Oklahoma Kid (Originaltitel The Oklahoma Kid) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1939 mit James Cagney und Humphrey Bogart in den Hauptrollen sowie Rosemary Lane und Donald Crisp in tragenden Rollen. Der Film unter der Regie von Lloyd Bacon gehört zum Genre des Westerns. Das Drehbuch des Films basiert auf einer Originalstory von Edward E. Paramore und Wally Klein.
Handlung Cherokee-Strip/Oklahoma 1893: Jim Kincaid ist das schwarze Schaf seiner Familie und hat sich unter dem Namen „Oklahoma Kid“ einen gewissen Ruhm erworben. Zwar hat die Regierung, die die Cherokees vertrieben und enteignet hat, diesen eine finanzielle Entschädigung zugesagt, die allerdings sehr gering bemessen ist. Die Postkutsche, in der sich das Geld für die Indianer befindet, wird von Whip McCord und seiner Bande überfallen und ausgeraubt. Kid überfällt nun seinerseits aus einem Hinterhalt heraus die Bande und kann mit dem Geld entkommen. Als Jim Kincaid etwas später an einem Fest teilnimmt, verliebt er sich in Jane, die Tochter von Richter Hardwick.
Nach der Vertreibung der Indianer beginnt der Oklahoma Land Run. Siedler und Glücksritter reißen sich das Land unter den Nagel und versuchen ihre Vorstellung von Zivilisation durchzusetzen. Auch der kriminelle Saloonbesitzer Whip McCord mischt fleißig mit und beherrscht und terrorisiert mit seiner Bande eine ganze Kleinstadt, das spätere Tulsa, das er in einen Sündenpfuhl verwandelt. Jim Kincaids Vater Jim und sein Bruder Ned siedeln ganz in der Nähe und wollen die Stadt von der Kriminalität befreien und eine Zivilisation etablieren, in der es sich gut und sicher leben lässt. John bewirbt sich als Bürgermeister und Ned als Sheriff. Da McCord einen Großteil des Landes, auf dem sich die Stadt befindet, schon frühzeitig hat vereinnahmen können, und das verbotenerweise, da er einfach früher losgezogen ist als die anderen, kann er Bedingungen beim Aufbau der Stadt stellen. Und das nutzt er natürlich schamlos aus, das heißt dass ausschließlich er Schank- und Spiel- und Saloon-Lizenzen erhält. Richter Hardwick unterstützt Ned dabei, dass sein Vater John Kincaid zum Bürgermeister gewählt wird.
Als ein Mitglied der Opposition ermordet wird, gelingt es McCord, diese frevelhafte Tat John Kincaid in die Schuhe zu schieben, der daraufhin vorläufig inhaftiert wird. Als McCord zufällig erfährt, dass John der Vater von „Oklahoma Kid“ ist, der ihn über den Tisch gezogen hat, stiftet er drei seiner Männer dazu an, einen Pöbelhaufen von Männern anzuführen, die ins Gefängnis einbrechen und John Kincaid lynchen. Kaum hat Jim davon erfahren, schwört er Rache. Er spürt die drei Männer auf, tötet zwei von ihnen und bringt den dritten zurück an den Ort des Geschehens, wo er gegen McCord aussagen soll. Zusammen mit seinem Bruder Ned macht sich Jim dann auf zum Saloon, wo McCord sich aufhält. Als Ned ihn ergreifen will, schießt der Bandit auf ihn. Es kommt zu einem Kampf, bei dem Jim getötet worden wäre, hätte nicht sein schon tödlich verletzter Bruder Ned McCord vorher tödlich getroffen. Für Jim ist das der richtige Zeitpunkt, um sein Banditenleben aufzugeben, sich niederzulassen und sich mit Jane Hardwick eine Zukunft aufzubauen.
Produktion Synchronisation, Produktionsnotizen Jim Kincaid/„Oklahoma Kid“ James Cagney Tommi Piper Whip McCord Humphrey Bogart Joachim Kemmer Hudge Hardwick, Richter Donald Crisp Günther Sauer Ned Kincaid Harvey Stephens Rüdiger Bahr John Kincaid Hugh Sothern Curt Ackermann Alec Martin Charles Middleton Christian Marschall Ace Doolin Edward Pawley Thomas Braut Wes Handley Ward Bond Klaus Kindler Joe Pasco (Indianer) Trevor Bardette Wolfgang Hess Ringo (Anwalt) John Miljan Reinhard Glemnitz Morgan (Richter) Arthur Aylesworth Leo Bardischewski Hotelpage Irving Bacon Franz Rudnick Abe Collins, Sheriff Wade Boteler Walter Reichelt
Produziert wurde der Film von Warner Bros. im Zeitraum Ende September bis Mitte Dezember 1938. Die Drehorte waren die Iverson Ranch in Iverson Lane, Chatsworth, Los Angeles in Kalifornien sowie die Warner Ranch in Calabasas und die Warner Brothers Burbank Studios in Burbank.
