Karl Moritz Kersten (* 19. Juli 1803 in Zöblitz; † 10. November 1850 in Colditz) war ein deutscher Chemiker und Hochschullehrer.

Leben Karl Moritz Kersten studierte an der Bergakademie Freiberg, bei Friedrich Stromeyer an der Universität Göttingen und bei Joseph Louis Gay-Lussac und Pierre Berthier in Paris Chemie und verwandte Wissenschaften. 1821 war er Mitglied des Corps Montania Freiberg geworden.Max Blau, Gottfried Schilling: Chronik der Saxo-Montania zu Freiberg und Dresden in Aachen, Teil 1: Corps Montania Freiberg/Sachsen 1798–1935, 1977, S. 46

Nach seiner Rückkehr 1829 nach Freiberg wurde er 1830 Oberhüttenamtsassessor und 1836 Professor für analytische und praktische Chemie an der Bergakademie. Seit 1829 hielt er den zweiten und ab 1837 den ersten Kurs in analytischer Chemie. 1842 wurde er kommissarischer Nachfolger von Wilhelm August Lampadius, musste jedoch seine Lehrtätigkeit, die bereits vorher durch eine Geistesstörung beeinträchtigt war, von 1843 bis 1846 unterbrechen, bevor er 1847 endgültig als geisteskrank entlassen wurde und 1850 in der Irrenanstalt Schloss Colditz starb.

Die zahlreichen Publikationen von Kersten sind ein Zeugnis seiner intensiven und fundierten Arbeit auf dem Gebiet der analytischen Chemie, Mineralogie und Geologie. 1830 entdeckte er erstmals Selen in der Pechblende der Magnesium-Karbonat-Pechblende-Formation (mgu-Formation) im Schneeberger Revier. 1844 war er der Erstbeschreiber von Chapmanit von der Grube Neue Hoffnung Gottes in Bräunsdorf (Oberschöna), den er als „Hypochloritähnliches Mineral“ charakterisierte.

Schriften Chemische Untersuchung des Wismuthkobalterzes, 1826 Neues Vorkommen des Selens, 1826 Brom in der Soole von Werl, 1827 Cadmium in der Freiberger Blende, 1827 Weisser Eisensinter von Freiberg, 1828 Arsenglanz von Marienberg, 1828 Untersuchung des gelben zinkhaltigen Ofenbruches, welcher sich bei der Roharbeit in den Freiberger Hütten bildet, 1829 Ueber die siebenbürgischen und ungarischen Hüttenprocesse, 1829 Braunbleierze, 1831 Zinksalz von Monte Pont, 1832 Gallertartige und neuere Producte des Mineralreiches, 1832 Versuche und Erfahrungen bei Einführung der Kalkmergelsohlen beim Abtreibeprocess auf den Freiberger Hütten, 1832 Ueber die Unsicherheit der gewöhnlichen Silberprobe mittelst der Cupellation, 1832 Talksteinmark, Collyrit, Alumocalcit, Fettbol, 1832 Ueber die nährenden Bestandteile der Knochen. Nach d’Arcet, 1832 Zerlegung mehrerer sächsischer Mineralien, 1832 Die Zusammensetzung der Lauge von der Amalgamation des Rohsteines, 1833 Zerlegung der Wismuthblende, 1833 Beschreibung des Gold-, Silber-, Blei- und Kupferausbringens auf den ungarischen Hütten, 1834 Ueber die Wirkungen des rohen und gebrannten Thons in der Landwirtschaft, 1834 Uebersetzung ins Deutsche von: Berthier, Handbuch der metallurgisch-analytischen Chemie (2 Bände), 1835 Künstliche Bildung des Feldspaths, 1835 Ueber das Vorkommen von Glanzkohle auf einem Eisensteingange des Eibenstocker Granitgebirges, 1834 Ueber eine auf Wiesen gebildete lederartige Substanz, 1839 Neues Vorkommen des Selens, 1839 Vorkommen des Lanthans, 1839 Untersuchung des Monaziths, 1839 Untersuchung des Miloschins, 1839 Untersuchung des Wolchonskoits, 1839 Untersuchung mehrerer sächsischer Hüttenproducte, 1839 Ueber Bildung des blauen Titanoxyds und über die blaue Farbe mancher Hohofenschlacken, 1840 Ueber den bleihaltigen Aragonit von Tarnowitz, 1840 Künstliches Rothkupfererz, 1840 Ursache der blauen Farbe mancher Natur- und Kunstproducte, 1840 Neu entstandenes natürliches Silicat, und Kieselsäuregehalt von Grubenwässern, 1841 Vorkommen des Vanadins, 1841 Ein in Brauneisenstein und Bitumen umgewandelter Menschenschädel, 1841 Hydraulischer Kalkstein, 1842 Krystalünische Ausscheidung aus einer Glasmasse, 1843 Vanadinsäuregehalt des Pechurans, 1843 Krystallinisches Hüttenproduct, 1842 Eigentümliches Eisenhochofenproduct und neues Vorkommen des Vanadins, 1843 Feldspathporphyr von Freiberg, 1843 Quecksilberhaltiges Fahlerz von Toscana, 1843 Über die chemische Zusammensetzung einiger sächsischer Mineralien und Gebirgsarten. Hypochloritähnliches Mineral von Bräunsdorf, 1844 (Chapmanit) Producte der freiwilligen Zersetzung der Kobalt- und Nickelerze, 1844 Concretionen im Fruchtschiefer, 1844 Sächsische Mineralien, 1844 Umwandlung des Bleivitriols in Bleiglanz, 1844 Peruanischer und afrikanischer Guano, 1845 Phosphorsäure in plutonischen Gesteinen, 1845 Mineralwasser aus der Zwickauer Kohlenformation, 1845 Asphalt aus Dalmatien, 1845 Der Kreuz- und Ferdinands-Brunnen in Marienbad, 1845 Waldquelle in Marienbad, 1846 Venetianischer Aventurin, 1847

Literatur Rudolf Werner Soukup, Andreas Schober: Eine Bibliothek als beredte Zeugin eines umfassenden Wandels des wissenschaftlichen Weltbilds – Teil I: Die Autoren der Werke der Bibliothek des Robert Wilhelm Bunsen in Kurzbiografien, 2010 (Digitalisat) Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Königl. Sächs. bergakademie zu Freiberg, am 30. Juli 1866, 1966, S. 29–32 (Digitalisat) Hartmut Schleiff, Roland Volkmer, Herbert Kaden: Catalogus Professorum Fribergensis: Professoren und Lehrer der TU Bergakademie Freiberg 1765 bis 2015. Freiberg, 2015, ISBN 978-3-86012-492-5, S. 48

Weblinks

Professoren der Bergakademie Freiberg bis 1945 Biographien von Personen, die ein Mineral aus Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt entdeckt haben

Einzelnachweise

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