Das Staatliche Wilhelmsgymnasium ist ein Gymnasium in München und das älteste Gymnasium Oberbayerns. Im Schuljahr 2025/26 zählte das humanistische Gymnasium 625 Schüler.
Lage Das Wilhelmsgymnasium liegt im Münchner Stadtteil Lehel, Thierschstraße 46, Ecke Maximilianstraße, direkt am Maxmonument. Die Regierung von Oberbayern und der Bayerische Landtag (Maximilianeum) befinden sich in unmittelbarer Nähe des Gymnasiums. In Fußnähe befindet sich der Englische Garten mit der Eisbachwelle.
Geschichte mini|Das Wilhelminum um 1700 nach Michael Wening mini|Historische Ansicht um 1880 mini|Wilhelmsgymnasium, 2025 mini|Siegelmarke Königliches Rectorat des Wilhelms-Gymnasiums in München Das Wilhelmsgymnasium, 1559 von Albrecht V. als Paedagogium gegründet, wurde von 1824 an als „Altes Gymnasium“ oder „Alte Akademie“ bezeichnet und schließlich 1849 nach Albrechts Nachfolger Wilhelm V. benannt. Bis zur Einführung des Jesuitenverbots 1773 wurde das Gymnasium vom Jesuitenorden geleitet.
Ursprünglich war die Schule im Jesuitenkloster an der Neuhauser Straße untergebracht, musste dann aber 1826 eine Notunterkunft im Alten Hof beziehen, als die Räumlichkeiten für die von Landshut nach München verlegte Universität benötigt wurden. Erst 1830 konnte das Gymnasium in ein umgebautes barockes Wohnhaus in der Herzogspitalstraße 18 umziehen.
Nachdem die Räume in der Herzogspitalstraße 18 zu klein geworden waren, wurde ein Neubau erforderlich. Die Kritik an den unzumutbaren Bedingungen der provisorischen Unterbringung und die Anforderungen eines umfassenderen Bildungsbegriffs beschleunigten Mitte des 19. Jahrhunderts das Projekt. Mit finanzieller Unterstützung König Ludwigs II. wurde nach den Plänen Karl von Leimbachs 1875–1877 der Neubau im Stil der Neorenaissance im Münchner Lehel errichtet.
Das Wilhelmsgymnasium war zudem von 1799 bis 1826 und von 1877 bis 1918 Pagenerziehungsanstalt des Hauses Wittelsbach.
Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Wilhelmsgymnasium 1952–1958 stark verändert wiederaufgebaut. Seit Beginn der 1970er Jahre werden Mädchen aufgenommen (Koedukation). Ende der 1980er Jahre wurde das Treppenhaus in Form und Farbgestaltung rekonstruiert. Der Schulhof wurde umgestaltet und im Jahr 2006 ein neuer Aufenthaltsraum für die G8-Schüler geschaffen.
Von August 2015 bis in das Jahr 2018 wurde das Gebäude im Rahmen einer umfassenden Sanierung entkernt und mit Ausnahme der denkmalgeschützten Fassade und des Treppenhauses vollständig renoviert. Im Zuge der Umbauarbeiten entstanden unter anderem eine Sporthalle unterhalb des Pausenhofs und ein neues Stockwerk über dem Ostflügel des Gebäudes. Während der Umbauzeit war der Unterricht des Wilhelmsgymnasiums in eine Containerburg in Nachbarschaft des Chinesischen Turmes im Englischen Garten verlegt, wo sich derzeit die Städtische Helen-Keller-Realschule München befindet.
Wegen der 2017 beschlossenen Rückkehr zum Abitur nach 9 Jahren gibt es seit dem Schuljahr 2025/26 wieder eine 13. Jahrgangsstufe.
Gebäude Für das in den Jahren 1875 bis 1877 errichtete Gebäude versuchte der Architekt Carl von Leimbach Funktion und Form zu einer harmonischen Einheit zu bringen. Wesentlich für eine Erziehungsanstalt erschienen ihm „Ruhe, Raum, Luft, Licht“. Um den humanistischen Bildungsgedanken bayerischer Ausprägung zur Geltung zu bringen, hielt der Architekt gleichzeitig den Rückgriff auf mittelalterliche Stile für unpassend; daher entschied er sich gegen den auf gotischen Elementen aufbauenden so genannten Maximilianstil und für den Stil der Neorenaissance. Dieser Bruch mit der Architekturkonzeption der Maximilianstraße wurde möglich, da König Ludwig II. andere Interessen als sein Vater König Maximilian II. hatte.
