Arthur Günsburg (* 18. Februar 1872 in Wien; † 1. Februar 1949 in Lissabon) war ein österreichisch-deutscher Theaterleiter sowie Regisseur und Produzent der Stummfilmzeit.

Leben und Wirken Günsburg wurde 1872 als Sohn des Kaufmanns Semi Günsburg und seiner Frau Regina, geb. Klemperer, in Wien geboren.Wiener Stadt- und Landesarchiv, Geburtsregister der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Nr. 2887/1872 (online auf FamilySearch, anmeldepflichtig). Er lebte und arbeitete in Berlin und „stand dem Theater seit vielen Jahren nahe“, wie Siegfried Jacobsohn 1912 in seiner Schaubühne über ihn schrieb.Die Schaubühne. Jahrgang 8, Nr. 5, 1. Februar 1912, S. 120 ().

Schon um die Jahrhundertwende war Günsburg als Textdichter zur Musik von Béla Laszky in Erscheinung getreten. Mit Theatertruppen ging er auf Gastspielreisen, u. a. nach Holland,Die Schaubühne. Jahrgang 8, Nr. 1, 4. Januar 1912, S. 8 (). und war an verschiedenen deutschen Bühnen als Impresario tätig, etwa am Komödienhaus in Berlin und am Neuen Theater in Frankfurt am Main.Deutscher Bühnen-Verein und Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach. F. A. Günther & Sohn, Berlin 1914, S. 775.Deutscher Bühnen-Verein und Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen-Jahrbuch. F. A. Günther & Sohn, Berlin 1915, S. 314.

Als Unternehmer betrieb er in Berlin die A.G. Filmfabrikation, später Herstellung von A.G.-Film Arthur Günsburg (1918–1929)Handelsregister Berlin HRA Nr. 47359., die bereits 1913 und dann wieder ab 1918 bis zum Ende der Stummfilmzeit Unterhaltungsfilme herstellte. Darunter war die Zweiakter-Serie Krause mit ihrem Hauptdarsteller Karl Neisser, für deren Folgen Papa Krause und Ganz ohne Krause (beide 1918) sowie Krause als Detektiv und Quatsch nicht, Krause (beide 1919) Leonhard Haskel das Manuskript schrieb; lediglich bei der letzten Folge Held Krause (ebenfalls 1919) war Walter Formes der Drehbuchautor.

Einen Namen machte Günsburg sich 1920 mit seinem Künstlerportrait Die Tragödie eines Großen (auch Rembrandt und seine Frauen) und 1922 mit seiner Opernverfilmung Die Stumme von Portici nach der gleichnamigen Oper von Daniel-François-Esprit Auber. Aufsehen erregte 1927 auch seine Filmfassung des 1924 erschienenen Romans Die glühende Gasse von Paul Rosenhayn, die in Österreich unter dem Titel Brennende Straße gezeigt wurde.Der Film sollte zunächst mit Zensurbescheid vom 7. Oktober 1927 verboten werden, das Verbot wurde jedoch nach Schnittauflagen für Gewalt- und Sexszenen von der Oberprüfstelle mit Bescheid vom 12. Oktober 1927 zurückgenommen und auf ein Jugendverbot abgemildert.

Hausregisseur der A.G. Film war Lorenz Baetz. Günsburg selbst war vorwiegend als Produzent tätig, führte aber bei 15 Spielfilmen auch Regie; bei zweien hatte er die künstlerische Oberleitung. Bei vielen seiner Filme besorgte Otto Kanturek die Fotografie.

Im Oktober 1923 gründete Günsburg die Günsburg-Film Aktiengesellschaft (1923–1927), war Alleinvorstand, aber selbst nicht als Aktionär an der Firma beteiligt.Handelsregister Berlin HRB Nr. 32882. Zu den Aktionären gehörte u. a. der Regisseur Joseph Delmont. Vorsitzender des Aufsichtsrats war Georg Freiherr von Eppstein. Eppstein und Günsburg gründeten im Dezember 1930 die Helios-Lichtspiele GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 45365.

Günsburg war auch Vorstand bei der Berliner Sportpalast AG und ab März 1929 der Liquidator der Firma.Reichs- und Staatsanzeiger. Nr. 111, 15. Mai 1929.

