mini|Richard Rose, 1974 Richard Rose (* 14. März 1917 in Benwood, West Virginia; † 6. Juli 2005 in Weirton, West Virginia) war ein US-amerikanischer Mystiker, Philosoph, Autor, Dichter und Erforscher paranormaler Phänomene. Er veröffentlichte eine Reihe von Büchern und hielt Vorträge an Universitäten und anderen Einrichtungen während der 1970er und 1980er Jahre.

Rose hat ein System entwickelt, welches er als „Rückzug von der Unwahrheit“ beschrieb – eine Hinterfragung der persönlichen Glaubenssysteme und des eigenen Lebensstils. In diesem System verwirft man Schritt für Schritt alles, was als falsch erkannt wird. Er glaubte an eine ultimative spirituelle Wahrheit, die durch beharrliches Bemühen und eine skeptische Herangehensweise, wie die seine, erkannt werden kann.

Er betrachtete eingehend die menschliche Psyche, menschliche Schwächen und das menschliche Potential, um dann provokante Texte zu Themen wie Psychologie, Psychiatrie, Religion, das Hochschul- und Rechtssystem und die New-Age-Bewegung zu schreiben. Seine Kritik betraf unter anderem Gruppenzwang, Dogmatismen, finanzielle Motive, emotionale Verlockungen und das Vertrauen in fragwürdige Autoritäten.

Leben Richard Rose wurde in den USA in Benwood, West Virginia, geboren. Im Alter von 12 Jahren besuchte er ein katholisches Priesterseminar in Butler, Pennsylvania. Später erinnerte er sich an seine damalige Freude an der Aussicht, einmal mit Mönchen und Nonnen zusammenzuleben, die eine direkte Verbindung zu Gott haben sollen. Jedoch wurde er von seinen Lehrern und deren Forderung nach einem blinden Glauben enttäuscht. Er verließ das Seminar mit 17 Jahren, noch immer auf der Suche nach Gott, aber diesmal wollte er sich der Hilfe der Wissenschaft bedienen.Kent, John (1990) pp.1-2 Er studierte Chemie und Physik am College, wurde aber auch hier wieder bei seiner Suche nach Gott bzw. der Wahrheit enttäuscht. Daraufhin reiste er quer durch die USA und verdiente sich auf verschiedene Arten seinen Lebensunterhalt. So arbeitete er z. B. auf dem ersten nuklearen U-Boot für die Firma Babcock & Wilcox in Alliance, Ohio. Für das National Jewish Medical & Research Centerhttps://www.nationaljewish.org in Denver arbeitete er an dem Antibiotikum Stryptomycin und für Martin Aircraft in Baltimore führte er metallurgische Tests durch.

Während seines Aufenthalts in Baltimore wurde sein älterer Bruder James beim Dienst auf einem Handelsschiff durch den Torpedoangriff eines deutschen U-Boots getötet. Dies war ein schwerer Schock für Rose und sollte einen großen Einfluss auf seine weitere spirituelle Entwicklung haben.

Im Sommer 1947 arbeitete Rose als Kellner in einem Tennis-Club in Seattle, als er ein Erlebnis hatte, dass er als „Gotteserfahrung“ beschrieb. Einige Monate später beschrieb er dieses Ereignis in „The Three Books of the Absolute.“Martin (2007) p.82

Einige Jahre später heiratete er und gründete eine Familie. Die nötigen finanziellen Mittel erwirtschaftete er mit einem Malerunternehmen und einer Rinderzucht.

Während dieser Zeit arbeitete er mit Menschen zusammen, die sich für parapsychologische Phänomene wie außersinnliche Wahrnehmung oder Hypnose interessierten. Trotzdem, sagte er, habe er niemals jemanden getroffen hatte, der wirklich daran interessiert gewesen wäre, Antworten auf die Fragen nach der Natur des Geistes und der Wirklichkeit zu finden. In dieser Zeit arbeitete er an seinem ersten Buch „The Albigen Papers“ (veröffentlicht 1973), das einen Umriss seiner Philosophie darstellt.

