mini|270px|Modell um 1900 Maudach ist ein Stadtteil und zugleich einer der zehn Ortsbezirke der Stadt Ludwigshafen am Rhein.
Lage Maudach liegt westlich vom Stadtzentrum und grenzt an das Maudacher Bruch, das mit einer Fläche von 360 Hektar das größte Naherholungsgebiet Ludwigshafens ist und das sich aus einer ehemaligen, heute verlandeten Rheinschlinge gebildet hat.
Innerhalb von Ludwigshafen grenzt Maudach an die Stadtteile Rheingönheim, Gartenstadt und Oggersheim. An der Stadtgrenze im Westen schließt sich die Gemeinde Mutterstadt an.
Name Nach den Urkunden des Lorscher Codex hieß Maudach dreimal Mudach, zweimal Mutach, einmal Muthach, einmal Mutaha, zweimal Mutah, einmal Mudahen und einmal Mudacheim. Zur Herleitung des Namens gibt es derzeit zwei Ansätze. Der ältere Erklärungsversuch deutet den ersten Teil des Namens als mud oder mut (er hängt mit Moder zusammen), was so viel wie „Schlamm“ oder „Sumpf“ bedeutet. Der zweite Teil ach oder aha hat die gleichen Wurzeln wie das lateinische Wort „aqua“, also „Wasser“. Ein neuerer Ansatz leitet den Namen von muta – Zoll, Maut – ab, der hier an der alten Römerstraße zwischen zwei alten Stammesgebieten und späteren mittelalterlichen Gauen erhoben wurde. Maudach ist somit „ein Ort am Schlammwasser“ bzw. „eine Mautstelle“. Aktuell wird der neuere Ansatz favorisiert.
Geschichte Archäologische Funde Bodenfunde aus der Eisen- und Bronzezeit deuten auf ein altes Siedlungsgebiet hin. Schon die Franken und die Römer siedelten hier. Nach den „Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz“, dem „Pfälzischen Museum“ und Tageszeitungen kamen folgende Funde aus Maudach ins Speyerer Museum: 1875 eine römische Goldmünze des Kaisers Justinianus Secundus, gefunden am „Hohen Weg“ 1876/77 eine Lanzenspitze und zwei Tongefäße aus der fränkischen Zeit 1887 zwei römische Krüge, eine Terra-Sigillata-Scherbe mit dem Stempel Regenus, eine römische Fibel und siebzehn Münzen der späteren Kaiserzeit In der Nähe der Feldkapelle Anfang 1899 ein Plattengrab in einer Tiefe von 75 cm (Es war 2 m lang, 60 cm breit, von acht Platten gebildet. Die Füße lagen nach Osten, das Haupt war auf einen schrägen Stein gebettet.) 1905 römische Keramikfunde 1906 in der Nähe der Feldkapelle eine Halskette mit gelben und blauen Tonperlen, eine „Brosche“ ein langes, zweischneidiges Schwert, zwei einschneidige Kurzschwerter und Hufeisen aus der Frankenzeit 1909 ein gestempelter Amphorenhenkel 1936 Reste eiserner Waffen und ein Schildbuckel mit Bronzeknöpfen Außerdem fand man bei Maudach einen zweifarbig bemalten Krug, den sogenannten Maudacher Gesichtskrug.
Erwähnungen im Lorscher Codex Im Lorscher Codex, in dem zahlreiche Schenkungen an das Kloster dokumentiert sind, wird Maudach im Jahr 770 urkundlich erstmals als „Mudahen“ erwähnt. Zwischen 770 und 851 ist der Ort insgesamt 13 Mal im Codex verzeichnet und wird beispielsweise auch „Mutah“, „Mudach“ oder „Mutaha“ genannt.
Maudach im 13. Jahrhundert Im 13. Jahrhundert besaß der Raubritter Heinrich von Ruprechtsberg eine Burg bei Maudach (Burg Maudach), von der aus er Kaufleute belästigte. Eine Gruppe Wormser Bürger zerstörte diese Burg, um den Handelsweg nach Süden wieder frei zu bekommen, und musste sich wegen dieser Tat vor ihrem Bischof verantworten. Dieser führte einen Vergleich herbei und legte den Bürgern einen Schadenersatz von 80 Mark auf. Der Standort dieser Burg ist heute vergessen. Lediglich die Flurnamen „Burgweg“ und „alter Burgweg“ könnten ein Hinweis darauf sein, an welcher Stelle die Burg stand. „Maudacher Weg“, „Burgweg“ () und der parallel verlaufende „Römerweg“ sind zudem Straßennamen im benachbarten Limburgerhof. Die Verlängerung des Römerwegs bildet nach Norden als z. T. unterbrochener Feldweg entlang der westlichen Maudacher Ortsgrenze die kürzeste Verbindung zwischen Speyer und Oggersheim bei Umgehung des Sumpfgebietes „Maudacher Bruch“ und war somit vermutlich der bevorzugte Handelsweg.
