Parz ist ein im Österreichischen verbreitetes altes Wort für steiniger Hügel, das in Ortsnamen überliefert ist. mini|hochkant=1.5|Verbreitung der gesicherten heutigen und historischen Toponymika und Siedlungsnamen auf „Parz“ (Auswahl Stand 2014, 80 Einträge)
Wortherkunft (m.)Lit. Müller, 1887, S. 163 f. ist ein wohl eigenständiges ostmittelbairisches Wort. Es dürfte im Kern „Steinhaufen“ bedeuten.Lit. Müller, 1887, S. 175 ff. Es beschreibt mittelhochdeutsches als Landform einen „kleinen, steinigen,Maria Magdalena Gstöttner: Vor- und Familiennamen in der oberösterreichischen Pfarre Gampern zwischen 1658 und 1710. Diplomarbeit, Universität Wien, September 2008, Eintrag Partz, S. 140 f (dort Fußnote 563; pdf, othes.univie.ac.at). mager bewachsenen Hügel“.
Spezielle lokale Deutungen sind etwa: ,Heinz Pohl: Bergnamen, 3. Osttirol, Eintrag Porze Hügel, „auf dem Erika oder Heidelbeeren wachsen“,Eberhard Kranzmayer: Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. Hg. im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1976 (= Bayerisches-Österreichisches Wörterbuch: 1. Österreich). S. 387; zitiert nach Gstöttner: Vor- und Familiennamen in der oberösterreichischen Pfarre Gampern … 2008, Fußnote 563, S. 140. Hermann Scheuringer: Vorlesung Namenforschung, Universität Wien (nach einem Skriptum Wintersemester 2009, , univie.ac.at, abgerufen am 22. September 2014, dort S. 49, zu Parzham). oder nach Franz Römer: 1000 Jahre Österreich. Wege zu einer österreichischen Identität. Vorträge anlässlich des Dies Academicus der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien am 10. Jänner 1996, Band 6 von Universität Wien. Geisteswissenschaftliche Fakultät: Wiener Universitätsreden, Neue Folge, Verlag facultas.wuv/maudrich, 1997, ISBN 978-3-85114-323-2, S. 121 (in einem Abschnitt über Volksetymologie zu Tiernamen; ). Dabei kann die Bedeutung – auch in anderen Gegenden – bis hin zu „junges Nadelholz“; „junge oder kleine Bäume“ im Allgemeinen, „Reisig“ in einer Augsburger Chronik. Lexer, Nachtrag 349, nach Lit. Müller, 1887, S. 174; auch Heimatbuch Schildorn, S. 301 oder „verkrüppeltes Holz“ gehen, jeweils diversem vergleichsweise wertlosen Nieder- und Kleinholz. Mittelhochdeutsch findet sich als Name für die Tamariske (auch ) oder Kaperngewächse, also sparriges Gesträuch.barz Subst. In: MWB Online; vgl. auch Lit. Müller, 1887, S. 172.
Zum anderen findet sich die Bedeutungsvariante .Gustav Winter (Hg.): Niederösterreichische Weistümer. Teil 4: Nachträge und Register (= Österreichische Weistümer 11). Wien/Leipzig 1913, S. 614 (Glossar); zitiert nach parz, Eintrag in Universität Salzburg: RechtsAlterTümer – online: Glossar, rat.imareal.sbg.ac.at, abgerufen am 20. September 2014. Die Herkunft solcher Hügel könnte natürlich sein. Eine gewisse Verbreitung im Alpenvorland, wo geogene Gebilde dieser Art fehlen, oder an der March, macht auch eine Bezeichnung für Lesesteinschüttungen möglich, in denen die ausgeackerten und -erodierten Feldsteine gesammelt wurden, wie sie noch heute im Granit- und Gneishochland (Mühl-, Waldviertel) zu finden sind. Der Bewuchs wäre dann sekundär.
