mini|hochkant=1.0|Wappen derer von Jabach Die Familiendynastie Jabach erscheint in Köln erstmals Ende des 14. Jahrhunderts, ihre Mitglieder waren Pelz- und Fellmacher und später auch im Finanzsektor und als Kunstsammler tätig. 1488 wurde dem Geschlecht von König Maximilian der Reichsadel durch königlichen Adelsbrief verliehen,Anton F. Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln. Köln 1848, S. 185 der 1621 der ratsfähigen Familie von Kaiser Ferdinand II. bestätigt wurde. Der Mannesstamm erlosch 1761.Gudrun Calov: Jabach. In: Neue Deutsche Biographie. 10 (1974), S. 208 (Onlinefassung)

Bedeutende Personen der Dynastie mini|Mutmaßlich Katharina Jabach, die Konkubine des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Johann Gebhard von Mansfeld Umstritten sind die Ahnherren und ihre genauen Namen. Auf die Schreibweise des Namens in Kölner Schreinsbüchern (den heutigen Grundbüchern) – ob Jabeck, Jaebeck oder Jabach – ist angesichts der ehemaligen Regellosigkeit der deutschen Rechtschreibung kein Verlass.Peter Paul Trippen: Jabach, die „Fugger-Familie“ des Westens. 1938, S. 14 Verwirrend ist zudem, dass mindestens 6 Everhard (Eberhard) in der Dynastie auftauchten, die historisch von Bedeutung waren.

mini|Eingangstor zum „Hôtel Jabach“, Paris – Aquarell von Jules-Adolphe Chauvet (1891) Der Heimatforscher Peter Paul Trippen geht davon aus, dass Stammvater der Familie Peter Jabach (* 10. Mai 1397 in Lebach-Jabach) ist, der sich nach seinem Geburtsort Jabach bei Lebach nannte.Peter Paul Trippen: Jabach, die „Fugger-Familie“ des Westens. 1938, S. 14 Er heiratete am 14. Februar 1427 Catharina von der Recke und wohnte im Pfarrbereich von St. Severin, weil dort die Taufnachweise der Kinder aufbewahrt sind. Ein Sohn hieß Peter Jabach (* 1435, † 1503), den König Maximilian I. am 30. Oktober 1488 in den Adelsstand erhob. Johann Jakob Merlo ging indes in seiner genealogischen Forschung davon aus, dass Ahnherr der Familie Goedart (Gottfried) van Jabeck (* 16. April 1438 in Köln) sei,Johann Jakob Merlo: Die Familie Jabach zu Köln und Ihre Kunstliebe. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Ausgaben 9-12, 1861, S. 2 f. der erstmals am 21. Dezember 1469 urkundlich in Erscheinung tritt, als er von der Familie Johann Meynershagen das „Haus Hennegauwe“ (Hennegau) in der Kölner Bürgerstraße erwarb. Am 11. November 1478 kauften die Eheleute eine Erbrente von den Eheleuten Volmer van der Britzen auf das „Haus Wirtzburg“ in der Botengasse, das sie am 18. Dezember 1489 wieder veräußerten. Deren vermutlicher Sohn Arnould (Arnold) van Jabeck († 1516) erschien erstmals am 5. November 1490 beim Erwerb eines Hauses und wird als Pelzmacher („Buntwerker“) bezeichnet. Am 6. August 1501 erwarb er das „Huys zodeme Carbunckell“ (Zum Karbunkel) In der Höhle 28, nahe der heutigen Hohe Straße. Das Nachbarhaus bewohnte zwischen 1444 und 1451 der Dombildmaler Stefan Lochner. Arnould van Jabeck wird 1504 Ratsherr und verstarb im Februar 1516. Seine Tochter war vermutlich Catharina Jabach,Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. 1888, S. 6 die mit dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten Johann Gebhard von Mansfeld (1524–1562) im Konkubinat lebte. Sie hatte mit ihm zwei Töchter, Sibylla und Dorothea von Mansfeld und bekam von ihm am 30. September 1557 das Haus „zur Glocke“ am Kölner WaidmarktRoemergarde.de Nr. 10, 12. Januar 2012, , nach Hermann von Weinsberg für die unehelichen Töchter geschenkt.Andreas Tacke (Hrsg.): Wir wollen der Liebe Raum geben: Konkubinate. (2006), S. 129 f. Vom Haus fuhr sie – wie eine Fürstin – mit eigenem Wagen bei der Residenz des Erzbischofs vor.Sven Rabeler: Mätressen. In: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe. Herausgegeben von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer. Residenzenforschung 15 II, Teilband 1 und 2, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2005 Ein Gemälde von Bartholomäus Bruyn dem Älteren aus dem Jahre 1535 soll sie darstellen.Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen: Die überwiegenden ikonografischen Argumente sprechen jedoch dagegen. Einerseits war Mansfeld zum Zeitpunkt des Gemäldes (1535) erst 11 Jahre alt und soll zu seiner Zeit als Kölner Domherr (1538) bereits ein Konkubinat zu der etwa 10–15 Jahre älteren Dame unterhalten haben. Die Datierung des Gemäldes auf 1535 zeigt eine ältere Frau und kein junges Mädchen. Andererseits sind auf dem Gemälde Wildstiefmütterchen zu sehen, deren ikonografische Deutung im Humanismus für die Schüchternheit und Sittsamkeit einer Frau stand,Andreas Tacke: Wir wollen der Liebe Raum geben: Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500. 2003, S. 129 ff. was auf eine Mätresse ebenso wenig zutrifft wie die Tatsache, dass de Bruyn eine Serie braver – bekleideter – Kölner Bürgersfrauen malte, in welche Catharina Jabach ebenfalls nicht passt. Catharina heiratete alsbald, denn am 19. April 1565 erwarb sie mit ihrem Gatten Wilhelm van Mulhem zwei Häuser in der Blindgasse.