Unter den Herren von Hirschhorn Von 1353 bis 1632 unterstand Maudach den Herren von Hirschhorn. Diese hatten den größten Teil ihres Besitzes in der Pfalz von den Fürstbischöfen von Speyer als Lehen empfangen. Es war die Herrschaft Lindenberg mit Burg und Dorf Lindenberg, den Dörfern Königsbach, Maudach, Rheingönheim (u. a.).
Folgen des Dreißigjährigen Krieges Ein Bericht an das Hochstift Speyer aus dem Jahr 1641 (während des Dreißigjährigen Krieges) vermerkt, dass „die sechs reichen Güter des Hochstiftes zu Maudach nichts ertrügen, weil alles wüst liege und kein Mensch darinnen wohne“.
Vier Jahre nach dem Westfälischen Frieden, im Jahr 1652, wird berichtet, dass die Maudacher Güter alle mit Hecken verwachsen seien, alles noch wüst und verdorben liege und nicht gebaut werde, weil keine Leute vorhanden seien.
Die Bevölkerung Maudachs erneuerte sich nach dem Dreißigjährigen Kriege fast vollständig durch Zuzug. Nach dem Krieg erscheinen nur vier der Namen wieder, die es vorher im Ort schon gegeben hat.
Chronologie Erstmals erwähnt wird Maudach im Jahr 770 im Lorscher Codex als Mudahen im Speyergau. Damals war der Ort ein Hausgut der Salier, das dann in die Hände des Hochstiftes Speyer überging. Im 13. Jahrhundert gab der Speyerer Bischof den Herren von Frankenberg Maudach als Lehen. Im 14. Jahrhundert kam es als Lehen an die Herren von Erbach. Ab diesem Zeitpunkt werden die Daten genauer. 1353 Maudach wird an Engelhard von Hirschhorn verkauft. 1632 Mit dem Aussterben der Herren von Hirschhorn fällt Maudach wieder an das Hochstift Speyer zurück. 1618–1648 Im Dreißigjährigen Krieg wurden alle Maudacher Einwohner zu kurpfälzischen Leibeigenen – die Leibeigenschaft wurde 1783 aufgehoben. 1709 Maudach gelangt unter die Herrschaft des Kurfürsten von der Pfalz. 1796 Am 15. Juni, während der Schlacht an der Rheinschanze vor Mannheim, stehen sich 11000 Österreicher unter Franz Freiherr von Petrasch und 50000 französische Soldaten beim sogenannten Treffen bei Maudach gegenüber. 1798–1814 Maudach kommt infolge der Napoleonischen Kriege unter französische Herrschaft. 1814 Maudach wird in die bayerische Rheinpfalz eingegliedert. 1818 Das Dorf Maudach erlangt wieder den Status einer selbstständigen Gemeinde. 1890 15. Oktober Eröffnung der Lokalbahn von Ludwigshafen über Mundenheim, Maudach und Mutterstadt nach Dannstadt. 1938 Am 1. April wird Maudach, das zu dieser Zeit etwa 2800 Einwohner zählt, in die Stadt Ludwigshafen eingemeindet. 1945 Zerstörung des Maudacher Schlosses im Zweiten Weltkrieg (bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt). 1950 bis 1952, veränderter Wiederaufbau des Schlosses. 1955 Letzte Fahrt der Lokalbahn von Dannstadt nach Ludwigshafen. 1956 Beginn der Aufforstung des Maudacher Bruches. 1960 Beginn der öffentlichen Abwasserentsorgung. 1978 Das Maudacher Bruch wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Einweihung der Bruchfesthalle. Süderweiterung Maudachs 1980 Die ehemalige Schuttdeponie erhält nach ihrer Aufforstung den Namen „Michaelsberg“. 1984 Planung der Umgehungsstraße Süd. 1988 Einweihung der Umgehungsstraße. 1999 Neugestaltung der Ortsmitte. 2003 Einweihung des Torfstecherbrunnens in der Ortsmitte. 2008 Neugestaltung des Ortseingangs. 2013 Freilegung der Schloss-Südfassade und Beginn der Neugestaltung des Schlossgeländes. 2014 Die Bruchfesthalle (damals noch eine Holzkonstruktion) brennt ab. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, der oder die Täter wurde/n bis heute nicht ermittelt. 2023 Am 31. März wird der Maubuissonplatz an der Südseite des Maudacher Schlosses offiziell eingeweiht. 2025 Das Maudacher Schloss bekommt einen Aufzug und wird barrierefrei. In diesem Zuge wird auch der Schlosshof neu gestaltet.