Es gibt die Möglichkeit einer Herleitung zum ebenfalls bairischen Ausdruck Porz(en) „rundlich Vorstehendes“, wie es sowohl für Geländeformen, aber auch bei Bäumen und am Menschen verwendet wird.Gertrude Ernst-Zyma: Familiennamen aus Österreich. Gesammelt, belegt und erläutert anhand ihres Vorkommens in Münichsthal und Wolkersdorf im Weinviertel, Niederösterreich. Edition Praesens, Wien 1995, Band 1 (von 3). S. 127; zitiert nach Gstöttner, Diplomarbeit 2008, s. o. ebd. (dort Fußnote 564). Die Hypothese wird durch etliche alte Belege vom 12. bis 14. Jahrhundert etwa als Borzze, Porzze, Portz, Porcz gestützt. Beide Ausdrücke stünden dann zu mittelhochdeutsch „ragen, strotzen, starren, hervordrängen“. vergl. Diskussion des Eintrags Müller, 1887, S. 172.barzen swv. In: Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Band 1, Sp. 133 (auf woerterbuchnetz.de); auch BARZE swv. „strotze, wüthe“. In Benecke, Müller, Zarncke: Mittelhochdeutsches Wörterbuch, Band 1, Sp. 92a–92b (auf woerterbuchnetz.de); auch barzen swV. ‚prahlen, protzen‘ in MWB Online (mhdwb-online.de).Angabe nach Gstöttner, Diplomarbeit 2008, s. o. ebd.Lit. Müller, 1887, S. 177 ff.
Neben den Forment auf „a“ und dem wohl älteren „o“ kämen auch Varianten Purz[en], Pürzel in Frage, und vielleicht Nähe zu Bürzel „Steiß“
Eine andere Herleitung könnte zu slawisch „an“ und „Fluss“ zurückzuführen sein.Lit. Müller, 1887, S. 169 f.Ein Poreče gibt es etwa bei Šent Vid, Slowenien (ehemals Sankt Veit, Bez. Adelsberg, Krain); Angabe bei Lit. Müller, 1887, S. 163, Fußnote 1. Das erklärt weder alle Kompositaformen schlüssig noch das Vorkommen insbesondere im westlichen, bairischen Kernraum am Inn. Aber schon ab dem östlichen Innviertel kann zumindest eine Stützung vorliegen,Lit. Müller, 1887, S. 170 f. was wegen der dort vielfältig belegten anderen slawischen Wurzeln, die auf eine durchaus friedliche Übernahme mit Weiterbestehen der Vorbesiedelung schließen lassen, plausibel erscheint, und gegen den Osten und Süden hin immer stärker gewirkt haben könnte.
Lateinische Wurzeln hingegen (etwa zu „Pforte“, „Hafen“ oder zu Parzelle) erscheinen kaum wahrscheinlich,Lit. Müller, 1887, S. 179 f. oder allenfalls in Einzelfällen stützend denkbar.
Jedenfalls dürfte der Ausdruck noch in der mittleren bis späteren Neuzeit lebend gewesen seinLit. Müller, 1887, S. 174 f. (Wolfpaizing „wo der Wolf peinigt“ des 16. Jh. wird in den Landesaufnahmen des späten 17. und 18. Jahrhunderts umgedeutet zu Wolparzing „wohlfeiler Hügel“).
Südwestlich – im Salzburgischen und Umgebung – und südlich – Salzburg bis in die Steiermark – schließen, weitgehend ohne Überlappung, die Verbreitungsgebiete Palfen (wohl romanisch tradiertes Vorrömisches) respektive Ofen (germanisch oder älter) an, in der breiteren Bedeutung ‚Felsformation, -wand‘ bis ‚Höhle‘.
Varianten und Verbreitung Der Name findet sich, grob von Nordwest nach Südost aufgezählt.entsprechend der Entfernung zum bairischen Kernland Auffallend ist, dass im ostbayerisch-oberösterreichischen Raum primär Siedlungsnamen, im niederösterreichischen Raum viele Flurnamen erhalten sind.
