Branislav „Branko“ Stanković (, * 31. Oktober 1921 in Sarajevo; † 20. Februar 2002 in Belgrad) war ein jugoslawischer Fußballspieler und -trainer. Sowohl als Spieler wie auch als Trainer zählt er zu den wichtigsten Persönlichkeiten von Roter Stern Belgrad im Speziellen und für den jugoslawischen Fußball im Allgemeinen.reprezentacija.rs „Stanković Branko“ (aufgerufen am 16. August 2014)crvenazvezdafk.com: So wurde er mit Roter Stern als Spieler vier Mal und als Trainer zwei Mal nationaler Meister. Zudem führte er den Verein in der Saison 1978/79 bis ins Finale des UEFA-Pokals. Aufgrund seiner Spielweise, die in jugoslawischen Fußballkreisen als „elegant“ und „überlegen“ bezeichnet wurde, wurde er zu Spielerzeiten von Fans und Teamkollegen Ambassador („Botschafter“ oder „Konsul“) genannt. Ein weiterer Spitzname war Stane, der sich aus seinem Nachnamen ableitete. Er arbeitete einen Teil seiner Trainerkarriere in der Türkei und führte während dieser Zeit sowohl Fenerbahçe Istanbul als auch Beşiktaş Istanbul zur Türkischen Meisterschaft und ist damit nach Tomislav Kaloperović der zweite Trainer, der mit zwei unterschiedlichen Mannschaften diesen Titel holen konnte. Zudem gelang es ihm, nahezu alle Wettbewerbe im türkischen Fußball zu gewinnen. Als Trainer war er aufgrund seines strengen und autoritären Stils bekannt und gefürchtet. Deswegen wurde er in seiner jugoslawischen Heimat und später auch in der Türkei als „Diktator des Fußballs“ bekannt.16. April 1982, Milliyet, S. 14: „Stankoviç“
Spielerkarriere Verein Stanković durchlief die Nachwuchsabteilung von FK Slavija Sarajevo und wurde hier 1939 in den Kader der ersten Mannschaft aufgenommen. Nachdem dieser Verein nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geschlossen worden war, wechselte Stanković zu OFK Belgrad. Kriegsbedingt fand nur ein stark eingeschränkter Ligabetrieb statt. Stanković’ Mannschaft nahm an der Serbischen Fußballliga (1940–1944) teil und entschied in den Spielzeiten 1942/43 und 1943/44 die Meisterschaft für sich.
Mit dem Ende des Weltkrieges musste sich der jugoslawische Fußball erst neu formieren. Um dennoch mit dem Ligasystem fortfahren zu können, organisierten alle Staaten, aus denen das neue Jugoslawien nun bestand, eine Auswahlmannschaft und spielten dann in der 1. jugoslawische Fußballliga gegeneinander. Stanković spielte für die serbische Auswahl und gewann mit dieser Mannschaft die Meisterschaft der Saison 1945.
Nachdem 1946 die 1. jugoslawische Fußballliga wieder ihren regulären Spielbetrieb mit Vereinen aufnehmen sollte, wurde Stanković vom erst 1945 neu gegründeten Verein FK Roter Stern Belgrad verpflichtet. Bei diesem Verein befand er sich im Gründungskader, etablierte sich auf Anhieb als Stammspieler und beendete mit ihm die erste Saison als Tabellendritter. Nachdem Stanković' Mannschaft in der Saison 1947/48 den 5. Tabellenplatz belegt hatte, spielte sie in den nachfolgenden zwei Spielzeiten um die Meisterschaft mit, wurde aber beide Male lediglich Vizemeister. Im Jugoslawischen Pokal gelang der Mannschaft in den Spielzeiten 1947/48 und 1948/49 der Pokalgewinn. Schließlich gelang in der Saison 1951 der erste Titelgewinn in der Meisterschaft. Stanković holte bis zum Sommer 1958 zwei weitere Mal die jugoslawische Meisterschaft und einmal den jugoslawischen Pokal.
