Die Schlacht von Palembang war eine Schlacht während des Pazifikkrieges, die vom 14. bis zum 15. Februar 1942 bei Palembang auf der indonesischen Insel Sumatra und Umgebung zwischen dem Kaiserlich Japanischen Heer und der Kaiserlich Japanischen Marine auf der einen Seite und britischen, niederländischen, australischen und neuseeländischen Einheiten auf der anderen Seite ausgetragen wurde. Primäres Ziel des Daihon’ei (kaiserliches Generalhauptquartier) war es, die beiden Erdölraffinerien in der Nähe von Palembang zu erobern und zu sichern, bevor die Alliierten diese zerstören konnten. Die Japaner nannten das Unternehmen Operation L.

Vorgeschichte Bereits im Januar 1942, als die japanische Invasion der Malaiischen Halbinsel große Geländegewinne verzeichnete und sich immer weiter Singapur näherte, zog die Royal Air Force (RAF) und die Royal Australian Air Force (RAAF) ihre Flugzeuge von der Malaiischen Halbinsel zurück und verlegte diese auf Flugplätze der Militaire Luchtvaart van het Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger, des Militärischen Flugdienstes der Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger (Königlich Niederländisch Indischen Armee), kurz KNIL genannt, auf Sumatra und Java. Bereits im Dezember 1941 hatte das ABDACOM beschlossen, zwei Flugfelder in der Nähe von Palembang als Dreh- und Angelpunkt ihrer Luftstreitkräfte einzurichten. Ein Flugplatz, das Pangkalanbenteng-Flugfeld und von den Alliierten P1 genannt, befand sich 13 Kilometer nördlich von Palembang. Der zweite Flugplatz, P2 genannt, lag etwa 80 Kilometer südöstlich von Palembang bei Prabumulih und war ein geheim angelegter Militärflugplatz. Selbst für KNIL-Piloten war P2 schwer zu finden und den Japanern war P2 gänzlich unbekannt.Yenne S. 201.

Alliierte Pläne mini|links|Eine Hawker Hurricane der RAF Auf dem P1 waren zwei Staffeln Jagdflieger stationiert. Der niederländische Oberstleutnant L. N. W. Vogelesang hatte 2.000 Mann der KNIL unter seinem Befehl. Darunter waren reguläre Soldaten eines Bataillons der Süd-Sumatra-Garnison, Reservekompanien in Palembang und acht 75-mm-Geschütze. Kleinere Einheiten waren für die Verteidigung der Raffinerien eingeteilt und einige Panzerwagen standen zur Verfügung. Teile der britischen 6th Heavy AA Regiment (6. Schweres Flak-Regiment) hatten jeweils sechs 3,7-inch-Geschütze und 40-mm-Bofors beim P1 stationiert. Jeweils vier Geschütze von beiden Kalibern waren in der Nähe der Raffinerien positioniert. Zusätzlich waren 260 Mann Bodenpersonal der RAF und der Royal Australian Air Force (RAAF) auf dem P1 untergebracht, doch diese verfügten nur über geringe Bewaffnung und ungenügende Kampfausbildung.

Japanische Pläne mini|links|Das Ziel der Operation L, Palembang, befindet sich etwa 350 Kilometer südlich von Singapur Bereits im September 1940 – also bereits vor der Aufstellung der Fallschirmtruppe des Kaiserlichen Heeres – hatte das Daihon’ei Angriffspläne zur Eroberung Palembangs erarbeiten lassen. Als Japan im Juli 1940 trotz amerikanischer Warnung Truppen in Indochina stationierte, schränkte die amerikanische Regierung unter Präsident Franklin D. Roosevelt im September 1940 den amerikanischen Export von Erdöl und Stahl nach Japan ein. Damals bezog Japan 80 % seines Erdöls aus den USA. Als dies nicht die gewünschte Wirkung hatte und Japan im Juli 1941 weitere Truppen in Indochina stationierte, verhängten die USA am 25. Juli 1941 ein vollständiges Öl-Embargo gegen Japan und froren alle japanischen Guthaben ein. Da sich Großbritannien und Niederländisch-Indien diesem Schritt anschlossen, verlor Japan 75 % seines Außenhandels und 90 % seiner Öl-Importe. Aus diesem Grund war die militärische Sicherung der Ölquellen oberste Priorität für das Kaiserreich Japan.

Palembang befindet sich 80 Kilometer landeinwärts südlich der nordöstlichen Küste Sumatras. Für die Japaner war es überaus wichtig, die Raffinerien intakt zu erobern. Da der Vorstoß einer amphibischen Streitmacht zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, wären die Niederländer in der Lage gewesen, genügend Zeit für die Vorbereitungen zur Sprengung und anschließenden Zerstörung der Raffinerien zu erhalten.Rottman & Takizawa, S. 27.

