Die Reichsbahndirektion Schwerin war ein Verwaltungsbezirk der Deutschen Reichsbahn. mini|Gebäude der Rbd Schwerin mini|Wappen von Mecklenburg am Portal der Reichsbahndirektion Schwerin mini|Eisenbahnflügelrad Eingangstür Rbd Schwerin
Vorläuferorganisation Die Eisenbahndirektion Schwerin entstand 1889 als Großherzogliche General-Eisenbahn-Direction (GGED). Sie war die oberste Verwaltungsbehörde der Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn.
Nach der Novemberrevolution hieß sie einfach Eisenbahndirektion der nunmehr Mecklenburgische Landeseisenbahn genannten Staatsbahn.
Geschichte 1920–1945 mini|Eisenbahn-General-Direktion Schwerin u. Bahnhof 1905 Nach Abschluss des Staatsvertrages über die Bildung der Reichseisenbahnen und dem Übergang der Eisenbahn von Mecklenburg(-Schwerin) auf das Deutsche Reich galt ab dem 26. April 1920 die Bezeichnung Eisenbahndirektion Schwerin (ED) und ab dem 6. Juli 1922 Reichsbahndirektion Schwerin (Rbd) der Deutschen Reichsbahn.
Bedeutende Strecken waren in diesem Zeitabschnitt: die Strecke Rostock – Bad Kleinen – Schwerin – Hagenow Land die Strecke Lübeck – Bad Kleinen – Güstrow – Neubrandenburg (– Stettin) die Strecke der ehemaligen Lloyd-Bahn (Dänemark –) Warnemünde – Rostock – Neustrelitz
Am 1. Januar 1938 erfolgte eine Übernahme der Strecken der verstaatlichten Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) mit Ausnahme des Streckenabschnitts Hamburg – Bad Oldesloe.
1945–1994 Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte am 2. Juli 1945 die Wiederaufnahme der Direktionstätigkeit unter der Regie der Sowjetischen Militäradministration.
Im Juli (oder September?) 1945 wurden die westlich der Demarkationslinie (Zonengrenze) gelegenen Streckenteile an die Rbd Hamburg abgegeben. Im Gegenzug erfolgte am 1. Oktober 1945 die Übernahme von nördlich der Elbe und östlich der Demarkationsgrenze gelegenen Strecken von der Rbd Hamburg, die kurzzeitig einer nur einen Monat bestehenden Rbd Wittenberge untergeordnet waren.
Am 6. Oktober 1945 wurden Teilstrecken an die Rbd Greifswald mit den Bw Neubrandenburg und Waren (Müritz) abgegeben.
Im Oktober 1949 erfolgte die politisch veranlasste Übernahme zahlreicher Klein- und Privatbahnen im Gebiet der Direktion.
Mit Renate Fölsch wirkte in der Zeit von 1975 bis 1982 als Vizepräsidentin und von 1982 bis 1990 als Präsidentin erstmals in der DDR und nach der Wende in Deutschland eine Frau als Präsidentin einer Reichsbahndirektion. Im Oktober 1989 wurde in der Rbd-Haus ein Runder Tisch von Oppositionellen gegründet. Die Forderungen des Runden Tisches an die Hausleitung, die führende, dominante Politabteilung der SED zu entwaffnen und abzusetzen, verwirklichte die Präsidentin und Volkskammerabgeordnete Renate Fölsch. Die Politabteilung unter Führung eines Genossen Kleindienst wurde ihrer Befugnis enthoben und die Parteileitung des SED im Rbd-Haus wurde aufgelöst. Im Vorfeld der politischen Wende kam es bereits nach dem 4. Juni 1989, der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Peking zu zwei Befehlsverweigerungen bei einer Kampfgruppenübung mit dem Thema Sperren und Räumen von Plätzen auf dem ehemaligen Übungsgelände der Kampfgruppen in Sternberg. Am 23. Oktober 1989 kam es erneut zur Verweigerung von sechs Kämpfern der Kampfgruppenhundertschaft 410 wegen der Durchführung von Maßnahmen gegen die friedlichen Demonstrationen des Neuen Forum in Schwerin. Der Dienstbetrieb lief trotz der politischen Unruhen diszipliniert und geordnet weiter.
Am 15. Oktober 1990 wurde der Bereich der bisherigen Rbd Greifswald (ehemaliger Teil der Rbd Stettin) vollständig der Direktion Schwerin zugeordnet.
Am 1. Januar 1994 erfolgte die Auflösung und Aufteilung in neu geschaffene Regionalbereiche im Zuge der Bahnreform. Gleichzeitig mit der Privatisierung der DB und DR wurde eine neue staatliche Aufsichtsbehörde für die Eisenbahnen des Bundes gegründet. Einige kompetente, zuvor von der Gauck-Behörde überprüfte Mitarbeiter der ehemaligen Reichsbahndirektion wurden in das Eisenbahn-Bundesamt, in die Außenstelle Schwerin, übernommen und berufen. Unter ihnen waren auch zwei Mitglieder des Runden Tisches.
