El Dorado ist ein französisches Stummfilm-Melodrams von Marcel L’Herbier aus dem Jahr 1921. Es entstand nach einem Drehbuch, das er zusammen mit Dimitri Dragomir verfasste, für die Produktionsfirma Léon Gaumonts. Es erschien in Gaumonts Série „Pax“.vgl. Roy Armes: "He came to prominence in the years 1919–1922 with a series of films made for Léon Gaumont’s „Pax“ series. Among the half-dozen films made for Gaumont, two at least stand out as artistic and commercial successes: L’Homme du large, a melodrama shot partly on location on the Brittany coast, where the director’s interest in visual effects and symbolism is very apparent; and El Dorado, a Spanish drama in which L’Herbier’s use of cinema to convey the mental and psychological states of characters finds perfect expression. El Dorado achieved a success to match that of Gance’s La Roue the following year." filmreference.com In der Hauptrolle war der Star des impressionistischen französischen Films Ève Francis zu sehen.
Handlung Sybilla wurde von ihrem Liebhaber, dem Großbürger Esteria, verlassen und muss sich nun als Tänzerin in einem drittklassigen Nachtlokal, dem titelgebenden El Dorado, verdingen, um sich und ihr krankes Kind, das sie von ihm hat, durchzubringen. Esteria weigert sich, sie anzuerkennen und zu unterstützen. Daher steht sie zusätzlich noch dem schwedischen Maler Hedwick Modell. Als sie eine Aussprache mit Esteria herbeizuführen versucht, wird sie aus seinem Hause hinausgeworfen. Da entschließt sie sich, an ihm Rache zu nehmen.
Esteria möchte seine eheliche Tochter Iliana vorteilhaft verheiraten. Iliana aber liebt den Maler Hedwick. Sie wollen sich gerade an dem Abend treffen, an dem Iliana sich mit einem wohlhabenden Aristokraten verloben soll. Das ist für Sybilla die Chance, Esteria zu kompromittieren, indem sie Iliana und ihren Geliebten bloßstellt. Nun platzt die Verlobung und Hedwick und Iliana suchen Zuflucht bei Hedwicks Mutter, die in einem Haus in den Bergen der Sierra Nevada wohnt. Ehe sie fliehen, bieten sie Sybilla an, ihr krankes Kind mitzunehmen, auf dass es sich dort in dem gesunden Klima und unter guter Pflege erhole.
Nur zögernd willigt Sybilla ein. Doch als sie, in ihr einsames Zimmer im El Dorado zurückgekehrt, auch noch um ein Haar von dem Clown Joao vergewaltigt wird, übermannt sie die Verzweiflung. Sie weiß: sie wird ihr Kind nie wieder sehen. Da geht sie ein letztes Mal hinaus und tanzt wie um ihr Leben. Für den Tanz erhält sie von dem betrunkenen und lüsternen Publikum des El Dorado rasenden Beifall. Dann aber geht sie hinter die Bühne und sticht sich den Dolch ins Herz.
Hintergrund Die Photographie lag in den Händen von Georges Lucas und Georges Specht. Die Kostüme entwarf Alberto Cavalcanti. Das Bühnenbild schufen Robert-Jules Garnier und Louis Le Bertre. Außenaufnahmen wurden in Andalusien, in den Städten Granada und Sevilla, und in der Sierra Nevada gedreht; L’Herbier war der erste, der eine Drehgenehmigung für Aufnahmen in der berühmten Alhambra bekam.vgl. : “Another early figure of the cinema such as Marcel L’Herbier filmed in 1921 one of the masterpieces of French cinema, El Dorado, with the monumental complex as the setting of a melodrama between impressionism film and an emerging folk film.” Er hielt auch die spektakuläre Osterprozession in Sevilla im Bilde fest und baute sie in seine Filmhandlung ein.
Die Innenaufnahmen entstanden in den Studios La Villette, Paris 19, Buttes Chaumont.
Marcel L’Herbier war sich bewusst, welche bisher nie dagewesenen Dimensionen eine geeignete Begleitmusik seinen Filmbildern eröffnen würde. Daher gab er bei dem jungen Komponisten Marius-François Gaillard eine bildsynchrone Orchesterpartitur in Auftrag.
El Dorado wurde in Paris am 28. Oktober 1921 im Gaumont-PalacePariser Großkino in der rue Caulaincourt im 18e arrondissement, 1899 von den Architekten Cambon, Galeron und Duray erbaut, seit 1911 Gaumont-Palace genannt, 1973 eingerissen. Vgl. fr.wiki:fr:Gaumont-Palace mit Begleitung eines 70 Mann starken SymphonieorchestersAntti Alanen: El Dorado. In: Film Diary. Montag, 3. Oktober 2011. Abgerufen am 6. September 2018 (englisch). uraufgeführt. Der Film lief auch in Polen, Spanien, Portugal und Finnland, in Übersee sogar in Japan; dort hatte er am 12. Februar 1926 Premiere.
