Die Fallschirmtruppe des Kaiserlich Japanischen Heeres (jap. , Nippon rikugun kūtei butai) war eine Waffengattung des Kaiserlich Japanischen Heeres für den operativen Einsatz im rückwärtigen Feindgebiet. Ihre Aufstellung begann im Dezember 1940 mit der Rekrutierung von zehn Offizieren und 250 Unteroffizieren. Während des Pazifikkrieges erfolgten Einsätze auf Leyte und Luzon auf den Philippinen sowie auf Okinawa, die in den meisten Fällen mit dem Totalverlust der Einheiten endeten.

Während Fallschirmjäger im japanischen Rakkasanhei heißen, wählte das Heer die Bezeichnung Teishin (), was ungefähr mit Gefährlicher Angriff bzw. Sturm(-Angriff) übersetzt werden kann. Im Laufe des Pazifikkriegs etablierte sich der Begriff Kūchū Teishin Butai () bzw. kurz Kūtei Butai () was dem deutschen Luftsturmeinheit entspricht. Die Fallschirmtruppe des Heeres ist zu unterscheiden von der Fallschirmtruppe der Kaiserlich Japanischen Marine.

Auftrag Der primäre Auftrag der Fallschirmtruppe bestand darin, überraschend Brückenköpfe, Schlüsselgelände oder wichtige feindliche Industrieanlagen zu nehmen und diese bis zum Eintreffen der nachrückenden Truppe zu halten. Im Verlauf des Pazifikkriegs zeigte sich, dass alleine die Präsenz der japanischen Fallschirmtruppen in einem Operationsraum eine stetige Bedrohung für alliierte militärische Objekte und Versorgungswege im Hinterland darstellte und damit Truppen für den Objektschutz band.Rottman & Takizawa, S. 3

Geschichte Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs hatten nur die Sowjetunion und das Deutsche Reich bedeutende Fallschirmtruppen aufgestellt. Erst mit den Erfolgen der deutschen Fallschirmjäger bei der Besetzung Norwegens und während des Westfeldzugs, unter anderem mit der Erstürmung des Forts Eben-Emael, sah das Kaiserlich Japanische Heer die Notwendigkeit, eigene Fallschirm- und Luftlandetruppen aufzustellen.

Aufstellung mini|Japanischer Fallschirmjäger des Heeres springt während des Pazifikkriegs aus einem Flugzeug. Obwohl das Kaiserreich Japan mit dem Deutschen Reich verbündet war, gab es zwischen den Streitkräften in Bezug auf Ausbildung, Bewaffnung, Organisation oder Taktik bei der Aufstellung der japanischen Fallschirmtruppen keinerlei Austausch.Rottman & Takizawa, S. 4 Das Japanische Heer stellte parallel zur Kaiserlich Japanischen Marine, mit der es seit jeher Rivalitäten gab, die Fallschirmtruppen neu auf und entwickelte Ausbildung, Taktik, Ausrüstung und Organisation. Die Teilstreitkräfte teilten lediglich die bereits existierenden Waffen.

Die erste Luftsturm-Einheit wurde, auf Befehl von General Tōjō Hideki, Kriegsminister und Chef des Generalstabes, im Dezember 1940 an der Heeresfliegerschule auf dem Hamamatsu-Militärflugplatz aufgestellt, an der Südküste Honshus. Unter Führung des Oberstleutnants Kawashima Keigo stellten zehn Heeresflieger-Offiziere den Kern der zukünftigen Fallschirmtruppe, die anfangs aus Geheimhaltungsgründen die Bezeichnung Kawashima Einheit führte. Keiner der Offiziere hatte eine Fallschirmsprung- oder Luftlandetaktikausbildung. Sie studierten die damals verfügbaren Quellen und entwickelten daraus Ausbildungs- und Taktikanweisungen für die Fallschirmtruppe. Im Februar 1941 erfolgten die ersten Fallschirmsprünge. Mitte Februar 1941 stießen 250 Unteroffiziere hinzu, die zwischen 20 und 25 Jahre alt waren und sich freiwillig zu den Luftsturmtruppen gemeldet hatten.

mini|Ausbildungssprung eines japanischen Fallschirmjägers mit Typ-1-Spezial-Fallschirm. Am Seitenleitwerk des Nakajima Ki-34 Transportflugzeugs ist die Insignia der Fallschirmtruppe des Heeres zu sehen. Im März 1941 wurde das Trainingslager nach Tokorozawa in der Nähe von Tokio verlegt. Dort wurde mit Hilfe eines 50 Meter hohen Sprungturms im Tokioter Tamagawa-Vergnügungsparks die ersten Sprünge der Unteroffiziere absolviert. Um die Geheimhaltung aufrechtzuerhalten, besuchten die Soldaten einzeln und in Zivil gekleidet den Vergnügungspark.Rottman & Takizawa, S. 5 Bald folgten Trainingssprünge aus dem Nakajima Ki-34 Transportflugzeug mit speziell für die Fallschirmjäger entwickelten Typ-1-Fallschirmen.

