Bernard von Trevisan, auch von Treviso, Bernardus Trevirensis war ein Autor alchemistischer Texte des 14. Jahrhunderts, insbesondere Responsio ad Thomam de Bolonia (Antwort an Thomas von Bononia, gemeint ist Bologna).

Thomas von Bologna war der Leibarzt von Karl V., der Text ist also vor 1380, dem Jahr in dem Karl V. starb. Bernard von Trevisan bestreitet in dem Text astrologische Verbindungen in der Alchemie (Verbindungen zu den Planeten, wie sie Thomas von Bologna vertrat) und führt neue alchemistische Symbole ein. Er lehnt die Schwefel-Quecksilber Theorie ab und meint, Gold könne allein aus Quecksilber hergestellt werden, das alle vier Elemente enthalte, auch die sonst mit Schwefel verbundenen Elemente Feuer und Luft. Die Lehre, dass der Stein der Weisen nur aus Quecksilber besteht, wird auch unter den später unter Bernhard von Trevisan erschienenen Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts aufrechterhalten. Im Stein der Weisen kommen nach Trevisan männliche und weibliche Elemente, Sonne und Mond, Festes und Flüchtiges zusammen. Er vergleicht den Stein der Weisen bzw. Quecksilber auch mit einem Ei, das Weißes und Gelbes enthält und Leben (das Küken) erzeugt und mit der christlichen Trinität.

Er zeigt sich vertraut mit älterer und neuerer alchemistischer Literatur (Geber, Avicenna, Rhazes, Albertus Magnus, Arnaldus von Villanova, Raymond Llull, sowie Thomas von Aquin, Aristoteles, Galenos, Hippokrates).

Christine de Pisan (Tochter von Thomas von Bologna) bezeichnet ihn als Deutschen. Nach William R. Newman ist er möglicherweise von Kuno II. von Falkenstein beeinflusst. Das wiederum würde doch wieder auf eine Identifizierung mit Bernhardus Trevisanus deuten, den José Rodriguez Guerrero 2018 mit Eberhard I. von der Marck-Arenberg (1305–1387) identifizierte.José Rodríguez Guerrero: El Correctorium alchimiae (ca. 1352–1362) de Ricardus Anglicus y la versión de Bernardus Magnus de Tréveris, Azogue, Band 8, 2014–2018, S. 216–270.

José Rodríguez fand alternative Informationen in der Korrespondenz der Könige von Aragon, Peter IV. und seines Sohnes Johann I., die große Liebhaber und Förderer der Alchemie waren. Beide interessierten sich für die Aktivitäten des Alchemisten Bernardus Magnus aus Trier. Wir verfügen über einen Brief aus dem Jahr 1385 an König Karl II. von Navarra (1349–1387), in dem Pedro den Bischof von Straßburg, Friedrich von Blankenheim, um eine Kopie bestimmter Informationen bittet.

“Sigilli secreti: Rey hermano muy caro: Entendido havemos que recibiestes una letra del vispe d’Argentina, por la qual vos faze saber cómo en la Ciutat de Traves yes venido un hombre apellado Maestre Bernat, el qual en semble con xxxvj. companyeros o [unlesbar] suyos son tan savios que a toda question que les sea fecha dan siempre laguia alguno buena solución. E otras cosas que fazen las quales por lur estranyeza e grandeza quei son vistas passan humanal poder e saber. E como Rey hermano muy caro por la maravella delas ditas cosas cobdiciemos seyer aplen certificados daquellas, rogamos vos carament que al mas antes que podredes nos enbiedes copia dela dita letra trametida a vos por el desusdito vispe. E faredes nos desto plazer el qual vos agradeceremos muyto. E si algunas cosas podemos por honra vuestra fazer Rey hermano, enbiat nos lo dezir e compliremos lo de grado E sea la santa trinidat vuestra guarda. Dada a figueras, dins nuestro sellyo secreto, a . xxvij. dias de agosto del anyo McccLxxxv. Lo Rey. El rey d’Aragó vuestro hermano”.

Bernardo stand in Kontakt mit dem Erzbischof von Trier, Kuno II. von Falkenstein, und zog in die Burg Stolzenfels, die dem Erzbistum gehörte und am Ufer des Rheins lag, nur wenige Kilometer von der Grafschaft Aremberg entfernt, deren nomineller Herr er war. Laut der Chronik seines Todes hatte er an diesem luxuriösen Ort ein Skriptorium und versammelte Alchemisten aus ganz Europa um sich. Der Brief von Peter IV. bestätigt diese Information, dass Bernardo mit 26 anderen Alchemisten im Kurfürstentum Trier lebte.

