Der Marathonlauf der Männer bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles wurde am 12. August 1984 ausgetragen. 107 Athleten nahmen teil, von denen 78 das Ziel erreichten.
Olympiasieger wurde der Portugiese Carlos Lopes. Er gewann vor dem Iren John Treacy und dem Briten Charlie Spedding.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde durch Ralf Salzmann vertreten, der das Ziel auf Rang achtzehn erreichte. Der Schweizer Bruno Lafranchi wurde Fünfzigster, der Österreicher Gerhard Hartmann gab das Rennen auf. Läufer aus Liechtenstein nahmen nicht teil. Athleten aus der DDR waren wegen des Olympiaboykotts ebenfalls nicht dabei.
Aktuelle Titelträger Olympiasieger 1980Waldemar Cierpinski ()2:11:03 hMoskau 1980Weltmeister 1983Robert de Castella ()2:10:03 hHelsinki 1983Europameister 1982Gerard Nijboer ()2:15:16 hAthen 1982Panamerikanischer Meister 1983Jorge González ()2:12:43 hCaracas 1983Zentralamerika- und Karibikmeister 1983Víctor Mora ()2:58:51 hHavanna 1983Südamerikameister 1983Juan Plagman ()2:15:50 hSanta Fe 1983Asienmeister 1983 Wettbewerb nicht ausgetragenAfrikameister 1982Juma Ikangaa ()2:21:05 hKairo 1982
Rekorde/Bestleistungen Offizielle Rekorde wurden damals in dieser Disziplin außer bei Meisterschaften und Olympischen Spielen aufgrund der unterschiedlichen Streckenbeschaffenheiten nicht geführt.
Bestehende Rekorde/Bestleistungen Weltbestzeit2:08:18 hRobert de Castella ()Fukuoka, Japan6. Dezember 1981Weltrekord Entwicklung beim Männer Marathon, abgerufen am 8. November 2021Olympischer Rekord2:09:55 hWaldemar Cierpinski ()OS Montreal, Kanada31. Juli 1976
Rekordverbesserung Der portugiesische Olympiasieger Carlos Lopes verbesserte den bestehenden olympischen Rekord im Rennen am 12. August um 34 Sekunden auf 2:09:21 h. Zur Weltbestzeit fehlten ihm 1:03 Minuten.
Streckenführung Das Rennen wurde im Corsair Field in Santa Monica gestartet, wo die Athleten nach zweieinhalb Stadionrunden auf die Straße wechselten. Über den Pacific Coast Highway und den Lincoln Boulevard ging es nach Nordwesten, ehe die Strecke nach Passieren der Interstate 10 in Richtung Nordosten den Olympic Boulevard querte. Die Route führte nun in einem weiten Linksbogen zur Pazifikküste, die in Pacific Palisades erreicht wurde. Über die Ocean Avenue ging es weiter südostwärts an der Küste entlang bis zum Venice Beach. Der Hafen von Marina del Rey wurde umrundet, anschließend wendete sich der Kurs ostwärts und passierte den Interstate 405. Über den Jefferson Boulevard ging es in nördlicher Richtung an Culver City vorbei bis Baldwin Hills. Über die Rodeo Road und dem Exposition Boulevard führte der Weg nun Richtung Osten zum Los Angeles Memorial Coliseum. Im Stadion war bis zum Ziel noch eine Runde zurückzulegen.Official Report of the Games of the XXIIIrd Olympiad Los Angeles, 1984, Volume 2, Competition Summary and Results, S. 279f, englisch/französisch (PDF, 41.082 KB), abgerufen am 8. November 2021
Resultat und Rennverlauf Datum: 12. August 1984 ZwischenzeitenOfficial Report of the Games of the XXIIIrd Olympiad Los Angeles, 1984, Volume 2, Competition Summary and Results, S. 279, englisch/französisch (PDF, 41.082 KB), abgerufen am 8. November 2021 Zwischenzeit-Marke Zwischenzeit Führende(r) 5-km-Zeit 5 km 15:35 min große Gruppe 15:35 min 10 km 31:09 min Mehmet Yurdadön, Ralf Salzmann 15:34 min 15 km 46:00 min Ahmed Salah, Gidamis Shahanga 14:51 min 20 km 1:01:20 h Takeshi Sō 15:20 min 25 km 1:17:12 h größere Spitzengruppe 15:52 min 30 km 1:33:02 h größere Spitzengruppe 15:50 min 35 km 1:48:23 h achtköpfige Spitzengruppe 