Das Bodendenkmal Blabbermühle ist eine ehemalige Wassermühle am Blabbergraben im Brandenburger Landkreis Oder-Spree. Das Areal des Kulturguts liegt westlich von Görsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Tauche. Der Name bezieht sich lautmalend auf das Geräusch der arbeitenden, plappernden Mühle.
Der Mühlenbetrieb wurde in den 1920er Jahren eingestellt. Nachdem die letzten Besitzer das Anwesen noch bis etwa 1952 landwirtschaftlich genutzt und dann verlassen hatten, wurden die Gebäude nicht mehr instand gehalten; sie sind heute weitgehend zerfallen. Oberhalb der Mühle gab es zwei Bockwindmühlen, von denen keine Spuren mehr vorhanden sind. Die benachbarte Blabberschäferei hingegen ist weiterhin bewohnt. Sie wurde 1968 vom Schriftsteller Günter de Bruyn als Wohnsitz gekauft und wird heute unter der Bezeichnung Blabber als Teil von Görsdorf geführt.Zum Tag des offenen Denkmals 2024 Gemeinde Tauche, vom 28. August 2024, abgerufen am 25. Juni 2026 Auf Landkarten ist das Gesamtensemble in der Regel nach wie vor als Blabbermühle verzeichnet. mini|Inzwischen abgetragene Ruine der Blabbermühle um 1980
Lage und Naturraum
Die Blabbermühle und die Blabberschäferei liegen im Südwesten der Beeskower Platte, die in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands als Nr. 824 in der Haupteinheitengruppe Nr. 82 Ostbrandenburgisches Heide- und Seengebiet geführt wird. Im Untergrund der Platte überwiegen Saaleeiszeitliche Grundmoränenflächen, die weitgehend von flachwelligen Endmoränenbildungen der letzten Eiszeit überlagert werden. Der rund 14 Kilometer lange Blabbergraben verbindet und entwässert fünf langgezogene Seen in einer glazialen Rinne des Plateaus von Nord nach Süd in die Krumme Spree zwischen Werder und Kossenblatt. Die Spree fließt in diesem Bereich von West nach Ost in der Brieschter Talung, die die Beeskower Platte von der südlich anschließenden Lieberoser Platte trennt.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95. ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins in Kapitel 1 und im Kapitel 4 Abb. 32 und die Unterabschnitte 4.3.4.3 und 4.3.4.5.
mini|Blabbermühle und Blabberschäferei in der Preußischen Uraufnahme von 1846
Blabber befindet sich auf einer Höhe von rund 54 Metern am mittleren Teil des Baches zwischen dem Premsdorfer See und dem Drobschsee am Westrand der Gemarkung von Görsdorf; der Görsdorfer Dorfkern liegt rund 1,5 Kilometer östlich. Westlich Blabbers schließt sich die Gemarkung Schwenows an, eines Dorfs des Storkower Ortsteils Limsdorf. An das Straßennetz ist das Gelände nicht angebunden und nur über Waldwege erreichbar. Im Schäfereibereich führt eine Fußgängerbrücke über das einst wasserreiche Fließ, das in diesem Abschnitt in den Sommermonaten inzwischen in der Regel trockenfällt. Das Gelände der Mühle folgt rund 200 Meter stromaufwärts. Beide Bereiche erstrecken sich auf der Westseite des Blabbergrabens, dessen Rinne hier eine rund 200 Meter breite Talung bildet, die teils von sandigen Steilhängen begrenzt wird.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft. S. 48ff, 178f.
Der Graben wird in der Blabber-Talung von Erlen und Haselnussbüschen flankiert. Das gesamte Gelände ist in ein ausgedehntes Waldgebiet eingebettet, das östlich des Grabens zum Naturschutzgebiet Schwenower Forst gehört. Die Mühle und die Schäferei – auf der anderen Grabenseite gelegen – sind vom Naturschutzgebiet ausgespart, sind aber Teil des Naturparks Dahme-Heideseen und des Landschaftsschutzgebiets Dahme-Heideseen.Bundesamt für Naturschutz (BfN): Kartendienst Schutzgebiete in Deutschland. Ausschnitt im Bereich des Blabbergrabens.
