mini|hochkant=1.3|Talsandinsel des Räuberbergs in der Niederung des Blabbergrabens mini|3D-Ansicht des digitalen Geländemodells Der Räuberberg ist ein Bodendenkmal in Görsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Tauche im Brandenburger Landkreis Oder-Spree.

Auf dem 58,1 Meter hohen Hügel befand sich eine mittelalterliche deutsche Adelsburg, von der außer den Resten des Burgwalls und archäologischen Funden aus dem 12. bis 13. Jahrhundert keine Zeugnisse existieren – in Urkunden und sonstigen Dokumenten des Mittelalters wird die Burg nicht erwähnt. Allerdings ist der Räuberberg im Sagenschatz der Region mehrfach vertreten.

Lage und Naturraum mini|Region und Räuberberg in der Preußischen Uraufnahme von 1846

Der Räuberberg, der nur auf Waldwegen erreichbar ist, liegt im Westen der Gemarkung Görsdorfs und nordöstlich von Schwenow, einem Dorf des Storkower Ortsteils Limsdorf. Er befindet sich in der Rinne des Blabbergrabens nördlich des Drobschsees. Rund 900 Meter bachaufwärts folgt ein weiteres Bodendenkmal, die Blabbermühle, die dem Graben den Namen gab.

Der rund 14 Kilometer Blabbergraben verbindet und entwässert fünf langgezogene Seen im Südwesten der Beeskower Platte von Nord nach Süd in die Krumme Spree zwischen Werder und Kossenblatt. Die Beeskower Platte wird als Nr. 824 in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands in der Haupteinheitengruppe Nr. 82 Ostbrandenburgisches Heide- und Seengebiet geführt. Im Untergrund der Platte überwiegen saaleeiszeitliche Grundmoränenflächen, die weitgehend von flachwelligen Endmoränenbildungen der letzten Eiszeit überlagert werden.Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95. ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins in Kapitel 1 und im Kapitel 4 Abb. 32 und die Unterabschnitte 4.3.4.3 und 4.3.4.5.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.) Das siedlungsarme Gelände ist in ein ausgedehntes Waldgebiet eingebettet und gehört zum Naturschutzgebiet Schwenower Forst sowie zum Naturpark Dahme-Heideseen und zum Landschaftsschutzgebiet Dahme-Heideseen.Bundesamt für Naturschutz (BfN): Kartendienst Schutzgebiete in Deutschland. Ausschnitt im Bereich des Blabbergrabens.

Geschichtliche Einordnung

Die zuvor slawische Region wurde im 12. Jahrhundert im Zuge der Deutschen Ostsiedlung aus dem Wettinischen heraus besiedelt und war Bestandteil der späteren Herrschaft Beeskow in der Markgrafschaft Lausitz. Storkow, gelegen an der Nordgrenze der Lausitz und Zentrum der benachbarten Herrschaft Storkow, wurde im Jahr 1209 ersterwähnt, die Burg Storkow wahrscheinlich um 1150 angelegt. Für die wettinischen Landesherren hatten Storkow und die Region eine große strategische Bedeutung bei der Eingliederung des Gebietes in das Heilige Römische Reich und die Sicherung der Grenzen. Soweit die Burg auf dem Räuberberg tatsächlich auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, wäre sie eine der ältesten deutschen Befestigungsanlagen aus dieser Periode der Ostsiedlung im Bereich der heutigen Gemeinden Tauche und Rietz-Neuendorf. Die umliegenden Dörfer wurden, gemessen an den urkundlichen Ersterwähnungen, deutlich später gegründet. Görsdorf wurde beispielsweise 1443, das zu Görsdorf gehörige Premsdorf 1460, Limsdorf 1393, Lindenberg 1284, Schwenow 1490, Kossenblatt 1208 und Werder 1376 ersterwähnt.HOL, S. 89, 137, 159, 161, 198, 244, 295.

In unmittelbarer Nähe der Burg, nördlich des Drobschsees, lag die Drobschmühle, die laut Günter de Bruyn im Dunkel der Geschichte versunken ist.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft, S. 160. Die einzige schriftliche Erwähnung dieser Mühle (als Drobschmole) stammt aus einem Lehnsbrief aus dem Jahr 1376 der von Strele, Herren zu Beeskow und Storkow, für die Ritter von Queiß.Rudolf Hermsdorf: Zwischen Dolgen und Scharmützel. Chronik der Ortschaften des Pfarrsprengels Reichenwalde. 1. Teil: Von der Urzeit bis zur Neuzeit. Selbstverlag, Storkow 1934, S 46. – Der Lehnsbrief befindet sich laut Hermsdorf (S 47) oder befand sich zu Hermsdorfs Zeit in den Bibersteinurkunden 1, Heft II, pag. 23/4 1-c-fr 1 Schlossarchiv Friedland.HOL, S. 65.