Aufstellung mini|Japanische Heeres-Fallschirmjäger auf dem Weg nach Palembang Im August 1941 beinhaltete der Angriffsplan des Daihon’ei zur Eroberung Südostasiens bereits den Einsatz von Fallschirmjägern, obwohl die Heeres-Fallschirmtruppe offiziell noch nicht einsatzfähig war. Am 28. Oktober 1941 präsentierten die Heeres-Fallschirmjäger zum ersten Mal bei einem Manöver in Takanabe vor höheren Offizieren erfolgreich ihr Können. Die Anwesenden waren begeistert und beschlossen, die Fallschirmjäger für die Eroberung der Ölraffinerien einzusetzen.Rottman & Takizawa, S. 28.

Am 1. Dezember 1941 wurde die 1. Luftsturmbrigade aus dem 1. und 2. Luftsturmregiment aufgestellt, doch Ziel und Zweck der Aufstellung wurde der Brigadeführung sechs Tage vor dem Angriff auf Pearl Harbor aus Geheimhaltungsgründen nicht mitgeteilt. Erst ab 8. Dezember wurden Karten und Luftaufnahmen von Palembang und Umgebung ausgeliefert und die Brigade wurde der Südarmee unter General Terauchi Hisaichi unterstellt. Innerhalb dieser war die 16. Armee unter Generalleutnant Imamura Hitoshi die übergeordnete Einheit. Das Unternehmen wurde daraufhin Operation L genannt. Der Plan sah vor, dass das 1. Luftsturmregiment bei Palembang per Fallschirmsprung abgesetzt werden sollte. Daraufhin verließen die Fallschirmjäger am 19. Dezember an Bord des Transportschiffes Meiko Maru Japan. Am 3. Januar 1942 befand sich die Meiko Maru im Südchinesischen Meer in Richtung Indonesien, als sie Feuer fing und schließlich vor Hainan unterging. Später wurde vermutet, das Feuer könnte durch Selbstzündung der Munition oder durch eine versehentliche Gasfeuerquelle ausgelöst worden sein. Die Begleitschiffe konnten die Fallschirmjäger retten, doch deren gesamte Ausrüstung ging verloren und der Schock des Untergangs steckte den Männern tief in den Knochen. Ein Einsatz des 1. Luftsturmregiments kam damit nicht mehr in Frage.

Als Ersatz wurde das 2. Luftsturmregiment mit der Mission beauftragt. Obwohl es sich noch in der Aufstellungsphase befand, wurde es schnellstens mit Waffen und Fallschirmen versorgt. Bereits am 15. Januar verließ das Regiment Japan und erreichte am 2. Februar Phnom Penh in Kambodscha. Gleichzeitig trafen auch die Transportmaschinen des Luftsturm-Flieger-Regiments (unterstand direkt der Heeres-Fallschirmtruppe), des 98. Flieger-Regiments und der 12. Transport-Kompanie ein. Die Fallschirmjäger trafen bei Phnom Penh ihre Vorbereitungen für den Angriff: Waffen wurden geprüft und schussbereit gemacht, Fallschirme und Ausrüstung gepackt sowie die Abwurfbehälter mit schweren Waffen wie Maschinengewehren, zusätzlicher Munition und Verpflegung gefüllt. Die Abwurfbehälter konnten nicht mit den Luftsturm-Flieger-Maschinen abgeworfen werden und mussten deswegen einer anderen Transportflugzeug-Einheit anvertraut werden. Die Koordination, die Fallschirmjäger und die Abwurfbehälter hintereinander durch zwei verschiedene Einheiten abzusetzen, wurde als kritisch angesehen. Sollten die Abwurfbehälter nicht in unmittelbarer Nähe der gelandeten Fallschirmjäger niedergehen, wären diese darauf angewiesen, einen schwer bewaffneten Feind mit Pistolen und Handgranaten anzugreifen.

Die an der Luftlandeoperation beteiligten Einheiten versammelten sich am 11. Februar 1942 in Sungai Petani in Malaysia. Am 13. Februar wurde die 1. Angriffswelle auf die Flugfelder von Keluang und Kahang im Süden Malaysias verlegt, während die 2. Angriffswelle in Sungai Petani verblieb.

In Keluang waren das Hauptquartier der 1. Luftsturmbrigade, 330 Mann des 2. Luftsturmregiments, das Luftsturm-Flieger-Regiment, die 12. Transport-Kompanie und das 64. Fliegerregiment untergebracht. Bei Kahang waren das 59., 90. und 98. Fliegerregiment und Aufklärungseinheiten der 15. Unabhängigen Flieger-Einheit und des 81. Flieger-Regiments. Generalleutnant Sugawara Michio, Kommandeur der 3. Luftgruppe, besuchte die Truppen in Keluang, um ihnen Mut zu zusprechen und die letzten Befehle zu geben. Als Mitbringsel hatte er Sake und Suschi mitgebracht, das er mit den Worten: „Dies ist das letzte Mal, dass ihr Japan schmeckt. Trinkt und esst euch satt, ohne Zeremonie“. Die Fallschirmjäger leerten ihren Sake auf einen Zug und genossen ihre „letzte Mahlzeit“.Rottman & Takizawa, S. 29.

