David Martyn Lloyd-Jones (* 20. Dezember 1899 in Cardiff, Wales; † 1. März 1981 in Ealing, London Borough of Ealing (21. Januar 2008, englisch, abgerufen am 31. Mai 2026)) war ein walisischer reformierter Prediger und Mediziner. Im 20. Jahrhundert hatte er durch seine Predigten großen Einfluss auf den reformierten Flügel der evangelikalen Bewegung in Großbritannien. Beinahe 30 Jahre lang war er Prediger der Westminster Chapel in London. Er wandte sich ausdrücklich gegen Liberale Theologie und bezeichnete sie als Irrweg. Darüber hinaus war er ein Gegner eines toleranten, liberalen Ansatzes von Kirchlichkeit und ermutigte evangelikale Christen vor allem aus den anglikanischen Gemeinden, ihre Denomination zu verlassen. Nach seiner Ansicht ist wahre christliche Gemeinschaft nur unter Christen möglich, die gemeinsame Glaubenssätze vertreten.

Leben Jugend, Arbeit als Arzt und Berufung als Prediger Lloyd-Jones wuchs in Llangeitho, Ceredigion, auf. Sein Vater war Lebensmittelhändler, seine Mutter hieß Magdalin Evans (1872–1951), genannt Maggie. (21. Januar 2008, englisch, abgerufen am 31. Mai 2026) Er hatte zwei Brüder, von denen der eine, Harold, während der Spanischen Grippe 1918 starb. Sein Bruder Vincent wurde Richter am High Court of Justice.Eveson 2004, S. 7–8. Llangeitho wird mit dem Welsh Methodist revival in Verbindung gebracht, da in dieser Stadt Daniel Rowland predigte. Lloyd-Jones besuchte zwischen 1914 und 1917 Grammar School und begann danach an St Bartholomew’s Hospital als Medizinstudent. 1921 begann er als Assistenzarzt beim Königlichen Arzt Sir Thomas Horder (1st Baron Horder). Lloyd-Jones erlangte den Doktorgrad an der Universität London und setzte sein Studium mit dem Membership of the Royal College of Physicians fort.Eveson 2004, S. 41. In dieser Zeit rang er mit sich, denn er fühlte eine Berufung zu predigen. 1927 ging er nach Aberavon (Port Talbot in Wales). Er folgte der Einladung einer Gemeinde, dort zu predigen. In der Zwischenzeit hatte er im gleichen Jahr Bethan Phillips (1898–1991) geheiratet (21. Januar 2008, englisch, abgerufen am 31. Mai 2026), mit der er später die beiden Töchter Elizabeth und Ann hatte.

Westminster Chapel mini|Westminster Chapel 2009 Nach einem Jahrzehnt in Aberavon kehrte er 1939 nach London zurück, wo er zum associate pastor der Westminster Chapel ernannt worden war. Er arbeitete dort neben G. Campbell Morgan. Am Tag vor seiner Einführung brach der Zweite Weltkrieg in Europa aus. Im selben Jahr wurde er auch Präsident des Inter-Varsity Fellowship of Students. Während des Krieges zog Lloyd-Jones mit seiner Familie nach Haslemere in Surrey. 1943 ging Morgan in den Ruhestand und überließ Lloyd-Jones die Pastorenstelle der Westminster Chapel.

Lloyd-Jones war berühmt für seinen Stil, die Bibel durch ihre eigenen Worte auszulegen (expository preaching). Seine Sonntagmorgen-Gottesdienste und Abendpredigten zogen tausende Zuhörer an und auch die Freitag-Abend-Bibelstunden, die ebensolche Predigten waren, wurden von Menschenmassen besucht. Lloyd-Jones nahm sich viele Monate, teilweise sogar Jahre Zeit, um einzelne Kapitel der Bibel Vers für Vers auszulegen. Seine Predigten dauerten zwischen fünfzig Minuten und einer Stunde und wurden von Studenten der Universitäten und Colleges in London häufig besucht. Transkriptionen und Nachdrucke seiner Predigten wurden verbatim in den Westminster Records veröffentlicht.

Der Evangelikalen-Streit Lloyd-Jones erregte 1966 eine heftige Diskussion, als er auf der National Assembly of Evangelicals alle Verantwortlichen mit evangelikalen Überzeugungen aufrief, die Denominationen zu verlassen, die sowohl liberale als auch evangelikale Gemeinden umfassen. Dies wurde vor allem auf Christen in der Church of England bezogen, obwohl nicht klar ist, ob dies seine Haupt-Intention war. Als einflussreiche Person für die Menschen in Freikirchen hatte Lloyd-Jones die Hoffnung, Christen mit evangelikalen Ansichten zu ermutigen, sich von Gemeinden zurückzuziehen, die andere Ansichten pflegten.

