Fridingen an der Donau ist eine kleine Stadt im Osten des baden-württembergischen Landkreises Tuttlingen in Deutschland.

Geographie Lage am Donaudurchbruch Fridingen liegt inmitten des Naturparks Obere Donau, rund zwölf Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Tuttlingen donauabwärts, in einer Talweitung des Durchbruchs der Donau durch die Schwäbische Alb. In der weiten Flussschlinge erfolgt eine der Donauversinkungen, wo der Großteil des Wassers durch die Karstböden zum Hochrhein verloren geht.

Einige weitere Kilometer flussabwärts kommt man zum Donaudurchbruch bei Beuron, wo das etwa 20 Kilometer lange Durchbruchstal den beeindruckendsten Anblick bietet.

Stadtgliederung Zur Stadt Fridingen an der Donau gehören die Stadt Fridingen an der Donau, der Weiler Bergsteig, Schloss und Gehöft Bronnen, die Höfe Stadtmühle und Ziegelhütte und die Häuser Bärentalhaus, Hammerschmiede, Jägerhaus und Knopfmacher. Im Stadtgebiet liegen die abgegangenen Burgen Altfridingen, Kreidenstein, Neuhohenberg und Pfannenstiel.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 648–650.

Schutzgebiete

In Fridingen liegen die Naturschutzgebiete Stiegelesfels-Oberes Donautal und Buchhalde-Oberes Donautal sowie das Landschaftsschutzgebiet Donautal mit Bära- und Lippachtal.

Fridingen hat zudem Anteil am FFH-Gebiet Großer Heuberg und Donautal sowie am Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal. Darüber hinaus gehört Fridingen zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW.

Geschichte Vorgeschichte In den Jahren von 1964 bis 1967 konnten bei archäologischen Grabungen durch den Prähistoriker Wolfgang Taute in der Jägerhaushöhle im Donautal unterhalb von Schloss Bronnen zehn Kulturschichten aus vier Metern Erdschicht erfasst werden. Dabei wurden Funde gemacht, die auf eine kontinuierliche Besiedelung des Oberen Donautals in der frühen Mittelsteinzeit schließen lassen (vgl. Beuronien). Winzig kleine Steine und Splitter wurden als Speerspitzen oder als Fellschaber um die Zeit von 10.000 Jahren vor Christus diagnostiziert. Zudem wurden noch andere Materialien, wie Horn oder Knochen gefunden, teilweise mit Widerhaken zum Fischfang oder nur fingernagelgroße Plättchen, die wohl als Schmuck einer Altvorderen dienten. Die Fundstücke befinden sich in den Vitrinen der Schatzkammer des Klosters Beuron.Exkursion. Gruppe wagt Blick in die Schatzkammer. In: Schwäbische Zeitung. 26. Mai 2009. Ein weiterer wichtiger Fund- und Ausgrabungsort war die Probstfelshöhle bei Beuron.

Mittelalter mini|Fridingen, 1850, Stadtansicht von Eberhard Emminger mini|Fridingen von Osten aus gesehen

Alamannische Gräberfunde auf der rechten Donauseite gegenüber dem heutigen Stadtkern beweisen eine Besiedlung im frühen Mittelalter. Auch der Name der Stadt (vgl. -ingen) deutet auf eine alamannische Gründung hin. Zu den bedeutendsten Fundstücken zählt eine kunstvoll verzierte Fibel.Alamannen im Blick. Ausstellung im Museum. In: Südkurier. 14. Juli 2008. Weiterhin wurden Kämme, Ketten und Zierscheiben gefunden.Vera Romeu: Vor- und Frühgeschichte. Hinter Panzerglas wartet eine Rarität. In: Schwäbische Zeitung. 14. Dezember 2009.

Bei Fridingen wurden zwei Argentei Minuti, in Gallien entstandene Silbermünzen, aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts gefunden.Ulrich Klein: Fundmünzen aus Württemberg. hier S. 25. In: Dieter Planck (Hrsg.): Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1985. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0465-9, S. 20–30.

