mini|hochkant=0.8|Stander eines Kompaniechefs einer Feldjägerkompanie in der Waffenfarbe Orange

Die Feldjägertruppe ist die Militärpolizei der Bundeswehr und eine der Truppengattungen des Unterstützungsbereichs. Hauptaufgabe der Feldjäger ist der Feldjägerdienst.

Geschichte Nach der Unterzeichnung des Aufstellungsbefehls Nr. 1 für die Bundeswehr am 6. Oktober 1955 durch General Heusinger wurde im ehemaligen Luftwaffenlazarett in Andernach unter anderem eine Militärpolizei-Lehrkompanie aufgestellt. Am 30. Januar 1956 wurde der Begriff „Militärpolizei“ durch den damaligen Staatssekretär Rust durch „Feldjäger“ ersetzt. Die Namensänderung wurde mit der Absicht durchgeführt, um die Zahl der Sicherheitsorgane mit Polizeigewalt (insbesondere derjenigen, die unter Kontrolle des Bundes stehen) bewusst klein zu halten und die Truppe von den zivilen Polizeikräften abzugrenzen. Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus mit ihren ausufernden und mitunter konkurrierenden Sicherheits- und Polizeidiensten in Verbindung mit verfassungsmäßigen Bedenken waren hierfür entscheidend. Auch die bis 1945 gebräuchliche Bezeichnung „Feldgendarmerie“ wurde verworfen, da der Ruf der Feldgendarmerie durch ihre Rolle im NS-Regime diskreditiert war.

Der Begriff „Feldjäger“ hatte ursprünglich nichts mit Militärpolizei zu tun, sondern bezeichnete zunächst eine Art der Jägertruppe. Die Bundeswehr führt die Truppengattungstradition auf das Reitende Feldjägerkorps Friedrichs des Großen (gegründet 1740) zurück.

In der Heeresstruktur II führte jede Division der Bundeswehr je eine Feldjägerkompanie. Die Korpstruppen wurden um einen Feldjägerzug verstärkt. Im Territorialheer wurde je Wehrbereich ein Feldjägerbataillon ausgeplant.

In der Heeresstruktur III wurden die Züge der Korps zu gekaderten Feldjägerbataillonen umgegliedert (aktiv blieb weiter nur ein Zug). Im Gegenzug wurden die Divisionsfeldjägerkompanien verkleinert.

In der Heeresstruktur IV wurden die Feldjäger vom Feldheer vollständig ins Territorialheer umgegliedert. In der Endphase des Kalten Krieges waren Feldjägerbataillone daher in die Wehrbereichskommandos (eines auch in das Territorialkommando Schleswig-Holstein) des Territorialheeres eingegliedert (vgl. dazu Gliederung des Territorialheeres in der Heeresstruktur IV).

Ein Feldjägerbataillon war unmittelbar dem Bundesministerium der Verteidigung nachgeordnet und im Frieden in das Sicherungs- und Versorgungsregiment beim Bundesministerium der Verteidigung eingegliedert (vgl. auch Gliederung des Heeres im Kommandobereich des Heeresamtes in der Heeresstruktur IV).

2002 wurde die Feldjägertruppe des Heeres zur neu aufgestellten Streitkräftebasis abgegeben. Vom Heer zur Streitkräftebasis wechselte zeitgleich auch die Schule für Feldjäger und Stabsdienst, die bis 2002 dem Heeresamt unterstand. In der Streitkräftebasis wurde die Schule dem Streitkräfteamt unterstellt. In der Streitkräftebasis waren die Feldjäger zunächst in mehrere Feldjägerbataillone gegliedert. Die Feldjägerbataillone waren über das gesamte Bundesgebiet disloziert. Die abgesetzten Feldjägerdienstkommandos der Feldjägerbataillone waren jeweils in verschiedenen Standorten angesiedelt. Die Feldjägerbataillone weiter den (in Anzahl und Größe reduzierten) Wehrbereichskommandos unterstellt (vgl. auch Gliederung der Wehrbereichskommandos 2006 bis 2013 mit Auflistung der unterstellten Feldjägerbataillone).

Im Rahmen der Neuordnung der Streitkräfte wurde die Feldjägertruppe 2013 neu geordnet und das Kommando Feldjäger der Bundeswehr neu aufgestellt. Von der früheren Gliederung in Bataillone wurde zugunsten einer Regimentsgliederung abgerückt. Dem Kommando Feldjäger der Bundeswehr unterstehen drei Feldjägerregimenter mit jeweils abgesetzten Feldjägerdienstkommandos. Zusätzlich wurde die Schule für Feldjäger und Stabsdienst unterstellt, so dass alle Feldjäger unter einem Kommando geführt werden. Die Umgliederung fand am 26. September 2013 im Rahmen eines feierlichen Appells am Sitz des Kommando Feldjäger der Bundeswehr in Hannover statt.