1958 beendete er nach 195 Ligaeinsätzen und 14 -toren für Roter Stern seine Spielerkarriere. Insgesamt absolvierte er für diesen Verein 495 offizielle Spiele und erzielte dabei 36 Tore. Laut der jugoslawischen Fachpresse entwickelte er einen neuen Typ von Abwehrspieler. Seine Spielweise wurde dann von anderen bekannten jugoslawischen Spielern wie Milovan Đorić, Fahrudin Jusufi, Petar Krivokuća nachgeahmt.
Nationalmannschaft Stanković wurde im ersten Länderspiel der jugoslawische Nationalmannschaft nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den Kader nominiert. In der Partie gegen die Tschechoslowakei spielte er von Anfang an und gab damit sein Länderspieldebüt. Fortan gehörte er ein Jahrzehnt lang zu den beständigsten Spielern und absolvierte während dieser Zeit nahezu alle Länderspiele Jugoslawiens.
Mit der jugoslawischen Auswahl nahm er an den Olympischen Sommerspielen 1948 teil und schaffte es mit ihr bis ins Turnierfinale. Dabei wurde im Halbfinale der Turniergastgeber Großbritannien mit 3:1 geschlagen. Im Finale traf Stanković' Team auf Schweden, unterlag diesem mit 3:1 und wurde Silbermedaillengewinner. Er selbst absolvierte alle vier Turnierbegegnungen und erzielte in der ersten Partie, die gegen die luxemburgische Nationalmannschaft bestritten wurde, sein erstes Länderspieltor.
Zwei Jahre später nahm er mit Jugoslawien an der Fußball-Weltmeisterschaft 1950 teil. Mit seiner Mannschaft belegte er hier in der Gruppe 1 hinter Brasilien den zweiten Platz und schied damit aus dem Turnier aus.
1952 qualifizierte sich Stanković mit Jugoslawien erneut für die Olympischen Sommerspiele. Bereits in der ersten Begegnung, der Vorrundenbegegnung gegen Indien, gewann Stanković' Team mit 10:1 und stellte damit den höchsten Sieg der Verbandsgeschichte auf. Auch bei dieser Olympiateilnahme wurde das Turnierfinale erreicht. Dieses Mal spielte die Mannschaft gegen Ungarn, die damals mit der als Goldene Elf bezeichneten Mannschaft den Weltfußball dominierte. Nachdem Stanković' Team lange Zeit das 0:0 halten konnte, verlor sie mit Gegentoren in den letzten 25. Minuten mit 0:2 und wurde erneut Silbermedaillengewinner. Auch dieses Mal absolvierte Stanković alle Turnierbegegnungen seiner Mannschaft.
Zwei Jahre später spielte er für Jugoslawien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 mit und befand sich mit ihr erneut in einer Gruppe mit Brasilien. Dieses Mal beendete seine Mannschaft vor den Südamerikanern die Gruppe als erster und schaffte es damit ins Viertelfinale. Hier unterlag Jugoslawien 0:2 dem späteren Turniersieger Deutschland.
Nach der WM-1954 spielte Stanković noch zwei Jahre für die jugoslawische Auswahl und absolvierte am 28. November 1956 gegen die Englische Auswahl sein letztes Länderspiel. Während seiner Nationalmannschaftskarriere führte er mit seinem langjährigen Teamkollegen Stjepan Bobek die Liste der Spieler mit den meisten Länderspieleinsätzen für die Jugoslawische Fußballnationalmannschaft an. Zu seinem Karriereende war er mit 61 Länderspielen hinter Bobek, der auf 63 Einsätze kam, der Spieler mit den zweitmeisten Länderspieleinsätzen für Jugoslawien. Beide wurden erst 1961 durch Branko Zebec und noch später durch andere überholt. Aktuell befindet sich Stanković in der Liste auf dem 6. Platz.
Er erzielte in seinen 61 Länderspielen drei Tore und zwei Eigentore und trug in sieben Partien die Kapitänsbinde.
Trainerkarriere Erste Trainerstationen Stanković besuchte nach dem Ende seiner Spielerkarriere eine Sportschule und schloss diese mit einem Trainerdiplom ab. Anschließend startete er seine Trainerkarriere 1960, indem er den Verein FK Željezničar Sarajevo als Cheftrainer zu betreuen begann. Am Saisonende verließ er diesen Verein wieder, nachdem er zuvor mit diesem die Tabelle auf dem 6. Platz beendet hatte.
