebel das Dorfbild prägten, von denen sich einige bis in die Gegenwart erhalten haben.Abb. in: Hans Luxner: Schöne alte Bauernhäuser, Mannheim o. J., S. 25
Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Schwimbach aus 31 Untertanen-Anwesen des Spitalamtes Nürnberg, das die Dorf- und Gemeindeherrschaft ausübte, und zwar über drei Höfe, 24 Köblergüter, eine Wirtschaft und zwei Leerhäuser (= Häuser ohne nennenswerten Grundbesitz). Außer der evangelischen Kirche (die Pfarrei gehörte seit 1796 zum Kapitel Weimersheim) gab es im Dorf noch das Pfarrhaus, Schulhaus und Hirtenhaus. Die Hochgerichtsbarkeit hatte das brandenburg-ansbachische Oberamt Stauf-Landeck inne.Bundschuh V, Spalte 267 Als weitere rechtliche Instanz gab es die Ehehaft Schwimbach.Hirschmann, S. 142; Geor Barth: Das Nürnbergische Ehaftgericht in Schwimbach (LK. Hilpoltstein). In: Mitteilungen d. Vereins f. Geschichte der Stadt Nürnberg 59 (1972), S. 1–39
Im Königreich Bayern wurde Schwimbach 1808 mit sechs weiteren Orten ein eigener Steuerdistrikt. Allerdings wurde 1816 Offenbau der Hauptort des Steuerdistrikts, dieser wurde entsprechend umbenannt. Im Zuge der Gemeindebildung von 1818 wurden Schwimbach, die Einöde Appenstetten und der Weiler Stetten zur Ruralgemeinde Schwimbach zusammengeschlossen. Die Gemeinde gehörte seit 1809 zum Landgericht Raitenbuch und kam 1812 an das Landgericht Greding.Hirschmann, S. 230
Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde die Gemeinde Schwimbach am 1. Mai 1978 mit ihren Ortsteilen nach Thalmässing im Landkreis Roth eingemeindet.
Einwohnerentwicklung (Nur das Dorf, nicht die Gemeinde Schwimbach) 1797: 30 Untertanen-FamilienFriedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der Fränkischen Fürstenthümer Bayreuth und Anspach, Halle 1797, S. 408 1829: 167 (39 Familien) 1840: 158 (33 Häuser)Max Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt, München 1840, S. 368 1864: 189 (39 Häuser, 51 Familien)Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern, 3. Auflage, Ansbach 1864, S. 64 2015: 89
Wirtschaft Schwimbach war landwirtschaftlich orientiert. Im Zuge der strukturellen Transformation sind die traditionellen sektoralen Grenzen fließender geworden. Die Bewohner sind heute sektorübergreifend beschäftigt: Ein Großteil von ihnen pendelt zur Arbeit in andere Orte, während sich gleichzeitig im Ort Betriebe aus den Bereichen traditionelles Handwerk, antiautoritäre Tierzucht und fränkischer Gastronomie etabliert haben.
Baudenkmäler mini|Pfarrkirche St. Lorenz mini|Fachwerkbauten in der Nähe der Kirche Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Lorenz besteht aus einem 1859 in heutiger Gestalt erbauten Langhaus und einem im Osten stehenden mittelalterlichen Chorturm (13./14. Jahrhundert), der 1763 ein neues, oktogonales Glockengeschoss erhielt. Im Chor steht ein spätgotischer Flügelaltar von 1511, der im Schrein eine Sitzfigur des hl. Laurentius zeigt, und wohl von Nürnberger Meistern geschaffen und im 19. Jahrhundert „nicht ganz glücklich restauriert wurde“. – In Schwimbach, ursprünglich eine Adelspfarrei der Herren von Stauf, wurde 1525 durch die Stadt Nürnberg die Reformation eingeführt. Die alte Nürnberger Kirchenordnung (Gebrauch sakraler Gewänder, Privatbeichte u. a. m.) galt in Schwimbach bis Ende des 18. Jahrhunderts.Mader, S. 284; Pastoralblatt für das Bistum Eichstätt, Nr. 47 vom 26. November 1864, S. 201 Gasthaus, mittelalterlicher Giebelbau mit Heilig-Geist-Stube, holzvertäfelt um 1650Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage, München: Deutscher Kunstverlag 1999, S. 968
Sonstiges Am zweiten Wochenende im September wird Kirchweih gefeiert.
Persönlichkeiten Gottfried Christoph Oesterlein, * als Pastorensohn in Schwimbach; † Mai 1789 in Nürnberg, Jurist, LautentistManfred H. Grieb (Hg.): Nürnberger Künstlerlexikon, München 2007, S. 1099
Literatur Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt, II. Band: Eichstätt 1938
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Thalmässing Kategorie:Ort im Landkreis Roth Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Roth) Kategorie:Ersterwähnung 1225 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Roth