Die Nachrichten über Bernardo erreichten den aragonesischen Hof durch den Hofstaat, der mit der neuen Frau von König Peter, Violante de Bar (1365–1431), reiste. Das Herzogtum Bar war ein Staat des Heiligen Römischen Reiches, der an die Gebiete und Bistümer grenzte, die von der Grafschaft Mark kontrolliert wurden. Am aragonesischen Hof tauchten plötzlich zahlreiche deutsche Silberschmiede und Goldschmiede aus dem gleichen nordwestlichen Gebiet des Heiligen Römischen Reiches auf, darunter Colí de Namur, Teodoric de la Vort, Consolí Blanc und Hans Tramer. Viele arbeiteten auch für Karl II. von Navarra. Wir haben auch Personen mit anderen Hofpositionen, die sich auf denselben Zeitraum konzentrieren, wie Daniel de Bruyn, Johan de Constança, Huynquí d'Estrasburg und Renaquí d'Alamanya.

1387 sandte der neue König Johann seinem Schwiegervater Robert, Herzog von Bar, eine weitere Anfrage um Informationen:

“…entés que en Alamanya ha vengut dies ha un hom quis apella Maestre Bernart, qui té fort gran stat e fa moltes e grans maravelles e fa sa aturada en la Ciutat de Trebes, o de Mayenca, pregantuos car pare quens en scrivats lo fet de la veritat largament si es ver o no e que es dell ne de sos afers con en moltes e diverses maneres se compte”

Es gibt auch eine Somme alchimique, datiert 1366, von der es aber auch eine provenzalische Fassung von 1309 gibt, so dass sie wahrscheinlich nicht von diesem Bernard von Trevisan stammtWilliam R. Newman, in Priesner, Figala, Alchemie 1998, S. 78. Eine Ausgabe der Somme Alchimique veröffentlichte D. Lesourd, Anagrom 7/8, 1976, S. 3–36. Einige spätere Schriften (auch eine Autobiographie in De chymico miraculo 1583) sind untergeschoben und hier unter Bernhardus Trevisanus behandelt. Joachim Telle behandelt diese gemeinsam in seinem Artikel im Lexikon des Mittelalters unter Bern(h)ardus Trevisanus (siehe die Bemerkungen dazu in Bernhardus Trevisanus). Dieser Bernhardus Trevisanus wird nach einigen autobiographischen Angaben, die aber sehr wahrscheinlich fiktiv sind, gewöhnlich ins 15. Jahrhundert in Italien eingeordnet. Die Responsio wurde häufig auch diesem zugeschrieben, so in einer französischen Ausgabe 1626.La response de Messire Bernard Conte de la Marche, Trevisane, à Thomas de Boulongne [sic] Medicin du roi Charles huictiesme, Gabriel Joly, trans., in Trois anciens traictez de la philosophie naturelle, Paris, 1626Nach Ferguson, Bibl. Chemica, Band 1, S. 104, auch in der Erstausgabe in De re metallica 1564, wo Thomas von Bologna als Arzt von Karl VIII. (Frankreich) bezeichnet wird.

Schriften Responsio ad Thomam de Bolonia, vor 1380 Lateinische Ausgaben in Morienus De re metallica, Paris 1564, J. Manget Bibliotheca Chemica Curiosa, Band 2, Genf 1702, Artis auriferae, Basel 1610, in Deutsch in Philip Morgenstern Turba philosophorum, Wien 1750, deutsch und Latein in J. Tanckius Opuscula chemica, Leipzig 1605

Literatur Artikel Bernard von Trevisan, in: Winfried Pötsch, Annelore Fischer, Wolfgang Müller: Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989, S. 42 William R. Newman: Bernardus Trevirensis, in Claus Priesner, Karin Figala: Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft, Beck 1998 Pearl Kibre, Artikel Bernard of Trevisan, in Dictionary of Scientific Biography, der Artikel behandelt auch Schriften von Bernhardus Trevisanus, Online John Ferguson Bibliotheca chemica, Glasgow 1906 Lynn Thorndike History of Magic and Experimental Science, Band 3, 1934 und Band 5, 1959 Joachim Telle: Bern(h)ardus Trevisanus, literarisch tätiger Alchemist, Lexikon des Mittelalters, Band 1, 1980, Sp. 2005–2006

Einzelnachweise

Kategorie:Alchemist Kategorie:Geboren im 13. oder 14. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 14. oder 15. Jahrhundert Kategorie:Mann