Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der bulgarischen Fußballnationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. Bulgarien nahm bisher siebenmal an der WM-Endrunde teil und erreichte 1994 mit dem vierten Platz die beste Platzierung, nachdem zuvor in 17 WM-Spielen kein Sieg gelang.
Überblick
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Österreich und Ungarn gescheitert 1938 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Tschechoslowakei gescheitert 1950 Brasilien nicht teilgenommen 1954 Schweiz nicht qualifiziert In der Qualifikation an der ČSSR gescheitert 1958 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Ungarn gescheitert 1962 Chile Vorrunde Argentinien, Ungarn, England 15. Georgi Patschedschiew 1966 England Vorrunde Brasilien, Portugal, Ungarn 15. Rudolf Vytlačil 1970 Mexiko Vorrunde Peru, Deutschland, Marokko 13. Stefan Boschkow 1974 Deutschland Vorrunde Schweden, Uruguay, Niederlande 12. Christo Mladenow 1978 Argentinien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich gescheitert 1982 Spanien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Deutschland und Österreich gescheitert 1986 Mexiko Achtelfinale Mexiko 15. Iwan Wuzow 1990 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien gescheitert 1994 USA Spiel um Platz 3 Schweden Vierter Dimitar Penew Niederlage im Halbfinale gegen ItalienChristo Stoitschkow zusammen mit Oleg Salenko Torschützenkönig. 1998 Frankreich Vorrunde Paraguay, Nigeria, Spanien 29. Christo Bonew 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert In der Qualifikation an Dänemark und Tschechien gescheitert 2006 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Kroatien und Schweden gescheitert 2010 Südafrika nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien und Irland gescheitert, Irland scheiterte dann in den Play-offs. 2014 Brasilien nicht qualifiziert In der Qualifikation als Gruppenvierter der Gruppe B gescheitert. Qualifizieren für die WM 2014 konnte sich aus dieser Gruppe nur der Gruppensieger Italien, weil der Gruppenzweite Dänemark als schlechtester Gruppenzweiter den Einzug in die Playoff-Spiele um die letzten vier WM-Startplätze verpasste. 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich und Schweden gescheitert 2022 Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Schweiz, Italien und Nordirland gescheitert 2026 Kanada/Mexiko/USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Spanien und der Türkei gescheitert.
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der bulgarischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Nicht teilgenommen: 2× (8,7 %; 1930, 1950) Nicht qualifiziert: 14× (60,9 %; 1934, 1938, 1954, 1958, 1978, 1982, 1990, 2002, 2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026) Sportliche Qualifikation: 7× (30,4 % bzw. bei 33,3 % der Versuche) Vorrunde: 5× (21,7 %; 1962, 1966, 1970, 1974 und 1998) Achtelfinale: 1× (4,3 %; 1986) Spiel um Platz 3: 1× (4,3 %, 1994) Vierter: 1× (4,3 %; 1994)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay Bulgarien hatte zwar bereits seit 1924 Länderspiele ausgetragen, nahm wie viele europäische Länder an der ersten Weltmeisterschaft aber nicht teil.
1934 in Italien Für die erste WM in Europa sollten sich die Bulgaren durch Spiele gegen Österreich und Ungarn qualifizieren, wobei die beiden besten Mannschaften an der WM teilnehmen sollten. Nachdem Bulgarien zwei Spiele gegen Ungarn (zweimal 1:4) und ein Spiel gegen Österreich 1:6 verloren hatte, wurden die anderen Spiele der Gruppe nicht mehr ausgetragen und die Österreicher und Ungarn fuhren zur WM.
1938 in Frankreich Für die erste WM in Frankreich sollte sich Bulgarien gegen die Tschechoslowakei qualifizieren. Mit einem 1:1 in Sofia wurde zwar der erste Punkt in einem Qualifikationsspiel erreicht, durch ein 1:6 in Prag konnte sich aber die Tschechoslowakei qualifizieren.
1950 in Brasilien Bulgarien hatte zwar bereits im 1946 wieder mit dem Länderspielbetrieb begonnen und bis 1949 einige Spiele bestritten, an der zweiten WM in Südamerika nahmen die Bulgaren aber nicht teil.
1954 in der Schweiz In der Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 trafen die Bulgaren wieder auf die Tschechoslowakei sowie Rumänien und konnten nur im letzten Spiel – nachdem die Qualifikation der Tschechoslowakei schon feststand – einen Punkt in Bratislava gewinnen. Die drei anderen Spiele wurden verloren.
