Petter Solberg (* 18. November 1974 in Askim) ist ein norwegischer Rallye- und Rallycross-Fahrer. Er gewann 2003 die Rallye-Weltmeisterschaft sowie 2014 und 2015 die FIA Rallycross-Weltmeisterschaft. Damit ist er der erste Fahrer überhaupt, der FIA-Weltmeister in zwei verschiedenen Disziplinen (WRC und WRX) werden konnte.
Karriere Erste motorsportliche Erfolge Petter Solberg begann im Motorsport mit RC-Cars und wurde 1987 im Alter von 13 Jahren norwegischer Meister. Von Spielzeugautos stieg er mit 18 Jahren zu richtigen Autos um. 1992, nur einen Tag nach seiner bestandenen Führerscheinprüfung, debütierte Solberg bei einem Bilcross-Lauf. 1993 fuhr er sein zweites Bilcross-Rennen, das er gewann. Danach wechselte er in die nationale norwegische Rallycross-Szene, um mit einem Ford Escort#Escort ’75 an Rallycross-Läufen und Bergrennen auf Schotter teilzunehmen. 1994 gewann er den Titel des norwegischen Vizemeisters in beiden Disziplinen. Für 1995 stieg Solberg in die supernationale Serie um, sein Auto war ein Volvo 240 Turbo, der allerdings mit einem Saugmotor ausgestattet war (aufgrund des Reglements waren Turbolader nicht erlaubt). Solberg entwickelte sich zu einem anerkannten Fahrer. Er gewann insgesamt 19 von 21 Rennen und wurde norwegischer Berg- und Rallycross-Meister. Den skandinavischen Supernasjonal-Berg-Titel verpasste er nur knapp.
Im Jahre 1996 wiederholte er diese drei Erfolge, gewann 15 von 19 Rennen, und sicherte sich zwei weitere Meister- und einen Vizemeister-Titel. Solberg galt als Hoffnungsträger im Motorsport. Die Norweger sahen in ihm den neuen „Mister Rallycross“ nach Martin Schanche, ein Nationalheld. Petter Solberg wurde von den Medien nach seinem Wohnort mit dem Spitznamen „Spydeberg-Ekspressen“ benannt. Diesen trug ursprünglich der norwegische Ex-Rallye-Fahrer John Unnerud, der ebenfalls aus Spydeberg stammte.
Wechsel vom Rallycross zum Rallyesport Petter Solbergs Rallye-Debüt war mit einem Volvo 240 (Klasse Volvo Original) bei der norwegischen Rally Bjørkelangen des Jahres 1995, wobei die heutige Ehefrau seines Bruders Henning, die Schwedin Maud (damaliger Familienname Tidemand), als Beifahrerin agierte. Im Jahr 1996 überließ ihm Bruder Henning seinen eigenen Toyota Celica ST165, um an der Rally Hedemarken in Norwegen teilzunehmen, bei der Solberg das Auto durch einen Überschlag zerstörte. Ende 1996 verabschiedete sich Petter Solberg aus dem Rallycross-Sport, da ihm für 1997 ein Toyota Celica ST185 bereitgestellt wurde, der zuvor vom Schweden Thomas „Rådis“ Rådström gefahren wurde. Damit gewann Solberg erneut den norwegischen Bergmeister und belegte den 5. Rang in der norwegischen Rallyemeisterschaft. 1998 sicherte er sich mit einem Toyota Celica ST205 den norwegischen Rallye-Titel. Er machte mit einem 16. Platz bei der zur Rallye-Weltmeisterschaft gehörenden Rallye Schweden erstmals international auf sich aufmerksam.
1999–2000: WRC-Einstieg mit Ford Noch im Jahr 1998 sorgte Solbergs Mentor John „Mister Škoda“ Haugland dafür, dass Ford das damals 23-jährige norwegische Talent etwas genauer unter die Lupe nahm. Nachdem sich Solberg bei einem Ford-Vergleichstest hervorragend in Szene setzen konnte, bekam er vom britischen Werksteam einen Platz für drei Jahre angeboten. Solbergs neuer Beifahrer wurde der Brite Phil Mills. Seinen ersten WRC-Einsatz für Ford hatte Solberg zum Jahresbeginn 1999 bei der Rallye Schweden. Er belegte den elften Platz mit einem Ford Escort WRC. Anschließend erhielt er einen neuen Ford Focus WRC. Gleich bei seiner ersten WRC-Rallye mit dem Fahrzeug, der Rallye Safari, erzielte er den fünften Platz und holte seine ersten zwei WRC-Punkte. Es folgten 1999 noch vier weitere Teilnahmen an WRC-Läufen, bei denen er jedoch ohne Punkte blieb. 2000 fuhr Solberg bei sechs Einsätzen für Ford drei Mal in die Punkteränge.
2000–2001: Wechsel zu Subaru miniatur|Petter Solberg im Subaru Impreza WRC bei der Rallye Finnland 2001 Da Solbergs Vertrag mit Ford rechtlich nicht richtig abgesichert war, konnte er während der Saison 2000 vorzeitig zu Subaru wechseln. Dort absolvierte er mit dem Subaru Impreza WRC die letzten vier Saisonläufe, zu Punkten kam er aber nicht mehr. Die Saison 2000 beendete Solberg mit insgesamt sechs Zählern auf dem zehnten Meisterschaftsplatz. 2001 bestritt Solberg erstmals eine komplette Saison in der Rallye-Weltmeisterschaft. Die Saison begann mit einigen Unfällen und technischen Defekten. Er wurde bei der Rallye Griechenland, zur Saisonmitte, zweiter und kam erstmals auf das Podium der WRC. Bis zum Ende der Saison hatte er elf Punkte eingefahren und wiederholte seinen zehnten Platz in der Weltmeisterschaft.
2002–2005: Angekommen in der Weltspitze Ab der Saison 2002 zeigte Solberg konstante Leistungen und fuhr regelmäßig in die Punkteränge. Bei der Rallye Argentinien, die sechste Rallye des Jahres, errang er mit Rang zwei seine nächste Podiumsplatzierung. Besonders in der zweiten Saisonhälfte wurde er zunehmend erfolgreich. Auf dritte Plätze bei der Rallye Finnland, der Rallye Sanremo und der Rallye Australien folgte zum Saisonfinale in Wales der erste Sieg in der WRC. (Rallye-Magazin.de am 17. November 2002) In den Kampf um die Weltmeisterschaft konnte Solberg nicht mehr eingreifen. Marcus Grönholm war in der Punktewertung schon zu weit voraus. Solberg gelang es aber noch, auf den zweiten Meisterschaftsplatz vorzurücken und „Best of the Rest“ zu werden.
Die Saison 2003 begann für Solberg zunächst sehr schlecht mit nur drei Punkten in den ersten drei Rallies. Dann folgten zumindest zwei dritte Plätze in Neuseeland und Griechenland. Die Wende kam zur Saisonhalbzeit bei der Rallye Zypern, aus der er als Sieger hervorging. Daraufhin folgten ein zweiter Platz bei der Rallye Finnland und Siege in Australien sowie auf Korsika. Solberg lieferte sich ein enges Duell mit dem aufstrebenden Sébastien Loeb um die Weltmeisterschaft. Bei der entscheidenden Rallye Wales siegte Solberg vor Loeb und gewann mit einem Punkt Vorsprung die Rallye-Weltmeisterschaft 2003. Solberg war damit der erste Norweger, der in der WRC den Weltmeistertitel gewann.
Solberg gewann 2004 fünf WRC-Läufe, darunter die Rallyes in Neuseeland, Griechenland, Japan, Wales und auf Sardinien. Drei Ausfälle in Folge zur Mitte der Saison warfen ihn im Titelkampf zurück. Sein Konkurrent Loeb, der sich kaum Fehler leistete, setzte sich in der Punktewertung ab und wurde schließlich mit deutlichem Vorsprung Meister. Solberg wurde Vizemeister 2004.
Anfangs 2005 gewann Solberg die Rallyes in Schweden und die Rallye Mexiko, er übernahm die Tabellenführung. Wenig später verlor er die Führung in der Meisterschaft an den Citroën-Piloten Sébastien Loeb. Im Jahr 2005 siegte Solberg bei der Rallye Wales. Bei dieser Rallye kam Markko Märtins Beifahrer Michael Park bei einem Unfall ums Leben. Daraufhin provozierte der bisher vor Solberg führende Loeb eine Zeitstrafe, um nicht unter diesen Umständen zu siegen und vorzeitig Weltmeister zu werden. Ende der Saison hatte Solberg mehrmals Pech, als er jeweils in Führung liegend bei der Rallye Japan und der Rallye Australien ausfiel. Am Saisonende wurde Solberg erneut Vizeweltmeister. Er platzierte sich wegen der größeren Anzahl von Siegen vor dem punktegleichen Marcus Grönholm.
2006–2008: Fehlende Konkurrenzfähigkeit miniatur|Petter Solberg im Subaru Impreza WRC bei der Rallye Monte Carlo 2008 2006 erhielt Solberg eine neue Version des Subaru Impreza WRC. Das Fahrzeug war zu langsam und wenig zuverlässig, sodass er nicht an die Resultate des Vorjahres anknüpfen konnte. Solberg absolvierte erstmals seit 2001 eine sieglose Saison und auch das Podium erreichte er nur gelegentlich. Seine besten Ergebnisse waren zweite Plätze in Mexiko, Argentinien und Australien, sowie ein dritter Platz in Wales. In der Meisterschaft belegte er am Saisonende Platz sechs. Solberg feierte in dieser Saison seinen 100. WM-Start. (rallye-magazin.de am 14. Juni 2006)
Auch im Jahr 2007 verhinderte das Fahrzeug Erfolge. Ab dem vierten Saisonlauf fuhr Solberg eine neue Evolutionsstufe,Der neue Subaru Impreza ist da (Motorsport-Total.com am 2. März 2007) die keine große Verbesserung der Ergebnisse brachte. In der frühen Phase der Saison hatte er mehrere Ausfälle, die ihm die Chance auf mögliche Podiumsplatzierungen nahmen. Bei der Rallye Portugal rückte Solberg vom vierten auf den zweiten Platz vor, nachdem die Ford-Werkspiloten wegen einer Zeitstrafe zurückversetzt wurden. (rallye-magazin.de am 1. April 2007) Eine starke Rallye bestritt Solberg in Griechenland, wo er auf den dritten Platz fuhr."Hollywood" Solberg jubelt auf dem Podium (Motorsport-Total.com am 3. Juni 2007) Im späteren Saisonverlauf kam Solberg zwar konstant in die Punkteränge, konnte sich aber nicht ganz vorne einreihen. Am Ende des Jahres lag er auf dem fünften Meisterschaftsplatz.
miniatur|Petter Solberg mit dem Subaru Impreza WRC beim Goodwood Festival of Speed 2008 In die Saison 2008 startete Solberg mit Platz fünf bei der Rallye Monte Carlo und Platz vier bei der Rallye Schweden gut, jedoch wurde er bei den folgenden vier Rallyes von Unfällen und technischen Problemen zurückgeworfen. Ab dem siebten Saisonlauf, in Griechenland, stellte ihm Subaru ein komplett neues Fahrzeug zur Verfügung, dass nun nicht mehr wie seine Vorgänger ein Stufenheck, sondern ein Schrägheck hatte. (rallye-magazin.de am 23. Mai 2008) Bei seinem WRC-Debüt mit dem neuen Impreza zeigte Solberg das Potenzial des neuen Fahrzeugs auf und erzielte den zweiten Platz, womit er erstmals seit einem Jahr wieder auf dem Podium stand. (rallye-magazin.de am 3. Juni 2008) Bei den restlichen acht Rallyes der Saison fuhr er ununterbrochen in die Punkteränge, wobei ihm aber keine weitere Podiumsplatzierung gelang. Am Saisonende belegte er hinter seinem Teamkollegen Christopher Atkinson den sechsten Platz in der Meisterschaft.
2009 bis 2011: Als Privatier auf Citroën Am 16. Dezember 2008 gab Subaru bekannt, sich wegen sinkender Absatzzahlen aus der Rallye-Weltmeisterschaft zurückzuziehen.Offiziell: Auch Subaru steigt aus! (Motorsport-Total.com am 16. Dezember 2008) Solberg, der einen Vertrag bis 2009 bei Subaru hatte, verlor seinen Arbeitsplatz.Solberg und Atkinson hängen in der Luft (Motorsport-Total.com am 16. Dezember 2008) Da er bei keinem Werksteam einen Platz fand, baute er innerhalb kurzer Zeit sein eigenes Petter Solberg World Rally Team auf.
miniatur|Petter Solberg im Citroën Xsara WRC bei der Rallye Zypern 2009