Das Bodendenkmal mini|Der Räuberberg im Jahr 2014

Der Räuberberg ist unter der Bezeichnung Burg Deutsches Mittelalter als Bodendenkmal ausgewiesen. In der Liste der Bodendenkmale wird er als Nummer 90383 unter „Görsdorf  (B)“ geführt.; „Görsdorf  (B)“ steht für Görsdorf bei Beeskow zur Unterscheidung von „Görsdorf  (S)“ = Görsdorf bei Storkow. Das Historische Ortslexikon gibt die Lage des Räuberbergs mit 2,2 Kilometern westsüdwestlich des Angerdorfs Görsdorf an und vermerkt Reste des Burgwalls einer Adelsburg, Funde des 12. bis 13. Jh. auf einem Hügel nördlich des Drobsch-Sees.HOL, S. 89. Annahmen, es habe sich ursprünglich um einen Slawischen Burgwall oder slawischen Fürstensitz gehandelt,Slawische Burganlagen in Brandenburg. Görsdorf.Wolfgang de Bruyn: (PDF) In: NABU RV Dahmeland e. V: JahreBuch 2001, Prieros S. 49–54. Siehe Blatt 2 in der Online-Version. haben sich nicht bestätigt.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft, S. 55.

Beschreibung

Der 58,1 Meter hohe Räuberberg bildet eine Talsandinsel in der Niederung des Blabbergrabens und erhebt sich bis zu 18 Meter über das umliegende Geländeniveau.Martin Petzel: Görsdorf: Der Räuberberg. Der Blabbergraben umfließt die Reste der Befestigungsanlage aus Plateaus, Wällen und Gräben heute auf der Ostseite in einem Bogen. Nach Angabe des Historikers Leopold von Ledebur war der Hügel noch 1852 gänzlich von einem Wassergraben umgeben (siehe unten). Das offene, feuchte Wiesengelände und die Wasserläufe boten der Burganlage natürlichen Schutz.Walter Dinger: Der Görsdorfer Räuberberg. S. 29f.

Die Burganlage wurde aus einem natürlichen, zweigeteilten Hügel herausgearbeitet, dessen Länge rund 160 und dessen Breite rund 80 Meter beträgt. Beide Kuppen sind von Wällen und Gräben umgeben und mit Mischwald bewachsen. Die ehemalige Kernburg lag wahrscheinlich im Bereich des fast rechteckigen Plateaus auf der Südseite. Nach Angabe von Martin Petzel aus dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum erbrachten drei Erdaufschlüsse eine Kulturschicht, die auf einem sorgfältig gesetzten Feldsteinpflaster aufliegt.Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft, S. 53ff.

Archäologische Funde Aus dem Aufschluss der Kulturschicht stammen folgende Funde:

Pferde- und Wildschweinknochen verschiedene eiserne Pfeilspitzen Nägel und eine Schere Hüttenlehm, Ziegelbruch und vor allem Keramik aus dem 13. Jahrhundert Gefäße aus harter Grauware und Oberlausitzer Sandbodenkeramik aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Die dünnwandige Keramik aus dem 13. Jahrhundert besteht aus fein geschlämmtem grauen Ton mit Gurtung. Sie wird als spätslawische/frühdeutsche Übergangsform eingeordnet. Nicht mehr erwähnt wird in dieser Auflistung von Petzold aus dem Jahr 2005 eine starke Eisenkette, die nach Angabe Ledeburs zum Ende des 18. Jahrhunderts auf moorigem Grund gefunden worden sein soll und als Teil einer ehemaligen Zugbrücke galt (siehe unten).