Das Gebäude hat die Form eines L, einen Nord-Süd- und daran im Süden angeschlossen einen West-Ost-Flügel. Es besteht aus Keller, Erdgeschoss und drei Stockwerken mit je etwa zehn Klassenzimmern. Im Südflügel befinden sich ein Physiksaal (Erdgeschoss), die Bibliothek (I. Stock), der Musiksaal (II. Stock) und der Kunstsaal (III. Stock). Am Ende des Ostflügels befinden sich der Fahrradkeller, zwei Sporthallen (Erdgeschoss und II. Stock) und das Lehrerzimmer (mit Verwaltungstrakt, Direktorat usw., I. Stock).
Die 21 Statuen in einem Flur im III. Stock auf 30 Meter Länge sind Kopien von Giebelfiguren aus dem Zeustempel im antiken Olympia, die 1972 im Deutschen Museum ausgestellt waren, 1976 in einem Lager verschwanden und sich nun als Dauerleihgabe im Wilhelmsgymnasium befinden. Die vergoldete Inschrift „K. WILHELMS GYMNASIUM“ über dem Hauptportal wurde durch einen Abiturstreich Anfang der 1980er Jahre dauerhaft geändert. Das bis dahin schwarze „K.“ für königliches Wilhelmsgymnasium war ab dann ebenfalls vergoldet.
Bibliothek des Wilhelmsgymnasiums Seit der Gründung des Jesuitenkollegs im Jahr 1559 wurde die BibliothekSiehe archiv.twoday.net mit weiteren Links. für den Lehrbetrieb durch Schenkungen und Zuerwerb reich ausgestattet. Sie enthält noch zahlreiche Werke aus der Frühzeit des Buchdrucks, vor allem auch Erstausgaben klassischer Autoren. Bis zur Säkularisation wurden die Bestände auf vielen Wissensgebieten kontinuierlich ergänzt und aktualisiert. Ein Schwerpunkt blieb die antike Literatur, hinzu kamen zahlreiche Werke der neulateinischen Dichtung, zumal zwei von deren Hauptvertretern, Jakob Bidermann (1578–1639) und Jakob Balde (1603–1669), an der Schule als Lehrer tätig waren. Vertreten ist auch die deutsche Literatur vom Barock bis zur Romantik, desgleichen Geographie, Naturwissenschaften, bayerische und europäische Geschichte sowie Reiseliteratur aus drei Jahrhunderten.
Die Bibliothek umfasst etwa 11.000 Bände, von denen allerdings 20 bis 30 Prozent nach Maßnahmen zur Konservierung oder Restaurierung verlangen. Auslagerung in den letzten Kriegsmonaten und unsachgemäße Unterbringung auch nach Kriegsende führten zu vielfältigen Formen mechanischer oder chemischer Schädigung: Feuchtigkeit, Pilz- und Milbenbefall und sonstige ungünstige Einflüsse hatten an wertvollsten Bänden eine teils verheerende Wirkung. Seit März 2000 unternahm das Gymnasium in Eigeninitiative erste Schritte zu einer umfassenden Sanierung. Durch Spenden des Fördervereins und die Hilfe des Elternbeirats werden die Werke laufend restauriert und gepflegt. Beispielsweise über Buchpflegschaften konnte inzwischen auch eine Reihe mechanisch beschädigter Bücher wiederhergestellt oder neu gebunden werden.Reiner Abenstein: Alte Bibliothek. (Homepage des Wilhelmsgymnasiums München, abgerufen am 4. November 2018)
mini|Eingang zum Gymnasium
Bildungsprogramm Das Wilhelmsgymnasium wurde 1559 von Herzog Albrecht V. „nit allein“ als „ain gemaine Kinderschuel“, sondern als „Paedagogium“ gegründet. Nach seinem vermeintlichen Stifter, Herzog Wilhelm V., erhielt es 1849 seinen heutigen Namen. Geprägt von Ideen der Jesuiten, die bis zur Aufhebung des Ordens 1773 die Schule leiteten, gingen von dieser Bildungsstätte durch die Jahrhunderte starke literarische (zum Beispiel Zentrum der neulateinischen Literatur: J. Bidermann, J. Balde) und bildungsreformerische (F. W. Thiersch: „Praeceptor Bavariae“) Impulse aus. Von dieser Tradition zeugt noch der kostbare Bücherbestand der alten Bibliothek.
