Das Haas F1 Team ist ein US-amerikanisches Motorsportteam, das in der Saison 2026 mit den Fahrern Esteban Ocon und Oliver Bearman als TGR Haas F1 Team an der Formel-1-Weltmeisterschaft teilnimmt.

Der Rennstall trat zur Saison 2016 in die Formel 1 ein und konnte 2018 mit dem fünften Platz in der Konstrukteurswertung das bislang beste Ergebnis erzielen. Seit Gründung besteht eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Scuderia Ferrari, weswegen Haas wiederholt als B-Team des Herstellers bezeichnet wurde, dieser Darstellung aber stets widerspricht. Seit 2026 unterhält Haas zudem eine technische Partnerschaft mit Toyota Gazoo Racing (TGR), die in der WRC und WEC starten und erstmals seit 2009 als Markenauftritt in die Formel 1 zurückkehrten.

Entstehungsgeschichte Hintergrund links|mini|Die #70 von Haas CNC Racing, 2008 Initiator des Teams ist der US-amerikanische Unternehmer Gene Haas, Gründer und Geschäftsführer von Haas Automation, einem der größten Hersteller von Werkzeugmaschinen in den USA. Er trat zunächst ab den 1990er-Jahren als Sponsor für Hendrick Motorsports in der NASCAR auf und erwarb anschließend im Jahr 2002 Teile der Infrastruktur dieses Teams in Kannapolis, North Carolina, auf Basis derer er bis 2008 seinen eigenen Rennstall Haas CNC Racing (ab 2009 Stewart-Haas Racing) betrieb. Er brachte Fahrzeuge in der NASCAR Cup Series, in dieser Zeit als Winston Cup, Nextel Cup bzw. Sprint Cup bezeichnet, sowie der NASCAR Busch Series an den Start. Nach der Schließung von Stewart-Haas Racing Ende 2024 gründete Gene Haas mit dem Haas Factory Team einen Nachfolgerennstall, der weiterhin in beiden NASCAR-Klassen auftritt.

Auf den Hintergrund im Maschinenbau bezieht sich der Rennstall auch bei der Benennung seiner Formel-1-Fahrzeuge. Haas trat in der Debütsaison mit dem Haas VF-16 an, dessen Bezeichnung eine Ableitung der ersten vertriebenen Maschine, „very first one“, kurz „VF-1“, und der „6“ für die Jahreszahl der aktuellen Saison war. Seit dem Beginn der 2020er-Jahre stellt die Bezeichnung nur noch die aktuelle Jahreszahl dar, das Kürzel VF blieb allerdings erhalten.

Der Weg in die Formel 1 links|Gene Haas (2017)|alternativtext=Gene Haas (2017)|mini|300x300px Im Januar 2014 kündigte Gene Haas ein Engagement mit einem eigenen Team in der Formel-1-Weltmeisterschaft an. Vier Jahre zuvor war mit dem US F1 Team das bislang letzte US-amerikanische Formel-1-Projekt gescheitert und der letzte US-Rennstall, der tatsächlich an Formel-1-Rennen teilnahm, war das vom Lola-Generalimporteur Carl Haas gegründete Team Haas Mitte der 1980er-Jahre, zu dem aber weder eine organisisatorische noch persönliche Verbindung besteht. Der neue Rennstall erhielt zunächst den Namen Haas Formula, wurde aber im September 2014 noch vor der ersten Saison in Haas F1 Team umbenannt. Bereits im April 2014 wurde die von der FIA geforderte Sicherheitsleistung in Höhe von 20 Millionen US-Dollar hinterlegt, um die Ernsthaftigkeit des Projekts zu bestätigen. Anschließend erteilte sie dem neuen Team die Startberechtigung. Es tritt seitdem mit US-amerikanischer Lizenz an.

Zentraler Pfeiler des Rennstalls bildet schon von Beginn an die enge technische Kooperation mit der Scuderia Ferrari, die weit über die übliche Zusammenarbeit zwischen Kunden- und Werksteams hinausgeht und seitens Haas als „übergreifende technische Unterstützung“ bezeichnet wurde. Das Team bezieht nicht nur Motoren und Getriebe, sondern die nach dem Reglement maximal mögliche Zahl an weiteren Fahrzeugkomponenten wie Radaufhängungen, Radträger, Hydraulik, Lenkung, Elektronik und den Fahrersitz von dort und nutzt Teile der Infrastruktur sowie Personalressourcen von Ferrari in Maranello. Dieses Vorgehen ist umstritten und wurde von Seiten der Konkurrenz wiederholt kritisiert, da sie es als Wegbereiter für die Dominanz der großen Werksteams durch vollkommene Abhängigkeit der Privatteams sahen. Anfangs ging Haas noch weiter und plante auch den Bau der Chassis selbst an den Dritthersteller Dallara auszulagern, nahm davon allerdings letztlich zugunsten der Eigenproduktion Abstand.