Historische Beschreibungen

Als Räuberberg wurde der Hügel sehr wahrscheinlich erstmals 1704 auf einer Flurkarte der Görsdorfer Gemarkung verzeichnet. Das Interesse der Archäologen an dem Hügel setzte, soweit bekannt, in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Leopold Freiherr von Ledebur beschrieb ihn 1852. Der Pathologe und Politiker Rudolf Virchow, der auch auf den Gebieten der Anthropologie, Ethnologie und Archäologie erfolgreich war und als erster zwischen slawischer (Burgwalltyp) und bronzezeitlicher Keramik (Lausitzer Typ) unterschied und so die Burgwallforschung förderte, besuchte den Räuberberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Virchow untersuchte den Hügel nur oberflächlich und verzichtete wegen des starken Wurzelwerks auf eine Grabung. 1888 stellte der Mediziner Robert Behla, der zu den Mitbegründern der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte gehörte, den Burgwall in seiner Arbeit Die vorgeschichtlichen Rundwälle im östlichen Deutschland dar.Hermann Busse: Der Burgwall oder Räuberberg bei Görsdorf, Kreis Beeskow-Storkow. S. 129. 1896 berichtete Hermann Busse, laut Heimatmuseum Woltersdorf der „Märkische Schliemann“,Woltersdorfer Verschönerungsverein Kranichsberg e. V.: Texttafel aus dem Heimatmuseum Woltersdorf. in der Zeitschrift für Ethnologie über den Räuberberg. 1933 teilte Walter Dinger im Kreiskalender Beeskow-Storkow mit, Bodenfunde, die Aufschluss über Alter und Art der Besiedlung der Wallanlage geben könnten, seien seines Wissens nicht vorhanden.Walter Dinger: Der Görsdorfer Räuberberg. S. 30.

Ledebur 1852

Der Historiker, Adelsforscher und Heraldiker Leopold Freiherr von Ledebur nahm den Räuberberg 1852 in sein Werk Die heidnischen Alterthümer des Regierungsbezirks Potsdam auf. Unter Kossenblatt trug er ein:

Auf derselben Seite folgte unter Görsdorf ausführlicher:

Busse 1896

Hermann Busse (1847–1921) wurde durch prähistorische Ausgrabungen bekannt und arbeitete zeitweise im Auftrag des Märkischen Museums und als dessen Bezirkspfleger. 1896 hieß es in der Zeitschrift für Ethnologie: Hr. Hermann Busse macht, unter Vorlegung der Fundstücke, folgende Mitteilungen: […].Zeitschrift für Ethnologie. Band 28. Hg.: Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Albert Limbach Verlag, Braunschweig 1896, S. 126 Die Mitteilung Nr. 3, der Busse die rechts abgebildete Skizze des Burgwalls beistellte, war überschrieben mit Der Burgwall oder Räuberberg bei Görsdorf, Kreis Beeskow-Storkow. Busse schrieb:

mini|Skizze von Hermann Busse von 1896

Busse teilte ferner mit, in Ahrensdorf habe er eine eiserne Kugel von 4 cm Durchmesser erworben, die von dem Burgwall stammen soll, was er aber bezweifle. Er wies zudem auf die Darstellung Ledeburs hin und gab Behlas Angabe wieder, der Wall habe 500 Schritte Umfang, 70 bis 80' Höhe und bei 40–50' Höhe noch einen Graben. Die Fundstücke, die Busse laut Redaktion der Zeitschrift vorlegte, stammten von einem germanischen Urnenfeld auf den nahe gelegenen Lüttkenbergen bei Wulfersdorf, von dem colossale Massen von Steinen abgefahren sind, unter welchen sich die Gefäße befanden. Sonstige Funde seien ihm nicht bekannt.

Sagen zum Räuberberg Die Lüttchen vom Räuberberg mini|Skulptur von Lutken in Burg (Spreewald)

Die von Busse erwähnten Lüttkenberge trugen, wie viele weitere Hügel der Region wie beispielsweise bei Lindenberg, ihren Namen nach der Lausitzer Sage über die meist in der Erde wohnenden Zwerge der Lutken, in der Mark Brandenburg Lutchen, Lüttjen, Lütken oder Lüttken genannt. Auch der Räuberberg war der Sage nach ein Sitz der kleinen Leute, die den Menschen meist freundlich gesinnt gewesen sein sollen. Die Menschen in den umliegenden Dörfern erzählten über die Burgstelle, dass die kleinen Leute auf und in dem Berg gewohnt haben. Die Lüttchen waren sehr lärmempfindlich und mit dem Eindringen des Christentumes wanderten sie, erschreckt durch den Klang der Kirchenglocken, aus. Nach anderer Darstellung verließen die Lüttchen den Räuberberg, als Neugierige sie beobachteten. Seither wurden sie nicht mehr gesehen.

Strauchritter oder Raubritter als Namensgeber