Sprachen Seit seiner Gründung im Jahre 1559 hält das Wilhelmsgymnasium durch den Wandel der Zeiten hindurch an der humanistischen Bildungstradition fest. In der fünften Klasse wird mit Latein als erster Fremdsprache begonnen, in der sechsten folgt Englisch, in der achten Griechisch als Pflichtfächer. In der elften Jahrgangsstufe kann eine Sprache abgelegt und durch eine spätbeginnende Fremdsprache ersetzt werden (derzeit Italienisch oder Polnisch).
Kooperationen Seit 2015 unterhält das Wilhelmsgymnasium eine Partnerschaft mit der Klassik Stiftung Weimar. Im Rahmen dieser Partnerschaft besuchen Schüler der Oberstufe des Wilhelmsgymnasiums regelmäßig die von der Stiftung betreuten Museen und bearbeiten in Kooperation mit Fachwissenschaftlern literarische Themen im Rahmen von Intensivseminaren.
Partnerschaften Seit 2014 besteht eine Schulpartnerschaft mit dem altsprachlichen Gymnasium „Dante Alighieri“Webauftritt des Liceo Classico Dante Alighieri, Roma in Rom (Italien).
Persönlichkeiten Lehrer Jacob Balde (1604–1668), Jesuit und neulateinischer Dichter Johann Michael Steiner (1746–1808), Lehrer von 1774 bis 1780 Cajetan von Weiller (1761–1826), römisch-katholischer Geistlicher und Pädagoge, Direktor von 1809 bis 1823 Friedrich Wilhelm von Thiersch (1784–1860), Philologe, Lehrer von 1809 bis 1811 Johann von Gott Fröhlich (1780–1849), klassischer Philologe, Professor ab 1817, Rektor von 1823 bis 1849 Joseph von Hefner (1799–1862), Historiker und Philologe, Lehrer von 1840 bis 1854 Lorenz Englmann (1821–1881), Altphilologe und Schulbuchautor, Direktor ab 1872 Wolfgang Bauer (1828–1880), Altphilologe, Rektor ab 1873 Christian Adam (1833–1887), Altphilologe, Rektor ab 1881 Hans von Linprun (1907–1978), Maler, Lehrer für Kunsterziehung ab 1950 Hermann Tränkle (1930–2018), Altphilologe, Studienrat (Latein, Griechisch, Geschichte) von 1953 bis 1958, Ordinarius in Münster (1963) und Zürich (1971) Walter Wüst (1906–1993), Lehrer für Biologie und Chemie von 1952 bis 1968, Ornithologe und Fachautor Franz Wilhelm Huber (1933–2026), Lehrer für Latein, Griechisch und Deutsch. Mitherausgeber von "Koreanische Gedichte" mit Adalbert von Schirnding
Schüler
Literatur
Festschrift zur Vierhundert-Jahr-Feier des Wilhelmsgymnasiums 1559-1959. München 1959. (Redaktion Siegfried Häfner für die Lehrerschaft und H. Mollier für die Studiengenossenschaft)
Hansjörg Höhne, Konrad Kruis (Hrsg.): Zeit der Bedrängnis, Lehrer des Wilhelmsgymnasiums 1933–1945. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2009.
Wilhelmsgymnasium München (Hrsg.): Programm des Wilhelmsgymnasiums in München. München 1850–1919 ( Jg. 1878; 1882; 1884; 1886; 1888–1889; 1893–1894; 1896–1897; 1900; 1902; 1904–1910; 1912; 1915) Wilhelmsgymnasium München (Hrsg.): Programma Gymnasii Guilielmini Monacensis. Kutzner, Monachii 1879–1885 ( Jg. 1881; 1883; 1885)
Weblinks
Website des Staatlichen Wilhelmsgymnasiums Peter Kefes: Forschungen zur Geschichte des Staatlichen Wilhelmsgymnasiums
, abgerufen am 23. Dezember 2021 Alte Bibliothek des Wilhelmsgymnasiums München; Digitalisate aus dem Bestand
Einzelnachweise
Kategorie:Gymnasium in München Kategorie:Humanistisches Gymnasium in Deutschland Kategorie:Historische Gymnasialbibliothek Kategorie:Bauwerk im Lehel Kategorie:Neorenaissancebauwerk in München Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Maximilianstraße (München) Kategorie:Schulgebäude in München Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1559 Kategorie:Wilhelm V. (Bayern)