miniatur|Keramik der Röthaer Gruppe (Jena-Lobeda) Die Röthaer Gruppe war eine frühslawische Keramikgruppe vom 8. bis 10. Jahrhundert im heutigen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie war in einem Gebiet zwischen Weißer Elster und Saale verbreitet.
Sie ist benannt nach Funden in der Wallburg bei Rötha (Landkreis Leipzig). Die Bezeichnung wurde 1987 durch den Archäologen Heinz-Joachim Vogt eingeführt,Heinz-Joachim Vogt: Die Wiprechtsburg Groitzsch. Eine mittelalterliche Befestigung in Westsachsen (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden. Band 18). VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1987, S. 160. nachdem bereits 1978 Hansjürgen Brachmann die Benennung „Röthaer Typ“ für einen bestimmten, zur Röthaer Gruppe gehörenden Gefäßtyp mit eingezogener Schulter geprägt hatte.Hansjürgen Brachmann: Slawische Stämme an Elbe und Saale. Zu ihrer Geschichte und Kultur im 6. bis 10. Jh. – auf Grund archäologischer Quellen (= Schriften zur Ur- und Frühgeschichte. Band 32). Akademie-Verlag, Berlin 1978, S. 85.
Weitere wichtige Fundorte waren Burg Altengroitzsch Burg Cösitz (869 wahrscheinlich erwähnt) bei Köthen Leipzig (Matthäikirchhof) Burg Magdeborn bei Leipzig Wallburg Kretzschau-GroitzschenHansjürgen Brachmann: Die Wallburg „Der Kessel“ von Kretzschau-Groitzschen, Kr. Zeitz – Vorort eines sorbischen Burgbezirkes des 9. Jahrhunderts. In: Karl-Heinz Otto und Joachim Herrmann (Hrsg.): Siedlung, Burg und Stadt. Studien zu ihren Anfängen (= Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte. Band 25). Akademie-Verlag, Berlin 1969, S. 343–360. bei Zeitz Burg Jena-Lobeda
Träger der Kultur waren westslawische Stämme der Sorben (damals Bezeichnung für die Stämme zwischen Saale und Mulde).
Geschichtlicher Hintergrund Mitte des 8. Jahrhunderts entwickelte sich die Röthaer Gruppe aus der Rüssener Gruppe.
In dieser Zeit geriet das Gebiet östlich der Saale zunehmend unter den Druck des Fränkischen Reiches. Nach 806 erkannten sorbische Fürsten die Oberhoheit des Reiches an und erklärten sich zu Tributzahlungen bereit. Für die folgenden Jahrzehnte ist ein Limes Sorabicus erwähnt.
Die Röthaer Gruppe endete um die Mitte des 10. Jahrhunderts, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Eroberung des Gebietes 928/29 durch den ostfränkisch-deutschen König Heinrich I.
Keramik miniatur|Röthaer Keramik (3.–5. Reihe) Die Keramik unterschied sich nur wenig von der vorhergehenden Rüssener Keramik. Sie war verziert mit verschiedenen Formen von Wellenbändern, hatte eine glatte oder körnige Oberfläche und war meist grau. Die Ware war handgeformt und auf der Töpferscheibe oder dem Töpferbrett nachgedreht.Heinz-Joachim Vogt: Die Wiprechtsburg Groitzsch. Eine mittelalterliche Befestigung in Westsachsen (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden. Band 18). VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1987, S. 165–168.
Siedlungen miniatur|Teilweise rekonstruierte steinerne Blendmauer (Jena-Lobeda) Die Siedlungen lagen an Flüssen, Seen und in Sumpfgebieten und waren meist unbefestigt. Es entstanden in dieser Zeit auch befestigte Wallburgen als Höhenburgen an Flüssen auf Erhebungen wie Geländespornen (Jena-Lobeda) oder auch als Niederungsburgen (Cösitz)Joachim Herrmann: Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Burgenbau der slawischen Stämme westlich der Oder. In: Zeitschrift für Archäologie. Band 1, 1967, , S. 206–258.. Sie waren begrenzt durch mächtige Holz-Erde-Wälle, teilweise mit steinernen Blendmauern (Jena-Lobeda).Besonders verbreitet in Randbereichen zum fränkischen Reich, Hansjürgen Brachmann: Zur Herkunft und Verbreitung von Trocken- und Mörtelmauerwerk im frühmittelalterlichen Befestigungsbau Mitteleuropas. In: Gerd Labuda und Stanisław Tabaczyński (Hrsg.): Studia nad etnogenezą Słowian i kulturą Europy wczesnośredniowiecznej. Festschrift für Witold Hensel. Bd. 1. Zakład Narod. Im. Ossoliń., Wrocław 1987, S. 199–215.
Wirtschaft Lebensgrundlagen waren Ackerbau und Viehzucht, aber auch Jagd, Fischfang und Handwerk. Metalle wie Eisen wurden verarbeitet, waren aber insgesamt selten.
Bestattungen von Leichenbrand in Urnen fanden in Gräberfeldern statt.
Literatur Hansjürgen Brachmann: Slawische Stämme an Elbe und Saale. Zu ihrer Geschichte und Kultur im 6. bis 10. Jahrhundert – auf Grund archäologischer Quellen (= Schriften zur Ur- und Frühgeschichte. Band 32). Akademie-Verlag, Berlin 1987.
Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen: Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. 2. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020609-8, S. 121–129.
Anmerkungen
Kategorie:Archäologische Kultur (Slawen)