Der Name Fridingen wurde erstmals im Jahre 861 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Die Erhebung zur Stadt erfolgte 1372. Vom hohen Mittelalter bis in die napoleonische Zeit war das zur Grafschaft Hohenberg gehörende Fridingen meist Teil von Vorderösterreich. Es behielt seinen Charakter als Ackerbürgerstadt mit seinen noch erhaltenen schlichten, aber zweckmäßigen Fachwerkhäusern, die innerhalb der engen Stadtmauer sowohl als Bauern-, Handwerker- und Wohnhäuser dienten, bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Frühe Neuzeit Für das Jahr 1671 ist ein Hexenprozess vor der Fridinger Kirche verbürgt. Dieses Geschehen, von den Anschuldigungen der Schörzinger Bürger am 18. März 1671 bis zum Urteil Anfang September, gilt als der bestdokumentierte Prozess aus der Grafschaft Hohenberg. Zwölf Bürger beschuldigten damals die 70 Jahre alte arme und verwitwete Anna Bayerin aus Schörzingen aufgrund 19 vermeintlicher Verdachtsmomente der Hexerei. Unter Folter gestand die zu Unrecht Angeklagte „mit dem Teufel im Bunde“ zu sein. Das Urteil lautete auf „Tod durch Verbrennen – gnadenhalber mit vorheriger Enthauptung“.Michael Hochheuser: Spektakel: „Hexe“ erfährt keine Gnade. Mittelalterfest in Fridingen wird zu einem Höhepunkt der Jubiläumsfeiern. In: Schwäbische Zeitung. 25. Juli 2011.Wilma Schmalbach: vom 21. Juli 2011; abgerufen am 26. Juli 2011.1150 Jahre Fridingen a. D. Festwochenende 23. 24. Juli 2011. (PDF; 647 kB) Faltblatt zum Jubiläum; abgerufen am 26. Juli 2011. Sie wurde vermutlich in Rottenburg exekutiert. Bayerin war die letzte Person, die in einem Hohenberger Hexenprozess zum Tode verurteilt wurde.

Im Jahr 1672 kam es zum Aufstand der Fridinger Bürgerschaft gegen die Herrschaft des damaligen Obervogtes.Die Fridinger Unruhen. In: Südkurier. 10. September 2011.

Zunächst war das mittelalterliche Ifflinger Schloss innerhalb der Stadtmauer Sitz der oberhohenbergischen Verwaltung. Das zwar städtische, jedoch sehr abgelegene Fridingen verlor 1688 seine politische Bedeutung mit der Verlegung des Obervogteiamtes in das dörfliche, jedoch wesentlich verkehrsgünstigere Spaichingen.

Württembergische Zeit 1806 fiel Fridingen gemäß den Vertragsbedingungen des Friedens von Preßburg vom Kaisertum Österreich an das Königreich Württemberg und gehörte seit 1807 zum württembergischen Oberamt Tuttlingen. Mit dem Bau der eingleisigen Bahntrasse Tuttlingen–Inzigkofen erfolgte 1890 der Anschluss der Stadt ans Streckennetz der Württembergischen Eisenbahnen. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Tuttlingen.

Nachkriegszeit Fridingen war nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Französischen Besatzungszone und geriet somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Mit der Kreisreform in Baden-Württemberg wechselte die Stadt Fridingen 1973 als Teil des Landkreises Tuttlingen vom Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern zum Regierungsbezirk Freiburg.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Fridingen besteht aus den gewählten 12 ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurde der Gemeinderat durch Mehrheitswahl gewählt.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart. Mehrheitswahl findet statt, wenn kein oder nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde. Die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen sind dann gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 66,54 %.

Bürgermeister Bürgermeister von Fridingen war Stefan Bär, bis er Guido Wolf im Mai 2012 als Landrat des Landkreises Tuttlingen ablöste. Die Wahl fand am 1. Juli 2012 statt. bis 1977: Hubert Schiebel 1977–1994: Roland Ströbele (CDU) 1994–2012: Stefan Bär (FWV) seit 2012: Stefan Waizenegger (parteilos)

Verwaltungsverband Fridingen ist Mitglied und Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Donau-Heuberg.