Geschichte
Archäologische Funde und die Bodendenkmale der Gemeinde Tauche weisen auf eine frühe, bereits urgeschichtliche Besiedlung der Region hin. Rund 700 Meter südlich der ehemaligen Schäferei erhebt sich mitten in der Talung des Blabbergrabens das 58,1 Meter hohe Bodendenkmal Räuberberg, eine aus einem natürlichen Hügel herausgearbeitete Burg- oder Befestigungsanlage aus den ersten beiden Jahrhunderten der Deutschen Ostsiedlung.Wolfgang de Bruyn: Markenzeichen einer Region –Denkmale im östlichen Teil des Naturparks Dahme-Heideseen (PDF; 0,2 MB) In: NABU RV Dahmeland e. V: JahreBuch 2001, Prieros S. 49–54. Siehe Blatt 2 in der Online-Version. Die deutsche Besiedlung des Gebiets, das zur damals sächsischen Herrschaft Beeskow der Markgrafschaft Lausitz gehörte, erfolgte zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Frühere Annahmen, es handele sich um eine slawische Anlage, haben sich nicht bestätigt.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft. S. 55. Aus der slawischen Siedlungszeit verblieben unter anderem Ortsnamen wie Schwenow oder Premsdorf.Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 94, 105f.
Blabbermühle
Die Blabbermühle ist unter der Bezeichnung Mühle Neuzeit als Bodendenkmal ausgewiesen. In der Liste der Bodendenkmale wird sie als Nummer 90836 unter „Görsdorf (B)“ geführt.; „Görsdorf (B)“ steht für Görsdorf bei Beeskow zur Unterscheidung von „Görsdorf (S)“ = Görsdorf bei Storkow.
Ersterwähnungen und Namengebung mini|Der Blabbergraben im Bereich der ehemaligen Mühle
Die Wassermühle wurde, soweit bekannt, erstmals am 15. Juni 1518 im Erbregister der Herrschaft Storkow schriftlich erwähnt. Danach waren von der Gyrszdorffischen Möllen an Zinsz 1 schock, von einer Mühlen, die Springkmühlle genannt, XXXII gr., an Rogken IV schfl., an habern II schfl., Hünnern I zu entrichten.Erbgregister der Herrschaft Storkow vom 15. Juni 1518. In: Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Erster Hauptteil, Band XX, Berlin 1861, S. 502 Google. Das Historische Ortslexikon (HOL) und Brandenburgische Namenbuch ordnen die Gyrszdorffische Mölle (Görsdorfer Mühle) als Blabbermühle ein, die Springkmühle ist in späteren Quellen nicht mehr erwähnt worden. Als schriftliche dokumentierte Erstbezeichnung der Görsdorfer Mühle als Blabbermühle geben das Namenbuch das Jahr 1730 und das HOL das Jahr 1741 an.HOL, S. 33f, 256.Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 48, 109. Allerdings hat Günter de Bruyn im Tauf-, Sterbe- und Trauregister der Kirchengemeinde Wulfersdorf inzwischen noch deutlich frühere Nennungen gefunden. Darin wird anlässlich einer Taufe am 1. Februar 1657 ein Pate aus der Schäfferey bey der Blabbermühle erwähnt. Laut de Bruyn erscheinen in diesem Taufregister auch in den Folgejahren regelmäßig Einwohner von Blabber als Täuflinge, Eltern oder Paten, beispielsweise Georg der Blabbermüller oder die alte Schäferin aus der Blabber. Ab etwa 1700 tauchten Nennungen mit Vor- und Familiennamen auf wie Meister Christian Hennings Blabber Müller.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft, S. 162.
Der Geograph Anton Friedrich Büsching führte 1775 in der Vollständigen Topographie der Mark Brandenburg die Schreibweise Plapper-Schäferey an, die auf die Etymologie des Namens Blabber hinweist. Der Name enthält das brandenburgische Verb blabbern für plappern, viel und unüberlegt reden, das sich lautmalend auf das von der Mühle verursachte Geräusch bezieht;Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 48f. vergleiche die Redewendung Sie hat ’n Maul wie ’ne Plappermühle, das heißt, sie spricht in einem fort. Von der Blabbermühle wurde der Name später auf den Blabbergraben übertragen, der erstmals im Jahr 1745 unter dieser Bezeichnung (mit Bindestrich als Blabber-Graben) erscheint.General-Designation und Beschreibung aller in der Chur Mark und incorporierten Landen belegenen und oder dieselbe berührenden Gewäßer, als Flüße, Fließe, Lücher, Bachen, Canale, Graben, Seen, Pfühle, Teiche usw. […]. In: Spezifikation der Dörfer und Städte der Kurmark von 1745. Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Pr. Br. Rep. 2, S 8.592, S. 216. Angabe nach: K. Gutschmidt, H. Schmidt, T. Witkowski (Hrsg.): Die Gewässernamen Brandenburgs. (= Brandenburgisches Namenbuch, Teil 10; Berliner Beiträge zur Namenforschung, Band 11). Begründet von Gerhard Schlimpert, bearbeitet von Reinhard E. Fischer. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996, ISBN 3-7400-1001-0, S. 33.