Lloyd-Jones wurde jedoch von dem führenden anglikanischen Evangelikalen John Stott scharf kritisiert. Obwohl Stott nicht auf der Rednerliste stand, nutzte er seine Position als Vorsitzender der Veranstaltung, um Lloyd-Jones öffentlich zu widersprechen. Er stellte fest, dass diese Meinung gegen Geschichte und biblische Überlieferung verstoße (John Stott verehrte Lloyd-Jones Arbeit sehr und zitierte ihn oft in seinen eigenen Büchern). Dieser offene Schlagabtausch zwischen zwei führenden britischen Evangelikalen wurde in der christlichen Presse weit verbreitet und löste bedeutende Kontroversen aus.

Im folgenden Jahr fand der erste National Evangelical Anglican Congress statt, der an der Keele University abgehalten wurde. Anlässlich dieser Konferenz verpflichteten sich evangelikale Anglikaner, hauptsächlich aufgrund Stotts Einfluss, zur vollen Mitarbeit in der Church of England und wiesen den separatistischen Ansatz von Lloyd-Jones zurück.

Diese beiden Konferenzen setzten den Kurs von großen Teilen der britischen evangelikalen Gemeinschaft fest. Auch wenn die Diskussion um die genaue Meinung von Lloyd-Jones weiter geht, bewirkte sie doch unzweifelhaft die Aufspaltung in zwei Gruppierungen mit gegensätzlichen Ansichten. Diese Positionen und die folgende Trennung setzen sich bis heute fort.Thirty Years of Hurt? Alan Gibson, Evangelicals Now

Lebensabend Lloyd-Jones beendete seinen Predigtdienst in Westminster Chapel 1968, nachdem er sich einer großen Operation unterzogen hatte. Er sprach in seiner Freitag-Abend Bibelstunde davon, dass Gott ihn aufhören ließ, über den Römerbrief zu predigen, weil er persönlich nicht genug über die „Freude im Heiligen Geist“ wisse. Dies wäre der Text seiner nächsten Predigt gewesen . Für den Rest seines Lebens konzentrierte er sich darauf, seine Predigten herauszugeben, andere Prediger zu beraten, Briefe zu beantworten und Konferenzen zu besuchen. Eine seiner berühmtesten Veröffentlichungen ist ein 14-bändiger Kommentar zum Römerbrief, dessen erster Band 1970 veröffentlicht wurde.

Obwohl er den größten Teil seines Lebens und seines Wirkens in England verbrachte, war Lloyd-Jones stolz auf seine Wurzeln in Wales. Am deutlichsten drückte er seine Anteilnahme für sein Heimatland durch seine Unterstützung des Evangelical Movement of Wales aus: Er war regelmäßig Referent auf Konferenzen.The Living God. In: The Evangelical Magazine of Wales, April 1981 Dort predigte er in Englisch und Walisisch. Seit seinem Tod hat die Bewegung verschiedene Bücher in Englisch und Walisisch mit einer Auswahl seiner Werke veröffentlicht.

Lloyd-Jones predigte das letzte Mal am 8. Juni 1980 in der Barcombe Baptist Chapel. Er starb am 1. März 1981, dem St. David's Day, im Alter von 81 Jahren in Ealing. Er wurde im Newe Gelli Cemetery in Newcastle Emlyn, West-Wales, beigesetzt. Ein Dankgottesdienst wurde am 6. April in der Westminster Chapel abgehalten. (21. Januar 2008, englisch, abgerufen am 31. Mai 2026)

Seit seinem Tod wurden verschiedene Publikationen über Lloyd-Jones und sein Werk veröffentlicht. Am bekanntesten ist eine zweibändige Biographie von Iain Murray.

Vermächtnis mini|Martyn Lloyd-Jones' Tochter Elizabeth und ihr Mann Fred Catherwood, bei Eden Baptist Church, Cambridge, 2012.