Wappen und Banner 80px|rechts|Banner Fridingen an der Donau

mini|Nanteuiler Brücke, benannt nach der französischen Partnerstadt Nanteuil-lès-Meaux

„Das Banner ist weiß-rot längsgestreift mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.“Flagge der Stadt Fridingen an der Donau

Partnerschaften Fridingen unterhält seit 1987 partnerschaftliche Beziehungen zu der französischen Gemeinde Nanteuil-lès-Meaux an der Marne, etwa 45 km von Paris entfernt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen.

Naturdenkmäler mini|Blick zum Stiegelefelsen und hinab zur Donau

Zwischen Fridingen und Beuron liegt der vom Verkehr unberührt gebliebene und nach weitverbreiteter Ansicht schönste Teil des Donaudurchbruchs durch die Schwäbische Alb mit seinen hoch aufragenden weißen Kalkfelsen. Die ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete sind Reservate für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Vogelarten und Pflanzen. Der auf den zahlreichen Kalksteinfelsen vorhandene Trockenrasen zählt zu den seltenen Biotopen, die seit der jüngsten Eiszeit weitgehend unverändert erhalten geblieben sind. Das Naturschutzgebiet Stiegelesfels, geprägt durch die nährstoffarmen Magerwiesen, zeichnet sich durch seine Farben- und Blumenvielfalt und dadurch bedingt zahlreiche Insekten aus.Lebensraum blumenreiche Magerwiese. In: Blättle. Mitteilungsblatt der Gemeinde Krauchenwies mit den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen. Nummer 23. 51. Jahrgang. 11. Juni 2010.

Unweit von Fridingen befinden sich mehrere Versickerungsstellen der Donauversickerung. Im Sommer und Herbst versickern hier bis zu 400 Liter Wasser pro Sekunde im Kalkgestein der Alb. Es kommt im rund 16 Kilometer entfernten Aachtopf wieder zum Vorschein. Das versickernde Donauwasser überwindet hier die Europäische Wasserscheide, indem es über den Bodensee der Nordsee zufließt – im Gegensatz zum eigentlichen Verlauf der Donau, die in das Schwarze Meer mündet.

Bauwerke Im von Fachwerkhäusern geprägten denkmalgeschützten historischen Stadtkern befindet sich das in den 1980er Jahren renovierte Ifflinger Schloss, erbaut um 1330. Die St. Martinus-Kirche wurde im 19. Jahrhundert im neoromanischen Stil errichtet. Das Gasthaus Scharfeck am ehemaligen Oberen Tor von 1554 ist eines der bekanntesten Fachwerkhäuser von Fridingen und zeigt Bemalungen zur Fridinger Geschichte, wie etwa die Sage vom Knopfmacherfelsen. Die St.-Anna-Kapelle ist eine barocke Kapelle aus dem Jahr 1745. Eine erste Kapelle stand dort bereits um 1400, wurde jedoch von den Schweden zerstört. Sie wurde nach dem Bau von 1745 im Jahr 1754 in Kreuzesform erweitert. An die Südseite wurde eine Einsiedelei gebaut, in der bis zum Jahr 1940 jeweils ein Einsiedler lebte. Alljährlich findet am letzten Juliwochenende das Annafest mit einer Lichterprozession statt. Etwa vier Kilometer donauabwärts liegt auf einem Felsvorsprung das aus dem Mittelalter stammende Schloss Bronnen, das sich in Privatbesitz der Herren von Enzberg befindet und nicht besichtigt werden kann. Nordöstlich der Stadt unweit der Bäramündung befindet sich die Ruine der Burg Pfannenstiel. Der Gansnestturm steht rund 650 m nördlich der Bäramündung auf der 795 m hohen Bergzunge Gansnest unmittelbar nördlich der Fridinger Stadtgrenze auf der Gemarkung von Kolbingen. Der 18 m hohe Turm wurde in den 1920er Jahren von der Energieversorgung Schwaben im Zusammenhang mit einem Pumpspeicherwerk errichtet. Das Pumpspeicherwerk war Teil der Kraftswerksanlage Fridingen. Der Betrieb des Pumpspeicherwerks wurde Anfang der 1960er Jahre wegen fehlender Rentabilität eingestellt, der Turm 1967 als Schenkung dem Schwäbischen Albverein vermacht.Informationen des Schwäbischen Albvereins Das Gebäude dient heute als Aussichtsturm.