Im Jahr 1972 wurde Rose zu einer Gesprächsrunde der Theosophischen Gesellschaft in Pittsburgh eingeladen. Zwei teilnehmende Studenten der Universität Pittsburgh hatten daraufhin die Idee, eine Gesprächsgruppe um Rose zu bilden. 1973 schließlich gründeten Rose und eine Handvoll Studenten die TAT Foundation,https://tatfoundation.org/ um die Lehren Roses öffentlich zu machen. TAT steht für „Truth and Transmission“ („Wahrheit und Weitergabe“).Kent (1990) p.6 Aus dieser Gruppe gingen weitere Gruppen an Universitäten im Nordwesten und Westen der USA hervor (z. B. Denver und Los Angeles). Außerdem stellte Rose seine Farm für Versammlungen und einzelnen Personen als Rückzugsort zur Verfügung. Zu diesem Zweck bauten die Studenten unter Anleitung von Rose zwei große Versammlungsgebäude und einige kleine Hütten. Dies führte dazu, dass sich in den folgenden zwei Jahrzehnten hunderte von Menschen auf ihre spirituelle Suche machten.

Während diese Gruppen an Zahl und Umfang zunahmen, veröffentlichte Rose weitere Texte. Seine öffentlichen Auftritte führte er bis in die frühen 1990er Jahre fort, bevor erste Anzeichen der Alzheimer-Krankheit dies nicht mehr möglich machten.

Lehre Sein Schüler David Gold beschreibt Roses Arbeit als diskretGold (2002) p.196, 319 und direktGold (2002) p.171. Rose wollte keine populäre Bewegung schaffen, sondern ein subtiles Netzwerk sich nahe stehender Studenten. Zu dem sich daraus entwickelten Kreis von Schülern und Interessierten gehörte unter anderen auch der Autor Joseph Chilton Pearce.

Obwohl Rose aus bescheidenen Verhältnissen kam, wählte er ein wissenschaftliches Studium. Seine Lehren basierten auf lebenslanger Erfahrung und Suche, insbesondere auf seinem Erlebnis als Dreißigjähriger. Joseph Chilton Pearce beschreibt ihn als einen „ernsthaften Mann aus West Virginia, der nichts mehr wollte, als das umwälzende Erlebnis, die Erleuchtung, die ihn aus heiterem Himmel traf, an andere Menschen weiterzureichen“.

Grundsätze Sein Schüler John Kent empfindet Roses Lehren als schwierig zu beschreiben, weil Rose die innere Suche für jeden Menschen als natürlicherweise subjektiv und vertraulich betrachtete. Seine Lehren bestanden mehr aus der Suche nach persönlicher Einsicht und Selbstbeobachtung als aus einer Sammlung spezieller Techniken.Kent (1990) p.50 Trotzdem, so Kent, formulierte Rose ein Lehrsystem basierend auf seinen Studien anderer Glaubenssysteme und seinen eigenen Einsichten.Kent (1990) pp.50-51 Kent fasst die Kernfragen der Lehre wie folgt zusammen:Kent (1990) p.54

Wer bin ich (wirklich)? Woher komme ich (Zustand vor der Geburt)? Wohin gehe ich (nach dem Tod)?

Rose empfiehlt eine eingehende Suche danach, „wer“ lebt und die Welt erfährt, um das Selbst und das Ego eindeutig zu definieren.Kent (1990) pp.54-55 Er bestand auch darauf, dass ein Leben voller Aktivität bedeutungslos ist, solange die Identität des Handelnden nicht erkannt wurde. Die Beschäftigung mit spirituellen Lehren zu dem Zweck, Frieden zu finden oder das eigene Leben zu verbessern, empfand er als unsinnig und „utilitaristisch“. Stattdessen empfahl er die totale Hingabe an die Suche nach der Wahrheit – insbesondere das Selbst und das Ego betreffend – unabhängig von persönlichen Konsequenzen.

Er benutzte den Begriff der „Jakobsleiter“ als Beschreibung einer überpersonalen Reiseroute.Kent (1990) pp.vi, 24, 32, 42, 254-255 Darauf basierend benutzte er Ausdrücke wie „Gesetz der Leiter“Kent (1990) pp.121, 140 und „Leiterarbeit“, um verschiedene Ebenen der Erkenntnis zu beschreiben, die er bei Wahrheitssuchenden vorfand. Ebenso glaubte er, dass man nur denjenigen helfen oder von denjenigen geholfen werden kann, die sich auf derselben oder einer benachbarten Stufe der Leiter befinden. Er war der Ansicht, dass überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt werden können, wenn eine Gruppe von Menschen ihre Anstrengungen bzgl. einer Sache vereint. Dies bezeichnete er als „Contractor's Law“.Kent (1990) p.140