Politische Struktur nach 1945 Politabteilung der Rbd Parteileitung SED Rbd-Haus Betriebsgewerkschaftsleitung Rbd-Haus Kampfgruppenhundertschaft Rbd-Haus
Orden, Auszeichnungen, Abzeichen
Abzeichen der Bestenbewegung des Rbd-Bezirkes Schwerin Wimpel 20. Jahrestag für die Kampfgruppenhundertschaft der Rbd Haus
Dienststrukturen nach 1945 Allem vorgesetzt war die Politabteilung der Rbd (diese war der Politischen Hauptverwaltung der DR in Berlin unterstellt). Sie hatte keine „eigentlichen“ Führungsaufgaben, nur Kontrollfunktionen und setzte die Forderungen der SED-Führung durch. 1953 wurde in der Rbd-Haus durch die Politabteilung eine Kampfgruppe gegründet, es entstand die 410. Hundertschaft der Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Später stellten auch die Bahndienststellen Schwerins ein Verband der Kampfgruppe auf. Zur Bewaffnung gehörte Mot-Schützen-Ausrüstung. Die Ausrüstungskammer befand sich in der Dr.-Külz-Straße, die Waffen Panzer-Büchsen, Granaten, LMG, MPi und Pistolen befanden sich in den Waffenkammern der Transportpolizei.
Die Direktion wurde in Dienstzweige aufgeteilt:
Präsident mit dem Büro des Präsidenten
Inspektion des Präsidenten Hauptabteilung I. Parteisekretär der SED Betriebsgewerkschaftsleitung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) und seine Sozialeinrichtungen Presseabteilung des Präsidenten
Vizepräsident Betrieb, Triebfahrzeuge, Wagenwirtschaft, Bahnstrom mit
Stab für operative Betriebsleitung der Rbd mit dem temporären Arbeitsstab der Hauptdienstzweige (für Krisensituationen) Oberdispatcherleitung (Odl) Fahrplan Triebfahrzeugeinsatz
Verwaltung Maschinenwirtschaft Abteilungen Triebfahrzeugdienst, Triebfahrzeugunterhaltung, Bahnstrom, Technische Anlagen
Die Infrastruktur für den Triebfahrzeugdienst, Rangiertechnik, Seeverkehr, Rettungstechnik, Güterverkehrsanlagen, Personenverkehr, Wägetechnik wurde von der Abt.Ta(Technische Anlagen), nachgeordnet in den Ta-Gruppen der Bw’e, bereitgestellt und instand gehalten. Die Investitionen und Rekonstruktionen wurden selbständig mit Hilfe von Bahn-Konstruktionsbüros (EVDR) vorbereitet. Tankanlagen, Dampflokbekohlungsanlagen, Besandungs- und Sandtrocknungsanlagen, Wasserkräne, Krananlagen, Hebezeuge für Hilfszugtechnik, Lastenaufzüge Gleiswaagen, Trinkwasserversorgungsanlagen, Anlagen zur betriebsinternen Mineralwasserherstellung, Druckerei- und Papierschneidemaschinen Flurförderfahrzeuge, Gabelstapler, Elektrokarren, Hebebühnen, Containerkrane und Containerstapelfahrzeuge(Painer), Eisenbahndrehkrane EDK 500 u. 1000, Raupenkrane RK 3 Rangiertechnik, Gleisbremsen, Flurfördertechnik, Beidrückanlagen, Druckluftfüllanlagen für Züge, Drehscheiben, Drehwinkel Heizhäuser und Fernwärmeanlagen, Interims-Heizanlagen mit Dampflok, Schneepflüge, Schneeschleuder Trajektbrücken und Betankung von Eisenbahnfährschiffen Labor für betriebsinterne Kontrollen der Dienststellen
Die untergeordneten Dienststellen waren: Bahnbetriebswerk (Bw), Kraftwagenbetriebswerk (Kbw), Starkstrommeisterei (Stm), Triebfahrzeugeinsatzstelle (Tst) Bw Schwerin mit Tst Bad Kleinen und Parchim Bw Rostock Bw Rostock Seehafen Bw Wismar Bw Güstrow mit Kraneinsatz EDK 1000 und Schneeschleuder Bw Wittenberge mit Triebfahrzeugeinsatzstelle Wittstock, Pritzwalk, Neustadt (Dosse), Meyenburg Bw Hagenow Land Tst Ludwigslust und Kranwerkstatt Hagenow Bw Neuruppin mit Flurförderzeugwerkstatt und Ausrüstungswerkstatt der Hilfszüge der DR Kbw Rostock Kbw-Außenstelle in Schwerin
Bahnstromwerke (Bsw) Rostock Schwerin
Verwaltung Wagenwirtschaft mit Bahnbetriebswagenwerken (Bww) und Wagenausbesserungsstelle (Was) Bww Schwerin mit Was Hagenow-Land Bww Rostock
Was Bützow
Verwaltung Betrieb und Verkehr Hauptbahnhof (Hbf) Bahnhof (Bf) Güterbahnhof (Gbf) Rangierbahnhof (Rbf)
Vizepräsident Anlagen mit Verwaltung Bahnanlagen Bahnmeistereien (Bm)
