Der Löss-Löwenzahn (Taraxacum serotinum), auch Spät-Löwenzahn und Spätblühender Löwenzahn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Löwenzahn (Taraxacum) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Im deutschsprachigen Raum ist der Löss-Löwenzahn ausschließlich in Österreich heimisch.
Beschreibung mini|links|Laubblattrosetten im Juni: die derben Blätter liegen dem Boden an und sind noch nicht schrotsägeförmig. mini|links|Im September sind die Blätter bereits tief schrotsägeförmig.
Vegetative Merkmale Der Löss-Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 5 bis 20 Zentimetern erreicht.
Alle Laubblätter bilden eine grundständige, dem Boden angedrückte Rosette. Die derben, fast ledrigen Laubblätter sind rasch in einen meist kurzen, breiten Blattstiel verschmälert und weisen einen Dimorphismus auf: die im Frühling entwickelten Rosettenblätter sind ungeteilt, elliptisch bis schwach verkehrt-eiförmig und am Rand fein gezähnelt. Erst die zur Blütezeit entwickelten, innersten Rosettenblätter sind tief schrotsägeförmig, so wie man es vom häufigen Gewöhnlichen Löwenzahn kennt. Anfangs sind die Laubblätter zumindest unterseits graufilzig, später verkahlen sie. Der Schaft ist röhrig, blattlos, unverzweigt und zumindest oberwärts dicht weißwollig.
Generative Merkmale Die Blütezeit des Löss-Löwenzahns reicht in Mitteleuropa von August bis Oktober. Der körbschenförmige Blütenstand misst meist 30 bis 40 Millimeter im Durchmesser. Die Korbhülle ist mehrreihig. Die äußeren Hüllblätter sind schmal, linealisch bis eilanzettlich, undeutlich berandet, nicht gänzlich zurückgeschlagen und viel kürzer als die inneren. Der Korbboden weist keine Spreublätter und zahlreiche gelborange Zungenblüten auf. Eine Blüte besitzt fünf Staubblätter. Die Staubfäden sind frei aber die Staubbeutel miteinander zu einer Röhre verwachsen. Der unterständige Fruchtknoten weist einen Griffel mit zwei Narben auf.
Der Fruchtkörper der Achäne ist glatt oder schwach schuppig-stachelig und, ohne einen kegeligen Spitzenabschnitt (sogenannte „Pyramide“) aufzuweisen, in einen haarförmigen Schnabel zusammengezogen, der rund ein- bis zweimal so lang wie der Fruchtkörper ist. Der Pappus ist gelblich-weiß bis blassgrau und die Pappushaare sind ungefiedert.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.
Ökologie Beim Löss-Löwenzahn handelt es sich um einen Hemikryptophyten.
Der Blütenkorb wirkt als bestäubungsbiologische Einheit (Pseudanthium) und wirkt auf die bestäubenden Insekten wie eine einzelne Blüte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten aus der Gattung Löwenzahn (Taraxacum) pflanzt sich der Löss-Löwenzahn sexuell fort. Die Früchte (Achänen) werden mit Hilfe des fallschirmähnlichen Pappus durch den Wind ausgebreitet (Anemochorie).
Der Löss-Löwenzahn gilt als recht weideresistent, was auf die besonders im Frühling flach dem Boden angepressten und daher für die Weidetiere nur schwer erreichbaren Rosettenblätter zurückzuführen ist.
Vorkommen Der Löss-Löwenzahn ist in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa sowie in Südwest- und Zentralasien heimisch. In Österreich erreicht der Löss-Löwenzahn seine westliche Verbreitungsgrenze.
In Österreich tritt der Löss-Löwenzahn im pannonischen Gebiet selten auf Lösswänden, Trockenrasen und Wegen über Löss in der collinen Höhenstufe auf. Die Vorkommen beschränken sich auf die Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Der Löss-Löwenzahn gilt in Österreich als „stark gefährdet“. Durch das Verschwinden der Viehweiden in den letzten Jahrzehnten kam es zu einem Bestandsrückgang des Löss-Löwenzahns. Der Löss-Löwenzahn gilt als Charakterart des Hainsalbei-Furchenschwingel-Lösstrockenrasens (Astragalo exscapi-Crambetum tatariae = Salvio nemorosae-Festucetum rupicolae).
Systematik Die Erstbeschreibung erfolgte 1816 und dem Namen (Basionym) Leontodon serotinus durch Franz de Paula Adam von Waldstein und Pál Kitaibel als in Descriptiones et Icones Plantarum Rariorum Hungariae, Band 2, Seite 119, Tafel 144 Die Neukombination zu Taraxacum serotinum wurde 1816 durchvon Jean Louis Marie Poiret in Lamarck: Encyclopédie Méthodique. Botanique ... Supplément 4, Seite 420 veröffentlicht.
Aufgrund der sexuellen Fortpflanzung ist der Löss-Löwenzahn gut abgrenzbar und wird in die Sektion Taraxacum sect. Dioszegia (= Taraxacum sect. Serotina) gestellt.
Bilder
Einzelnachweise Eintrag bei The Euro+Med PlantBase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Zugriff am 8. September 2014 Manfred A. Fischer: Relikte der eiszeitlichen bis frühnacheiszeitlichen Lössvegetation. In: Heinz Wiesbauer, Herbert Zettel: Hohlwege und Lössterrassen in Niederösterreich, Wien 2014, ISBN 3-901542-42-6.
Weblinks
Datenblatt mit Fotos bei Botanik im Bild (Naturhistorisches Museum Wien).
Kategorie:Löwenzahn (Taraxacum) Kategorie:Pannonische Flora