Bayern Parzing, Ortsteil von Traunreut, Oberbayern (mit -ing) Parzham, Ortsteil von Bad Griesbach im Rottal, Niederbayern (mit -ham „Heim“Etymologie zu -ham bei Lit. Müller, 1887, S. 169; daneben wäre die Bildung -ing/-ham + Personenname denkbar, etwa zu Bartholomäus, Bartz um 1350; vergl. Familiennamen: B, S. 20, Laidler, auf baseportal.de; dem widerspricht das Fehlen weiter westlich.) Parzham, Ortsteil von Fürstenzell, Niederbayern (mit -ham „Heim“) Partz/Portz, historische Stätte in Passau (beim Kloster Niedernburg; 1296 Portz)in einem Personennamen; 1332; Cod. germ. Monac. 308, fol. 40; nach Schmeller: Bayrisches Wörterbuch, Band 1, 847; Angabe in Lit. Müller, 1887, A.1. Der Parz in Passau, S. 152 f; gemeint ist wohl die verfallene Laienkirche des Klosters, cf. St.-Marien-Kirche (Passau), regiowiki.pnp.de.
Oberösterreich Parzer, Gehöft bei Hübing, Gem. Reichersberg, Innviertel (zu einem abgeleiteten Personennamen) Parz, Gehöft bei Hinding, Gem. Freinberg, Innviertel Parz, Weiler bei Munderfing, Innviertel – mit Parzer Tal Parz, Gehöft in Lindau (Hnr. 9), Gem. Zell am Moos am Irrsee, Salzkammergut – mit ParzquelleSchon im Franziszeischen Kataster um 1830 verzeichnet, Hofname bis heute (dort Wasserschutzgebiet Parzquelle WPZ417/1604) Mühparz, Gehöft bei Plaika (Gessenschwandt 25), Gem. Oberwang, Salzkammergut (Name um 1830)Franziszeischer Kataster; vielleicht sic ‚steiler Hügel‘ Parz, Gehöft bei Aspach, Innviertel Parz, Ort bei Schildorn, Innviertel (13. Jh. Portz) Parz (Bauer in Parz), Gehöft bei Schmieding (Hnr. 3), Gem. PrametFindet sich schon im Franziszeischen Kataster um 1830; Hofname noch üblich. Wolparzing, Gehöft bei Hatting, Gem. St. Marienkirchen am Hausruck, Oberösterreich (nachweislich sekundär: 16. Jh. Wolfpaizing „Ort, wo der Wolf zubeißt“ zu peinigen, volksetymologisch umgedeutet zu wohl „angenehm“ und Parz) Parz, Weiler bei Lambrechten, Innviertel (1360 Portz) Angabe bei Lit. Müller, 1887, A.2.c) Parz bei Ellenbach und St. Lambrechten im Innviertel, S. 153. Grillparzergut, Gehöft bei Gotthalm (Oberau 5), Gem. Enzenkirchen (wohl zu „Grillenhügel“; ? 1370 Grillenpoercz) Angabe bei Lit. Müller, 1887, B.5.a.α) Grillparz bei Enzenkirchen im Innkreise, S. 157; Haus Oberau 5, findet sich als Grilparzergut im Franziszeischen Kataster 1817–1861. Obernparz, Weiler bei Dorf an der Pram, Innviertel Parz, Dorf bei Rottenbach, Hausruckviertel Parzleithen, Weiler bei Kallham, Hausruckviertel (mit Leite „Hang“; ? 1298 Porzleiten) Angabe bei Lit. Müller, 1887, C.2., S. 161; Zuordnung unsicher. Parz bei Gattern, Streusiedlung in Peuerbach, Hausruckviertel Parz am Öhlstampf, Rotte bei Steegen, Hausruckviertel Schmiedparz, Streusiedlung bei Natternbach, Hausruckviertel (unklarer Zusammenhang) Grillparz und Steinparz, zwei Rotten bei Waizenkirchen, Hausruckviertel (ersteres wohl: „Grillenhügel“) Parz, Streusiedlung bei St. Agatha, Hausruckviertel (? um 1250 Portze); Urbar des Passauer Domcapitels, Arch. f. österr. Gesch. 