Erstmals mit dem Nachnamen Jabach tauchte Jelis van Jabach auf, wohl der Bruder von Arnold van Jabeck. Jelis erwarb am 10. März 1503 zwei Häuser im Filzengraben (Vilzgassen), die er aber am 15. Oktober 1506 an Johann van Blyterswitch (Blitterswich) verkaufte. Die Schreibweise Jabeck tauchte erneut in einer Urkunde vom 15. März 1560 bei Johann Jabeck († 11. Juni 1556) auf. Testamentarisch bedenkt Johann Jabeck 5 Kinder, worunter erstmals ein Everhard (Eberhard) Jabach auftaucht. Everhard Jabach (* 1528, † 1579) wäre damit Everhard I Jabach. Everhard I überträgt am 11. Februar 1576 das ehemalige Backhaus in der Schildergasse an Arnolt(sic) Jabach, das „Schomanshaus“ in der Schildergasse geht gleichzeitig an Everhard I über. Er erwarb spätestens 1578 den Branderhof (Brannthoff) (Oberkülheim), der 1592 an Sohn Johann überging. Es folgte ein Grundstück in der Kölner Sternengasse 25, eingetragen erst nach seinem Tod am 3. September 1580. Der hintere Weingarten hierzu war ihm bereits am 25. Juni 1571 zugeschrieben worden. Am 26. Juni 1571 erwarb er Ländereien vor dem Gereonstor. Everhard I begann mit den Geschäftsverbindungen nach Antwerpen, wo er ein Handelskontor gründete. Er hatte 3 Kinder, darunter Everhard II († nach 1621 Köln): Ihm verdankt die Dynastie den größten Vermögenszuwachs.Johann Jakob Merlo: Die Familie Jabach zu Köln und Ihre Kunstliebe. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Ausgaben 9-12, 1861, S. 15 Er heiratete am 20. November 1557 Helene Wickrath und übernahm 1566 die väterliche Niederlassung in Antwerpen als „Eberhard Jabach von Anttorf“ (= Antwerpen). Dort erhält er vom spanischen König alle „fryheyden ende immuniteten“ (alle Freiheiten und Rechtsschutz). Er betrieb den Pelzhandel sogar mit einer eigenen Handelsflotte. Ab 22. Dezember 1578 ist er als Kölner Ratsmitglied registriert. Eberhard II erhält am 21. Februar 1597 das Grundstück in der Sternengasse 25 zugeschrieben. Am 7. April 1601 erwarb er Nachbargrundstücke (Nr. 25a), so dass die Voraussetzungen für den Bau des Jarbacher Hofs geschaffen waren. Kaiser Ferdinand II. bestätigte im Jahre 1621 Eberhard II den Adelsstand.Stefan Lewejohann (Hrsg.): Köln in unheiligen Zeiten. 2014, S. 120 Everhard III (* 21. Dezember 1567 Amsterdam, † 23. Mai 1636 Köln): Der zwischen Spanien und den nach Unabhängigkeit strebenden holländischen Provinzen tobende Achtzigjährige Krieg veranlasste die Familie des Everhard II im Jahre 1577 zur Rückkehr nach Köln. Dort heiratete Sohn Everhard III im Jahre 1594 Anna Reuter. Er sympathisierte mit Protestanten und wurde deshalb 1600 und 1603 nicht zum Kölner Ratsherren gewählt. Erst nach einem Bekenntnis zum Katholizismus erhält er 1620 die Ratsmitgliedschaft, war danach zwischen 1629 und 1635 Stimmmeister im Senat und erwarb 1617 das Rittergut Weiler. Er verstarb 1636, seine Frau 1637. Porträts von Everhard III Jabach und seiner Frau Anna Reuter, ausgeführt von Gortzius Geldorp, hängen im Rheinischen Landesmuseum in Bonn. zu Eberhard Jabach III. siehe den Eintrag über Eberhard Jabach III. in der Neuen Deutsche Biographie Eberhard IV (* 10. Juli 1618 in Köln, † 9. März 1695 Paris) übernahm 1636 in Köln das Bankgeschäft des Vaters, reiste 1637 nach London, um dort Selbstporträts bei Anthonis van Dyck in Auftrag zu geben. Er hielt sich im November 1637 wieder in Köln auf.Stefan Lewejohann (Hrsg.): Köln in unheiligen Zeiten. 