Zur Saison 1963/64 übernahm er den Zweitligisten NK Olimpija Ljubljana und betreute diesen eine Saison lang.
Erste Meisterschaft als Trainer Im Sommer 1964 wurde er bei FK Vojvodina Novi Sad als neuer Trainer eingestellt. Nachdem er die erste Saison mit diesem Klub auf dem 9. Tabellenplatz beendet hatte, spielte er in der zweiten Saison, der Saison 1965/66, um die Meisterschaft mit. Diesen Verein führte er schließlich souverän mit einem 8-Punkte-Vorsprung zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte und machte damit das erste Mal als Trainer auf sich aufmerksam. Diese Leistung führte dazu, dass er 1966 auch als Co-Trainer der jugoslawische Nationalmannschaft arbeitete. In der Saison 1966/67 beendete er mit seinem Verein zwar die Liga auf dem 4. Tabellenplatz, schaffte es aber im Europapokal der Landesmeister 1966/67 bis ins Viertelfinale und schied hier gegen den späteren Turniersieger Celtic Glasgow knapp nach einem Gesamtergebnis von 1:2 aus.
Griechenland und Portugal Ab dem Jahr begann Stanković seine Karriere im Ausland fortzusetzen und übernahm als erste Auslandstätigkeit den Cheftrainerposten beim griechischen Verein und amtierenden griechischer Meister AEK Athen. Nachdem er in seiner ersten Saison den sechsten Tabellenplatz erreichen konnte, konnte er seine Mannschaft in der Saison 1969/70 hinter dem Erzrivalen Panathinaikos Athen zur Vizemeisterschaft. Schließlich konnte er in der Saison 1970/71 mit seiner Mannschaft die griechischen Meisterschaft holen.
Nachdem sein Klub in den Spielzeiten 1971/72 und 1972/73 in der Meisterschaft chancenlos geblieben war, übernahm er in der Saison 1973/74 den Ligarivalen Aris Thessaloniki. Mit diesem Verein beendete er die Saison auf dem 3. Tabellenplatz.
Im Sommer 1974 verließ er Griechenland und setzte seine Karriere in Portugal fort. Hier übernahm er den FC Porto. Diesen Verein führte er in der Saison 1974/75 zur Vizemeisterschaft und damit zur besten Platzierung seit sechs Jahren. Trotz dieser guten Platzierung wurde die Zusammenarbeit nicht fortgesetzt.
Zur Saison 1975/76 kehrte er nach Griechenland zurück und wurde hier der Cheftrainer von PAOK Thessaloniki, dem Erzrivalen seiner früheren Vereins Aris Thessaloniki. Nachdem er mit diesem Klub, der amtierenden griechischer Meister war, nur den 3. Platz erreichen konnte, verließ er diesen Klub bereits nach einer Saison.
Glorreiche Zeit bei FK Roter Stern Belgrad Im Sommer 1977 kehrte er nach Jugoslawien zurück und übernahm zum zweiten Mal FK Vojvodina Novi Sad. Bereits nach einer Saison übernahm er FK Roter Stern Belgrad, jenen Verein, mit dem er bereits als Spieler große Erfolge erreichte. In seiner ersten Saison führte den erfolgsverwöhnten Verein zwar nur zum 3. Tabellenplatz, sorgte aber im UEFA-Pokal 1979/80 für eine große Überraschung. Mit seinem Verein schaffte er es bis ins UEFA-Pokal-Finale und traf hier auf den deutschen Klub Borussia Mönchengladbach. Nach zwei hart umkämpften Spielen hatte seine Mannschaft das Nachsehen gegenüber der Borussia. In den Spielzeiten 1979/80 und 1980/81 dominierte er mit seinem Verein den jugoslawische Fußball und wurde zwei Mal mit großen Punktevorsprung Meister. In diesen Spielzeiten wurde auch im UEFA-Pokal 1979/80 das Achtelfinale und im Europapokal der Landesmeister 1980/81 das Viertelfinale erreicht. 1982 ging seine Tätigkeit bei Roter Stern Belgrad zu Ende.
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