Die Provinz Schlesien (inoffiziell auch als Preußisch-Schlesien bekannt) war eine Provinz im Südosten Preußens. Zu ihr gehörte der größte Teil der historischen Region Schlesien. Ihre Hauptstadt war Breslau. Die Provinz Schlesien bestand von 1815 bis 1919 und nochmals von 1938 bis 1941. In den Jahren 1919 bis 1938 und ab 1941 war sie in die Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien geteilt.

Geschichte mini|Physische Karte von Schlesien im Jahr 1905 Den größten Teil des Herzogtums Schlesien und die Grafschaft Glatz hatte 1742 der preußische König Friedrich II. nach dem Ersten Schlesischen Krieg infolge des Friedens von Berlin zu einer Provinz des Staats Preußen gemacht.Peter Baumgart: Schlesien als eigenständige Provinz im altpreußischen Staat (1740-1806). In Norbert Conrads (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Schlesien. Siedler, Berlin 2002, ISBN 978-3-88680-775-8, S. 346. Nachdem Preußen nach dem Wiener Kongress alle seine Territorien 1815 in neuer Form einheitlich als Provinzen organisiert hatte, kam die nördliche Oberlausitz um Görlitz 1816 zur Provinz Schlesien hinzu. Die historische Teillandschaft Oberschlesien bildete den Regierungsbezirk Oppeln. Niederschlesien wurde in die Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz eingeteilt, sowie kurzzeitig auch in den Regierungsbezirk Reichenbach.

Bis zum Jahr 1870 war Schlesien die bevölkerungsstärkste Provinz des preußischen Staates. Als Teil Preußens gehörte die Provinz bis 1866 zum Deutschen Bund und ab 1871 zum Deutschen Reich. Bei den Reichstagswahlen wählten die überwiegend katholischen Oberschlesier mehrheitlich die Zentrumspartei, die Niederschlesier zunächst überwiegend die Partei der „Deutsch Freisinnigen“, später zunehmend die SPD. Mit der Industrialisierung wurde Oberschlesien mit seinen Steinkohlebergwerken zu einem wichtigen Industriegebiet des Reiches.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Zweite Polnische Republik entstand und Gebietsansprüche auf Teile der östlichen preußischen Provinzen stellte, wurde das Gebiet 1919 in die Provinzen Nieder- und Oberschlesien geteilt, um den vielen slawischsprachigen Oberschlesiern mehr Eigenständigkeit zu geben und sie so in der anstehenden Volksabstimmung in Oberschlesien für das Reich zu halten. Auch infolge der drei polnischen Aufstände in Oberschlesien mussten Teile Oberschlesiens (Ostoberschlesien) 1922 an Polen abgetreten werden. Das Hultschiner Ländchen ging schon 1920 an die Tschechoslowakei.

1938 entstand die Provinz kurzzeitig neu. Nach dem Überfall auf Polen annektiertes Territorium, das im Südosten deutlich über die früheren Grenzen hinausreichte, kam Ende 1939 völkerrechtswidrig dazu.

1941 wieder geteilt, wurde das Gebiet unter Ausschluss militärischer Sperrgebiete 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg von der sowjetischen Besatzungsmacht fast gänzlich der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt. Es begann danach die Zuwanderung von Polen. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem besetzten Teil der Provinz weitgehend vertrieben.

Heute verteilt sich das Gebiet auf die polnischen Woiwodschaften Schlesien, Niederschlesien und Oppeln, ferner auch Lebus, Großpolen und Kleinpolen. Ein kleiner Teil lag in der SBZ und verteilt sich heute innerhalb des Freistaates Sachsen auf die Landkreise Bautzen und Görlitz sowie in Brandenburg auf das Gebiet um die Stadt Ruhland.