Laut einem Artikel in Lib vom April 1939 waren die Schauspieler Hugh Sothern und der Nebendarsteller Al Jennings Teilnehmer des Oklahoma Land Rush von 1895. Jennings war ein geläuterter Zug- und Bankräuber. Eine weitere Meldung besagte, dass James Cagney als Werbegag zum Oberst im Stab von Gouverneur Marland von Oklahoma ernannt worden sei. Um für die Weltpremiere des Films Werbung zu machen, veranstaltete Tulsa einen Indian Territorial Day, an dem auch Teilnehmer des Oklahoma Land Rush teilnahmen.Oklahoma Kid (1939) catalog.afi.com/history (englisch). Abgerufen am 26. September 2025.
Hintergrund Für Cagney ist es der dritte Film, in dem er einen Kriminellen mit einem guten Herzen und Bogart den abgrundtief verdorbenen Schurken spielt. Davor agierten die beiden Hollywood-Stars schon in den Gangsterfilmen Die wilden Zwanziger und Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern in ähnlichen Rollen.
Wolfgang Fuchs schrieb in seiner Dokumentation über Humphrey Bogart, in der Thematik von der Aufteilung eines neuen Territoriums sei dieser Western „verwandt mit den Gangsterfilmen in denen James Cagney und Humphrey Bogart ansonsten eher vermutet würden“. Charles Middleton, seit 1936 bekannt als der böse Ming in den Flash Gordon-Serials, sei hier „einmal gar nicht orientalisch angehaucht, sondern ganz westlich“. Ward Bond, der 1937 in Dead End noch als Türsteher aufgetreten sei, sei in Filmen „noch öfter auf Bogart“ getroffen, er sei aber „häufiger als dieser in Western zu sehen“ gewesen.Wolfgang Fuchs: Humphrey Bogart Kult-Star. Eine Dokumentation,Benedikt Taschen Verlag GmbH & Co. KG, Köln, 1986. ISBN 3-8228-0032-5, S. 48.
Soundtrack Die Filmmusik komponierte Max Steiner, der mit 24 Oscarnominierungen in der Kategorie „Beste Filmmusik“ zu den erfolgreichsten Filmkomponisten der Geschichte gehört. Im Film verwendet er einige Melodien von Stephen Foster.
James Cagney singt im Film die Lieder Rock-a-bye Baby, geschrieben von Effie I. Canning und I Don’t Want to Play in Your Yard, Musik: Henry W. Petrie, Text: Philip Wingate. Oh! Susanna, geschrieben von Stephen Foster, gespielt beim Tanz am Lagerfeuer Red River Valley, traditionelle Weise, gespielt am Piano und gesungen von Ray Mayer Gwine to Rune All Night aka De Camptown Races, geschrieben von Stephen Foster,gespielt in McCords Casino Arkansas Travler, Musik: Sanford Faulkner, gespielt beim Tanz am Lagerfeuer Tramp! Tramp! Tramp!, Musik: George Fredrick Root,gespielt als Kincaid den Mann aus dem Hotelzimmer trägt My Gal Is a High-Born Lady, geschrieben von Barney Fagangespielt zu Beginn der ersten Saloon-Szene
Veröffentlichung Der Film hatte am 3. März 1939 in Tulsa in Oklahoma Premiere. Am 15. März 1939 startete er dann allgemein in den Vereinigten Staaten. Im selben Jahr war er auch erstmals in Frankreich, Finnland, Australien, Südafrika (Johannesburg und Kapstadt), in den Niederlanden (Rotterdam), Schweden, Norwegen und Dänemark zu sehen. Im Jahr 1940 wurde er erstmals in Belgien und Japan veröffentlicht, 1942 in Portugal und am 17. März 1950 in Österreich. In Jugoslawien hatte der Film im März 1951 in Belgrad Premiere. Weitere Veröffentlichungen erfolgten in Bangladesh, Brasilien, Kanada, Ägypten, Griechenland, Hongkong, Ungarn, Indien, Indonesien, Italien, Irland, Jamaika, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Pakistan, auf den Philippinen, in Polen, Singapur, in der Sowjetunion, Spanien, in der Schweiz, in Thailand, im Vereinigten Königreich und in Venezuela.
In der Bundesrepublik Deutschland kam der Film nicht ins Kino, erstmals war er am 3. August 1968 im Fernsehen im Programm des WDR zu sehen. Am 15. Juli 1978 wurde er im Programm der ARD Das Erste ausgestrahlt.
