mini|Die zu Ehren von Joël Le Theule benannte Brücke in seinem Geburtsort Sablé-sur-Sarthe Joël Le Theule (* 22. März 1930 in Sablé-sur-Sarthe, Département Sarthe; † 14. Dezember 1980 in Saint-Brice, Département Mayenne) war ein französischer Politiker der gaullistischen Parteien Union pour la Nouvelle République (UNR), Union Démocratique du Travail (UDT), Union des Démocrates pour la Ve République (UDR), Union pour la défense de la République (UDR) sowie zuletzt des Rassemblement pour la République (RPR), der mehrere Jahre das Département Sarthe als Abgeordneter in der Nationalversammlung vertrat sowie 1968 Minister für Übersee-Departements und Territorien (Ministre des départements et territoires d’Outre-mer), 1968 bis 1969 Staatssekretär für Information (Secrétaire d’Etat à l’information), 1978 bis 1980 Transportminister (Ministre des transports) sowie vom 2. Oktober 1980 bis zu seinem Tod Verteidigungsminister (Ministre de la défense) im Kabinett Barre III war.
Leben Geographielehrer und Wahl der Nationalversammlung 1958 mini|hochkant|Als junger Abgeordneter war Le Theule Anhänger des von Charles de Gaulle begründeten Gaullismus Le Theule, dessen Vater Direktor eines Sägewerks in Sablé-sur-Sarthe war, absolvierte seine schulische Ausbildung an einer Privatschule in Angers und begann nach dem Baccalauréat ein Studium der Geographie an der Universität Angers sowie danach an der Universität von Paris. Nach Abschluss des Studiums nahm er 1955 eine Tätigkeit als Lehrer für Geografie und Geschichte an der im Collège Henri-IV de La Flèche untergebrachten Militärschule Prytanée national militaire, die Kadetten für die Aufnahme in die Militärschule Saint-Cyr vorbereitet.
Nachdem Le Theule auf Vorschlag von Jean-Yves Chapalain, Senator und Bürgermeister von Le Mans, für die Union pour la Nouvelle République (UNR) im Wahlkreis Département Sarthe IV für die Wahlen zur Nationalversammlung am 23. und 30. November 1958 vorgeschlagen wurde, beendete er seine Lehrtätigkeit. Dabei trat er in Konkurrenz zum Führer der Unabhängigen und Bauern und damaligen Abgeordneten des Wahlkreises, Paul Goussu, der allerdings Mitte Oktober 1958 starb. Im Wahlkampf stellte er sich als neuer Mann dar, der bisher in keiner Partei mitgearbeitet hatte und Charles de Gaulle bei dessen Programm zur nationalen Erneuerung unterstützen wollte. Dabei sprach er sich für eine allgemeine, gleichzeitige und kontrollierte Abrüstung aus, um die friedliche zwischen Ost und West sicherzustellen. Des Weiteren sprach er sich für eine Notwendigkeit der Sicherung des sozialen Fortschritts und die Förderung der Arbeiterschaft in einem Klima der nationalen Versöhnung aus.
Bei der Wahl (es war die erste Wahl einer Nationalversammlung in der Fünften Französischen Republik) war der Kandidat der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) und frühere Außenminister Christian Pineau sein Hauptgegner. Bei der Wahl erhielt Le Theule im ersten Wahlgang mit 38,5 Prozent; der Kandidat der Mouvement républicain populaire (MRP), Jacques Maury, erhielt 26,7 Prozent und Pineau nur 14,5 Prozent der Wählerstimmen. Der junge Gaullist lag in vier der fünf Kantone des Wahlkreises vorn und errang sein bestes Ergebnis in seiner Geburtsstadt Sablé-sur-Sarthe mit 52,6 Prozent. In der zweiten Wahlrunde wurde er am 30. November 1958 mit 72,9 Prozent der Wählerstimmen zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt; er deplatzierte Robert Jarry (Parti communiste français (PCF), 14,2 Prozent) und Pineau (12,9 Prozent).