Angriffsplan mini|Japanische Fallschirmjäger springen bei Palembang ab Für die japanischen Fallschirmjäger gab es zwei primäre Angriffsziele: zum einen das Pangkalanbenteng-Flugfeld (von den Briten P1 genannt), das sich 13 Kilometer nördlich von Palembang befand, und die zwei Ölraffinerien, die am südlichen Ufer des Musi Flusses lagen. Aus militärischer Sicht war dem P1 höhere Priorität zuzuordnen, aber die Ölraffinerien hatte einen enorm hohen wirtschaftlichen Wert für das Japanische Kaiserreich. Die Südarmee schätzte die Stärke der eigenen Fallschirmjäger als nicht ausreichend ein, beide Ziele bei gleicher Aufteilung der Truppe gleichzeitig einnehmen zu können. Deswegen wurde das Risiko eingegangen, dem P1 die Hauptkräfte der Fallschirmjäger zuzuteilen. Der Hintergedanke war, dass nach einer erfolgreichen Einnahme des Flugfeldes Verstärkungen hätten gelandet werden können. Vom P1 hätten die Fallschirmjäger die 13 Kilometer zum Fluss hasten müssen, um dann eine der wenigen Brücken zu überqueren, um anschließend die Raffinerien zu sichern. Die beiden Raffinieren waren wiederum durch den Komering-Fluss getrennt, einem Nebenfluss des Musis.

mini|Japanische Fallschirme über Palembang Der endgültige Plan sah vor, den Großteil der Fallschirmjäger südwestlich und westlich des P1 per Fallschirmsprung abzusetzen. Lediglich zwei kleine Gruppen Fallschirmjäger sollten in der Nähe der Raffinerien abspringen. Am 13. Februar gab die 1. Luftsturmbrigade folgende Befehle aus, die den Angriff in zwei Phasen teilte: L„-1“-Tag (14. Februar): Ein Bataillon von Oberst Tanakas verstärktem 229. Infanterie-Regiment der 38. Division sollte die Bangka-Insel vor der Küste Sumatras sichern. Die ersten Fallschirmjäger sollten abgesetzt werden. L-Tag Das 229. Infanterie-Regiment sollte sich den Musi-Fluss in Landungsbooten flussaufwärts begeben und Palembang am L„+2“-Tag erreichen.

Die Landezonen für das 2. Luftsturmregiment war wie folgt:Rottman & Takizawa, S. 31. 1. Angriffswelle 1200 Meter südöstlich P1 Regiments-Führung (Major Komura): 17 Mann Fernmelde-Einheit (Leutnant Komaki): 30 Mann 4. Kompanie (Leutnant Mitsuya): 97 Mann 3. Zug, 2. Kompanie (Leutnant Mizuno): 36 Mann 200 Meter westlich P1 2. Kompanie (Leutnant Hirose): 60 Mann 500 Meter westlich der Raffinerien 1. Kompanie (Leutnant Nakao): 60 Mann 700 Meter südlich der Raffinerien 3. Zug, 1. Kompanie (Leutnant Hasebe): 39 Mann

mini|Japanische Fallschirmjäger sinken zu Boden, um sich kurz darauf für den Angriff zu sammeln Transport und Eskort der 1. Angriffswelle durch folgende Einheiten: 1. Luftsturm-Fliegerregiment (Major Niihara) 1. Kompanie: 12× Typ-1-Transporter (9 südwestlich von P1, 3 westlich von P1) 2. Kompanie: 9 × Typ-1-Transporter (6 westlich der Raffinerien, 3 südlich der Raffinerien) 3. Kompanie: 12 × Typ-100-Transporter (9 südwestlich von P1, 3 westlich von P1) 98. Fliegerregiment (Abwurfbehälter) 15 × Typ-97-Bomber südöstlich von P1 3 × Typ-97-Bomber westlich von P1 6 × westlich der Raffinerien 3 × südlich der Raffinerien 64. Fliegerregiment (Begleitjäger) 3 Staffeln Nakajima Ki-43 „Oscar“, Jagdflugzeug-Eskorte zum P1-Flugfeld 59. Fliegerregiment (Begleitjäger) 2 Staffeln Nakajima Ki-43 „Oscar“, Jagdflugzeug-Eskorte zu den Raffinerien 90. Fliegerregiment (Luftnahunterstützung) 1 Staffel Mitsubishi Ki-51 „Sonia“, Schlachtflugzeuge

Zusammenstellung, Transport und Eskorte der 2. Angriffswelle mit Ziel P1 durch folgende Einheiten: 3. Kompanie, 2. Luftsturmregiment (Leutnant Morisawa): 90 Mann 12. Transport-Kompanie, Typ-1-Transporter