Haas in der Formel 1

2016: WM-Punkte beim Debüt mini|Testfahrer Ferucci im VF-16, 2016 links|mini|Logo in den ersten Jahren des Bestehens Das Haas F1 Team debütierte 2016 mit dem unter der Leitung von Rob Taylor konstruierten VF-16 in der Königsklasse des Motorsports. Fahrer waren Romain Grosjean und Esteban Gutiérrez, der nach einem Jahr Auszeit in die Formel 1 zurückkehrte. Testfahrer war Santino Ferrucci. Beim Debütrennen des Teams in Australien qualifizierten sich Grosjean und Gutiérrez für die vorletzte Startreihe. Im Rennen fiel Gutiérrez nach einer Kollision mit Fernando Alonso in der 16. Runde aus, in deren Folge es zu einer Rennunterbrechung kam. Grosjean kam dagegen, ohne einen regulären Boxenstopp absolviert zu haben, auf Platz sechs ins Ziel. Damit erzielte Haas das beste Debüt eines von Grund auf neu gegründeten Teams seit Toyota Racing in der Saison 2002. Zwei Wochen später in Bahrain wurde Grosjean Fünfter, während Gutiérrez mit Bremsdefekt erneut ausfiel. Diese Ergebnisse gaben den weiteren Saisonverlauf vor: Während Grosjean noch drei weitere Platzierungen in den Punkterängen gelangen, blieb Gutiérrez mit vier elften Plätzen als beste Ergebnisse punktelos. Das Team wurde mit 29 Punkten Achter in der Konstrukteursmeisterschaft und konnte etablierte Teams wie Sauber Motorsport, das Renault Sport F1 Team sowie Manor Racing hinter sich lassen.

2017: Im Aufwärtstrend mini|links|Kevin Magnussen beim Großen Preis von Malaysia 2017 Für die Saison 2017 brachte Haas den VF-17 an den Start, der aufgrund von Regeländerungen zur neuen Saison unter deutlich veränderten Gesichspunkten neu konstruiert werden musste. Grosjeans Vertrag wurde noch während der Vorsaison verlängert, mit Gutiérrez kam es allerdings zur Trennung. Sein Nachfolger wurde Kevin Magnussen, der als aufstrebendes Talent galt und Renault nach nur einer Saison wieder verlassen hatte. Ferucci blieb Testfahrer.

Haas konnte in diesem Jahr seine Leistungen steigern und sich im Mittelfeld etablieren. Dreizehn Mal konnten die Fahrer WM-Punkte sammeln, Grosjean holte mit dem sechsten Platz beim Großen Preis von Österreich das beste Saisonergebnis. Er belegte in der Fahrerwertung mit 28 Punkten den 13. Platz, Magnussen wurde mit 19 Punkten 14. in der Fahrerwertung. Seine besten Ergebnisse waren ein siebter Platz und drei weitere achte Plätze. Das Team wurde erneut Achter in der Konstrukteurswertung, konnte mit 47 Punkten aber mehr Zähler sammeln als im Vorjahr und sich gegen das auf einem sportlichen Tiefpunkt befindliche McLaren Racing sowie erneut Sauber Motorsport durchsetzen.

2018: Erfolgreichstes Jahr der Teamgeschichte mini|Kevin Magnussen im Haas VF-18 in Barcelona, 2018... Im dritten Jahr, 2018, trat das Team mit dem VF-18 an, die Fahrerpaarung bestand unverändert aus Grosjean und Magnussen. Schon vor Saisonbeginn war Haas in eine Kontroverse verwickelt, nachdem mehrere Konkurrenten starke Ähnlichkeiten des Wagens mit dem Ferrari SF70H aus der Vorsaison festgestellt hatten. Fernando Alonso bezeichnete ihn gar als „Replikat“ des Ferrari. So gelang wenig überraschend eine erneute Leistungssteigerung: Grosjean erreichte mit dem vierten Platz in Österreich das bis dahin beste Ergebnis und beim Großen Preis von Singapur 2018 gelang Kevin Magnussen die erste schnellste Rennrunde für Haas.