Das Trainingslager in Tokorozawa wurde wegen der ansteigenden Zahl der Fallschirmspringer zu klein, so dass General Tojo im Mai 1941 den Verband nach Baicheng in Mandschukuo verlegte. Tojo versprach sich durch die Abgelegenheit des neuen Stützpunktes Geheimhaltung vor den Alliierten. Schnell stellte sich heraus, dass die Kommunikation mit den in die Entwicklung von Fallschirmjäger-Ausrüstung involvierten Abteilungen nicht ausreichte und im August 1941 wurde die Einheit zurück nach Japan auf den Nyutabaru Militärflugplatz in der Nähe von Miyazaki auf Kyushu verlegt.

Nachdem die ersten 5 Klassen die Fallschirmspringer-Ausbildung erfolgreich bestanden hatten, wurde aus den ersten drei Klassen (800 Absolventen) am 1. Dezember 1941 das 1. Luftsturmregiment (Dai 1 Teishin Rentai) gebildet. Einige Tage später erfolgte die Aufstellung des Führungsstabes der 1. Luftsturmbrigade (Oberst Kume Seiichi) und der 1. Luftsturm-Transport-Einheit. Im Januar 1942 wurde aus den restlichen zwei Klassen das 2. Luftsturmregiment gebildet.

Einsätze mini|links|Japanische Heeres-Fallschirmjäger während der Schlacht von Palembang, 14. Februar 1942. Operation L

Bereits im September 1940 – vor der Aufstellung der Fallschirmtruppe des Kaiserlichen Heeres – hatte das Daihon’ei Angriffspläne zur Eroberung Palembangs, in Niederländisch-Indien erarbeiten lassen. Nach dem Ölembargo durch die USA, das Vereinigte Königreich und Niederländisch-Indien sahen es die Japaner für zwingend notwendig an, die beiden Erdölraffinerien bei Palembang in ihren Besitz zu bringen. Da Palembang 80 Kilometer landeinwärts liegt, fiel schnell die Entscheidung, ein Luftlandeunternehmen, Operation L genannt, mit dem Ziel auszuführen, die Zerstörung der Raffinerien durch die Alliierten zu verhindern, bevor Landungstruppen diese erreichen konnten.

Am 14. Februar 1942 landeten 339 Fallschirmjäger, unterstützt von 150 Transport-, Schlacht- und Jagdflugzeugen, in Japans größter Luftlandeaktion an verschiedenen Stellen rund um Palembang. Obwohl die Landung chaotisch verlief, die meisten Abwurfbehälter nicht geborgen werden konnten und die Fallschirmspringer größtenteils nur mit Pistolen und Handgranaten bewaffnet waren, hatten sie das Überraschungsmoment und die psychologische Wirkung der vorangegangenen alliierten Niederlagen auf ihrer Seite. Bereits am 15. Februar leisteten nur noch vereinzelt alliierte Truppen Widerstand und zogen sich nach Java zurück. Zwar konnte eine der Raffinerien größtenteils zerstört werden, doch war die erheblich größere Raffinerie nahezu intakt in japanische Hände gefallen. Die Ölversorgung des Japanischen Kaiserreichs war vorerst gesichert und Operation L damit ein Erfolg.

mini|Takasago Freiwillige mit dem giyuto (Treueschwert)

Operation Gi Im Dezember 1943 wurde die Kaoru-Luftsturmabteilung aufgestellt. Sie bestand aus zwei Kompanien der Guerilla-Einheit (Yugekitai), die aus Angehörigen des Takasago-Stammes auf Taiwan rekrutiert wurden. Die Takasago waren bekannt für ihren Mut, ihre gewandte Dschungelkampffähigkeit und das Tragen des giyuto (Treue-Schwert). Die Offiziere und Techniker der Einheit bestanden aus Japanern. Im Mai 1944 wurde die Kaoru-Luftsturmabteilung der 2. Regionalarmee unterstellt und verlegte im Juni auf die Philippinen. Im Oktober 1944 hatten US-Truppen die Rückeroberung der Philippinen begonnen und die Luftarmee 4 entschloss sich, die 1. Kompanie der Kaoru-Luftsturmabteilung für einen Luftlandeangriff auf die inzwischen in amerikanischer Hand befindlichen Flugplätze einzusetzen. Unter der Leitung von Leutnant Naka Shigeo wurde die Einheit in kürzester Zeit mit der Luftlandeangriffstaktik vertraut gemacht.Rottman & Takizawa, S. 44