1958 in Schweden Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 konnte sich Bulgarien wieder nicht qualifizieren. Diesmal war der Vizeweltmeister Ungarn stärker, der noch mit einigen Spielern der 1954er-Mannschaft antrat, obwohl ein Großteil der Spieler von 1954 nach dem Ungarischen Volksaufstand von 1956 das Land verlassen hatte. Immerhin gelang am 22. Mai 1957 in Oslo gegen Norwegen der erste Sieg in einem WM-Qualifikationsspiel. Beim Rückspiel in Sofia gelang dann auch noch mit dem 7:0 einer der beiden höchsten Siege in der bulgarischen Länderspielgeschichte. Die beiden Spiele gegen Ungarn wurden aber verloren.
1962 in Chile Für die dritte WM in Südamerika konnte Bulgarien sich dann endlich qualifizieren, benötigte aber ein Entscheidungsspiel gegen Frankreich. Zuvor gewannen Frankreich und Bulgarien ihre Spiele gegen den dritten Gruppengegner Finnland sowie die Heimspiele gegeneinander. Die Franzosen hatten zwar die bessere Tordifferenz, diese zählte aber nichts. Das Entscheidungsspiel in Mailand gewannen die Bulgaren, die sich damit erstmals für die WM qualifizierten.
In Chile trafen die Bulgaren in ihrem ersten WM-Spiel auf Argentinien und verloren knapp mit 0:1. Gegen Ungarn gingen sie dann mit 1:6 unter, Georgi Asparuchow gelang aber das erste WM-Tor für Bulgarien. Im letzten Gruppenspiel erkämpften sie dann durch ein torloses 0:0 gegen England noch den ersten WM-Punkt.
1966 in England Für die Qualifikation zur WM in England verpflichtete Bulgarien den Österreicher Rudolf Vytlačil, der die Tschechoslowakei 1962 ins WM-Finale geführt hatte. Er wurde zugleich Trainer von Lewski Sofia, mit denen er 1965 die bulgarische Meisterschaft gewann. Bulgarien konnte sich erneut für die WM qualifizieren, benötigte aber wieder ein Entscheidungsspiel. Die Gruppenphase wurde punktgleich mit Belgien abgeschlossen – beide hatten ihre Spiele gegen den dritten Gegner Israel und gegeneinander ihre Heimspiele gewonnen. Aber da die bessere Tordifferenz der Belgier immer noch nicht zählte, gab es ein Entscheidungsspiel. Dieses gewannen die Bulgaren in Florenz mit 2:1.
Bei der Endrunde in England war Titelverteidiger Brasilien der erste Gegner und Bulgarien unterlag mit 0:2. Auch gegen WM-Neuling Portugal wurde mit 0:3 verloren und gegen Ungarn folgte ein 1:3. Nach dem WM-Aus wechselte Vytlačil zu Rapid Wien.
1970 in Mexiko Auch für die erste WM in Mittelamerika konnte sich Bulgarien qualifizieren. In einer Gruppe mit Polen, der Niederlande und Luxemburg hatten die Bulgaren am Ende einen Punkt mehr als die Polen, den sie in den Niederlanden holten.
In Mexiko trafen sie im ersten Spiel auf Peru und verloren nach 2:0-Führung noch mit 2:3. Auch gegen Deutschland gingen die Bulgaren in Führung, kassierten dann aber fünf Tore, ehe ihnen eine Minute vor Schluss noch das 2:5 gelang. Im bedeutungslosen letzten Spiel gegen WM-Neuling Marokko mussten sie sich dann noch mit einem 1:1 zufriedengeben, nachdem sie auch diesmal die 1:0-Führung nicht verteidigen konnten. Mit dem WM-Aus endete die Amtszeit von Stefan Boschkow, der die Mannschaft 1967 übernommen hatte.
1974 in der Bundesrepublik Deutschland links|mini|Szene aus dem Spiel gegen Schweden mini|Szene aus dem Spiel gegen Uruguay Die Qualifikation zur ersten WM in Deutschland verlief ebenfalls erfolgreich. In einer Gruppe mit Portugal, Nordirland und Zypern gelang der Gruppensieg. Dabei wurde nur in Portugal und Nordirland jeweils ein Punkt abgegeben.
In Deutschland gelang im ersten Spiel ein 0:0 gegen Schweden, womit erstmals das Auftaktspiel nicht verloren wurde und auch gegen Ex-Weltmeister Uruguay gelang ein 1:1. Gegen die Niederlande ging die Mannschaft dann beim 1:4 unter und verabschiedete sich für 12 Jahre von der WM-Bühne.