Einwohnerentwicklung Obwohl Schlesien, genauso wie die anderen östlichen Provinzen Preußens im 19. Jahrhundert von der sogenannten „Ostflucht“, d. h. der Abwanderung großer Bevölkerungsteile in die sich entwickelnden Industriegebiete Mittel- und Westdeutschlands betroffen war, wuchs die Bevölkerung stark an. Anteilmäßig besonders stark wuchs die Bevölkerung des Regierungsbezirks Oppeln, dessen Anteil an der Provinzbevölkerung von 27 % im Jahr 1816 auf 42 % im Jahr 1910 stieg. +EinwohnerzahlenJahrSchlesiengesamtRegierungsbezirkeBreslauLiegnitzOppeln 1816 1.942.063 779.818 637.461 524.784 1819 2.061.589 561.173 1843 2.948.884 1.117.204 892.056 939.624 1846 3.065.809 987.318 1855 3.178.516 1.227.009 1.014.383 939.124 1871 3.707.167 1.414.584 983.020 1.309.563 1880 4.007.925 1.441.296 1890 4.224.458 1.577.731 1900 4.668.857 1.697.719 1.102.992 1.868.146 1910 5.225.962 1.841.398 1.176.583 2.207.981 1925 4.511.606 1.897.172 1.235.156 1.379.278 1933 4.686.769 1.944.297 1.259.707 1.482.765 1939 4.868.764

Verwaltungseinteilung 1910 mini|Das 1895 erbaute Landeshaus in Breslau war Sitz des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien. Regierungsbezirk Breslau

Stadtkreise Breslau Brieg (seit 1907) Schweidnitz

Kreise und Landkreise

Regierungsbezirk Liegnitz

Stadtkreise Görlitz Liegnitz

Kreise und Landkreise

Regierungsbezirk Oppeln

Stadtkreise Beuthen Gleiwitz Kattowitz Königshütte Neisse (seit 1911) Oppeln Ratibor (seit 1904)

Kreise und Landkreise

Verwaltungskarte mini|hochkant=2.5|center|Stadt- und Landkreise von Schlesien (1905):

mini|hochkant=2.5|center|Sprachensituation in der Provinz Schlesien nach der preußischen Statistik 1905/06. Entwicklung der Sprachenverhältnisse

