Gandenitz [ˈgandənɪts] ist ein Ortsteil der amtsfreien Stadt Templin im Landkreis Uckermark (Brandenburg). Gandenitz war bis 2003 eine selbständige Gemeinde. mini|Gandenitz auf dem Urmesstischblatt 2846 Gandenitz von 1825

Geographische Lage Gandenitz liegt rd. 7,2 km Luftlinie nordwestlich der (Kern-)Stadt Templin. Die Gemarkung grenzt im Norden an Warthe (Ortsteil der Gem. Boitzenburger Land), im Osten an Klosterwalde (Ortsteil der Stadt Templin), im Süden an die Gemarkung der Kernstadt Templin, im Südwesten an Densow (Ortsteil der Stadt Templin) und im Nordwesten an die Gemarkung der Kernstadt Lychen. Gandenitz ist von Templin aus zunächst über die L 23 und dann von dieser Straße abzweigend auf der K 7330 zu erreichen. Diese Kreisstraße führt weiter über Alt Placht nach Densow. Im Ort beginnt die K 7357, die nach Mahlendorf (Wohnplatz im Ortsteil Warthe der Gem. Boitzenburger Land) führt.

Der größere Teil der Gemarkung ist bewaldet. Die höchsten Erhebungen sind die Leiterberge im Norden der Gemarkung mit 109,5 m. Tiefster Punkt ist der kleine, noch zu Gandenitz gehörige Uferbereich des Netzowsees mit 51,4 m. An der Südgrenze der Gemarkung, aber trotzdem nahe am Ort liegen der kleine Fienensee und der Schulzensee. Sie sind durch die bereits in den Schulzensee einmündende Hermsdorfer Beck (auch Knehdenfließ) miteinander verbunden. Die Hermsdorfer Beck (früher Hermsdorfer Beke) führt weiter zum Netzowsee. In die Hermsdorfer Beck mündet südöstlich vom Ortskern der vom Wohnplatz Moses Krug kommende Metzelthiner Forstgraben. Im Urmesstischblatt von 1826 ist südöstlich des Ortskerns im Verlauf der Hermsdorfer Beck ein weiterer kleiner See ohne Namen verzeichnet. Der bei Berghaus genannte Kripkensee, liegt heute auf der Gemarkung der Kernstadt Templin.

Zum Ortsteil Gandenitz gehören heute die Wohnplätze Küstrinchener Weg, Moses Krug und Heckenhaus Hohenheide. Um 1900 gab es noch weitere Wohnplätze: das Wildwärterhaus Griebchen, ein Zaunwärterhaus westlich des heutigen Heckenhaus Hohenheide, ein Zaunwärterhaus an der Straße nach Mahlendorf, in unmittelbarer Nähe der Leiterberge und den Wohnplatz Teerofen (der noch 1967 als Wohnplatz genannt ist). Das Forsthaus Griebchen war um 1825 bereits vorhanden, kam aber erst 1929 zur Gemarkung Gandenitz. Es wurde 1967 noch als Wohnplatz Waldwärterhaus Wuppgarten genannt, ist heute aber ebenfalls verschwunden.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1319 in einer Urkunde des brandenburgischen Markgrafen Waldemar. Es wird darin als „Gandenitcz“ bezeichnet, in der von Riedel angegebenen Umschrift lautet es Gandenitz. Nach dem Wortlaut der Urkunde schenkte Waldemar der Kirche in Havelberg die Dörfer Polssen und Hermsdorf, nahe bei Gandenitz gelegen (später wüst gefallen und nicht wieder aufgebaut worden). Der Name leitet sich aus einer altpolabischen Grundform * Gąd-nici ab, was als „Ort, wo Leute eines Mannes namens Gąd-n wohnen“. Der Personenname geht auf eine urslawische Form * gosti, godo geigen, musizieren, spielen zurück. Nach der Dorfstruktur ist Gandenitz ein Angerdorf, eine typische Dorfform der deutschen Ostsiedlung. 1324 schlossen der brandenburgische Markgraf Ludwig I. und der mecklenburgische Herzog Heinrich II. einen Vergleich über die Vogteien Jagow, Stolp(e) und Liebenwalde in Gandenitz. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wird Gandenitz wie folgt beschrieben:

Das Dorf hatte 52 Hufen. Jede Hufe gab an Pacht 12 Schillinge, an Bede 3 Schillinge, 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gerste und 2 Scheffel Hafer. Der Pfarrer bearbeitete 4 Dotalhufen. Die Pacht von 4 Hufen bezogen die Söhne des Martin Tunemann. Tydeke Hindenburg, Bürger von Templin zog die Pacht von 4 Hufen ein, Hermann Barstorf hatte Anrecht auf die Pacht von 9 Hufen und Peter Colene auf die Pacht von 6 Hufen. Zacheus Redelsdorf hatte die Hebung auf die Pacht von 4 Hufen und die Pacht der restlichen Hufen sowie die Bede ging an Heinrich Slepekow und seine Brüder. Von diesen restlichen Hufen wurden 16 bewirtschaftet, waren aber für drei Jahre von Abgaben befreit. Die übrigen Hufen lagen wüst. Der Krug lag wüst und gab vorher 24 Schillinge. Auch die 14 Kossätenstellen lagen wüst; sie gaben vorher jeder 6 Pfennige und ein Huhn. Auch die nahe dem Dorfe gelegene Mühle war wüst; sie gab vorher 2 Wispel Getreide („annone“) an Pacht an das Heilig-Geist-Hospital in Templin. Der nahe dem Dorfe gelegene Kalksteinbruch gab 1 Talent. Der nahe gelegene See gehörte ebenfalls dem Heilig-Geist-Hospital in Templin und brachte 2 Garnzüge Fische ein.

15. und 16. Jahrhundert +Entwicklung von 1734 bis 2013JahrEinwohner17341101774150179090180122218172301840344185863618954781925427193944319465541964404197126319813021991282200231920132762017269 1416 wurden die Gebrüder Stepken mit den Abgaben von 16 Hufen in Gandenitz belehnt. Sie besaßen das Recht zur Kalkgewinnung auf der Gemarkung. Sie hatten die Gerichte, Wagendienste und das Schulzengericht. 1445 war das Dorf wüst gefallen. Die wüste Feldmark verlieh der brandenburgische Kurfürst Friedrich II. („der Eiserne“, auch Eisenzahn genannt) der Stadt Templin. Lediglich 2 Höfe mit 4 Hufen, die Achim v.d.Warte besaß, waren davon ausgenommen. Sie sollten aber später ebenfalls der Stadt Templin zukommen. Der Kurfürst hatte sich aber das Recht, Kalk zu brechen vorbehalten, d. h., er konnte dieses Recht auch an andere Personen verleihen. Auch in einer Urkunde von 1459 wird das Dorf explizit als wüst (= unbewohnt) bezeichnet. 1464 verlieh Kurfürst Friedrich der Stadt Lychen das Recht auf der Feldmark Gandenitz Kalkerde zu graben und Kalksteine zu brechen nach ihrem Bedarf. Wann der Wiederaufbau des Dorfes erfolgte, ist nicht genau bekannt. 1560 war Gandenitz z. T. jedenfalls wieder aufgebaut, die Feldmark wieder (z. T.) geräumt. Es war wieder Kirchdorf; der Pfarrer hatte zwei freie Hufen. Die Glocke von 1567 dürfte auch den terminus post quem non der Wiederherstellung der Kirche markieren. Für das Jahr 1578 werden wieder elf Bauern, die elf Hufen bewirtschaften, ein Kossäte, ein Hirte und ein Pachtschäfer genannt, d. h., dass möglicherweise nur ein Teil der früheren Felder wieder in Bewirtschaftung genommen wurden. Eine andere Möglichkeit wäre, dass je drei Hufen der 52 Hufen von 1375 zusammengelegt wurden und die Bauern damit größere Hufen bewirtschafteten.

17. Jahrhundert In den Jahren nach 1616 war auch der Kalkbrennofen wieder in Betrieb. Es gab einer Schäferei und ein Ackerwerk des Rates der Stadt Templin. A1624 wohnten elf Bauern, die elf Hufen bebauten und ein Kossäte im Dorf. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört. Die Bewohner kam um oder flohen. 1649 wurde die wüste Feldmark an einen Bürger namens Fehlow verpfändet. Die Felder waren wieder verwachsen. 1696 löste der Rat der Stadt das Pfand wieder aus.

18. Jahrhundert 1701 zerstörte ein Sturm den Kiefernwald bei Gandenitz. Daraufhin wurde ein Teerofen angelegt und auf acht Jahre verpachtet. Er durfte dabei das nicht weiter nutzbare Holz des Sturmschadens verschwelen. 1702 war das Dorf z. T. wieder aufgebaut. 571 Morgen (zu 300 Quadratruten) und acht Wörden waren wieder geräumt, aber 355 Morgen waren immer noch bewachsen. Der Acker wurde als "mittelmäßig gut" beschrieben. Die Felder waren in elf steuerpflichtige Hufen und eine Ritterhufe eingeteilt. Die Größe eine Hufe betrug, abzüglich der Brache (ein Drittel), 52 Morgen 16½ Quadratruten. Der Pacht für den Teerofen wurde 1709 wegen Holzmangels nicht mehr erneuert. 1711 wurden an Einwohner genannt: zehn Bauern, zwei Paar Hausleute, ein Pachtschäfer und ein Hirte ohne Vieh. Die elf steuerpflichtigen Hufen mussten mit sechs Groschen versteuert werden.