53, 276; Angabe bei Lit. Müller, 1887, A.2.e) Parz bei St. Agatha, Gerichtsbezirkes Waizenkirchen, S. 153; vielleicht auch Knieparz ob oder unter der Leiten. Knieparz ob der Leithen, Streusiedlung bei Stroheim, Hausruckviertel (Leite „Hang“cf. Kniepass) Knieparz unter der Leithen, Streusiedlung bei Hartkirchen, Hausruckviertel (Passlage; Leite ‚Hang‘; 1371)Urbar Schaunberg, Oö. Landesarchiv Pa. IV/49; Angabe Partz, historische Ortslage bei / in(?) Altenhof am Hausruck, Gem. Gaspoltshofen, Hausruckviertel (1361) Angabe bei Lit. Müller, 1887, A.2.a) Parz bei Altenhofen und Gaspoldshofen im Innviertel, S. 153. Portz, historisches(?) Gehöft bei / in(?) Trattnach, Gem. Weibern, Hausruckviertel (1368) Angabe bei Lit. Müller, 1887, A.2.b) Parz bei Weibern und Trattnach im Innviertel, S. 153. Parz, Zerstreute Häuser bei Grieskirchen, Hausruckviertel – um Schloss Parz und mit Ortslage Parzerberg (um 1340)Wasserschloss Parz und Landschloss Parz; Im Spiegel der Geschichte, landschloss-parz.at; früheste Erwähnung 1220, siehe . Mühlparz, Weiler bei Rutzenham, Hausruckviertel (unklarer Zusammenhang) Parzham, Weiler bei Pennewang, Hausruckviertel (mit -ham „Heim“)Porciheim um 1140; Lit. Müller, 1887, C.1., S. 160; die Quellen werden nicht einem der Parzhams zugeordnet. Parzham, Rotte bei Wallern an der Trattnach, Hausruckviertel (mit -ham ‚Heim‘; ? um 1222 porz) Lambacher Urkunde um 1222, als solches identifiziert von Lit. Müller, 1887, A.2.f) Parz bei Wallern, nordwestlich von Wels, S. 153. Partz, historischer(?) Wald bei Mistelbach bei Wels, Gem. Buchkirchen (1343) Lit. Müller, 1887, A.2.g) Parz bei Schloss Mistelbach in der Gemeinde Buchkirchen nördlich von Wels, S. 153 f. Grillparz, Weiler bei Holzhausen, Traunviertel (wohl: „Grillenhügel“, um 1155 Grilporten) Grillenportz 1324; Angabe bei Lit. Müller, 1887, B.5.a.ß) Grillparz in der Gemeinde Holzhausen, südlich von Oftering, auf der Welser Heide, S. 157. Pörtz, historisches(?) Gehöft bei / in(?) Traun (1460), Urkunde Herzog Albrechts VI. von Oesterreich, ddo. Linz, 15. Februar 1460, im Diplomatarium Habsburgense (= Fontes II. 2, 108); dazu 1475, in Monumenta Habsburgica, Abt. I, Band 3, S. 707; 1478, ebenda Band 2, S. 681; Angaben bei Lit. Müller, 1887, A.2.h) Parz bei Traun auf der Weiserheide, S. 154. Parz, Weiler bei Ohlsdorf, Hausruckviertel Grillenparz, Berg (842 m) bei Oberschlierbach, Traunviertel (wohl: „Grillenberg“) Parzergut, Gehöft bei Auern, Gem. Nußbach, Traunviertel (zu einem Personennamen)