mini|hochkant|Auguste Sallé (1820–1896) Auguste Sallé (* 21. Oktober 1820 in Paris; † 5. Mai 1896 ebenda in der rue Guy de la Brosse 13 im 5. Arrondissement) war ein französischer Naturforscher und Forschungsreisender.Joseph Charles Hippolyte Crosse (1897), S. 83. Sein vorwiegender Forschungsschwerpunkt galt der Entomologie, doch interessierte er sich auch für die Ornithologie und die Malakologie.
Leben und Wirken Sein Vater war der Händler François Sallé. Obwohl Sallé ein hochqualifizierter Forscher und Tierpräparator war, kam er nie in den Genuss eines wissenschaftlich geförderten Auftrages. Alle seine Reisen finanzierte er selbst. Im Februar 1831 brach er im zarten Alter von elf Jahren mit einem Herrn Vasselet und seiner Mutter Marie Catherine Sallé geb. Taillard (1789–1860) zu seiner ersten Reise nach Mexiko auf.Louis Alexandre Auguste Chevrolat (1835), S. IV (in der Fußnote), & S. 191 Vorname der Mutter. Die Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits Witwe S. 178 Seiner Mutter widmete er später Ornismia Catharinae,Auguste Sallé (Revue et magasin de zoologie pure et appliquée, 1849), S. 498. ein Name der heute als Synonym für eine Unterart der Zwergelfe namens (Mellisuga minima vielloti) (, 1812) gilt. Viele der gesammelten Insekten dieser Reise wurden von seinem Patenonkel Louis Alexandre Auguste Chevrolat (1799–1884) in dessen Werk Coléoptères du Mexique beschrieben.Louis Alexandre Auguste Chevrolat (1835), S. 200 (Patenonkel geht aus der Widmung zu Clytus Augusti hervor) Zumindest bis ins Jahr 1835 besuchten sie die mexikanischen Bundesstaaten Veracruz, Puebla und Tlaxcala.Paul Fischer u. a. (1878), S. 3 Nach seinem Mexiko-Aufenthalt zog er weiter nach New Orleans, wo er ebenfalls sammelte. Die Ausbeute von 5200 Käfern schickte er an Chevrolat, der diese 1839 zum Verkauf anbot.Louis Alexandre Auguste Chevrolat (1839), S. 288
Er besuchte und sammelte auf der Insel Saint-Domingue,Philip Lutley Sclater (1857b), S. 224. in Mexiko, insbesondere in den Bundesstaaten Veracruz, Oaxaca, Puebla und Tlaxcala, auf Kuba und einem Teil der Bahamas, sowie anderen Teilen Mittelamerikas.
Zwischen 1846 und 1848 brach Sallé zu einer zweiten Forschungsreise nach Zentralamerika auf. Hier sammelte er beispielsweise am Río Dulce in Guatemala.César Auguste Récluz, S. 69. In dieser Zeit hielt er sich auch in Caracas auf. Hier studierte er gemeinsam mit Luis Maria Rojas (1831–1866) die Insekten Venezuelas.Auguste Sallé (1866), S. 600. In Venezuela sammelte er in verschiedenen Gebieten. Die gesammelten Vogelbälge schickte er nach Paris. Nach deren Ankunft in Europa wurden sie von Gustav Hartlaub (1814–1900), Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857), Frédéric de Lafresnaye (1783–1861) und Philip Lutley Sclater (1829–1913) beschrieben.Eduardo Röhl Arriens, S. 377.
