SARS-CoV (auch SARS-CoV-1, ) ist ein Virus aus der Familie der Coronaviridae. Eine Infektion mit SARS-CoV kann beim Menschen das Schwere akute Atemwegssyndrom (SARS) verursachen; am 16. April 2003 gab die WHO bekannt, dass SARS-CoV eine Pandemie ausgelöst hat (siehe SARS-Pandemie 2002/2003). Das Genom ist über 29,7 kbp groß und damit eines der umfangreichsten unter den RNA-Viren.

Die als Name verwendete Abkürzung „SARS-CoV“ wurde aus der englische Wortgruppe „severe acute respiratory syndrome coronavirus“ abgeleitet. Das SARS-CoV wird heute mit seinen Subtypen als eine Klade der Spezies (Art) Betacoronavirus pandemicum (seit 30. April 2024, früher ) verstanden. Dies ist eine Art in der Familie Coronaviridae (Coronaviren im weiteren Sinn), zu der weitere Viren bzw. Kladen gehören, insbesondere SARS-CoV-2.ICTV: Taxonomy Browser.ICTV: Virus Metadata Resource (VMR). Der alternative Ausdruck SARS-CoV-1 wird vor allem deshalb anstelle von SARS-CoV verwendet, um das Virus besser von jenem anderen Virus zu unterscheiden, welches SARS-CoV-2 genannt wurde (und zur COVID-19-Pandemie geführt hat). Der Oberbegriff ist die Artbezeichnung Betacoronavirus pandemicum, für deren frühere Bezeichnung gelegentlich auch die (inoffizielle) Abkürzung SARSr-CoV zu finden ist (mit ‚r‘ für ).

Einzelne Isolate bzw. Subtypen der SARS-CoV-Klade werden beispielsweise als „Tor2“ oder „PC4-227“ bezeichnet; wobei empfohlen wird, das jeweilige Virus im Zweifelsfall durch zusätzliche Angaben genauer zu benennen. In neueren Publikationen (2020) wurden die jeweiligen Virusisolate bspw. durch „SARS-CoV-1 Tor2 (AY274119.3)“ oder durch „SARS-CoV_PC4-227, AY613950.1“ genauer spezifiziert, wobei hier zusätzlich die jeweilige GenBank-Zugriffsnummer zu einer DNA-Sequenz des jeweiligen Virus-Genoms angegeben wurden.

Einordnung und Benennung Verschiedene Namen für das SARS-verursachende Virus („SARS-Coronavirus“, „SCV“), bezogen sich bis 2009 zugleich auf die gesamte taxonomische Spezies (damals noch „Severe acute respiratory syndrome coronavirus“ genannt), der dieses Virus angehörte. Und zugehöriges Proposal:

Es wurden Stämme der Coronaviridae-Familie in anderen Säugetieren als dem Menschen gefunden, z. B. in Fledermäusen, die dem SARS-verursachendem Virus beim Menschen ähneln. Ab 2009 war die offizielle Bezeichnung der Spezies Severe acute respiratory syndrome-related coronavirus. Am 30. April 2024 wurde auch für die Arten der Familie Coronaviridae die binäre Nomenklatur eingeführt (Gattungsname plus Art-Epitheton), seitdem lautet die offizielle Bezeichnung der Spezies Betacoronavirus pandemicum (Pandemie-auslösendes Betacoronavirus, siehe dort für weitere Infos). Die Art beherbergt neben dem SARS-verursachenden Virus noch eine Reihe weiterer verwandter Viren, die aber kein SARS beim Menschen auslösen. In der folgenden Zeit wurden weitere Vertreter entdeckt, ohne dass dies die Unterscheidung von SARS-verursachenden Viren und anderen Viren innerhalb dieser Spezies grundlegend erschwert hätte.ICTV Master Species List 2018b.v2. MSL #34, März 2019

Ein weiteres Virus, das zunächst provisorisch als 2019-nCoV bezeichnet wurde, eng mit SARS-CoV verwandt ist und zur gleichen Spezies gehört, wurde Anfang 2020 als SARS-CoV-2 bezeichnet.Die Benennung als „SARS-CoV-2“ wurde als Vorabdruck (Preprint) von Gorbalenya et al. (7. Feb. 2020; biorxiv.org vorgeschlagen und in einer Veröffentlichung durch die „Coronaviridae Study Group of the ICTV“ (2. März 2020; PMID 32123347; doi:10.1038/s41564-020-0695-z) bestätigt. Die Verwandtschaft zwischen SARS-CoV und SARS-CoV-2, dem zweiten Pandemie-verursachenden Virus in dieser Spezies, wird vor allem durch Genomanalysen kenntlich.

