mini|hochkant=1.35|Mainbernheim mit evangelischer Kirche
Mainbernheim ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt im 9. Jahrhundert. Durch die Stadt führte eine wichtige Ost-West-Verbindung, die „Alte Reichsstraße“. Diese war eine Fortsetzung der „Goldenen Straße“ und prägte die Entwicklung des Ortes. Mainbernheim ist mit ihrem historischen Stadtkern und dem denkmalgeschützten Arkadenfriedhof eine wenig bekannte Touristenattraktion. Bei der Gebietsreform in Bayern erhielt Mainbernheim nach kurzer Zugehörigkeit zur Verwaltungsgemeinschaft Iphofen wieder seine verwaltungsmäßige Selbstständigkeit.
Die Stadt ist eine Auspendler-Gemeinde, vor allem in die Kreisstadt Kitzingen und die Zentren Würzburg und Nürnberg. Das produzierende Gewerbe und einige Handwerksbetriebe spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt zwischen Kitzingen und Iphofen an den westlichen Ausläufern des Steigerwalds. Südlich des Zentrums verläuft der Sickersbach, dem südwestlich des Stadtgebiets der Buschgraben zufließt, westlich entspringt der Franzosengraben, der in Sickershausen ebenfalls dem Sickersbach zufließt, der dort in den Main mündet.Mainbernheim im BayernAtlas Südlich des Ortes entspringt der Traugraben und fließt in Richtung des Mains.
Gemeindegliederung Außer dem gleichnamigen Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt nur die Gemarkung Mainbernheim. Sie hat eine Fläche von 12,202 km² und ist in 2436 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5009,03 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Rödelsee, Iphofen, Willanzheim, Marktsteft mit OT Michelfeld und Kitzingen.
Naturräumliche Lage Naturräumlich liegt Mainbernheim in der Mainbernheimer Ebene, der die Gemeinde den Namen gibt. Sie hat flachwellige Täler von kleineren Mainzuflüssen wie dem Sickersbach. Die Böden dieser Untereinheit des Steigerwaldvorlandes sind vom leicht formbaren Lettenkeuper geprägt.
Geschichte Ortsname 889 erscheint in einer Urkunde des Königs Arnulf von Kärnten der Ort „bernheim“. Spätere Namensformen waren: 1000 Bernheim 1230 Bernheim 1303/1304 Bernhei(m) prope Kitzingen 1312 Menbernheim 1320 Bernheim prope Mogum 1321 Meunberghei(m) 1322/23 Bernheim prope Ipfhouen 1340 Moinbernheim 1399 Meinbernheim 1404 Meyn–Berenheim 1508 Mainbernheim
Das Grundwort heim bedeutet Wohnung, Behausung, Heimstatt oder Aufenthaltsort. Das Bestimmungswort Bero weist auf den Personennamen hin. Die Lokalisierung erfolgte durch den Zusatz Main.
Ortsgeschichte mini|Im typisch fränkischen Ortskern von Mainbernheim: der Vierröhrenbrunnen Aus dem Namen lässt sich die Entstehung der Siedlung als Heim des Bero in die Zeit der Fränkischen Landnahme datieren. Bero hatte wohl die Aufgabe, einen wichtigen Stützpunkt an der Heerstraße und späteren Reichsstraße als Königszinser zu sichern. Bei der Aufzählung von Gütern, die den Zehnten der Ernten abliefern mussten, wurde der Ort erstmals im Jahre 889 als „bernheim“ in einer Urkunde des Königs Arnulf von Kärnten erwähnt, der die Schenkung seiner Vorgänger Karlmann, Pippin und Ludwig des Frommen an den Bischof von Würzburg bestätigte.
1172 erhielt der Ort von Barbarossa das Privileg des Freien Reichsdorfs,Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 52. nachdem sich die Mainbernheimer einstimmig der unmittelbaren kaiserlichen Gewalt unterstellt hatten. Für die jährliche Abgabe von 25 Malter Weizen waren „die, so im Orte kauften und verkauften, von … Zoll und Umgeld befreit … .“ 1367 bestätigte Karl IV. den Reichsschutz und erlaubte zur Sicherung eine Befestigung mit Pfahlhecke und Wassergraben anzulegen. Anschließend ging der Ort in den Besitz seines Sohnes König Wenzel von Böhmen über und erhielt von ihm 1382 das Stadtrecht. Damit verbunden war ein Marktrecht. Nur durch das Marktrecht kamen Einnahmen in die Stadt, denn es war mit einem Zollrecht gekoppelt. Dieses bildete die Voraussetzung für den Bau der Befestigungsanlagen. Anfangs gab es nur wenige Markttage im Jahr, im Frühjahr und Herbst und an kirchlichen Festtagen. Später wurde der wöchentliche Markt üblich. Die Bauern der Umgebung brachten ihre Erzeugnisse zum Verkauf. Dafür erstanden sie von Kaufleuten oder Handwerkern, was sie selbst nicht herstellen konnten. Kaiser Sigismund erlaubte 1414 einen Wochenmarkt und drei Jahrmärkte in Mainbernheim sowie die Aufnahme von Juden. 1442 verlieh Kaiser Friedrich III. der Stadt den Blutbann, d. h. die Stadtväter hatten das Recht, Todesurteile zu fällen und in der Gemarkung „Gericht“ zu vollstrecken. Von Graf Wilhelm II. von Castell erhielten Mainbernheims Bürger 1457 das Privileg, Pfarrer und Schullehrer selbst auszuwählen. 1494 brandschatzten und plünderten die Ritter Anton von Bibra und Neithart von Thüngen zum Sodenberg die Stadt in der Fehde mit Christoph von Guttenstein. 1525 kam die Stadt unter die Herrschaft der Markgrafen von Ansbach. Mit Ansbach fiel Mainbernheim 1792 an Preußen. Nach den Wirren der Napoleonischen Kriege und der kurzen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg kam der Ort 1814 endgültig zum Königreich Bayern.
mini|hochkant|Die Einnahme Mainbernheims im Jahr 1494 Mindestens seit dem 15. Jahrhundert waren jüdische Familien im Ort ansässig, die sich später eine Synagoge in der Unteren Brunnengasse errichteten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus verwüstet; seitdem wird es als Mehrfamilienhaus genutzt. Eine Gedenktafel aus dem Rathaus wurde am Ort der ehemaligen Synagoge angebracht zur Erinnerung an dieses Geschehen und die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Einwohner in der Shoah.N.N.: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 162
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstörten mehrere Großbrände Teile der Innenstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu reger Bautätigkeit.
Als mit der Gebietsreform in Bayern die Gemeinden neu gegliedert wurden, gehörte Mainbernheim ab dem 1. Mai 1978 fast zwei Jahre lang zur Verwaltungsgemeinschaft Iphofen. Dagegen wehrten sich die Einwohner erfolgreich, so dass Mainbernheim am 1. Januar 1980 wieder ausgegliedert wurde und seine Unabhängigkeit zurückerhielt.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1732Urkunde der Grundsteinlegung der Johanneskirche in Mainbernheim im Archiv des Pfarramts Mainbernheim 1840 1866 1868 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 Einwohner 1267 1592 1389 1389 1381 1330 1346 1394 2055 1775 1780 2190 2311 2297
Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Einwohner 2314 2304 2304 2311 2318 2297 2330 2343 2292 2245 2230 2208 2223 2202 2157
Quelle der Zahlen ohne Einzelnachweis: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 2218 auf 2182 um 36 Einwohner bzw. um 1,6 %. 1998 hatte die Stadt 2354 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik
Bürgermeister Nach drei Wahlperioden, in denen Karl Wolf von den Freien Wählern als Bürgermeister die Geschicke der Stadt lenkte, wurde Peter Kraus (Freie Wähler) bei der Kommunalwahl 2014 zum neuen Ersten Bürgermeister der Stadt Mainbernheim gewählt. Kraus wurde am 15. März 2020 mit 93,7 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.
Im Jahr 2026 wurde nach dem freiwilligen Ausscheiden von Peter Kraus im Rahmen der Kommunalwahl ein neuer Bürgermeister gewählt. Für die kommende Legislaturperiode stellten sich drei Kandidaten zur Wahl: Für die Freien Wähler trat Thomas Bachleitner an, für die SPD Armin Grötsch und für die CSU Thomas Kramer.
Bereits im ersten Wahlgang fiel die Entscheidung zugunsten von Armin Grötsch (SPD). Mit 54,5 % der abgegebenen Stimmen konnte er die Wahl für sich entscheiden und wurde damit zum neuen Bürgermeister gewählt.