Zur Reise nach Santo Domingo der Hauptstadt der Dominikanischen Republik brach er am 8. Juni 1849 auf.Joseph Charles Hippolyte Crosse (1891), S. 76 Hier machte er Santo Domingo zu seinem Hauptquartier. Es war der Ort, von dem er zu neun Forschungsreisen aufbrach. Während der ersten Reise besuchte er die Provinzen Baní und Azua. Bei seinem zweiten Ausflug erforschte er die Provinz San Cristóbal. Seine dritte Exkursion führte ihn durch die Provinzen Baní, Azua, San Juan und die Sierra de Neiba. Hier erkundete er die Gegend um den Lago Enriquillo sowie den Salzberg Cerro de Sal.Joseph Charles Hippolyte Crosse (1891), S. 77. Nachdem er im fruchtbaren Cibao-Tal in der Provinz La Vega war, kehrte er über die Provinz Barahona zurück. Sein vierter Ausflug ging erneut in die Provinz San Cristóbal. Es folgte eine Reise über Cotuí, der Hauptstadt der Provinz Sánchez Ramírez, in die Provinzen La Vega nach Moca in der Provinz Espaillat weiter über die Provinzen Santiago, die Sabana de Pontón in der Provinz Duarte, Río Yaque del Norte in der Provinz Monte Cristi nach Puerto Plata. Die sechste Exkursion führte ihn über die Sabana Grande in der Provinz San Cristóbal, die Städte El Seibo und Higüey, sowie Kap Macao, Kap Espada und Kap Engagno im äußersten Osten der Insel. Es folgte die siebte Reise in die Provinzen San Cristóbal, Azua und Sierra de Neiba. Als er nach Cotuí aufbrach, lag sein Forschungsschwerpunkt auf der Botanik. Schließlich reiste er bei seinem neunten und letzten Ausflug erneut durch die Provinz San Cristóbal.Joseph Charles Hippolyte Crosse (1891), S. 78. Am 8. Juli 1851 schiffte er zur Rückkehr nach Europa ein.Joseph Charles Hippolyte Crosse (1891), S. 79
Im Laufe des Jahres 1854 wird erneut Mexiko das Ziel seiner Reise. Seine Ausbeute bis zu seiner Rückkehr im Jahr 1856 war reichlich. In dieser Zeit durchstreifte er vor allem den Bundesstaaten Oaxaca, aber auch Veracruz, Puebla waren Teil seiner Erkundungsreisen.Paul Fischer u. a., S. 4 Auf dieser Reise war er immer wieder mit anderen bekannten Sammlern und Naturforschern wie Adolphe Boucard (1839–1905) und François Sumichrast (1829–1882) unterwegs.Adolphe Boucard (1884), S. 306 Viele der gesammelten Vögel wurden von Philip Lutley Sclater (1829–1913) in seinen Artikeln Catalogue of the Birds collected by M. Auguste Sallé in Southern Mexico, with descriptions of new species, On Parus meridionalis and some other species mentioned in the Catalogue of Birds collected by M. Salle in Southern Mexico, List of additional species of Mexican Birds, obtained by M. Auguste Sallé from the environs of Jalapa and S. Andres Tuxtla, On a collection of birds received by M. Sallé from Southern Mexico, On a collection of birds received by M. Sallé from Oaxaca Southern Mexico oder On a collection of birds received by M. Sallé from Oaxaca Southern Mexico beschrieben. Seine malokologischen Exponate landeten in der Sammlung von Hugh Cuming (1791–1865) und wurden von Ludwig Georg Karl Pfeiffer (1805–1877) in seinen Artikeln Description of Forty-seven new species of Helicea, from the collection of H. Cuming,Ludwig Georg Karl Pfeiffer (1855a), S. 100. Description of a new Genus and Twenty-three new species of Pneumonopoma, from the collection of H. Cuming,Ludwig Georg Karl Pfeiffer (1855b), S. 102. Description of twenty-seven new species of Land-Shells, collected by M. Salé in the State of Vera Cruz, Mexico, Description of Thirty-three new species of Land-Shells, from the collection of H. CumingLudwig Georg Karl Pfeiffer (1856b), S. 392. und Beschreibung neuer HeliceenLudwig Georg Karl Pfeiffer (1860), S. 233. beschrieben.
Im Jahr 1862 publizierte er zusammen mit François Charles Émile Fauqueux-Parzudaki (1829–1899) einen Vogelkatalog seiner mexikanische Sammlung. Dieser erschien unter dem Titel Catalogue des oiseaux du Mexique composant les collections de M. A. Sallé. Als Adresse gab er die Rue Guy-de-la-Brosse, 13 an. In seinem Review zum Katalog schrieb Gustav Hartlaub (1814–1900):
Seine malakologische Ausbeute wurden u. a. von Ludwig Georg Karl Pfeiffer (1805–1877), Robert James Shuttleworth (1810–1874Robert James Shuttleworth, S. 42 f.), Wilhelm Bernhard Rudolph Hadrian Dunker (1809–1885), Lovell Augustus Reeve (1814–1865Lovell Augustus Reeve, z. B. S. 365 & Tafel 88 Figur 657.) und Joseph Charles Hippolyte Crosse (1826–1898Joseph Charles Hippolyte Crosse (1891), z. B. S. 100, S. 102 etc.) analysiert und publiziert.