Kirchliche Verhältnisse
Die Reformation erfolgte in der Zeit, als die Junker von Hirschhorn Maudach als Lehen innehatten. Diese wurden um 1550 lutherisch und zwangen ihre Untertanen, ebenfalls lutherisch zu werden. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten spanische Truppen bis 1632 die Region und die Einwohner Maudachs mussten zum Katholizismus übertreten. Nach dem Heimfall von Maudach an den Fürstbischof von Speyer, 1632, blieben viele Maudacher katholisch. Da die Kurfürsten der Pfalz aber die Landeshoheit ausübten, gab es auch Protestanten im Ort.
Nach dem Aussterben der lutherischen Herren von Hirschhorn im Jahr 1632 fiel Maudach an den Fürstbischof von Speyer zurück und wurde der fürstbischöflichen Grundhoheit unmittelbar unterworfen. Erst 1709 kam Maudach durch einen Tauschvertrag an den pfälzischen Kurfürsten. In diesem Tauschvertrag war festgesetzt, dass das Exercitium Religionis Catholicae in Maudach beibehalten werden solle. Die wenigen Lutheraner in Maudach erhoben anfänglich keine Beschwerden und so nahm der katholische Pfarrer die Taufen, Trauungen und Begräbnisse auch der Lutheraner vor.
Im Jahr 1724 unternahmen die Maudacher Lutheraner den Versuch, die Taufe vom lutherischen Pfarrer von Rheingönheim zu begehren; damit war das öffentliche Religionsexerzitium verlangt. Sie reichten ein Gesuch ein, das abgewiesen wurde, worauf sie sich wieder ruhig verhielten.
Doch im Lauf der Jahre erhitzten sich die Gemüter so sehr, dass es am dritten Pfingstfeiertag des Jahres 1763 abends gegen 8 Uhr in der Nähe der Kirche zu einer großen Schlägerei zwischen Protestanten und Katholiken kam. Ein lutherischer Soldat, der in Urlaub daheim war, ging mit dem Seitengewehr auf die Gegner los. Es wurde alsbald Sturm geläutet, bis das ganze Dorf zusammen lief. Mistgabeln, Dreschflegel, Stöcke und Prügel wurden eingesetzt. Die Protestanten in Rheingönheim und in Mutterstadt wurden zur Hilfe gerufen. Selbst Frauen wurden in die Schlägerei hineingezogen und verletzt. Der Schultheiß versuchte die Kämpfenden zu beschwichtigen und ließ etliche in das Arrestlokal stecken. Er schreibt an den Oberschultheißen in Oggersheim: „Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, hätte es Mord und Totschlag gegeben. Ich kann Ihnen nicht alles schreiben. Sie müssen sogleich heraufkommen und die Sache untersuchen, wenn’s äußerst möglich ist.“
Frühe Poststation Als der verwitwete König Maximilian I. seinen Sohn Philipp den Schönen in den Burgundischen Niederlanden erziehen ließ, richtete er im Jahr 1490 durch Mitglieder der italienischen Kurierfamilie der Taxis einen Postkurs in die Niederlande ein, der von Innsbruck kommend auch Maudach berührte. Die Poststation Maudach ist seit dem Postreisebuch des Giovanni da L'Herba aus dem Jahr 1563 urkundlich belegt.Ernst-Otto Simon: Der Postkurs von Rheinhausen bis Brüssel im Laufe der Jahrhunderte, in: Archiv für deutsche Postgeschichte 1/1990, S. 17 und S. 23–24. Die Aufgabe der Posthalter war es, die versiegelten Felleisen weiterzuleiten und für die Postkuriere Pferde und Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Posthalter erhielten von Taxis eine Entschädigung und waren von Frondienst und Einquartierungen befreit. Im Dreißigjährigen Krieg und danach gab es jedoch Beschwerden der Maudacher Posthalter, dass man sie einige Male unberechtigterweise zu Fronarbeiten und Einquartierungen herangezogen hatte.
Einführung der Feuerversicherung 1785 versammelten sich die Schultheißen und Gemeinderäte der elf Orte der Oberschultheißerei Oggersheim mit dem Oberschultheißen von Maubuisson dem Jüngeren und dem kurpfälzischen Geheimen Regierungs- und Hofkammerrat von Maubuisson dem Älteren und errichteten die erste Brandkasse der ganzen Region. Im Frühjahr des gleichen Jahres war in Rheingönheim ein großer Brand ausgebrochen. „Ohne die Beihilfe der Feuerspritzen würde das ganze Dorf Rheingönheim gänzlich abgebrannt sein.“ Da haben „die Untertanen ein Verlangen geäußert, durch solide Anstalten gegen derlei Fälle sich für die Zukunft zu sichern.“
Die von der Versammlung aufgestellten Bedingungen waren folgende: Die Orte gewähren sich wechselseitige Sicherheit gegen einen durch Brand entstehenden Schaden bis zur Summe von 4000 Gulden. Wer den Brand selbst verschuldet hat, hat nichts zu erhoffen.