Entwicklung mini|Die Grabenniederung an der Mühle
Im Jahr 1691 ist die Blabbermühle als Mühle zu Görsdorf mit einem Gang und einem Müller verzeichnet. 1745 werden ein Gang und Grützstampfen genannt. 1774/75 werden für das Gesamtensemble aus Wind- und Wassermühle zu Görsdorf und Plapper-Schäferei zwei Büdner und andere und zwei Feuerstellen mit 14 Bewohnern angegeben. 1858 ist die Wassermühle als Getreide-, Schneide- und Ölmühle mit zwei Wohn- und drei Wirtschaftsgebäuden und 20 Bewohnern dokumentiert. 1925 sank die Bewohnerzahl auf 13. Um 1800 listete das Amt Beeskow Blabbermühle als gesonderten Ort, gelegen auf der Gemarkung Görsdorfs. 1931, 1950 und 1957 wurde sie als Wohnplatz der zu dieser Zeit noch selbständigen Gemeinde Görsdorf bezeichnet. In den Jahren 1801 und 1837 war die Mühle in Görsdorf, 1897 in Ahrensdorf eingekircht.HOL, S. 33f., 90ff.
War die Mühle, wie auch die Schäferei, im 16. und 17. Jahrhundert vom Amt Beeskow verwaltet worden, ging sie um 1700 in Erbpacht über. 1725 wird Gottfriede Henning erstmals als Erbmüller auf der Blabber bezeichnet. 1808 nannte sich Christian Friedrich Kolbe Mühlenmeister und Eigenthümer der Blabbermühle. Bis 1850 blieb die Mühle im Besitz der Familie Kolbe. Die Witwe des letzten Mühlenmeister Kolbe heiratete 1850 den Mühlenmeister Albert Bislich aus Hermsdorf, der 1858 über das Amt seine Absicht bekanntmachte, auf seinem daselbst belegenen Mühlengrundstück ein neues Kesselhaus zu erbauen und zum besseren Betrieb seiner Wassermühle eine Dampfmaschine von 10–12 Pferdekraft aufzustellen […]. Zudem wollte er die Mühle um einen Mahlgang nebst Reinigungsmaschine erweitern.Sämtliche Informationen, auch Zitate, nach: Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft, S. 163f. Bekanntmachung des Mühlenmeisters Bislich S. 164. Inwieweit Bislich das Vorhaben umsetzte und es gegebenenfalls rentabel war, ist unklar. In den nächsten Jahrzehnten gab es zwei weitere Besitzerwechsel. 1892 ging die Mühle an Julius Wendt. In den 1920er Jahren stellte der Enkel Wendts den Mühlenbetrieb ein und betätigte sich auf dem Mühlenetablissement bis zu seiner Flucht aus der DDR im Jahr 1952 als Landwirt.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft, S. 164ff.
Gebäude und Zerfall
Nach Wendts Flucht verfielen Mühle, Scheunen und Ställe. Erhalten blieb lediglich ein massives Gebäude mit Ziegeldach, in das 1924 ein einfaches Lehmfachwerkgebäude mit Strohdach als Altenteil umgebaut worden war. In den 1970er Jahren wurden die Gebäude geplündert und Hausbauer aus der Umgebung versorgten sich mit Backsteinen.
Der Schriftsteller Günter de Bruyn beschreibt das Mühlengebäude für das Jahr 1968 als stattlichen zweigeschossigen Backsteinbau mit hohen Feldsteinfundamenten, der zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich intakt gewesen sei. Zwar fehlten Mahlwerk, Fenster, Türen und Dielen, das Dach und die Wände waren aber noch unzerstört und die Kachelöfen noch vorhanden. 2005 sei von der Mühle nur noch ein von Bäumen und Sträuchern überwachsener Trümmerhaufen verblieben. Der tiefer gelegene Wirtschaftshof sei schon 1968 durch den Aufwuchs von Holunderbüschen, Akazien und Eschen zum Urwald geworden, Scheune und Ställe seien in sich zusammengesunken. Die Feldsteinmauern aber hätten allen Unbilden getrotzt.
Bockwindmühlen
mini|Die Windmühle über der Wassermühle im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87