Im Jahr 2022 verlangte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung die Überprüfung des im Barettabzeichens gezeigten Spruches „Suum Cuique“, da dieser Spruch „Jedem das Seine“ über dem Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald prangte. Das Bundesministerium für Verteidigung entschied im Juni, dass die Wahl des Sterns mit der Inschrift „Suum Cuique“ für die Feldjägertruppe der Bundeswehr einen bewussten Bruch mit der Militärpolizei im Dritten Reich und somit mit dem Nationalsozialismus darstellt. Für die Feldjäger der Bundeswehr sei ihr Abzeichen ein „wichtiges und wertegebundenes Identifikationssymbol im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“. Daher solle es auch in dieser Form erhalten bleiben.

Auftrag Hauptauftrag ist der Feldjägerdienst. Zum Feldjägerdienst zählen der militärische Ordnungsdienst, der militärische Verkehrsdienst, die Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben, Erhebungen/Ermittlungen und der Raum- und Objektschutz.

Militärischer Ordnungsdienst Der Militärische Ordnungsdienst soll die Vorgesetzten beim Überwachen, Aufrechterhalten und Wiederherstellen der Disziplin und soldatischen Ordnung unterstützen. Die Feldjäger verstehen sich ebenso als zentrale Ansprechstelle für alle Soldaten, die Hilfe benötigen. Darunter fallen folgende Aufgaben: Feldjägerstreifendienst, Einsatz bei Großveranstaltungen mit militärischer Beteiligung, Kontrollen in militärischen Liegenschaften, Unterstützen der Wehrdienstgerichte und sonstiger Justizorgane, Mitwirken beim Sammeln und Rückführen von Versprengten hinter eigenen Linien und von in Gewahrsam genommenen Personen, Mitwirken beim Sammeln und Transport von Kriegsgefangenen.

Militärischer Verkehrsdienst mini|Motorradstaffel der Feldjäger mini|Feldjäger bei einer Verkehrskontrolle

Der Militärische Verkehrsdienst beinhaltet die Überwachung und Regelung des militärischen Straßenverkehrs und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Kontrollen dienen der Sicherheit im Straßenverkehr sowie der Abwehr von Gefahren für die Streitkräfte. Der Militärische Verkehrsdienst gliedert sich in die Aufgaben: Erkunden und Kennzeichnen von Straßen, Aufnahme von Verkehrsunfällen mit Bundeswehrbeteiligung, militärische Verkehrskontrollen, militärische Verkehrsregelung, Begleiten und Kontrolle von militärischen Gefahrgut- oder Großraumtransporten, Planen und Überwachen des militärischen Straßenverkehrs – ab Ebene eines Großverbandes durch einen Stabsoffizier der Feldjäger im Stabsdienst (Divisionsverkehrsführer), Einrichten eines Verkehrsleitnetzes inklusive Verkehrsleitpunkte, Regeln des Verkehrs im Spannungs- und Verteidigungsfall, soweit dies für die Erfüllung des Verteidigungsauftrages erforderlich ist.

Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben Bei der Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben werden Feldjäger eingesetzt, um Straftaten gegen die Bundeswehr zu verhindern und rechtswidrige Störungen der dienstlichen Tätigkeit zu beseitigen. Darüber hinaus können sie auch mit dem Schutz verbündeter Streitkräfte beauftragt werden. Feldjäger leisten außerdem Personen- und Begleitschutz für gefährdete Bundeswehrangehörige. Es gibt folgende Sicherheitsaufgaben: Absicherung von Operationszentralen in Gefechtsständen von Großverbänden, Personen- und Begleitschutz, Eskorten- und Lotsendienst, Absicherung von Besprechungen, Ausstellungen und Vorführungen, Überwachen von Liegenschaften der Bundeswehr, Mitwirken beim Schutz von Objekten, Schutz von Transporten sowie der Schutz von Veranstaltungen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit (zum Beispiel Feierliche Gelöbnisse).

Wachdienst Angehörige der Feldjägertruppe sind, sofern sie nicht zu Lehrgängen abkommandiert sind, vom Wachdienst befreit, da sie diese Aufgaben im erweiterten Sinne außerhalb des Standortbereiches übernehmen.