In der Nacht des 26. November 1944 starteten vier Nakajima L2D Transportflugzeuge mit der aus 40 Mann bestehende Kaoru-Einheit unter dem Befehl von Leutnant Naka von dem Lipa Flugfeld südlich von Manila zur Operation Gi (, Gi-gō sakusen). In niedriger Flughöhe flogen die Transporter 550 Kilometer südwestlich nach Leyte und meldeten nach zwei Flugstunden, dass sie über dem Ziel waren: den zwei Flugplätzen bei Burauen. Dies war die letzte Meldung, die das japanische Oberkommando von der Einheit erhielt. Da am nächsten Tag keine amerikanischen Flugzeuge über der Bucht von Ormoc im westlichen Leyte, in der japanische Verstärkungen anlandeten, auftauchten, wurde von einem Erfolg der Operation ausgegangen.

Tatsächlich war eines der Flugzeuge in der Nähe des Dulag-Flugfeldes über dem Meer abgestürzt. Ein zweites Flugzeug landete in der Nähe des Abuyog Flugfeldes. Einer der Überlebenden des Absturzes wurde von US-Truppen getötet, während sich die restlichen in den Dschungel flüchteten. Das dritte Flugzeug erreichte den Burauen-Flugplatz, wurde aber von US-Flak abgeschossen. Alle Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Das vierte Flugzeug verpasste das Ziel und landete in der Nähe von Ormoc. Die Besatzungsmitglieder schlugen sich auf dem Landweg zu den eigenen Linien zurück und suchten Anschluss zur japanischen 16. Division.

mini|links|Japanische Heeres-Fallschirmspringer betrachten ein Modell der Burauen-Flugplätze in Vorbereitung der Operation Te.

Operation Te

Trotz des Fehlschlags der Operation Gi waren die Japaner gewillt, immense Verluste in Kauf zu nehmen, um den Vormarsch der US-Truppen aufzuhalten beziehungsweise zu verzögern. Das nächste Unternehmen, gegnerische Flugplätze anzugreifen, sollte mit größeren Verbänden und in besserer Abstimmung erfolgen. Bereits vor der Operation Gi hatten die 14. Regionalarmee und die Luftarmee 4 unter General Tominaga Kyoji mit Plänen für die nächsten Angriff begonnen. Geplant war Operation Te (Luftlandeangriff) und Operation Wa (Bodenoffensive) gemeinsam auszuführen.Rottman & Takizawa, S. 46 Dafür wurde im November 1944 die 2. Luftsturmbrigade, bestehend aus dem 3. und 4. Luftsturmregiment, unter dem Befehl von Oberst Tokunaga Kenji gebildet. Ihr militärischer Codename war Takachiho (auch Takachiho-Einheit), benannt nach einer Stadt in Zentral-Kyushu, der mystische Bedeutung in der Shintō-Legende nachgesagt wurde.

mini|Ein Japanischer Heeresfallschirmspringer besteigt ein Flugzeug für den Angriff auf Flugplätze auf Leyte am 6. Dezember 1944. Er trägt den neuen Typ 4 Fallschirm Am 25. Oktober beorderte das Daihon’ei die 2. Luftsturmbrigade auf die Philippinen. Das 3. Luftsturmregiment unter Major Shirai Tsuneharu verließ Japan am 30. Oktober an Bord des Flugzeugträgers Jun’yō, um vor Angriffen von amerikanischen U-Booten und -Fliegern geschützt zu sein, und traf am 11. November in Manila auf Luzon ein. Der Führungsstab der 2. Luftsturmbrigade traf am selben Tag per Lufttransport ein. Das 4. Luftsturmregiment unter Major Saida Chisaku verließ Japan am 3. November 1944 auf dem gefährlicheren Seeweg auf dem Transportschiff Akagisan Maru und traf am 30. November bei San Fernando auf Luzon ein. Auf der Clark Air Base nördlich von Manila versammelte sich schließlich die 2. Luftsturmbrigade, allerdings ohne das 1. und 2. Luftsturm-Flieger-Regiment, die auf Taiwan verblieben waren. Paratroop Kamikazes - Leyte 1944 7. April 2020

mini|Major Shirai Tsuneharu, Kommandeur des 3. Luftsturmregiments, und sein Adjutant Hauptmann Kohno kurz vor dem Start zur Operation Te