Die folgenden Tabellen enthalten Daten, die vom preußischen Statistikamt bei der Volkszählung von 1905 erhoben wurden: Region Deutsch Polnisch Mährische Wendisch eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache GesamtReg. Breslau1,701,734 (95,9 %)50,391 (2,8 %)765 (0,0 %)36 (0,0 %)12,151 (0,7 %)8,802 (0,5 %)1,773,879Reg. Liegnitz1,089,266 (96,1 %)12,174 (1,1 %)467 (0,0 %)24,488 (2,2 %)3,254 (0,3 %)3,496 (0,3 %)1,133,145Reg. Oppeln757,200 (37,2 %)1,158,826 (56,9 %)59,205 (2,9 %)42 (0,0 %)5,148 (0,3 %)55,230 (2,7 %)2,035,651 Prov. Schlesien 3,548,200 (71,8 %) 1,221,391 (24,7 %) 60,437 (1,2 %) 24,566 (0,5 %) 20,553 (0,4 %) 67,528 (1,4 %) 4,942,675 Regierungsbezirk Breslau Kreis Deutsch Polnisch Mährische Wendisch eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache Gesamt Breslau (Stadtkreis) 460,366 (97,8 %) 6,286 (1,3 %) 149 (0,0 %) 2 (0,0 %) 1,235 (0,3 %) 2,866 (0,6 %) 470,904 Brieg (Stadtkreis) 25,504 (92,8 %) 1,733 (6,3 %) 33 (0,1 %) 9 (0,0 %) 41 (0,1 %) 166 (0,6 %) 27,486 Schweidnitz (Stadtkreis) 29,424 (96,3 %) 941 (3,1 %) 32 (0,1 %) 2 (0,0 %) 74 (0,2 %) 67 (0,2 %) 30,540 Breslau (Landkreis) 88,282 (97,0 %) 2,252 (2,5 %) 17 (0,0 %) 7 (0,0 %) 153 (0,2 %) 256 (0,3 %) 90,967 Brieg (Landkreis) 35,908 (95,1 %) 1,129 (3,0 %) 4 (0,0 %) (0,0 %) 9 (0,0 %) 711 (1,9 %) 37,761 Frankenstein 45,304 (99,3 %) 169 (0,4 %) 32 (0,1 %) (0,0 %) 119 (0,3 %) 1 (0,0 %) 45,625 Glatz 59,267 (93,5 %) 651 (1,0 %) 7 (0,0 %) (0,0 %) 3,258 (5,1 %) 223 (0,4 %) 63,406 Groß Wartenberg 25,449 (54,2 %) 18,025 (38,4 %) 9 (0,0 %) (0,0 %) 1,348 (2,9 %) 2,133 (4,5 %) 46,964 Guhrau 31,476 (96,0 %) 1,253 (3,8 %) 4 (0,0 %) (0,0 %) 23 (0,1 %) 45 (0,1 %) 32,801 Habelschwerdt 56,560 (98,3 %) 132 (0,2 %) 109 (0,2 %) 2 (0,0 %) 666 (1,2 %) 50 (0,1 %) 57,519 Militsch 46,647 (97,4 %) 1,128 (2,4 %) 2 (0,0 %) 1 (0,0 %) 24 (0,1 %) 85 (0,2 %) 47,887 Münsterberg 31,814 (98,4 %) 444 (1,4 %) 11 (0,0 %) (0,0 %) 48 (0,1 %) 29 (0,1 %) 32,346 Namslau 24,554 (72,5 %) 8,068 (23,8 %) 14 (0,0 %) (0,0 %) 31 (0,1 %) 1,203 (3,6 %) 33,870 Neumarkt 54,841 (97,9 %) 1,046 (1,9 %) 9 (0,0 %) (0,0 %) 33 (0,1 %) 62 (0,1 %) 55,991 Neurode 48,850 (98,4 %) 118 (0,2 %) 45 (0,1 %) 1 (0,0 %) 615 (1,2 %) 26 (0,1 %) 49,655 Nimptsch 28,307 (97,1 %) 743 (2,5 %) 1 (0,0 %) (0,0 %) 71 (0,2 %) 30 (0,1 %) 29,152 Oels 62,760 (97,9 %) 1,020 (1,6 %) 8 (0,0 %) 1 (0,0 %) 63 (0,1 %) 255 (0,4 %) 64,107 Ohlau 54,311 (99,0 %) 445 (0,8 %) 7 (0,0 %) (0,0 %) 27 (0,0 %) 87 (0,2 %) 54,877 Reichenbach 70,773 (98,9 %) 366 (0,5 %) 30 (0,0 %) (0,0 %) 299 (0,4 %) 68 (0,1 %) 71,536 Schweidnitz (Landkreis) 71,102 (98,6 %) 808 (1,1 %) 12 (0,0 %) (0,0 %) 83 (0,1 %) 139 (0,2 %) 72,144 Steinau 22,685 (97,9 %) 449 (1,9 %) 1 (0,0 %) (0,0 %) 22 (0,1 %) 12 (0,1 %) 23,169 Strehlen 32,232 (91,1 %) 285 (0,8 %) 4 (0,0 %) (0,0 %) 2,861 (8,1 %) 2 (0,0 %) 35,384 Striegau 43,187 (98,7 %) 459 (1,0 %) 19 (0,0 %) 3 (0,0 %) 72 (0,2 %) 28 (0,1 %) 43,768 Trebnitz 50,423 (97,7 %) 1,051 (2,0 %) 7 (0,0 %) (0,0 %) 57 (0,1 %) 48 (0,1 %) 51,586 Waldenburg 160,001 (99,0 %) 338 (0,2 %) 193 (0,1 %) 8 (0,0 %) 885 (0,5 %) 178 (0,1 %) 161,603 Wohlau 41,707 (97,4 %) 1,052 (2,5 %) 6 (0,0 %) (0,0 %) 34 (0,1 %) 32 (0,1 %) 42,831 Überhaupt (Reg. Breslau) 1,701,734 (95,9 %) 50,391 (2,8 %) 765 (0,0 %) 36 (0,0 %) 12,151 (0,7 %) 8,802 (0,5 %) 1,773,879 Regierungsbezirk Liegnitz Kreis Deutsch Polnisch Mährische Wendisch eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache Gesamt Görlitz (Stadtkreis) 82,674 (98,7 %) 558 (0,7 %) 20 (0,0 %) 35 (0,0 %) 313 (0,4 %) 166 (0,2 %) 83,766 Liegnitz (Stadtkreis) 59,237 (99,1 %) 321 (0,5 %) 8 (0,0 %) (0,0 %) 115 (0,2 %) 68 (0,1 %) 59,749 Bolkenhain 28,992 (99,1 %) 137 (0,5 %) 63 (0,2 %) (0,0 %) 52 (0,2 %) 11 (0,0 %) 29,255 Bunzlau 62,685 (98,6 %) 680 (1,1 %) 33 (0,1 %) 7 (0,0 %) 111 (0,2 %) 88 (0,1 %) 63,604 Freystadt 53,305 (98,3 %) 699 (1,3 %) 5 (0,0 %) (0,0 %) 106 (0,2 %) 137 (0,3 %) 54,252 Glogau 71,243 (96,7 %) 1,995 (2,7 %) 5 (0,0 %) 4 (0,0 %) 87 (0,1 %) 341 (0,5 %) 73,675 Goldberg-Haynau 49,803 (98,0 %) 875 (1,7 %) 17 (0,0 %) 3 (0,0 %) 53 (0,1 %) 74 (0,1 %) 50,825 Görlitz (Landkreis) 57,554 (99,0 %) 271 (0,5 %) 18 (0,0 %) 81 (0,1 %) 140 (0,2 %) 78 (0,1 %) 58,142 Grünberg 55,740 (98,9 %) 463 (0,8 %) 13 (0,0 %) 2 (0,0 %) 59 (0,1 %) 74 (0,1 %) 56,351 Hirschberg 81,648 (98,8 %) 327 (0,4 %) 38 (0,0 %) 6 (0,0 %) 531 (0,6 %) 124 (0,1 %) 82,674 Hoyerswerda 23,982 (61,2 %) 178 (0,5 %) 32 (0,1 %) 14,425 (36,8 %) 86 (0,2 %) 457 (1,2 %) 39,160 Jauer 34,711 (96,9 %) 1,069 (3,0 %) 5 (0,0 %) (0,0 %) 44 (0,1 %) (0,0 %) 35,829 Landeshut 51,303 (98,6 %) 101 (0,2 %) 36 (0,1 %) 26 (0,0 %) 516 (1,0 %) 28 (0,1 %) 52,010 Lauban 71,147 (99,2 %) 345 (0,5 %) 18 (0,0 %) 5 (0,0 %) 132 (0,2 %) 68 (0,1 %) 71,715 Liegnitz (Landkreis) 40,586 (97,5 %) 899 (2,2 %) 37 (0,1 %) 2 (0,0 %) 58 (0,1 %) 46 (0,1 %) 41,628 Löwenberg 60,532 (98,9 %) 306 (0,5 %) 12 (0,0 %) 8 (0,0 %) 323 (0,5 %) 42 (0,1 %) 61,223 Lüben 31,231 (98,0 %) 569 (1,8 %) 10 (0,0 %) (0,0 %) 27 (0,1 %) 21 (0,1 %) 31,858 Rothenburg 52,995 (81,3 %) 390 (0,6 %) 64 (0,1 %) 9,875 (15,1 %) 256 (0,4 %) 1,624 (2,5 %) 65,204 Sagan 56,595 (98,5 %) 720 (1,3 %) 31 (0,1 %) 9 (0,0 %) 71 (0,1 %) 3 (0,0 %) 57,429 Schönau 24,672 (97,8 %) 474 (1,9 %) (0,0 %) (0,0 %) 81 (0,3 %) 4 (0,0 %) 25,231 Sprottau 38,631 (97,6 %) 797 (2,0 %) 2 (0,0 %) (0,0 %) 93 (0,2 %) 42 (0,1 %) 39,565 Überhaupt (Reg. Liegnitz) 1,089,266 (96,1 %) 12,174 (1,1 %) 467 (0,0 %) 24,488 (2,2 %) 3,254 (0,3 %) 3,496 (0,3 %) 1,133,145