Erhebungen und Ermittlungen Der Aufgabenschwerpunkt Erhebungen und Ermittlungen umfasst die Aufnahme von folgenschweren Unfällen aller Art (Verkehrsunfälle, Luftfahrzeugunfälle sowie Unfälle mit Todesfolge von Soldaten), das Feststellen und Dokumentieren von Sachverhalten in dienstlichem Interesse, das Mitwirken bei der Aufklärung von Dienstvergehen (auf Ersuchen von Disziplinarvorgesetzten durch Spurensicherung und Sammeln sonstiger Hinweise) sowie die Suche nach unerlaubt bzw. eigenmächtig abwesenden und fahnenflüchtigen Soldaten. Hierfür werden in der Regel speziell ausgebildete Feldwebeldienstgrade in den jeweiligen Feldjägerdienstkommandos bereitgehalten.

Raum- und Objektschutz mini|Zwei Feldjäger mit Diensthund bei einer öffentlichen Vorführung.

Feldjäger wirken ebenfalls beim Schutz rückwärtiger Gebiete mit. Feldjägerkräfte können dabei in besonderen Lagen, zum Beispiel im Verteidigungsfall, in rückwärtigen Gebieten der Kampfzone zum Schutz von Objekten sowie zur Bekämpfung von Feindkräften beitragen. Feldjäger unterstützen den Schutz von besonders eingestuften Objekten, wie Gefechtsständen oder anderen Kommandobehörden durch Überwachung, Objektkontrollen oder Sicherung. Sie unterstützen weiterhin beim Schutz von Räumen die Maßnahmen der zuständigen Kommandobehörden, in ausländischen Einsatzgebieten der zuständigen Kommandeure. Dies dient dazu, Räume im nationalen Operationsgebiet wegen ihrer Bedeutung in eigener Hand zu behalten oder zu kontrollieren. Dabei sollen sie Einsätze des Gegners oder irregulärer Kräfte verhindern und die Zivilbevölkerung oder dort befindliche Anlagen und Einrichtungen vor dem Zugriff oder den Einwirkungen von Feindkräften schützen. Im Rahmen des Raum- und Objektschutzes können Diensthunde der Feldjägertruppe eingesetzt werden, um bei einer entsprechenden Verdachtslage Täter und Mittel (z. B. Sprengstoffe oder Waffen) aufzuspüren. Eine weitere Aufgabe des Raum- und Objektschutzes ist die Zugriffsdurchsuchung durch spezialisierte Zugriffskräfte, welche aber nicht mit den Zugriffskräften des Kommando Spezialkräfte (KSK) verwechselt werden dürfen. Sie dient, ähnlich dem polizeilichen Zugriff, der Festnahme von Straftätern und der systematischen Suche nach Kriegsmaterial oder verbotenen Gegenständen. mini|Feldjäger bei einer Zugriffsdurchsuchungsübung

Einsatz bei unfriedlichen Menschenansammlungen mini|CRC-Greiftrupp

Die Kontrolle von Menschenmengen und gewalttätigen Ausschreitungen oder auch (CRC) ist eine ebenfalls im Raum- und Objektschutz angesiedelte Aufgabe der Feldjägerkräfte. Hierbei werden speziell ausgebildete Feldwebeldienstgrade eingesetzt, um in Zusammenarbeit mit ebenfalls ausgebildeten Soldaten anderer Teilstreitkräfte, unter anderem den Marine- und Luftwaffensicherungskräften, unfriedliche Demonstrationen zu unterbinden. Seit 2006 stellen fünf Feldjägerkompanien einen CRC-Zug, üblicherweise sind dies die 4. Züge der jeweiligen Kompanien. In diesem werden Mannschaftssoldaten mit der Spezialisierung CRC ausgebildet. Das Hauptaugenmerk solcher Einsätze liegt bei Peace Support Operations (PSO) der Bundeswehr, da sich dortige Demonstrationen sehr oft gegen die militärischen Einrichtungen der ausländischen Truppen richten. Andererseits kommen die Kräfte auch im Inland – zum Beispiel bei der Räumung von durch Demonstranten blockierten Kasernenzufahrten – zum Einsatz. Im Rahmen der CRC werden ebenfalls speziell ausgebildete Feldwebeldienstgrade in Greif- und Rückholtrupps eingesetzt, die die identifizierten Rädelsführer der unfriedlichen Demonstrationen gezielt fassen und festsetzen sollen.

Ausbildung Die truppengattungsspezifische und lehrgangsgebundene Ausbildung findet an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover statt. Für die Feldjägertruppe ist insbesondere die Lehrgruppe A zuständig, während die anderen Teile vorrangig Lehrgänge des allgemeinen Stabsdienstes mit Schwerpunkt auf das Personalmanagement durchführen.

Organisation Einordnung