2014, S. 122 Hier gab Eberhard IV 1637 das wohl berühmteste Kölner Bild aus der Barockzeit, die „Kreuzigung Petri“ des Peter Paul Rubens, in Auftrag. Rubens konnte das Gemälde bis zu seinem Tode weitgehend fertigstellen.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. 1991, Band 2, S. 102 Es befindet sich seit 1642 in der Kirche St. Peter. Everhard IV zog 1638 nach Paris, wurde dort 1642 Kardinal Jules Mazarins Finanzverwalter und 1647 Bürger von Paris, ohne die Kölner Bürgerschaft aufzugeben. Am 28. Oktober 1648 heiratete er in Köln Anna Maria von Groote, die Tochter des Kölner Kaufmanns Heinrich von Groote; beide zogen nach Paris, wo 1650 die älteste Tochter Anna Maria zur Welt kam. Nach der Hinrichtung König Karls I. im Jahre 1649 ersteigerte Eberhard IV in London im Rahmen des „Commonwealth Sale“ 100 wertvolle Gemälde und mehr als 6000 Zeichnungen und 1655 einen Teil der ehemaligen Sammlung Arundel.Oskar Bätschmann: Hans Holbein d. J. 2010, S. 116 f. Diese umfangreiche Sammlung brachte er in einem von Pierre Bullet am 10. Oktober 1659 für Jabach fertiggestellten Hôtel particulier in der früheren rue Saint-Médéric 461938 abgerissen; heute: rue Neuve Saint-Merri 42, das Haus stand auf dem heutigen Vorplatz des Centre Georges Pompidou unter. Dort, wo die heutige rue Saint-Merri an den Vorplatz des Centre Georges Pompidou in Höhe des Café Beaubourg (Costes) und an die rue Saint-Martin stößt, hatte Jabach Wohnung, Kontor und Lager. Tochter Maria Anna Jabach verkaufte das Hotel im Jahre 1701. mini|Familienporträt von Eberhard IV Jabachs Familie – Gemälde von Charles Le Brun (1660) Charles Le Brun malte die Familie 1660 auf einem künstlerisch und historisch bedeutsamen Bild mit monumentalen Ausmaßen von 2,33 Meter × 3,25 Meter. Es zeigt die Familie von Eberhard Jabach IV., seine Gattin Anna Maria de Groote (1624–1701); abgebildet sind auch die Kinder Maria Anna (1650–1706), Helena (1654–1701), Everhard (1656–1721) und Säugling Heinrich (1659–1709). Die auf dem Boden liegenden Gegenstände (Bibel, Sebastiano Serlios Architekturführer, Kompass, Zeichnung, eine Marmorbüste, ein Buch und ein Globus) symbolisieren die kulturellen Interessen der Familie. Das Bild kam 1695 nach Köln und schmückte den Jabacher Hof. 1814 gelangte es zur Erbengemeinschaft der Familie von Groote, die es im Hause des Everhard von Groote in der Glockengasse 9 platzierte, wo es am 4. Mai 1886 versteigert wurde. Im Mai 2014 ersteigerte es das New Yorker Metropolitan Museum of Art. Goethe beschrieb das Bild begeistert in Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.3. Teil, 14. Buch 1662 musste Eberhard IV aus finanziellen Gründen den größten Teil seiner Gemäldesammlung an König Ludwig XIV. verkaufen, der sie in sein „Cabinet du roi“ aufnahm und an den Louvre weitergab. Das Familienportrait wurde nicht an König Ludwig verkauft und gehört deshalb zu den wenigen Werken aus dem Besitz der Jabachs, die nicht im Louvre landeten. Erneut in finanzieller Not (bedrängt von seinen Gläubigern), verkaufte Jabach am 29. März 1671 an König Ludwig 101 Gemälde und 5542 graphische Blätter der größten Meister für 221.338 Livres, die den Grundbestand des heutigen Louvre bildeten. Er sammelte jedoch unbeeindruckt weiter und brachte es erneut auf 672 Gemälde, 4105 Zeichnungen und 303 Kupferplatten. Er konnte sich finanziell schnell erholen, denn im Jahre 1691 zählte Jabach wieder zu den „forts banquiers“ (große Bankiers) in Paris. Er wurde 1695 in der spätgotischen Kirche Saint-Merry bestattet.