Hochbaumeistereien (Hbm) Brückenbaumeistereien(Bbm)
Verwaltung der Signal- und Fernmeldeanlagen Signal- und Fernmeldemeistereien (Sfm)
Vizepräsident Ökonomie u. Materialwirtschaft Hauptbuchhaltung Grundmittelbuchhaltung Bahnhofskassen
Rechtsabteilung mini|Stuckdecke mit Kronleuchter und vier Flügelrädern im Treppenaufgang, dritter Stock Politabteilung mini|Landeswappen Mecklenburg, Bleiglasfenster im dritten Stock der Reichsbahndirektion Schwerin Stab für operative Betriebsführung Abteilung Kader und Bildung Abteilung Arbeit, u. a. auch zuständig für Kinderferienlager der Rbd Haus in Plau am See (war auch Kampfgruppenobjekt) Abteilung Materialwirtschaft mit der Direktionsbeschaffungsstelle (Dbs), Dbs Schwerin u. Wittenberge Abteilung für Rationalisierung und Neurerwesen Hauptabteilung Investitionen mit Aufbauleitung Rostock-Seehafen Allgemeine Verwaltung Medizinischer Dienst, Human- und Vetärinärärzte Inspektion für Arbeits- und Produktionssicherheit (IAPS) Druckerei der Direktion Schwerin, sie druckte Bildfahrpläne, Fahrpläne, Betriebsbücher u. a. für die Deutsche Reichsbahn Hausverwaltung mit der Poststelle und der Pauserei
Reichsbahnamt (Rba) Rba Rostock Rba Güstrow Rba Wittenberge
Direktor und Präsidenten
Martin Dahse: von 1919 bis 1937, bis 1922 Direktor, anschließend Präsident Felix Müller: von 1937 bis 1945 Hans Jess: von 1945 bis 1948 Franz Schmidtke: 1948/49, anschließend Präsident der Reichsbahndirektion Berlin
Bruno Schramm: von 1949 bis 1957 Emil Hermann: 1957/58 Karl-Heinz Bürger: von 1959 bis 1962, anschließend Präsident der Reichsbahndirektion Halle und später Reichsbahndirektion Dresden Friedrich Vieser: von 1962 bis 1965 Martin Klemmt: 1965 Joachim Buhlke: von 1965 bis 1982 Renate Fölsch: von 1982 bis 1990 Wolfhard Noack: vom 12. Oktober 1990 bis 1991 Gerhard Schweinsberg: von 1991 bis 31. Oktober 1997
Am 1. Januar 1994 stellte die Reichsbahndirektion Schwerin als Verwaltung die Arbeit ein, der Verwaltungsapparat wurde in die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft mit den Bereichen Nahverkehr, Fernverkehr, DB Cargo und Netz überführt.
Lokomotiven In der Vorkriegszeit kamen bei der Reichsbahndirektion Schwerin überwiegend leichte Lokomotiven zum Einsatz. So waren 1936 beispielsweise 37 Lokomotiven der Baureihe 9119 (ehem. Mecklenburgische T 4) und 35 Lokomotiven der Baureihe 754, 10–11 im Bestand. Grund für den Einsatz dieser Lokomotiven waren die im Vergleich zu anderen Verwaltungsbezirken geringere Zugdichte und die leichteren Züge. Der Gesamtbestand an Dampflokomotiven lag 1936 bei 222 Maschinen und stieg bis 1940 auf 234 Maschinen.Lothar Schultz: Die Zeit der Dampflokomotiven in Mecklenburg. Ostseedruck Rostock, 1988, Seite 6–8.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Lokomotiven an andere Standorte außerhalb von Mecklenburg verlegt. Gleichzeitig kamen fremde und beschädigte Lokomotiven in den Bestand. Ende 1947 waren 167 Fremdlokomotiven und 21 Schadlokomotiven im Bestand verzeichnet.
Nach dem Krieg wurden die Fremdlokomotiven wieder abgegeben und die Schadlokomotiven aufgearbeitet. Zudem kamen Neubaulokomotiven, wie insbesondere die Baureihe 2310 und Baureihe 5040, zur Reichsbahndirektion Schwerin. Ende der 1960er Jahre wurde dann begonnen, sämtliche Dampflokomotiven in Mecklenburg durch Diesellokomotiven zu ersetzen. Zu den neuen Diesellokomotiven im Verwaltungsbezirk Schwerin gehörten zunächst Rangierlokomotiven, wie etwa die Baureihe V 15 und die Baureihe V 60. Später kamen dann auch größere Diesellokomotiven (Baureihe V 180, Baureihe V 200 oder die Baureihe 130) hinzu. Der planmäßige Einsatz von Dampflokomotiven endete in Mecklenburg schließlich mit Ausmusterung der Baureihe 50 Mitte der 1980er Jahre.
Das Gebäude der Reichsbahndirektion mini|Vertäfelte Tür des Großen Sitzungssaals mini|Deckengemälde von Güstrow im Großen Sitzungssaal