mini|Sanae Takaichi (2025) rahmenlos|hochkant=0.6|klasse=notpageimage skin-invert-image|zentriert Sanae Takaichi (jap. ; * 7. März 1961 in Yamatokōriyama) ist eine japanische Politikerin. Seit Oktober 2025 ist sie Vorsitzende der LDP. Am 21. Oktober 2025 wurde Takaichi zur Premierministerin von Japan gewählt. Damit ist sie die erste Frau in diesem Amt in der Geschichte Japans.Die Geschichte Japans gliedert sich für die Nachkriegszeit traditionell auf in die „Shōwa-Ära Teil 2 (1945–1989)“, „Heisei-Ära (1989 bis 2019)“ und die „Reiwa-Ära (2019 bis heute)“. Reiwa (japanisch 令和; offiziell dafür verwendete deutsche Übersetzung: „schöne Harmonie“) des Tennō Naruhito bezeichnet den Zeitraum seit dem 1. Mai 2019, was fortan als Reiwa-Zeit (令和時代, Reiwa-jidai) gilt. Das Jahr 2019 wird seit diesem Zeitpunkt in der Nengō-Zeitrechnung als Reiwa 1 (令和元年, Reiwa gannen) bezeichnet.
Laufbahn Takaichi besuchte die Unebi-Oberschule in der Präfektur Nara. Anschließend studierte sie an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kōbe. Danach absolvierte sie die Kaderschmiede für Führungskräfte in Politik und Wirtschaft Matsushita Seikei Juku, die vom Konzern Matsushita Denki Sangyō (heute: Panasonic) gestiftet wurde. Von 1987 bis 1989 lebte sie in den USA und arbeitete als Congressional Fellow für die demokratische Kongressabgeordnete Patricia Schroeder.
Bei der Oberhauswahl 1992 kandidierte Takaichi als parteilose Kandidatin in ihrer Heimatpräfektur Nara (ein Sitz pro Teilwahl), unterlag aber dem offiziellen LDP-Kandidaten Minao Hattori. Ein Jahr später bewarb sie sich bei der Unterhauswahl 1993 in Nara (damals als zenken-ku ein Fünfmandatswahlkreis für die ganze Präfektur) und gewann gegen sieben andere Kandidaten einen Sitz. Sie stimmte zunächst bei der Wahl des Premierministers mit der nun erstmals oppositionellen LDP, trat aber 1994 der Liberalen Partei von Kōji Kakizawa bei, die sich am Kabinett Hata beteiligte, nach der Rückkehr der LDP in die Regierung im jiyū kaikaku rengō („liberaler Reformbund“) und schließlich Ende 1994 zum größten Teil in der NFP aufging. Für diese bestritt sie nach der Wahlrechtsreform bei der Wahl 1996 den neuen Einmandatswahlkreis Nara 1, der im Wesentlichen aus der Stadt Nara besteht, und setzte sich gegen Masahiro Morioka (LDP) und zwei Kandidaten von KPJ und DPJ durch. Noch im gleichen Jahr trat sie der LDP unter Ryūtarō Hashimoto bei, nachdem dieser die formale Koalition mit den in Sozialdemokraten umgetauften und zu einer Kleinpartei reduzierten Sozialisten beendet und die LDP-Alleinregierung wiederhergestellt hatte. Nach ihrem Beitritt war sie zunächst Mitglied der Mitsuzuka-Faktion.
Karriere in der LDP Für die LDP musste sich Takaichi nun die LDP-Kandidatur im 1. Wahlkreis nach der sogenannten „Costa-Rica-Methode“ (kosuta rika hōshiki; nach der Wahlrechtsreform verbreitet sowie auch nach der NFP-Auflösung verwendet, um die Wahlkreiskandidaturen in den neuen Einmandatswahlkreisen unter mehreren LDP-Amtsinhabern zu verteilen) abwechselnd mit Masahiro Morioka teilen. Sie kandidierte bei der Unterhauswahl 2000 ausschließlich im Verhältniswahlsegment über den Block Kinki und wurde gewählt, 2003 wieder im Wahlkreis, unterlag dort aber dem Demokraten Sumio Mabuchi und verfehlte auch eine Wiederwahl im Verhältniswahlblock. Im Unterhaus war Takaichi von 2001 bis 2002 Vorsitzende des mit dem gleichnamigen Ministerium neu eingerichteten Kultus- und Wissenschaftsausschusses. Danach war sie bis 2003 „Vizeministerin“ im Wirtschafts- und Industrieministerium. 2004 heiratete sie den politischen Weggefährten Taku Yamamoto (ebenfalls Liberale Partei→NFP→LDP), Unterhausabgeordneter aus Fukui, für ihre politische Arbeit nutzte sie weiter auch bis zu ihrer Scheidung 2017 ihren etablierten Geburtsnamen. 2004 wurde sie Professorin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Kinki-Universität.