1978 in Argentinien Für die WM in Argentinien konnte sich Bulgarien dann nicht qualifizieren und scheiterte an Frankreich. Zwar konnte zum Auftakt ein 2:2 im Heimspiel gegen die Franzosen erkämpft und das Heimspiel gegen den zweiten Gruppengegner Irland mit 2:1 gewonnen werden, in Irland reichte es aber nur zu einem 0:0 und das entscheidende letzte Spiel wurde in Paris mit 1:3 verloren.
Turniere mit 24 Teilnehmern 1982 in Spanien Für die WM in Spanien wurde zwar das Teilnehmerfeld vergrößert, Bulgarien konnte sich aber erneut nicht qualifizieren. Deutschland und Österreich waren stärker und lediglich gegen Albanien und Finnland wurde gewonnen.
1986 in Mexiko Für die zweite WM in Mexiko konnte sich Bulgarien dann wieder qualifizieren. Punktgleich mit dem frisch-gebackenen Europameister Frankreich (beide 11:5 Punkte) setzten sich die Bulgaren gegen die DDR, Jugoslawien und Luxemburg durch.
In Mexiko durfte Bulgarien das Eröffnungsspiel gegen Titelverteidiger Italien bestreiten und erkämpfte ein 1:1. Nach einem weiteren 1:1 gegen Südkoreas wurde mit 0:2 gegen den späteren Weltmeister Argentinien verloren. Der Modus, dass auch die vier besten Gruppendritten das Achtelfinale erreichten, machte es möglich, dass Bulgarien, ohne ein Spiel gewonnen zu haben, erstmals die K.-o.-Runde erreichte. Hier traf die Mannschaft auf Gastgeber Mexiko und verlor vor 114.580 Zuschauern mit 0:2.
1990 in Italien Die zweite WM in Italien verpasste Bulgarien dann wieder. In einer Gruppe mit Rumänien, Dänemark und Griechenland wurde lediglich der letzte Platz belegt und nur das Heimspiel gegen Griechenland gewonnen.
1994 in den Vereinigten Staaten mini| Lothar Matthäus verwandtelt den Elfmeter gegen Bulgarien Für die WM in den USA qualifizierten sich die Bulgaren in einer Sechsergruppe zusammen mit Schweden vor Frankreich, Österreich, Finnland und Israel.
In den USA trafen die Bulgaren zunächst auf WM-Neuling Nigeria und verloren mit 0:3. Im zweiten Spiel gegen Griechenland gelang dann mit einem 4:0 der erste und bis heute höchste WM-Sieg und anschließend wurde auch Ex-Weltmeister Argentinien mit 2:0 geschlagen. Als Gruppenzweiter standen die Bulgaren damit erneut im Achtelfinale und trafen wie 1986 auf Mexiko. Bereits in der 6. Minute brachte Christo Stoitschkow die Bulgaren mit 1:0 in Führung, die die Mexikaner aber 12 Minuten später ausgleichen konnten. Da keine weiteren Tore fielen und auch die Verlängerung keine Entscheidung brachte, kam es zum Elfmeterschießen, das die Bulgaren dank Torhüter Borislaw Michajlow, der zwei Elfmeter hielt, mit 3:1 gewannen. Im Viertelfinale war Titelverteidiger Deutschland der Gegner und in der 47. Minute gerieten die Bulgaren durch einen von Lothar Matthäus verwandelten Elfmeter in Rückstand. In der 75. Minute gelang zunächst Stoitschkow der Ausgleich und drei Minuten später dem in Deutschland spielenden Jordan Letschkow der 2:1-Siegtreffer. Deutschland war damit erstmals seit 1962 wieder im Viertelfinale gescheitert. Für Bulgarien war es der bisher letzte Sieg in einem WM-Spiel. Denn im Halbfinale trafen die Bulgaren auf Italien und verloren durch zwei Tore von Roberto Baggio mit 1:2. Den Anschlusstreffer hatte Stoitschkow per Elfmeter erzielt, wodurch er zusammen mit Oleg Salenko Torschützenkönig wurde. Auch im kleinen Finale wurde dann gegen den Qualifikationsgegner Schweden mit 0:4 und der bis heute höchsten Tordifferenz im Spiel um Platz 3 verloren.
Turniere mit 32 Teilnehmern 1998 in Frankreich