Rose warnte davor, vorzugeben, was Wahrheit sein sollte – beispielsweise bezogen auf das Selbst und das Ego – und dann zu versuchen, diese zu erreichen. Stattdessen sollte z. B. versucht werden, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Seine Definition von Wahrheit war „ein Zustand, in dem jegliche Unwahrheit entfernt wurde“.Rose (1978) p. 206 Er benutzte Begriffe wie „Rückzug vom Falschen“Kent (1990) p.17 und „Umkehrvektor“Kent (1990) pp.76, 120, um den Prozess des Sich-Entfernens vom offensichtlich Falschen – vom „Müll“, wie er sagte – zu beschreiben. Dies soll Denken und Intuition bereinigen, um so einen Punkt zu erreichen, ab dem subtilere Unwahrheiten erkannt werden können.Kent (1990) pp.213, 216Rose (1982) p.144

Rose veröffentlichte „The Albigen Papers“ im Jahr 1973, ein, wie er es nannte, Reiseführer für Suchende. Später wurden seine Theorien über die Umwandlung von Energie vom Körper über den Geist hin zu dem, nach seinen Worten, „spirituellen Quantum“Kent (1990) pp.190-191 veröffentlicht. Sie beschreiben, ähnlich wie aktuelle Theorien, den Geist als ein Kraftfeld. Er gab eine Broschüre heraus, in der er eine Methode zur Meditation erklärt, die durch das leidenschaftslose Betrachten vergangener traumatischer Erlebnisse zur Überwindung psychologischer Probleme und zum Verstehen des Ichs führt. Sein Buch Psychology of the Observer („Psychologie des Beobachters“) beinhaltet seine Ansichten zur Struktur der Geistesprozesse und zu dem, was er als inneren Aufstieg von einer persönlichen, Konflikt behafteten Sicht der Welt hin zu einer mehr universellen Perspektive beschreibt.

Gelegentlich demonstrierte Rose seine Fähigkeiten zur Hypnose und sagte, dass ein Verständnis der Hypnose ein Schlüssel zum Verständnis der Mechanik des Geistes ist.Direct Mind Experience, pp. 28-29 and p. 291.Six unpublished, recorded lectures and demonstrations: 1978, 1980, 1981, 1986, 1988 In seiner Kritik der New-Age- und anderer spiritueller Bewegungen verwies er oft auf deren Verwendung von Methoden zur Selbsthypnose.Kent (1990) p.99Martin (2007) p.86

Empfehlungen Sein Schüler John Kent beschreibt die Philosophie von Rose als „am ehesten mit dem Non-Dualismus des Advaita Vedanta“ vergleichbar.Kent (1990) p. 35 Kent schreibt jedoch auch, dass Rose weniger ein Konzept, eine Struktur oder eine spezielle Praxis hatte, auf der seine Lehren aufbauten, sondern dass er stattdessen die Vertiefung in bestehende Methoden und Religionen befürwortete; und zwar stets mit einem, wie er es nannte, „respektvollen Zweifel“.Kent (1990) p.126 Dies hatte zur Folge, dass seine Schüler ein breites Wissen über eine Reihe von esoterischen Gruppen und Methoden erlangten, welches sie dann wiederum in ihrem Bekanntenkreis weitergeben konnten. Dies stimmte mit Roses Ansicht überein, dass der eigene Fortschritt auf dem spirituellen Pfad verknüpft ist mit den eigenen Anstrengungen, anderen auf ihrem Weg zu helfen.

Basierend auf seinen Nachforschungen gab es Autoren spiritueller Literatur, die Rose seinen Schülern empfahl, und andere Autoren, über die er eher abschätzig sprach. Unter denen, die er am ehesten für lesenswert hielt, waren der indische Guru Ramana Maharshi, der Chan-Meister Huang Po, die christlichen Mystiker Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila, Georges Gurdjieff und die Forscher Paul Brunton und Richard Maurice Bucke. In seinen Albigen Papers beschreibt er die Bücher von H. P. Blavatsky als „einige der wertvollsten, die ein Schüler besitzen kann“ und in seiner Veröffentlichung Profound Writings Easy & West erwähnt er ihr Book of Golden Precepts (auch The Voice of the Silence oder als deutsche Ausgabe Die Stimme der Stille) als „ein konzentrierter Leitfaden zu den tiefsten Lehren der Menschheit“. Rose befürwortete das Studium von, wie er es nannte, thaumaturgischen Gesetzenwie z. B. das Zölibat als Mittel, um sich bei der Erforschung der Dimensionen des Bewusstseins vor unsichtbaren Einflüssen zu schützen. Hier bezog er sich auf Texte von Eliphas Levi u. a.Eliphas Levi, Transcendental Magic; Arthur Edward Waite, Ceremonial MagicUnpublished lecture at Kent State University on April 12, 1978

Lehrstil und Methoden