2005 schloss sich Makoto Taki aus dem Wahlkreis Nara 2 den „Rebellen“ gegen die von Jun’ichirō Koizumi betriebene Privatisierung der japanischen Post an. Bei der resultierenden „Postprivatisierungswahl“ 2005 wurde Takaichi Koizumis „Attentäter-Kandidatin“ im Wahlkreis 2 und gewann. Sie unterlag Taki 2009 knapp, gewann aber einen Verhältniswahlsitz im Block Kinki, 2012 setzte sie sich wieder im Wahlkreis durch und verteidigte den Sitz bei allen Wahlen bis einschließlich 2026. Koizumis Nachfolger Shinzō Abe berief Takaichi 2006 erstmals in ein Kabinett, in dessen ersten Regierung war sie bis 2007 Ministerin beim Kabinettsamt für besondere Aufgaben: Okinawa und die „Nördlichen Territorien“ (Südkurilen), Wissenschafts- und Technologiepolitik, Innovation, Geburtenrückgang, Geschlechtergleichstellung und Lebensmittelsicherheit. Von 2008 bis 2009 war sie erneut „Vizeministerin“ im Wirtschaftsministerium.
2012 übernahm Abe ein zweites Mal den Parteivorsitz, nach der siegreichen Unterhauswahl 2012 berief er Takaichi als PARC-Vorsitzende in den engsten Kreis der Parteiführung – wenngleich der PARC nicht mehr die zentrale Stellung früherer Jahrzehnte bei der Politikformulierung einnimmt und zuletzt teilweise durch externe Berater verdrängt wurde. Bei einer Kabinettsumbildung im September 2014 wechselte sie als Ministerin für Allgemeine Angelegenheiten ins Kabinett und wurde 2017 von Seiko Noda abgelöst. Ab 2019 übte Takaichi diesen Posten im zum zweiten Mal umgebildeten vierten Kabinett Abe bis zu Abes Rücktritt im September 2020 erneut aus.
2021 kandidierte Takaichi ohne formale Unterstützung ganzer Fraktionen, aber mit Abes Empfehlung bei der Wahl des LDP-Vorsitzenden für die Nachfolge des nicht mehr antretenden Yoshihide Suga. Sie erhielt unter den Abgeordneten die zweithöchste Stimmenzahl, schied aber mit einem zu schwachen Vorwahlergebnis als insgesamt Drittplatzierte im ersten Wahlgang hinter Fumio Kishida und Tarō Kōno aus. Unter dem in der Stichwahl siegreichen Kishida wurde sie anschließend im neuen Parteivorstand zunächst erneut PARC-Vorsitzende. Bei einer Kabinettsumbildung im August 2022 berief Kishida sie zur Ministerin beim Kabinettsbüro für mehrere besondere Aufgaben: „Cool-Japan-Strategie“ (internationale Kulturvermarktung), geistiges Eigentum, Wissenschaft & Technologie, Weltraum sowie „wirtschaftliche Sicherheit“, das von Kishida neu eingerichtete Programm zur Sicherung von Lieferketten, zentraler Infrastruktur und anderen strategisch wichtigen Teilen der Volkswirtschaft.
mini|Ergebnisse der LDP-Vorsitzendenwahl 2024 im 1. Wahlgang mini|LDP-Vorsitzendenwahl 2024, Stichwahl 2024 trat Takaichi bei der Wahl des Parteivorsitzenden für die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Fumio Kishida an. Sie erhielt zwar knapp die meisten Vorwahlstimmen unter den Parteimitgliedern und führte insgesamt im ersten Wahlgang, unterlag aber in der Stichwahl, in die die Vorwahlen nur noch mit einer Stimme pro Präfekturverband (winner-take-all) einfließen, Shigeru Ishiba, der nun in beiden Segmenten führte, weil er zwar absolut landesweit weniger Vorwahlstimmen, aber in mehr Präfekturen als Takaichi mehr Stimmen als sie erhalten hatte. Ishibas anschließendes Angebot, den Exekutivrat (sōmukai) und damit eine der drei wichtigsten Führungspositionen (san’yaku) der Partei zu übernehmen, lehnte sie ebenso wie einen Kabinettsposten ab.
Parteichefin und erste Premierministerin Nachdem die LDP und ihr Koalitionspartner Kōmeitō bei der Unterhauswahl Ende Oktober 2024 und bei der Oberhauswahl am 20. Juli 2025 die absolute Mehrheit in beiden Parlamentskammern verloren hatten, kündigte Ishiba am 7. September 2025 seinen Rücktritt als LDP-Vorsitzender und japanischer Premierminister an.Rachel Hagan: Japan’s Prime Minister Shigeru Ishiba resigns after election defeats. In: BBC News, 7. September 2025 (englisch). Sanae Takaichi kandidierte daraufhin erneut für den Parteivorsitz. Sie erhielt wieder im ersten Wahlgang die meisten Stimmen und konnte sich in der Stichwahl mit 54,25 % der Stimmen gegen den zweitplatzierten Shinjirō Koizumi durchsetzen. Takaichi wurde somit am 4. Oktober 2025 zur neuen Vorsitzenden der LDP ernannt.Himari Semans, Gabriele Ninivaggi, Kanako Takahara: Takaichi poised to become Japan’s first female PM after winning LDP poll- In: The Japan Times, 4. Oktober 2025 (englisch).
Zunächst wurde erwartet, dass das japanische Parlament Takaichi am 15. Oktober 2025 zur ersten Premierministerin des Landes wählt.Japans Regierungspartei wählt erstmals Frau als Vorsitzende. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Oktober 2025. Doch nachdem die Kōmeitō am 10. Oktober überraschend die Koalition mit der LDP aufgekündigt hatte, wurde die Wahl des neuen Regierungschefs auf den 21. Oktober verschoben. Die LDP begab sich auf die Suche nach einem neuen Koalitionspartner,Michael MacArthur Bosack: A negotiator’s nightmare in Nagatacho. In: The Japan Times, 15. Oktober 2025. den sie in der konservativen Partei Nippon Ishin no Kai fand.LDP and Nippon Ishin no Kai to form coalition government, Kyodo reports. In: The Japan Times, 19. Oktober 2025. Am 20. Oktober wurde der Koalitionsvertrag unterschrieben.Tim Kanning: Der Weg nach rechts ist frei. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Oktober 2025. Am Folgetag gewann Takaichi im Unterhaus im ersten Wahlgang mit 237 von 465 Stimmen die absolute Mehrheit; Oppositionskandidat Yoshihiko Noda kam auf 149 Stimmen.Gabriele Ninivaggi: Sanae Takaichi makes history as Japan’s first female prime minister. In: The Japan Times, 21. Oktober 2025.
Zur Premierministerin angelobt, formte sie ihre Regierung Kabinett Takaichi I. Damit wurde sie die erste Frau im Amt eines Premierministers sowohl in der jetzigen Reiwa-Zeit und Nachkriegszeit als auch in der gesamten Geschichte Japans. Dabei hatte sie erklärt, in ihrem Kabinett sollten ebenso viele Frauen vertreten sein, wie es in den nordischen Ländern der Fall ist. Tatsächlich wurden jedoch nur zwei Frauen Teil des Kabinetts: Satsuki Katayama als Japans erste Finanzministerin und Kimi Onoda als Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit. In ihrer Antrittspressekonferenz sagte Takaichi, für sie hatte „Chancengleichheit oberste Priorität“ und sie habe ihre Minister nicht nach ihrem Geschlecht, sondern ausschließlich nach ihren Qualifikationen ausgewählt.
Am 19. Januar 2026 kündigte Takaichi auf einer Pressekonferenz vorgezogene Neuwahlen für das Unterhaus an: Das Parlament werde am 23. Januar aufgelöst, gewählt werde am 8. Februar – die kürzeste Wahlkampagne der Nachkriegszeit. Sie begründete den Schritt mit dem Anspruch, ein eigenes Mandat zu gewinnen und die nach ihrer Wahl zur LDP-Vorsitzenden gebildete Regierungskoalition dem Wählervotum zu stellen; zugleich stellte sie eine offensive Industriepolitik, ein Ende „übermäßiger Austerität“ und Verteidigungsreformen in Aussicht. Seit Amtsantritt lagen die Zustimmungswerte ihrer Regierung in vielen Erhebungen konstant über 70 Prozent; bei den unter 30-Jährigen erreichte sie in einer Umfrage über 90 Prozent. Zu ihren ersten politischen Maßnahmen zählte ein Nachtragshaushalt zur Abmilderung der Inflationsfolgen; außenpolitisch wurde ihr routinierter Umgang mit Staatsbesuchen – darunter von Donald Trump – und eine standhafte Haltung gegenüber chinesischem Druck im Streit um Taiwan attestiert. Beobachter werteten die vorgezogene Wahl zugleich als Versuch, die mit dem Koalitionspartner nur um eine Stimme bestehende Mehrheit im Unterhaus zu verbreitern; in Parteiumfragen lag die LDP zuletzt bei rund 35 Prozent und damit klar vor der Konkurrenz, allerdings etwa auf dem Niveau der Unterhauswahl 2024, bei der sie ihre Alleinmehrheit verloren hatte. Der LDP-Politiker Itsunori Onodera zeigte sich über das Timing der Auflösung „etwas perplex“.