Stadtrat Der Stadtrat hat derzeit (ohne Bürgermeister) 14 Mitglieder. Die Stadtratswahlen seit 2014 ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/ListeSitze 2026Sitze 2020Sitze 2014CSU443SPD646FWG.465
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Stadtbefestigung
mini|hochkant=2|Teile der Stadtmauer Oberes Tor in Mainbernheim|mini|200px Befestigte Städte entstanden im Mittelalter vor allem an Plätzen, die für den Austausch von Waren besonders günstig lagen. Sie gingen zum Teil allmählich aus Märkten hervor, auf denen die Kaufleute ihren Handel abwickelten. Seit dem 12. Jahrhundert gründeten Könige und hohe Adlige gezielt neue Märkte.
Eine wichtige Ost-West-Verbindung, die Alte Reichsstraße, führte durch Mainbernheim. Sie war eine Fernhandels- und Heerstraße von Nürnberg nach Frankfurt und die Fortsetzung der Goldenen Straße von Prag nach Nürnberg. Zwei große Tortürme schützten die Eingänge. Bei Sonnenaufgang öffneten die Stadtknechte die Stadttore. Sie wachten den ganzen Tag an den Toren und auf den Wehrtürmen. Das Untere oder das Obere Tor musste jeder Wagen, jeder Fußgänger, jeder Reiter passieren. Der fremde Handelsmann, der mit seinen Waren in die Stadt wollte, wurde dort angehalten und nach Waffen durchsucht. Diese mussten abgegeben werden. In der Stadt herrschte Frieden und Streitigkeiten wurden durch ein Gericht geklärt. Nachdem der Händler Zoll für seine Waren bezahlt hatte, durfte er sich in der Stadt aufhalten. Dicke, hohe Mauern boten den Bewohnern und den Reisenden Schutz und Sicherheit für ihre Waren und den Handel. Nachtwächter gingen mit Laternen durch die Gassen, um Diebe abzuschrecken. Die Vorrichtung für die Fallbrücke am Oberen Tor sowie die Halterungen der schweren Holztore, die am Abend geschlossen wurden, sind noch gut zu erkennen. Wer zu spät kam, musste in einer Herberge vor dem Tor übernachten. Auch unterwegs erhielten die Reisenden Schutz, z. B. übernahmen Mainbernheimer im Auftrag des Königs am höchsten Punkt der heutigen B 8 den Geleitschutz der Händler von den Kitzinger Bürgern. Für das sichere Geleit wurden die Begleiter bezahlt.
Erhalten ist das mittelalterliche Stadtbild mit der weitgehend intakten Stadtmauer, erkennbaren 18 Türmen und zwei Toren. Das in Richtung Kitzingen zeigende Untere Tor mit einer spitzbogigen Durchfahrt wurde um 1400 errichtet. Anfang 1600 erhielt es ein weiteres Stockwerk in Fachwerkbauweise. Beim erneuten Umbau ersetzten die Mainbernheimer die ehemalige Fallbrücke durch eine feste Brücke und ergänzten 1787 den zweigeschossigen Fachwerkbau mit Walmdach zum Torhaus. Dort wohnte der königliche Torwächter. Das Obere Tor zeigt in Richtung Nürnberg. Es entstand zur gleichen Zeit wie das Untere ebenfalls mit spitzbogiger Durchfahrt. Die Rollschlitze für die Zugbrücke, die Halterungen der schweren Tore und der Balken zum Verschließen sowie eine Pechnase sind noch deutlich zu sehen. Der Umbau mit einem achtseitigen Aufsatz und Mansarddach durch Johann David Steingruber endete 1765. Von der Türmerwohnung kann man auf die Stadt und das Umland blicken.
Die gesamte Ummauerung ruht auf Steinbögen. Auf diese Weise konnte Material gespart werden. Es gibt nur einige Fußgängerdurchbrüche und eine nachträgliche größere Öffnung der Ummauerung hinter der evangelischen Kirche. Bei der Neugestaltung des Kirchenvorplatzes im Jahr 2011 wurden Mauerverlauf und Turmstandort im Boden markiert.
Brunnen In Mainbernheim erinnern zahlreiche Brunnen an die für die mittelalterliche Stadt wichtige Versorgung mit Wasser zum Leben, für die Arbeit und den Feuerschutz. Wegen der Bauweise bestand ständige Brandgefahr. Der Türmer musste, wenn irgendwo in der Stadt ein Feuer ausbrach, das Feuerhorn blasen oder die Feuerglocke läuten. Von der Wohnung im Oberen Tor hatte man einen wichtigen Ausblick auf die Stadt und das Umland. Die Bewohner jedes Anwesens waren verpflichtet, einen Wasservorrat zum Löschen bereitzuhalten. Verstöße wurden empfindlich bestraft.