In der gegenwärtig gültigen Liste für die Einordnung und Benennung von Viren, die durch das ICNV herausgegeben wurde, ist „SARS-CoV“ eine Kurzbezeichnung, die z. B. für zwei Virus-Isolate (bzw. Subtypen) verwendet wird: „Tor2“ und „PC4-227“; der Ausdruck „SARS-CoV-1“ taucht dort nicht auf.

Zusammen mit dem Vorschlag, das 2019 als Erreger einer Krankheit (COVID-19) neu in Erscheinung getretene Coronavirus „SARS-CoV-2“ zu nennen, kam auch die Idee auf, das lange vorher in Erscheinung getretene Coronavirus besser als „SARS-CoV-1“ (statt „SARS-CoV“) zu bezeichnen, um die Viren besser unterscheiden zu können; frühe Beispiele stammen aus Februar 2020.

Wenn wie hier eine Virusspezies eine Vielzahl von Viren (Stämmen), Subtypen und Isolaten enthält, dann ist deren Systematik und Einteilung eine schwierige Frage. Die offizielle Virus-Taxonomie des ICTV sieht keine Ränge unterhalb von „species“ vor (insbesondere auch keine „subspecies“).

Zwei solcher Gruppen (Kladen) der Spezies Betacoronavirus pandemicum sind zum einen die Varianten der SARS-Erreger und zum anderen die Varianten der COVID-19-Erreger. Beide Gruppen weisen jeweils mehrere verschiedene Isolate auf (bspw. „BJ-01“ bis „BJ-04“ bei „SARS-CoV“), die alle derselben Spezies angehören. Die Arbeitsgruppe vom Internationalen Komitee für die Taxonomie der Viren, welche für die Coronaviridae zuständig ist („Coronaviridae Study Group of the International Committee on Taxonomy of Viruses“), bezeichnete die beiden Viren, „SARS-CoV“ (jenes Virus, das die Krankheit SARS hervorrufen kann) und „SARS-CoV-2“ (jenes Virus, das die Krankheit COVID-19 hervorrufen kann) als Kladen zugeordnete Viren, als „Schwesterkladen“ („sister clades“) innerhalb derselben Spezies („species“), Severe acute respiratory syndrome-related coronavirus (jetzt Betacoronavirus pandemicum). Die Arbeitsgruppe gab die Empfehlung, künftig nicht nur die grundsätzliche Virus-Bezeichnung (also z. B. „SARS-CoV“ oder „SARS-CoV-2“) innerhalb von Publikationen anzugeben, sondern weitere Angaben hinsichtlich des jeweiligen Isolates bzw. Stammes zu machen (z. B. in dem auch bei Influenzaviren gebräuchlichen Format Virus/Wirt/Ort/Isolat/Datum; ggf. Zugriffsnummer zur Genomsequenz).

Bei vergleichenden Untersuchungen ist es praktikabel, sowohl die Gruppe von Krankheitserregern, als auch das konkret verwendete Isolat anzugeben; bei van Doremalen et al. (2020) wurden z. B. sowohl Ausdrücke für die beiden Gruppen („SARS-CoV-2“ und „SARS-CoV-1“), als auch konkrete Stammbezeichnungen („nCoV-WA1-2020“ und „Tor2“) sowie Zugriffsnummern für die jeweiligen Genomsequenzen („MN985325.1“ und „AY274119.3“) angegeben.In van Doremalen et al. (2020; PMID 32182409): „SARS-CoV-2 nCoV-WA1-2020 (MN985325.1) and SARS-CoV-1 Tor2 (AY274119.3) were the strains used.“; Übersetzung: „SARS-CoV-2 nCoV-WA1-2020 (MN985325.1) und SARS-CoV-1 Tor2 (AY274119.3) waren die verwendeten Stämme.“

In Publikationen werden die Kurzformen SARS-CoV, SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 zumeist als Namen verwendet, während die ausgeschriebenen Formen zumeist als Erklärungen für diese Namen zu finden sind. Bei Verwendung des Ausdrucks „SARS-CoV-1“ als Namen wurden unterschiedliche ausgeschriebene Formen zur Erklärung des Namens verwendet, solche mit Einbeziehung der Ziffer (die ersten beiden Beispiele) und solche ohne Einbeziehung der Ziffer (die letzten beiden Beispiele):

„… data from severe acute respiratory syndrome coronavirus 1 (SARS-CoV-1), the virus responsible …“, „… by its sister coronaviruses such as severe acute respiratory syndrome coronavirus-1 (SARS-COV-1) and …“, „… candidates for severe acute respiratory syndrome (SARS-CoV-1) and provided a brief overview of …“, „… Analysis of the first severe acute respiratory syndrome coronavirus (SARS-CoV-1) outcomes in 2003, and …“.