Rezeption
Internationale Kritiken
An die Filmmusik erinnert sich L’Herbier in einem Interview, das er 1968 J.A. Fieschi gab:Interview, in Cahiers du Cinéma (Paris), no. 202, 1968. Vgl. filmreference.com
Touve R. Ratovondrahety, Organist und Pianist von der Opera de Paris, der zu der Aufführung von Marcel L’Herbier’s “El Dorado” auf dem Festival Le Giornate del Cinema Muto in Pordenonevgl. Programm bei cinetecadelfriuli am 3. Oktober 2011 die Originalmusik von Marius-Francois Gaillard als Klaviersolo ausführte,vgl. schreibt über die Komposition:
Technisches Hilfsmittel
Henri Colpi berichtet von den Erfahrungen, die mit einem Apparate gemacht wurden, mit dessen Hilfe der Dirigent zur besseren Übereinstimmung von Musik und Film bei Bedarf die Filmlaufgeschwindigkeit regulieren konnte.vgl. „Défense et illustration de la musique de film“ (SERDC, 1963): “l’installation d’un appareil qui permettait, dans certaines conditions, de régler la vitesse de défilement de la pellicule afin de mieux synchroniser images et sons”. Ähnliche Einrichtungen sind auch aus deutschen Lichtspielhäusern bekannt geworden, vgl. Gero Gandert im Gespräch mit Werner Schmidt-Boelcke, S. 46–47.
Wiederaufführung
Gaumont ließ den Film 1995 vom Service des Archives du Film des CNC in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art MOM in New York, der Cinémathèque française und dem Schweizer Film-Archiv restaurieren. Die Arbeiten standen unter der Leitung von Pierre Philippe und Philippe Esnault.vgl. Fitzcarraldo, 2 Sept. 2005, bei divxclasico.com: “sous la direction de Pierre Philippe et Philippe Esnault” Eine auf dieser Restaurierungsarbeit fußende DVD brachte Gaumont 2002 in den Handel.vgl. Worldcat.org
El Dorado wurde von dem Kultursender Arte am 18. März 1999 um 23.10 Uhr im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Die Originalmusik wurde dabei vom Symphonie-Orchester Brabant unter Leitung des Dirigenten Arie van Beek ausgeführt.
Literatur Ian Aitken: European Film Theory and Cinema: A Critical Introduction. Illustrierte Ausgabe. Verlag Edinburgh University Press, 2001, ISBN 0-7486-1168-1, S. 69, 72, 75–76, 78, 84, 87, 177. (englisch) Jaque Catelain: Marcel L’Herbier (= Les Grands créateurs de films. Band 1). Verlag Ed. J. Vautrain, Paris 1950. (französisch) Henri Colpi: Défense et illustration de la musique de film. S.E.R.D.C., Lyon 1963. (französisch) Oliver Fahle: Jenseits des Bildes – Poetik des französischen Films der zwanziger Jahre. Bender, Mainz 2000. Gero Gandert: Ein Kinoorchester-Dirigent erinnert sich. Gero Gandert im Gespräch mit Werner Schmidt-Boelcke. In: Stummfilm-Musik gestern und heute. Stiftung Deutsche Kinemathek. Verlag Volker Spiess, Berlin 1979, S. 35–50. Marcel L’Herbier: El Dorado. Edition originale de ce mélodrame cinématographique. Editions de la lampe merveilleuse, Paris 1921. (französisch) Jean-Claude Mari: Quand le film se fait musique: Une nouvelle ère sonore au cinéma (Audiovisuel et communication). Editions L’Harmattan, 2007, ISBN 978-2-296-16571-7, S. 56–58 und 228, 234. (französisch) Barbara Naumann: Rhythmus – Spuren eines Wechselspiels in Künsten und Wissenschaften. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3056-7, S. 232–233. Josef Nagel: El Dorado. In: film dienst. (Germany), Band 55, Nummer 4, 12. Februar 2002, S. 34.
Weblinks
Abbildungen Photo von Mlle. Marcelle Pradot und Jaque Catelain aus Mon Ciné Nr. 26, 17. August 1922, S. 16. zu El Dorado 1921 Kinoplakat Gaumont zu El Dorado 1921
Artikel Geoff Gardner: DVD Landmarks – The Triumph of the Archivists’ Will. In: senses of cinema. 17. April 2001. (englisch). James Travers: . In: film review. 2002 (englisch). shangols, 19. Januar 2009: Eldorado de Marcel L’Herbier – 1921 (französisch). Antti Alanen: El Dorado. In: Film Diary. Montag, 3. Oktober 2011 (englisch). El dorado, Marcel L’Herbier. Cappelieramandine in Impressionnisme, 22. März 2012 (französisch). ithankyou, 1. Juni 2013: L’effet du mélodrame… El Dorado (1921) (englisch) Roy Armes: Marcel L’Herbier (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1921 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Filmdrama