Wahlperiode 1958 bis 1962 Jüngster Abgeordneter der Nationalversammlung und Verteidigungsfachmann Le Theule war mit 28 Jahren jüngster Abgeordneter der ersten Nationalversammlung der Fünften Republik. Er trat der Fraktion der UNR bei und wurde Mitglied des Ausschusses für die nationale Verteidigung und die Streitkräfte (Commission de la défense nationale et des forces armées). Er erwarb sich bald den Ruf als herausragender Fachmann für Verteidigungsfragen und legte mehrere Gesetzentwürfe zu diesem Thema vor.
Er war 1960 Berichterstatter für einen Gesetzentwurf, der sich mit einem Programm zur Entwicklung von nationalen Truppenteilen zur nuklearen Abschreckung und der Modernisierung der Ausrüstung der konventionellen Streitkräfte befasste. Dabei bedauerte er im Namen des Verteidigungsausschusses, dass die Marine nicht in die Planungen für die Einheiten der Nuklearabschreckung einbezogen wurden, da aus Sicht der USA und Sowjetunion atombetriebene U-Boote den Kern der Atomstreitkräfte bildeten, während Frankreich aus technischen Gründen erst für 1965 den Bau atombetriebener U-Boote vorsah. Er kritisierte die Haushaltspolitik für das Heer und forderte mehr Geld für die Modernisierung der Ausrüstung der Landstreitkräfte.
Am 8. November 1961 wies er in einer öffentlichen Sitzung der Nationalversammlung auf die militärische Bedeutung der Sahara für Frankreich hin, insbesondere bezogen auf die Selbstbestimmung Algeriens. Als Berichterstatter für den Verteidigungshaushalt der Landstreitkräfte in den Jahren 1961 und 1962 setzte er sich für die Neuorganisation dieser Teilstreitkraft ein. Dabei stand er der Ansicht, dass die Ausgaben und Aktivitäten der Streitkräfte Teil der Volkswirtschaft seien, ablehnend gegenüber und war daher von der Nichtberücksichtigung von Verteidigungsfragen im sogenannten Plan IV überrascht. In einer Parlamentssitzung vom 24. Mai 1962 wies er ferner darauf hin, dass 1959 rund 45 Prozent der Forschungsausgaben militärisch bedingt waren, und somit die Auslegungen des Begriffs „für militärische Zwecke“ den Grad der Beschäftigung entscheidend mitbestimmten.
Unterstützung der gaullistischen Regierungen Neben seiner Beschäftigung mit verteidigungspolitischen Fragen befasste er sich auch mit zahlreichen anderen Fragen, wie zum Beispiel am 18. November 1960 in einer Anfrage an Arbeitsminister Paul Bacon, in der es um die Aussperrung von 8500 Beschäftigten in der Automobilfertigung im Renault-Werk Le Mans Usine Renault ACI du Mans ging.
Während seiner ersten Legislaturperiode in der Nationalversammlung schloss er sich überwiegend dem Stimmverhalten der Gaullisten an wie bei der Abstimmung zum Regierungsprogramm von Premierminister Michel Debré am 16. Januar 1959 sowie bei der Debatte von dessen Erklärung zur Regierungspolitik am 23. Dezember 1959. Am gleichen Tag stimmte er auch für das Gesetz zur Reform zur Finanzierung privater Bildungseinrichtungen, am 2. Februar 1960 für die Einführung der Sonderrechte für Regierungstruppen während der Woche der Barrikaden in Algerien und auch für die Verabschiedung des Regierungsprogramm von Debrés Nachfolger Georges Pompidou am 27. April 1962. Ferner stimmte er am 5. Juli 1962 für die Aufhebung der Immunität des früheren Premierministers Georges Bidault, der als Vorsitzender der Organisation de l’armée secrète (OAS) die von de Gaulle akzeptierte Unabhängigkeit Algeriens scharf ablehnte. Am 2. Oktober 1962 versagte er einem Misstrauensantrag zum Sturz der Regierung Pompidou seine Unterstützung.
Wahlperiode 1962 bis 1967 Bürgermeister, Wiederwahl zum Abgeordneten 1962 und Unterstützung der Regierungspolitik mini|Das Rathaus von Sablé-sur-Sarthe, dessen Bürgermeister Le Theule über 20 Jahre lang war Le Theule, der seit 1959 auch Bürgermeister seiner Geburtsstadt Sablé-sur-Sarthe war, gehörte zu den Unterstützern de Gaulles beim Referendum zur Direktwahl des Staatspräsidenten (Référendum français sur l'élection au suffrage universel du président de la République), bei dem 62,5 Prozent der Wahlberechtigten für eine Direktwahl ab 1965 stimmten.