Kritik, Erfolg Der Film wurde von den Kritikern nicht gut aufgenommen und war auch kein Kassenerfolg. Einige zeitgenössische und moderne Kritiker führten den mangelnden Erfolg des Films auf die seltsame Besetzung der Hauptrolle mit James Cagney zurück, einem Schauspieler, der eher für seine Rollen in Gangsterfilmen oder Musicalkomödien bekannt war.
Cagneys Darstellung wurde verspottet, weil seine Figur nicht von seiner tatsächlichen Persönlichkeit abgewichen sei.Homer Dickens: The complete films of James Cagney archive.org S. 135 (englisch). Abgerufen am 26. September 2025. Frank S. Nugent verwies in der New York Times darauf, dass dieser Cagney-Film sich dadurch von dessen anderen Filmen unterscheide, dass er auf einem Pferd reite, einen cremefarbenen Sombrero trage und seine Waffen offen an der Hüfte statt in einem Schulterpolster. Die Art und Weise, wie Cagney die „Pferdeoper“ angehe, habe etwas absolut Entwaffnendes, ohne auch nur eine Minute lang vorzugeben, etwas anderes zu sein als der New Yorker Jimmy Cagney, der sich für eine Ferienranch herausgeputzt habe. Er albere fröhlich durch jeden noch so unerhörten Auftrag, den ihm seine Drehbuchautoren und Regisseuren geben würden. Mr. Cagney habe einfach Spaß. Der Rest der Besetzung spiele dies mit fast ebenso ernster Miene, aber nicht ganz so unbeschwert. Das sei auch gut so, denn wären sie alle so keck gewesen, wäre der Film wahrscheinlich ins Reich der Satire abgedriftet; so wie er jetzt sei, sei er grenzwertig. Dass Cagney auf einem Pferd sitze, sei wohl das einzige, was diesen Film von jedem der letzten fünf Cagney-Filme unterscheide.Frank S. Nugent: James Cagney Rides the Plains in „Oklahoma Kid“ In: The New York Times (englisch), 11. März 1939. Abgerufen am 26. September 2025.
Alan G. Barbour schrieb in seiner Biografie über Humphrey Bogart, in diesem Film habe er „seine zweite Chance“ bekommen, „sich im Sattel zu beweisen, und zwar als James Cagneys Nemesis“. Offenbar habe Bogart „seine Lektion nicht gelernt, denn“ er habe „eine gleichermaßen wenig überzeugende Darstellung“ hingelegt. „Bogart, ganz in Schwarz gekleidet“ habe das „Modell eines Westernschurken“ dargestellt, aber „dieses Image“ habe er sofort wieder zerstört, „wenn er den Mund“ aufgetan oder „auf ein Pferd“ gesprungen sei.Alan G. Barbour: Humphrey Bogart. Seine Filme – Sein Leben.In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/1. 6. Auflage. Heyne, München 1973 (deutsche Erstausgabe 1984); ISBN 3-453-86001-2, S. 82.
Andrew Bergman führte in seiner Biografie über James Cagney aus, es sei vielleicht verständlich, dass Warner-Bros. der Idee „nicht widerstehen konnten, Cagney auf ein Pferd zu setzen. Und nicht nur Cagney, sondern auch Humphrey Bogart, der zu diesem Zeitpunkt auf dem besten Weg zum Star“ gewesen sei. Die Drehbuchautoren hätten die Aufgabe erhalten, „Cagneys Westerdebüt glaubhaft erscheinen zu lassen“. Sie hätten „dieselbe Taktik“ versucht, „mit der Cagney schon zum FBI-Agenten umfunktioniert worden sei – Rache“. Der Film sei sogar 1939 als Fehlschlag empfunden worden.Andrew Bergman: James Cagney. Seine Filme – Sein Leben.In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/16. Heyne, München 1980, ISBN 3-453-86016-0, S. 91, 92.
Auf der Seite Cinecaps Digest hieß es, nach zwei Rollen in Gangsterfilmen müsse sich Cagney erneut dem Bösewicht Bogart stellen, diesmal in einem Western. Natürlich gebe es auch die übliche Wundertüte aus Pistolenschüssen, Gefängnisüberfällen und Showdowns. Der Film sei flink und phasenweise unterhaltsam, bringe aber nicht viel und strapaziere oft die Glaubwürdigkeit. Der der energiegeladene Star und seine handwerklichen Fähigkeiten würden ihre Arbeit erledigen.Oklahoma Kid (1939) cinecapsdigest.wordpress.com (englisch; 64/100). Abgerufen am 26. September 2025.