15:21 min 40 km 2:06:20 h Carlos Lopes 15:58 min Anmerkung:Die Zwischenzeit über 40 km kann nicht korrekt sein, ansonsten hätte Carlos Lopes die letzten 2195 Meter in 3:01 min (entspricht 43,657 km pro Stunde) laufen müssen, was unmöglich ist. Das macht auch alle anderen Zwischenzeitenangaben fragwürdig. Platz Athlet Land Zeit (h) Anmerkung 1 Carlos Lopes 2:09:21 2 John Treacy 2:09:56 3 Charlie Spedding 2:09:58 4 Takeshi Sō 2:10:55 5 Robert de Castella 2:11:09 6 Juma Ikangaa 2:11:10 7 Joseph Nzau 2:11:28 8 Djama Robleh 2:11:39 9 Jeremy Kiernan 2:12:20 10 Rod Dixon 2:12:57 11 Pete Pfitzinger 2:13:53 12 Hugh Jones 2:13:57 13 Jorge González 2:14:00 14 Toshihiko Seko 2:14:13 15 Alberto Salazar 2:14:19 16 Mehmet Terzi 2:14:20 17 Shigeru Sō 2:14:38 18 Ralf Salzmann 2:15:29 19 Henrik Jørgensen 2:15:55 20 Ahmed Salah 2:15:59 21 Agapius Masong 2:16:25 22 Gidamis Shahanga 2:16:27 23 Elói Schleder 2:16:35 24 Karel Lismont 2:17:07 25 Allan Zachariasen 2:17:10 26 Michalis Kousis 2:17:38 27 Pertti Tiainen 2:17:43 28 Alain Lazare 2:17:52 29 Vincent Ruguga 2:17:54 30 Armand Parmentier 2:18:10 31 César Mercado 2:19:09 32 Omar Abdillahi Charmarke 2:19:11 33 Øyvind Dahl 2;19:28 34 Derek Froude 2:19:44 35 Giovanni D’Aleo 2:20:12 36 Jesús Herrera 2:20:33 37 Lee Hong-yul 2:20:56 38 Juan Camacho 2:21:04 39 Cor Vriend 2:21:08 40 France Ntaole 2:21:09 41 Johan Geirnaert 2:21:35 42 Jacky Boxberger 2:22:00 43 Marco Marchei 2:22:38 44 Art Boileau 2:22:43 45 Samuel Hlawe 2:22:45 46 Baikuntha Manandhar 2:22:52 47 Ahmed Mohamed Ismail 2:23:27 48 Chae Hong-nak 2:23:33 49 Joseph Otieno 2:24:14 50 Bruno Lafranchi 2:24:38 51 Dick Hooper 2:24:41 52 Derrick Adamson 2:25:02 53 Claudio Cabán 2:27:16 54 Marc Agosta 2:27:41 55 Wilson Theleso 2:29:20 56 Chen Chang-ming 2:29:53 57 Alejandro Silva 2:29:53 58 Kim Won-sik 2:30:57 59 Rubén Aguiar 2:31:18 60 Shem-Tov Sabag 2:31:34 61 Vincent Rakabaele 2:32:15 62 Marios Kassianidis 2:32:51 63 Arjun Pandit 2:32:53 64 Ismael Mahmoud Ghassab 2:33:30 65 Alain Bordeleau 2:34:27 66 Tau John Tokwepota 2:36:36 67 Patric Nyambariro-Nhauro 2:37:18 68 Kimurgor Ngeny 2:37:19 69 Amira Prasad Yadav 2:38:10 70 Adolphe Ambowodé 2:41:26 71 Carlos Ávila 2:42:03 72 Jules Randrianarivelo 2:43:05 73 Ahmed Abdul Lahij 2:44:39 74 George Mambosasa 2:46:14 75 Marlon Williams 2:46:50 76 Johnaon Mbangiwa 2:48:12 77 Leonardo Illut 2:49:39 78 Dieudonné LaMothe 2:52:18 Wilson Achia Omar Aguilar Awadh Shaban Al-Sameer Ahmet Altun Cidálio Caetano Miguel Angel Cruz David Edge Filippos Filippou Rodolfo Gómez Gerhard Hartmann Stig Roar Husby Matthews Kambale Cornelis Lambregts Ronald Lanzoni Tommy Lazarus Bigboy Matlapeng Delfim Moreira Gerard Nijboer Santiago de la Parte Tommy Persson Rumbanza Situ Geoff Smith Kjell-Erik Ståhl Domingo Tibaduiza Juan Carlos Traspaderne John Tuttle Nimley Twegbe Mehmet Yurdadön Als Favoriten galten der australische Weltmeister Robert de Castella, der beim Fukuoka-Marathon 1981 eine neue Weltbestzeit aufgestellt hatte. Der US-Amerikaner Alberto Salazar hatte in den Jahren 1980, 1981 und 1982 den New-York-City-Marathon drei Mal in Folge gewonnen, zudem wurde er 1983 der erste Weltmeister. Der Japaner Takeshi Sō wäre 1980 in Moskau einer der Favoriten gewesen, doch der Olympiaboykott, an dem u. a. auch Japan beteiligt war, verhinderte seine Teilnahme. In Los Angeles ging er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Shigeru Sō an den Start.
Drei Marathonläufer – Omar Abdillahi Charmarke, Djama Robleh und Ahmed Salah – waren die ersten Sportler aus Dschibuti, die an Olympischen Spielen teilnahmen.