Während der Belagerung von Paris soll er die Sammlung von Maximilien de Chaudoir (1816–1881) in seine Obhut genommen haben.Raphael Meldola, S. XCIV
Im Jahr 1880 besuchte Charles Barney Cory (1857–1921) Europa um sich neues naturhistorisches Material zu besorgen. Bei seiner Stippvisite in Frankreich besuchte er u. a. Sallé und Adolphe Boucard, die sich in Paris als Naturalienhändler niedergelassen hatten.Wilfred Hudson Osgood, S. 154 Um 1880 kauften Osbert Salvin (1835–1898) und Frederick DuCane Godman (1843–1819) die umfangreiche Insektensammlung Sallés.Frederick DuCane Godman, S. 72 Sie war die Grundlage für viele Arten, die unter ihrer Federführung im Werk Biologia Centrali-Americana von Autoren wie Martin Jacoby (1842–1907), Henry Walter Bates (1825–1892), David Sharp (1840–1922), Henry Stephen Gorham (1839–1920), Joseph Sugar Baly (1816–1890) und George Charles Champion (1851–1927) zum ersten Mal für die Wissenschaft beschrieben wurden.
Sallé verstarb nach langer Krankheit in seiner Residenz in der 13, Rue Guy de la Brosse in Paris.Philip Lutley Sclater u. a. (1897), S. 148 Nach seinem Tode wurden seine Buchbestände in einer Auktion versteigert. Den Katalog zur Auktion lieferte Henri Deyrolle (1827–1902). Die Auktion dauerte vom 18. bis 27. Februar 1897.Henri Deyrolle
Mitgliedschaften mini|Widmung von Mulsant in Histoire naturelle des oiseaux-mouches ou colibris constituant la famille des trochilidés Im Jahr 1841 stelle er Victor Debouchel (1820–1864) der Société Cuvierienne als neues Mitglied vor.Société Cuvierienne (1841), S. 304. Er selbst schien der Gesellschaft nie beigetreten zu sein.Alle Mitglieder der Société Cuvierienne werden zwischen 1838 und 1848 in Revue Zoologique namentlich erwähnt. Der Name Sallé findet sich hier aber nicht. Im Jahr 1852 wurde er Mitglied in der Société entomologique de France. Damals wohnte er in der Rue Fontaine-Saint-Georges, 12.Société entomologique de France, S. CXI Im Jahr 1875 wurde er Fellow of the Entomological Society of London. Es folgte im Jahr 1888 von der Academy of Natural Sciences of Philadelphia die Wahl zum korrespondierenden Mitglied.Joseph Leidy, S. 336 Des Weiteren war er Mitglied der Société de Géographie, korrespondierendes Mitglied der Zoological Society of London, der Sociedad Mexicana de Historia Natural, Varaguasia de Caracas etc.Étienne Mulsant u. a. (1877), Widmung am Anfang
Dedikationsnamen Wie sehr Sallé als Sammler in der Wissenschaft bekannt war, zeigt sich in der enormen Anzahl an Widmungen, die ihm zuteilwurden.
Vögel In der Ornithologie ehrte ihn Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857) in einer Unterart des Buschtinamus (Crypturellus cinnamomeus sallaei) (, 1856)Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 954, des Nördlichen Veilchentrogons (Trogon caligatus sallaei)Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 955, des Weißbrauen-Waldsängers (Granatellus sallaei) (, 1856)Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 957. Auch Jules Bourcier (1797–1873) mit dem Graubauch-Schattenkolibri (Phaethornis augusti) (, 1847)Jules Bourcier, S. 623, Jules Verreaux (1807–1873) mit einer Unterart der Montezumawachtel (Cyrtonyx montezumae sallei) (, 1859)Jules Verreaux, S. 35 machten ihm bei der Namensgebung ihre Aufwartung. Bei Chrysotis sallaei handelt es sich um ein Synonym für die Haitiamazone (Amazona ventralis) (, 1776). Die 1891 von Adolphe Boucard beschriebene Art Florisuga salleiAdolphe Boucard (1891), S. 18 gilt heute als Synonym für den Weißnackenkolibri (Florisuga mellivora) (, 1758).
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