1731 wurde das sog. Rittergut der Stadt Templin näher beschrieben. Es hatte 139 Morgen (zu 400 QR) bzw. 310 Morgen (zu 180 QR) Land in drei Feldern auf der Feldmark Gandenitz, in der ritterfreien, sog. Weidehufe, weiter 119 Morgen (zu 400 QR) bzw. 264 Morgen (zu 180 QR) auf der Feldmark des wüsten Dorfes Hermsdorf (inkl. des sog. Kirchhofs) und 34 Morgen bzw. 75 Morgen auf den sog. Herrenbreiten (oder Gerichtshufen) auf der wüsten Feldmark Hermsdorf. Zusammen hatte das Gut 292 neue Morgen bzw. 649 alte Morgen und 36 (neue?) Morgen Wiesen, auf denen 16 Rinder, 800 Schafe, Schweine und Federvieh gehalten wurden. Die Stadt Templin war wegen der sog. Rittergütern Gandenitz, Knehden und Stempnitz im Landtag auch unter der Ritterschaft vertreten. 1734 wird die Einwohnerschaft mit zehn Bauern, drei Kossäten, drei Häuslingen, einem Leineweber, einem Schneider, zwei Schäfern, einem Hirten, zehn Knechten und sieben Mägden angegeben. Die elf Hufen hatten eine Größe von 28 (neuen) Morgen und 179 Quadratruten. Vor 1771 war erneut ein Teerofen auf der Gemarkung von Gandenitz errichtet worden. Er lag ca. 2,2 km nordnordöstlich des Ortskerns. Er existierte noch bis mind. 1860. Der Wohnplatz ist heute völlig verschwunden. 1775 war Gandenitz wieder selbständige Pfarrei geworden. Es gab ein Vorwerk (das sog. Rittergut), eine Schäferei, einen Teerofen und eine Heideläuferwohnung (Unterförsterei). Neben den zehn Bauern wohnten 10 Kossäten und 20 Büdner und Einlieger im Dorf. Insgesamt gab es 27 Feuerstellen. 1781 wurde das Rittergut gegen eine Jahrespacht von 393 Talern und 15 Groschen und die Zahlung eines Erbstandsgeldes von 400 Talern an die Gemeinde Gandenitz verpachtet. 1784 wurde das Gut jedoch an Tobias Conrad Hornung aus Siegrothsbruch (Gem. Dreetz, Lkr. Ostprignitz-Ruppin) abgetreten. Die jährliche Pacht war auf 340 Taler erniedrigt worden. 1795 gehörten zu diesem Gut: eine Ritterhufe Acker, der Wehdehof in Gandenitz, die Herrenbreiten (auf der urspr. Hermsdorfer Feldmark), der „Eichwerder“ (heute ?), die wüste Dorfstelle Hermsdorf (südöstlich des Dorfkerns) und die drei Seen „Bergsee“ (verlandet), Schulzensee und „Finnsee“ (Fienensee).

19. Jahrhundert 1801 wird das Dorf wie folgt beschrieben: 10 „Ganzbauern“ (Vollbauern), 3 Ganzkossäten, 22 Einlieger, eine Schmiede, Krug, Teerofen und ein Forsthaus in der Gandenitzer Heide. Insgesamt wurden 27 Feuerstellen gezählt. 1805 ging das Gut Gandenitz an einen gewissen Rohde, dessen Familie noch bis mindestens 1850 Pächter war. Um 1850 lasteten auf dem Gut auch nach 22 Taler 12 Groschen und 6 Pfennige Abgaben wegen des Wehdehofes und 22 Scheffel Roggen in natura. Im Veräußerungsfall muss ein Laudemium von 266 Talern, 2 Groschen und 6 Pfennigen entrichtet werden. Teile des Gutes lagen auch auf der Feldmark der Stadt Templin. 1840 war das Dorf auf 45 Wohnhäuser angewachsen. 1843 vernichtete ein Großbrand fast die ganze Südseite des Dorfes. 39 Familien mit etwa 130 Personen wurden obdachlos. Aus den Städten Templin und Lychen sowie den umliegenden Dörfern waren Feuerwehren mit 19 Spritzen und 27 Wasserwagen waren im Einsatz.