Zunächst blieb das Läuferfeld zusammen. Nach zehn Kilometern hatten sich kleinere Ausreißergruppen gebildet. Es führte der Türke Mehmet Yurdadön vor dem Deutschen Ralf Salzmann und Juan Carlos Traspaderne aus Spanien. Knapp dahinter folgte eine kleinere Gruppe, u. a. mit dem Kenianer Kimurgor Ngeny, dem Griechen Michalis Kousis, dem Briten Geoff Smith und dem Norweger Stig Roar Husby. Doch diese Läufer spielten am Ende keine Rolle mehr, sie belegten hintere Plätze oder gaben das Rennen auf. Die nächsten fünf Kilometer wurden sehr schnell zurückgelegt und die ersten Ausreißer wurden wieder gestellt. Es bildete sich eine größere Spitzengruppe, angeführt von Ahmed Salah und Gidamis Shahanga aus Tansania. Die nächsten fünf Kilometer hatten wieder ein etwas gemäßigteres Tempo, ähnlich wie in der Anfangsphase. Dennoch fielen nun nach und nach immer mehr Läufer aus der bislang großen Führungsgruppe zurück. Ganz vorne lag der Japaner Takeshi Sō, der etwa mit fünf Sekunden Vorsprung vor einer Gruppe mit starken Konkurrenten führte. Im weiteren Verlauf reihte sich der Japaner in diese größere Gruppe ein, die das Feld anführte.
Mit einer deutlichen Tempoverschärfung löste sich nach dreißig Kilometern eine achtköpfige Gruppe. Unter ihnen waren der Japaner Takeshi Sō, der Portugiese Carlos Lopes, der Brite Charlie Spedding, der Ire John Treacy und der Australier de Castella. Nachdem die Gruppe einige Kilometer zusammen gelaufen war und das Tempo wieder nachgelassen hatte, forcierte Lopes bei Kilometer 37 noch einmal. Nur Treacy und Spedding konnten zunächst noch mithalten. Lopes setzte sich in der Folgezeit auch von seinen letzten Verfolgern mehr und mehr ab. Er kam mit über 35 Sekunden Vorsprung ins Stadion und konnte den Schlussabschnitt winkend absolvieren. Treacy und Spedding lieferten sich auf der Stadionrunde einen Kampf um die Silbermedaille, den der Ire mit zwei Sekunden Vorsprung für sich entschied. Von den Favoriten erreichte Takeshi Sō das Ziel als Vierter, eine weitere Minute hinter Spedding. De Castella wurde mit vierzehn Sekunden Rückstand auf Takeshi Sō Fünfter. Salazar kam als Fünfzehnter ins Ziel, Shigeru Sō als Siebzehnter.Official Report of the Games of the XXIIIrd Olympiad Los Angeles, 1984, Volume 2, Competition Summary and Results, S. 98 (Streckenplan), englisch/französisch (PDF, 41.082 KB), abgerufen am 8. November 2021
Carlos Lopes verbesserte Waldemar Cierpinskis olympischen Rekord um 34 Sekunden.
Mit seinem Sieg wurde Carlos Lopes zum ersten Olympiasieger Portugals.John Treacy gewann die erste irische Medaille im Marathonlauf.
Videolinks 1984-08-12 Olympic Marathon (men's) raw satellite feed - part 1 of 4 Carlos Lopes - Portugal, youtube.com, abgerufen am 8. November 2021 1984-08-12 Olympic Marathon (men's) raw satellite feed - part 2 of 4 Carlos Lopes - Portugal, youtube.com, abgerufen am 8. November 2021 1984-08-12 Olympic Marathon (men's) raw satellite feed - part 3 of 4 Carlos Lopes - Portugal, youtube.com, abgerufen am 8. November 2021 1984-08-12 Olympic Marathon (men's) raw satellite feed - part 4 of 4 Medal Ceremonies, Late Runners, youtube.com, abgerufen am 8. November 2021 Men's Marathon at LA Olympics in 1984, youtube.com, abgerufen am 7. Januar 2018
Literatur Olympische Spiele 1984 Los Angeles Sarajevo mit Beiträgen von Ulrich Kaiser und Heinz Maegerlein, Hrsg. Manfred Vorderwülbecke, C. Bertelsmann Verlag, München 1984, ISBN 3-570-01851-2, S. 28f
Weblinks und Quellen 1984: Los Angeles:Les Femmes Enfin A L'Honneur, marathoninfo.free.fr, abgerufen am 8. November 2021 Official Report of the Games of the XXIIIrd Olympiad Los Angeles, 1984, Volume 2, Competition Summary and Results, S. 279f, englisch/französisch (PDF, 41.082 KB), abgerufen am 8. November 2021 Olympedia, Athletics at the 1984 Summer Olympics, Marathon, Men, olympedia.org (englisch), abgerufen am 8. November 2021 Los Angeles 1984, Athletics, marathon men Results, Seite des IOC (englisch), olympics.com, abgerufen am 8. November 2021 Athletics at the 1984 Los Angeles Summer Games: Men's 1500 metres, archiviert bei wayback (Internet Archive), sports-reference.com (englisch), abgerufen am 8. November 2021
Einzelnachweise
Kategorie:Leichtathletikwettbewerb bei den Olympischen Sommerspielen 1984 Kategorie:Marathonlauf