Bei der darauf folgenden Wahl zur Nationalversammlung wurde er bereits im ersten Wahlgang mit einer deutlichen Mehrheit von 65,9 Prozent für eine weitere Wahlperiode zum Abgeordneten gewählt, und war abermals jüngstes Parlamentsmitglied.
Auch während seiner zweiten Legislaturperiode im Parlament unterstützte Le Theule weitgehend die Politik der Regierung Pompidou und stimmte unter anderem am 13. Juni 1963 für die Ratifizierung des Élysée-Vertrages, der die deutsch-französischen Beziehungen stärken sollte. Daneben unterstützte er am 26. Juli 1963 einen Gesetzentwurf für die Richtlinien zur Ausübung von Rechten im öffentlichen Dienst sowie am 17. Juni 1964 einen Entwurf zur Reform des Kommunalwahlrechts. Für die Wähler seines Wahlkreises machte er am 9. Dezember 1966 in einer Anfrage an den Minister für Landwirtschaft (Ministre de l’Agriculture) die Bedenken zur Entwicklung des Milchpreises deutlich.
Arbeit im Verteidigungsausschuss und Vorschläge zur Streitkräftereform Nach seiner Wiederwahl 1962 wurde er erneut Mitglied des Ausschusses für nationale Verteidigung und die Streitkräfte und schließlich im April 1966 Vize-Vorsitzender dieses Ausschusses. Als Berichterstatter für den Verteidigungshaushalt verteidigte er in den Jahren 1963, 1964, 1965, 1966 und 1967 zahlreiche Gesetzentwürfe in einer Zeit, in der Frankreich versuchte, seine Verteidigungspolitik zu überdenken und neu auszurichten.
Eines der Hauptprobleme war zu der Zeit der Überschuss an Offizieren. Das Ende der Feindseligkeiten im Algerienkrieg und die Modernisierung der militärischen Ausrüstung ließen die Notwendigkeit eines Gesetzes zur Modernisierung der Personalausstattung des Militärs notwendig werden, da sich am 1. September 1963 25.411 Offiziere im aktiven Dienst der Armee befanden. Am 5. Dezember 1963 forderte er in einer Rede vor dem Parlament, dass ausgeschiedene Offiziere in den Dienst des Bildungsministeriums (Ministère de l’Education nationale) treten sollten. Später sah er ein, dass eine berufliche Neuorientierung von Personen, die wie Offiziere aus einem autoritären Berufsumfeld kamen, nur auf freiwilliger Basis erfolgen sollte. Er schlug vor, dass nach einer Sichtung der Personalakten durch das Verteidigungs- und das Bildungsministerium Offizieren eine zweijährige Probezeit in einer Bildungseinrichtung gegeben werden sollte und danach über die weitere berufliche Verwendung als Offizier oder Lehrer entschieden werden sollte. Die notwendige Reduzierung der Offiziersstellen würde aus seiner Sicht letztlich auch zu einer Aufwertung des Offiziersberufs führen. Die vom Verteidigungsministerium geäußerten Bedenken zur Reduzierung des Offizierskorps wurden von ihm in einer Sitzung der Nationalversammlung am 6. November 1964 im Namen des Verteidigungsausschusses bedauert.
Im Frühjahr 1965 war Le Theule Berichterstatter eines Gesetzentwurfs, der den Militärdienst durch einen Nationalen Dienst ergänzen sollte, der auch zivile Bestandteile hatte: Technische Hilfe und Zusammenarbeit. Er war auch Berichterstatter bei Gesetzentwürfen zur Einführung von Technikoffizieren beim Heer und der Luftwaffe (Dezember 1964), zur Reform des Status von Feldwebel- und Offiziersdienstgraden im Musikkorps (November 1965) sowie zur Körperschaft des Generalkontrolleurs der Streitkräfte (Contrôleur général des armées) (April 1966).
Wahlperiode 1967 bis 1968 Wahlerfolg im Wahlkreis Sarthe IV und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses