Die Godesberger Allee ist eine bedeutende Innerortsstraße im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg und Teilstück der Bundesstraße 9. Sie führt durch die Randlagen der Ortsteile Friesdorf, Hochkreuz und Plittersdorf und erschließt dabei auch den südlichen Bereich des Bundesviertels.
Verlauf mini|Stadtbahn auf der Godesberger Allee
Die Godesberger Allee liegt im Norden des Stadtbezirks Bad Godesberg und führt über die Gemarkungen Friesdorf und Godesberg bei einer Länge von etwa 1,9 km von der Kreuzung der Bundesautobahn 562 mit der Bundesstraße 9 – der Grenze zum Stadtbezirk Bonn – im Nordwesten bis zur Wurzerstraße im Südosten, wo die B 9 Richtung Koblenz in den Bad Godesberger Tunnel abtaucht. Zwischen ihrem nordwestlichen Ende an der A 562 und der Kreuzung mit Kennedyallee und Hochkreuzallee – dieser Abschnitt der Godesberger Allee lässt sich dem Bundesviertel zurechnen – verläuft in der Mitte der Straße die Grenze zwischen den Ortsteilen Friesdorf im Westen und Hochkreuz im Osten, während der südöstliche Abschnitt bis zur Wurzerstraße gänzlich zum Ortsteil Plittersdorf gehört.
In der Mitte der Straße verläuft auf ganzer Länge die Stadtbahnstrecke Bonn–Bad Godesberg mit den Haltestellen Max-Löbner-Straße/Friesdorf und Hochkreuz/Deutsches Museum Bonn.
Geschichte
Die Godesberger Allee ist ein Teilstück der ehemaligen Cöln-Mainzer Landstraße, späteren Provinzialstraße und Reichsstraße 9 zwischen Köln und Koblenz, das am 28. Februar 1878 auf Beschluss des Gemeinderats von Godesberg in Bonner Straße benannt wurde. Nach der Eingemeindung von Friesdorf (1904) markierte ihr nordwestliches Ende die Grenze zwischen der Stadt Bonn und der Gemeinde (ab 1926 „Bad“, ab 1935 „Stadt“) Godesberg. Auf Beschluss des Stadtrats von Bad Godesberg vom 29. Juli 1930 mit Wirkung zum 1. Oktober 1930 erfolgte eine Umbenennung in Kölner Straße. Ihren derzeitigen Namen erhielt die Straße auf Beschluss des Stadtrats von Bonn vom 24. März 1977 mit Wirkung zum 1. Januar 1978.Ansgar Sebastian Klein: Bonner Straßennamen: Herkunft und Bedeutung (= Norbert Schloßmacher (Hrsg.): Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Band 70). Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn, Bonn 2011, ISBN 978-3-922832-48-5, S. 137, 210.
1892 wurde entlang der Straße die auf eigenem Gleiskörper entlang des ehemaligen Kanalbetts des Godesberger BachsGustav Hofmann: Die Dampfstraßenbahn Bonn–Godesberg–Mehlem. In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e. V., , Heft 36 (1998), Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Bad Godesberg 1999, S. 13–33 (hier: S. 14, 20). neu errichtete, von „Dampfstraßenbahnen“ befahrene Eisenbahnstrecke von Godesberg nach Bonn in Betrieb genommen, die 1911 in eine elektrische Straßenbahnstrecke umgewandelt wurde. 1956 erhielt sie aufgrund des zunehmenden Individualverkehrs einen separaten Gleiskörper in der Mitte der Straße. 1975 wurde die Bahnstrecke auf Stadtbahnbetrieb umgestellt.
Die beidseitige Bebauung der Straße, die bis dahin den Charakter einer Ausfallstraße hatte, erfolgte ab den 1960er-Jahren im Zuge des durch Bonns Funktion als Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland stark angewachsenen Bedarfs an Büroräumen und Gewerbeflächen. Sie fand dabei zunächst nicht auf Grundlage eines städtebaulichen Konzepts statt, sondern wurde weitgehend planlos als Spekulationsobjekte von privaten Bauträgern insbesondere für eine Vermietung an Interessenvertretungen oder sonstige Folgeeinrichtungen des Bundes errichtet; auch einige Botschaften ließen sich an der Straße nieder, die – wie ein Großteil der Bundesstraße 9 in Bonn – den Beinamen „Diplomatenallee“ erhielt. Die Bürogebäude waren dabei durchsetzt von Tankstellen und Gewerbebetrieben sowie vereinzelten Wohnhäusern. Die Neubauten sowie der mit dem zunehmenden Verkehr notwendige Straßenausbau gingen dabei einher mit negativen Eingriffen in die Straßenraumgestaltung, die zu einer Beseitigung von Vorgärten und Bäumen führten.
Anfang der 1970er-Jahre nahm die Stadt Bonn Planungen auf, die Bundesstraße 9 im Bereich des neu entstandenen – sich nun auf das Gebiet der 1969 eingemeindeten Stadt Bad Godesberg ausweitenden – Parlaments- und Regierungsviertels und somit auch die Godesberger Allee zu einer repräsentativen Regierungsallee auszubauen. Diese Planungen wurden im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme umgesetzt; sie sahen neben der Reduzierung der Heterogenität der Bebauung eine beidseitige Alleebepflanzung, breite Fuß- und Radwege sowie Platzanlagen an den wichtigen Kreuzungen vor. 1975 wurde ein großer Kfz-Betrieb am ehemaligen Stadtrand von Bad Godesberg aufgekauft und verlagert. Zu den ersten verkehrsplanerischen Maßnahmen gehörte 1985 der Ausbau der Kreuzung Godesberger Allee/Kennedyallee zu einer Platzanlage.Karl-Heinz van Kaldenkerken, Oberstadtdirektor Bonn (Hrsg.); Friedrich Busmann: Ausbau der Bundeshauptstadt. 10 Jahre Hauptstadtvereinbarung 1975–1985. Bonn 1986. Bis 1994 wurde die Stadtbahnstrecke am südlichen Ende der Straße in einen neugebauten Tunnel verlegt, zugleich auch die oberirdische Haltestelle Hochkreuz neugebaut und der Straßenabschnitt südlich des Hochkreuzes alleeartig umgestaltet.Bis 2009 werden noch 24 Millionen Euro investiert, General-Anzeiger, 18. März 2006. 2006 wurde eine neue Kreuzung von Heinemannstraße und Winkelsweg (seit 2011 Marie-Schlei-Allee) mit der Godesberger Allee geschaffen, um die Kreuzung mit der Annaberger Straße und Max-Löbner-Straße zurückbauen und den Abbiegeverkehrs auf diese Weise nach Norden verlagern zu können. Daran schloss sich 2008/09 die Verlegung der Haltestelle Max-Löbner-Straße/Friesdorf sowie der Strecke nach Westen an, die den weiteren Ausbau der Ostseite der Straße ermöglichte.
Gebäude und Sehenswürdigkeiten Rechte Straßenseite Ehemalige Ständige Vertretung der DDR, Godesberger Allee 18 Erbaut 1973 von einer lokalen Wohnungsbaugesellschaft und bereits kurz nach Fertigstellung im Mai 1974 von der neu eröffneten Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrepublik Deutschland übernommen. Nach der Wiedervereinigung 1990 waren in dem Gebäude bis zur Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes nach Berlin 1999 die Landesvertretungen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern beheimatet. Anschließend war es von 2001 bis 2021 Sitz der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.Neue Mieter in der alten DDR-Vertretung, General-Anzeiger, 11. April 2001Ernährungsexperten ziehen aus früherer DDR-Vertretung aus, General-Anzeiger, 13. Dezember 2021 Ehemalige Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien, Godesberger Allee 40–42 Erbaut Mitte der 1970er-Jahre als Kanzleigebäude der saudi-arabischen Botschaft. Seit dem Umzug der Botschaft nach Berlin 1999 steht das Gebäude leer. 2008 konnte es von Saudi-Arabien in Privatbesitz verkauft werden; die Pläne des neuen Eigentümers für eine Umnutzung des Gebäudes als Hotel wurden jedoch von der Stadt nicht genehmigt. 2017 wurde es abgebrochen. Bürogebäude, Godesberger Allee 90/Kennedyallee
Kennedy-Statue, Ecke Godesberger Allee/Kennedyallee
Ehemalige Botschaft von Japan, Godesberger Allee 102–104 Erbaut 1989–90 als Kanzleigebäude der japanischen Botschaft und letzter Botschaftsneubau in Bonn. Nach dem Umzug der Botschaft nach Berlin 1999 wurde dort noch bis 2002 eine Außenstelle belassen. Nach dem 2006 erfolgten Verkauf des Gebäudes in Privatbesitz ist es heute Standort eines Tochterunternehmens der Deutsche Post DHL. IUCN Environmental Law Centre, Godesberger Allee 108–112 Die bundeseigene Liegenschaft, erbaut Mitte der 1960er-Jahre,Luftaufnahmen auf stadtplan.bonn.de von 1963 und 1967 beheimatete bis 1997 eine Außenstelle des Bundesrechnungshofs und ist seit Februar 1999 Sitz des Umweltrechtzentrums (Environmental Law Centre; ELC) der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN).Deutscher Bundestag, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/6674, 6. Januar 1997., Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 7. Dezember 1998. Betriebshof der Stadtwerke Bonn, Godesberger Allee 120 Dort waren vor der Eröffnung des Betriebshofs in Dransdorf Mitte der 1980er-Jahre die Stadtbahnwagen der Bonner Stadtbahn stationiert, heute die gesamte Busflotte der SWB Bus und Bahn. DLR Projektträger, Godesberger Allee 138 Seit 2020 arbeiten in dem von den Architekten Chapman Taylor aus Düsseldorf geplanten, neu errichteten Bürogebäude mit 11.000 Quadratmetern rund 400 Mitarbeiter des Projektträgers des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.Silke Elbern: Bürobau an der Godesberger Allee: DLR-Tochter feiert Richtfest am Hochkreuz, General-Anzeiger, 11. Mai 2019, abgerufen am 29. Januar 2021 Ehemaliges Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, Godesberger Allee 140 Ab 1973 bezog das Ministerium – unweit der in der Godesberger Allee 18 residierenden Ständigen Vertretung der DDR – ein terrassenförmig errichtetes Gebäude in der Godesberger Allee 140, wo es bis zu seiner Auflösung 1991 seinen dritten und letzten Dienstsitz in Bonn hatte. Später nahm dort die OCCAR (Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement, Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation) ihren Sitz. Das Gebäude wurde im Herbst 2020 abgerissen.Abriss an der B9 – Ein Stück Bonner Republik verschwindet, General-Anzeiger, 20. Oktober 2020 An dem Standort soll ein von JSWD Architekten geplantes Bürogebäude entstehen. Andreas-Hermes-Haus, Godesberger Allee 142–148, 1963 als Sitz des Deutschen Bauernverbandes (DBV)Deutscher Bauernverband e. V. (Hrsg.): Deutsche Bauern Korrespondenz – Monatsschrift des Deutschen Bauernverbandes Ausgabe 6/08, Deutscher Agrar-Verlag, Berlin 2008, S. 11. und weiterer land- und forstwirtschaftlicher Interessenverbände fertiggestellt,Die Deutsche Gartenbauwirtschaft: Das Fachblatt für Betriebswirtschaft, Technik und gesamten Gartenbau, Bände 10–12, 1963, S. 226.Gemäldeausstellung im Bonner Andreas-Hermes-Haus – Einjährige Umbau- und Renovierungsarbeiten beendet, Agra-Europe, 13. Juli 1998. benannt nach dem ersten BGV-Präsidenten Andreas Hermes. Heute beheimatet das Bürogebäude unter anderem den Zentralverband Gartenbau und seit 2014 die Außenstelle Bonn der Botschaft der Republik Korea (Südkorea). Drei Bürogebäude, Godesberger Allee 150–154 Erbaut in zwei Bauabschnitten 1995–96 (L-förmiges Gebäude) und 2000 (quadratische Gebäude) nach Plänen des Kölner Architekten Thomas van den Valentyn., Van den Valentyn Architektur Es handelt sich um drei ungleich große Baukörper mit Fassaden aus Jurakalkstein, die sich um einen von einer Freitreppe mit eingeschnittener Rampe umrahmten Vorplatz mit italienischem Granit gruppieren.Ingeborg Flagge (Hrsg.); Ingeborg Flagge, Anette Hellmuth: Gothaer Architekturführer Bonn: Stadtführer zeitgenössischer Architektur. Verlag Das Beispiel, Darmstadt 2001, ISBN 978-3-935243-07-0, Objekt Nr. 23.Michael Gassmann: Licht am Ende des Rummels. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Januar 2001, Nr. 3, S. 44. Seit August 2018 hat dort die OCCAR (Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement, Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation) ihren Sitz.Bonn: Internationale Organisation mietet 6.300 m² Bürofläche, 12. März 2018 Kreuzbauten, Heinemannstraße 2–20 Erbaut 1969–75 für das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Bundesministerium der Justiz nach einem Entwurf der Planungsgruppe Stieldorf. Das Gebäudeensemble mit zwei kreuzförmigen Hochhäusern erstreckt sich zwischen Godesberger Allee, Heinemannstraße, Langer Grabenweg und Max-Löbner-Straße. Das zur Godesberger Allee gelegene Basisgebäude (Heinemannstraße 12–14) ist heute Sitz des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung.
Maritim-Hotel mit Konferenzzentrum, Ecke Godesberger Allee/Heinemannstraße