Charismatische Bewegung Martyn Lloyd-Jones hat Verehrer aus den unterschiedlichsten Denominationen. Ein vieldiskutierter Aspekt seines Vermächtnisses ist seine Verbindung zur Charismatischen Bewegung. Respektiert von vielen Kirchen dieser Bewegung, lehrte er die Geistestaufe als eine bestimmte Erfahrung im Gegensatz zu der Vorstellung von Konversion und Erneuerung durch den Heiligen Geist.John Piper: A Passion for Christ-Exalting Power, Bethlehem Conference for Pastors: Desiriŋ God (January 30, 1991) Tatsächlich drängte er seine Zuhörer zum Ende seines Lebens stärker, eine Erfahrung mit dem Heiligen Geist zu suchen. In seiner Auslegung zu schreibt er beispielsweise: Weißt du irgend etwas von diesem Feuer? Wenn du nichts davon weißt, bekenne es Gott und gib es zu. Bereue und bitte Ihn, seinen Geist zu senden und seine Liebe in dich zu gießen, bis du geschmolzen und bewegt wirst, bis du mit seiner göttlichen Liebe gefüllt bist und kenne Seine Liebe zu dir und erfreue dich in ihr als sein Kind und schau auf die Hoffnung der kommenden Herrlichkeit. Lösch nicht den Geist, sondern vielmehr sei 'erfüllt vom Geist' und 'freue dich in Christus Jesus' (Eph. 4, 30).Do you know anything of this fire? If you do not, confess it to God and acknowledge it. Repent, and ask Him to send the Spirit and His love into you until you are melted and moved, until you are filled with his love divine, and know His love to you, and rejoice in it as his child, and look forward to the hope of the coming glory. 'Quench not the Spirit', but rather 'be filled with the Spirit' and 'rejoice in Christ Jesus'. Lloyd‐Jones 1976, S. 275

Ein Teil von Lloyd-Jones' Betonung der Notwendigkeit einer Geistestaufe basierte auf seiner Überzeugung, dass dies eine überwältigende Sicherheit von Gottes Liebe erzeugt und Christen dadurch befähigt, offen den Glauben in einer ungläubigen Welt zu bezeugen.John Piper: A Passion for Christ-Exalting Power. 30. Januar 1991, Bethlehem Conference for Pastors: Desiriŋ God.

Neben der Betonung, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist ein Werk Jesu Christi ist, das sich von der Erlösung unterscheidet, widersprach Lloyd-Jones auch der Ansicht, dass die Wirkungen des Heiligen Geistes mit Sprachengebet, prophetischem Wort und Heilung mit den ersten Aposteln ausgestorben seien. Er vertrat die Ansicht, dass diese Behauptung nicht auf dem Zeugnis der Heiligen Schrift basiert. Tatsächlich verfügte er, dass der Banner of Truth Trust, der Verlag, den er mitbegründete, seine Werke zu diesem Thema erst nach seinem Tode veröffentlichen dürfe. Er vertrat die Ansicht, dass Personen, welche die Position des Cessationism einnahmen, wie zum Beispiel B. B. Warfield, den 'Geist auslöschen'. Er verkündete, es sei notwendig, dass Gott in der Welt aktiv wirke und dass es nötig sei, dass er durch Wunder seine Macht demonstriere, so dass Prediger Gehör in der Welt finden, die gegenüber dem wahren Gott und dem Christentum generell feindlich eingestellt sind. In: The Evangelical Magazine of Wales, April 1981 ; editor's note confirms regular attendance at Ministers' Conferences Ich denke es ist ganz ohne biblische Grundlage zu sagen, dass alle diese Gaben mit den Aposteln beziehungsweise in der apostolischen Zeit endeten. Ich glaube, dass es auch seither unzweifelhafte Wunder gegeben hat. Gleichzeitig gehören die meisten der Wunder, die von Pfingstlern und anderen geltend gemacht werden, sicherlich nicht in diese Kategorie und können psychologisch oder auf andere Arten erklärt werden. Ich bin auch der Meinung, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Menschen, die behaupten in Zungen zu sprechen, heutezutage sicher unter psychologischem und nicht unter geistlichem Einfluss stehen. Und trotzdem würde ich mich nicht trauen zu sagen, dass „Zungenrede“ heute unmöglich sei.I think it is quite without scriptural warrant to say all these gifts ended with the apostles or the apostolic era. I believe there have been undoubted miracles since then. At the same time most of the claimed miracles by the Pentecostalists and others certainly do not belong to that category and can be explained psychologically or in other ways. I am also of the opinion that most, if not all, of the people claiming to speak in tongues at the present time are certainly under a psychological rather than a spiritual influence. But again I would not dare to say that “tongues” are impossible at the present time. Letter to Dr. Gerald Golden", September 1969.

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