Arthur Günsburg, seit 1904 mit Hulda „Hilda“ Stadthagen verheiratet,Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin VIII, Nr. 13/1904 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). emigrierte nach der NS-Machtergreifung 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft zusammen mit seiner Ehefrau aus dem Deutschen Reich. Die erste Station im Exil war Prag. Von dort wanderte das Ehepaar 1935 weiter nach Wien zu Verwandten. Ein geplanter Vertragsabschluss zur Übernahme eines Theaterbetriebs wurde durch den Einmarsch Hitlers in Österreich vereitelt. Nach Inhaftierung und verschiedenen Repressalien konnten Arthur und Hilda Günsburg schließlich im Frühjahr 1939 in die portugiesische Hauptstadt Lissabon auswandern, wo ihre Tochter verheiratet war. Sie verdienten sich dort ihren Lebensunterhalt mit einer kleinen Pension sowie Schreib- und Übersetzungsarbeiten. Arthur Günsburg starb 1949.Arquivo Nacional da Torre do Tombo, Registo de Óbito (3ª Conservatória do Registo Civil de Lisboa), Nr. 164/1949 (online).

Filmografie Regisseur 1918: Des Lebens Rutschbahn 1918: Weib gegen Weib 1919: Erste Liebe 1920: Die Tragödie eines Großen 1920: Verkommen 1921: Zu Hilfe! 1921: Retter aus der Not 1922: Die Stumme von Portici 1922: Der Gaukler von Paris 1922: Wer wirft den ersten Stein 1922: Das größte Zugstück der Welt 1923: Kinder von heute 1924: Spanische Gluten 1924: Um eine Million 1925: Ballettratten

Produzent 1913: Carriere 1913: Fritze sucht Stellung 1913: Lorbeerbaum und Bettelstab 1913: Zwischen Schwarz und Blond 1918: Am Glück vorbei 1918: Des Lebens Rutschbahn 1918: Die Ehe der Lea Psantir 1918: Ganz ohne Krause 1918: Papa Krause 1918: Weib gegen Weib 1918/19: Bergsünden 1919: Christus 1919: Der Kampf unter dem Meeresspiegel 1919: Die Medaille der Republik 1919: Die Rächerin 1919: Die Tochter der Berge 1919: Erste Liebe 1919: Held Krause 1919: Krause als Detektiv 1919: Quatsch nicht, Krause 1920: Das Barmädel oder der Goldfasan 1920: Der verflixte Aberglaube 1920: Die andere Welt 1920: Die Tragödie eines Großen 1920: Verkommen 1921: Zu Hilfe! 1921: Es waren zwei Königskinder... 1922: Das größte Zugstück der Welt 1922: Die Stumme von Portici 1922: Wer wirft den ersten Stein 1923: Kinder von heute 1924: Des Blinden bester Freund 1927: Die glühende Gasse

Künstlerische Oberleitung 1919: Christus 1927: Die glühende Gasse

Liedtexte Secessions-Gesänge / 2: Das verliebte Paar, ein Tanzduett für eine Männer- und eine Frauenstimme / Albert Béla Laszky. [Text]: Arthur Günsburg. Apollo-Verlag, Berlin 1900.

Literatur Oksana Bulgakowa (Hrsg.): Die ungewöhnlichen Abenteuer des Dr. Mabuse im Lande der Bolschewiki. Das Buch zur Filmreihe „Moskau-Berlin“. Verlag Freunde der Deutschen Kinemathek, Berlin 1995, ISBN 3-927876-10-0, S. 284 f., 289. Sebastian Hesse: Kamera-Auge und Spürnase. Der Detektiv im frühen deutschen Kino. Stroemfeld-Roter Stern, Frankfurt am Main/Basel 2003, ISBN 3-87877-765-5. Siegfried Jacobsohn (Hrsg.): Die Schaubühne. Vollständiger Nachdruck der Jahrgänge 1905–1918. Athenäum Verlag, Frankfurt am Main 1980. Wolfgang Jacobsen (Hrsg.): Babelsberg. Das Filmstudio. 3. Auflage. Verlag Argon, Berlin 1994, ISBN 3-87024-291-4, S. 352 f. Alfred Krautz: International Directory of Cinematographers. Set- and Costume Designers in Film. Band 4 Germany (from the Beginnings to 1945). K. G. Saur Verlag, München 1984, ISBN 3-598-21434-0, S. 341, 347, 421. Ronny Loewy (Hrsg.): Von Babelsberg nach Hollywood. Filmemigranten aus Nazideutschland. Exponatenverzeichnis. Ausstellung vom 26.5.–9.8.1987. (Schriftenreihe des Deutschen Filmmuseums Frankfurt). Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-88799-010-2. Helmut Morsbach, Babett Stach: German Film Posters: 1895–1945. De Gruyter, Berlin 1992. Paul Rosenhayn: Die glühende Gasse. Roman. E. Keils Nachf., Leipzig 1924. Georges Sturm: Die Circe, der Pfau und das Halbblut. Die Filme von Fritz Lang 1916–1921. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, Berlin 2001, S. 61, 241. Michael Wedel: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres. Edition text + kritik, München 2007, ISBN 978-3-88377-835-8.

Weblinks

(Archiv Günter Peter Straschek)

Anmerkungen und Einzelnachweise

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