Zur Sommerpause nach dem Großen Preis von Ungarn hatte der Rennstall bereits 51 Punkte in der Konstrukteurswertung eingefahren und damit die Gesamtergebnisse der Jahre 2016 und 2017 übertroffen. Mit insgesamt 93 Punkten schloss Haas die Saison 2018 auf dem fünften Platz der Konstrukteurswertung ab und ließ mit Williams F1 und Toro Rosso weitere etablierte Konkurrenten hinter sich. Das ist bis heute das beste Ergebnis der Teamgeschichte. In der Fahrerwertung belegte Grosjean mit 37 Punkten den 14. Platz. Magnussen, dessen beste Ergebnisse zwei fünfte Plätze waren, wurde mit 56 Punkten Neunter in der Fahrerwertung.

2019: Rückschritt und Rich-Energy-Kontroverse mini|...und im VF-19 in Österreich, 2019 links|mini|Logo in der Zeit des Titelsponsors Rich Energy Für die Saison 2019 kam es zu keinen personellen Veränderungen im Bereich der Fahrer, Fahrzeug war der vom Vorjahresmodell abgeleitete Haas VF-19. Nachdem in den ersten drei Jahren mit Haas Automotive allein der eigene Mutterkonzern beworben wurde, gab es in diesem Jahr auch erstmals einen unabhängigen Geldgeber. Der britische Energy-Drink-Hersteller Rich Energy von William Storey trat als Titelsponsor ein und ließ die Haas-Wagen in einem schwarz-goldenen Farbschema erscheinen, das wiederholt mit den symbolträchtigen Fahrzeugen des Team Lotus in den 1970er- und 1980er-Jahren verglichen wurde. Die Verbindung war allerdings brüchig und immer wieder geriet Storey in die Schlagzeilen, unter anderem durch Markenrechtsverletzungen, eine einseitige und anschließend sofort zurückgenommene Vertragsauflösung und zweifelhafte Aussagen über die Saisonziele. Im Spätsommer wurde das Abkommen schließlich im gegenseitigen Einvernehmen und mit sofortiger Wirkung final aufgehoben.

Technisch verlief das Jahr ebenfalls enttäuschend und es gelang dem Team die ganze Saison über nicht, ihre Wagen an das geänderte Verhalten der neuen Generation der Pirelli-Reifen anzupassen. Nach häufigen Punkteplatzierungen im Vorjahr gelangen nun nur vereinzelte Ankünfte in den Punkterrängen. Das beste Saisonergebnis erzielte Kevin Magnussen als Sechster gleich am Saisonbeginn in Australien. Am Saisonende belegte Haas mit 28 Punkten den neunten Gesamtrang, während in der Fahrerwertung Magnussen 16. mit 20 Punkten und Grosjean 18. mit acht Punkten wurde.

2020: Leistungsabfall und Grosjean-Unglück mini|Grosjean im VF-20 bei einem seiner letzten Formel-1-Rennen, 2020 Die Fahrerpaarung blieb für die Saison 2020 identisch, wobei Louis Delétraz und Pietro Fittipaldi Test- und Reservepiloten wurden. Beide debütierten in Formel-1-Boliden von Haas während eines Pirelli-Tests in Abu Dhabi 2018 und sollten bei der Saisoneröffnung in Australien vorgestellt werden. Das Rennen wurde jedoch wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt. Der weiterentwickelte Haas VF-20 erschien nun wieder im bekannten Farbschema rot/weiß/schwarz im Corporate Design von Haas Automation. Die Saison verlief noch schlechter als das Vorjahr und es gelangen nur noch zwei Platzierungen in den Punkterängen über die komplette Saison. Im Vorfeld des Großen Preis von Portugal gab Haas bekannt, sich zum Saisonende von beiden Fahrern zu trennen.

Zu einem schweren Unfall kam es in der Startrunde zum Großen Preis von Bahrain: Nach einer Berührung mit Daniil Kwjat prallte der Haas von Grosjean bei voller Fahrt in die Streckenbegrenzung. Der Wagen wurde durch den Aufprall auseinandergerissen und ging in Flammen auf. Der vordere Teil des Fahrzeugs – in dem sich Grosjean befand – durchschlug die Leitplanke. Grosjean erlitt Verbrennungen an den Händen und wurde zur Beobachtung in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht, aus dem er zwei Tage später entlassen wurde. Er bestritt die letzten beiden Saisonläufe allerdings nicht mehr, stattdessen kam Fittipaldi zu seinen bislang einzigen beiden Renneinsätzen.

Haas beendete die Saison mit drei Punkten auf dem neunten Platz der Konstrukteurswertung. Grosjean schloss die Fahrerwertung mit zwei Punkten auf Platz 19 ab, während Magnussen mit einem Punkt auf Position 20 klassiert wurde. Fittipaldi kam auf den 23. und letzten Gesamtrang.

2021: Punktelos im Uralkali-Jahr mini|Mick Schumacher beim Großen Preis von Österreich 2021 links|mini|Logo in der Zeit des Titelsponsors Uralkali