Struktur Das SARS-Coronavirus besitzt ein für die Virusfamilie typisches Genom und eine typische Struktur. Die Erbinformation ist in einem 29.751 Nukleotide langen einzelsträngigen RNA-Genom gespeichert.Marco A. Marra, Steven J. M. Jones1, Caroline R. Astell, Robert A. Holt: The Genome Sequence of the SARS-Associated Coronavirus. In: Science, 30. Mai 2003:Band  300, Nr. 5624, S. 1399–1404: doi:10.1126/science.1085953 (). Wie andere Coronaviren ist das Virion von SARS-CoV kugelförmig mit einem Durchmesser von rund 125 nm. Das Virus verfügt über vier Strukturproteine, Spike (S), Membrane (M), envelope (E) und nucleocapsid (N).A. R. Fehr, S. Perlman: Coronaviruses: an overview of their replication and pathogenesis. In: Methods Mol Biol., Nr. 1282, 2015, S. 1–23; (). mini|Darstellung eines verwandten Virus aus der Familie Coronaviridae ohne Maßstab

Herkunft Aufgrund genetischer Untersuchungen von Betacoronaviren in Fledermäusen in Südostasien wurde eine evolutionäre Entwicklung des Virus bei der Übertragung über mehrere Wirte, von Fledermäusen bis hin zum Menschen, postuliert, die von einem Vorläufer des SARS-CoV bis zum humanpathogenen SARS-CoV reichen würde.Meriadeg Ar Gouilh, Sébastien J. Puechmaille, Jean-Paul Gonzalez, Emma Teeling, Pattamaporn Kittayapong, Jean-Claude Manuguerra: SARS-Coronavirus ancestor’s foot-prints in South-East Asian bat colonies and the refuge theory. In: Infection, Genetics and Evolution, Band 11, Nr. 7, Oktober 2011, S. 1690–1702; doi:10.1016/j.meegid.2011.06.021, PMID 21763784 (). Verschiedene Coronavirus-Isolate bei mehreren Fledermausarten und bei Larvenrollern wurden zusammen mit dem menschlichen SARS-CoV auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgeführt.Susanna K. P. Lau, Kenneth S. M. Li, Yi Huang, Chung-Tong Shek, Herman Tse, Patrick C. Y. Woo et al.: Ecoepidemiology and complete genome comparison of different strains of severe acute respiratory syndrome-related Rhinolophus bat coronavirus in China reveal bats as a reservoir for acute, self-limiting infection that allows recombination events. In: Journal of Virology, Band 84, Nr. 6, März 2010, S. 2808–2019; doi:10.1128/JVI.02219-09, Epub 13. Januar 2010, PMID 20071579 (). Bei einer genaueren Analyse zu den Ursprüngen des SARS-CoV durch Xu et al. (2014) wurde von den untersuchten Coronavirus-Stämmen bei Fledermäusen der Stamm Bt-SLCoV Rp3 als derjenige bestimmt, der dem SARS-Virus am nächsten stehen würde; der Stamm Bt-SLCoV Rp3 infiziert die Chinesische Hufeisennase (Rhinolophus sinicus).Dezhong Xu, Huimin Sun, Haixia Su, Lei Zhang, Jingxia Zhang, Bo Wang, Rui Xu: SARS coronavirus without reservoir originated from an unnatural evolution, experienced the reverse evolution, and finally disappeared in the world. In: Chinese Medical Journal, Band 127, Nr. 13, 5. Juli 2014, S. 2537–2542; doi:10.3760/cma.j.issn.0366-6999.20131328 (). Als Larvenroller-infizierende Isolate wurden SARS-CoV SZ3 und SZ16 identifiziert.Ming Wang et al.: SARS-CoV Infection in a Restaurant from Palm Civet. In: Emerg Infect Dis., Band 11, Nr. 12, Dezember 2005, S. 1860–1865; doi:10.3201/eid1112.041293, , PMID 16485471 ().

Im Jahr 2017 hatten Hu und Kollegen verschiedene Spezies von Fledermäusen aus einer Höhle in der chinesischen Provinz Yunnan untersucht. Sie wurden fündig in Hufeisennasen (Rhinolophidae) der Spezies R. sinicus, R. ferrumequinum, R. affinis und in Rundblattnasen (Hipposideridae) der Spezies Aselliscus stoliczkanus. Die Ergebnisse legten nahe, dass der bis dato dem SARS-CoV am nächsten stehende Vorläufer, das WIV16, eine Rekombinante aus drei Viren der Spezies SARS-assoziiertes Coronavirus (SARSr-CoV) ist (siehe Reassortment), die in Fledermäusen dieser Höhle vorkommen (WIV1, Rs4231 und Rs4081). Es kann daher davon ausgegangen werden, dass auch bei Coronaviren eine Rekombination des Genoms zwischen verschiedenen Viren möglich ist, obwohl dieses unsegmentiert (monopartit) ist, d. h. aus einem einzigen Nukleinsäurestrang (hier ssRNA) besteht – im Gegensatz etwa zu Influenzaviren, deren Genom aus 8 Teilen besteht.

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