Hugo Friedrich Resch (* 17. März 1925; † 19. August 1994) war ein deutscher Zimbernforscher und ehemals Vorsitzender des Cimbern-Kuratoriums Bayern e. V. Er ist vor allem als Verfasser des zimbrischen Wörterbuches bekannt geworden.
Leben Als Zwanzigjähriger war er im Zweiten Weltkrieg in Ligurien/Italien, wo er die örtliche Sprache erlernte. Mitte der fünfziger Jahre begann er für das Arbeitsamt in Landshut zu arbeiten und warb italienische Gastarbeiter an. Hierdurch entstanden Kontakte zu den Dreizehn Veroneser Gemeinden. Im Illasi-Tal hörte er im Biartshaus (Wirtshaus) von Ljetzan das erste Mal Einheimische zimbrische Mundart sprechen, für deren Erforschung er sich fortan begeisterte. Dabei handelt es sich um eine Sondervariante des Baierischen. Regelmäßig bereiste er die Region, machte Notizen sowie Sprachaufnahmen und sammelte Volkslieder und Märchen. Zusammen mit dem Lehrer Carlo Nordera entstand schon bald die wissenschaftliche Arbeit Lietzan–Giazza.Vilsbiburger Zeitung: Für immer in den Herzen der Cimbern, 29. Juli 2013. Als Ergebnis der darauf folgenden vier Jahrzehnte andauernden umfangreichen Sprachforschungen entstanden weitere viele Beiträge für die Landshuter Zeitung, zu Hörfunk- und Fernsehsendungen, welche von der ARD und vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurden.Heimatzeitung: Altbairische Sprachinseln in Norditalien. 30. September 2010. Online auf www.heimatzeitung.de, abgerufen am 31. August 2014. Außerdem gab es viele mehrsprachige Veröffentlichungen. Er war Mitarbeiter der Redaktion Vita di Giazza. Später wurde diese Zeitschrift in Terra Cimbra umbenannt.
Auf seinen Initiative hin wurde 1970 in München das Cimbern-Kuratorium Bayern e. V. gegründet, dessen Geschäftsführer er viele Jahre lang war. Er übte dort die Tätigkeit als wissenschaftlicher Berater aus und wurde 1988 zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Anfang der siebziger Jahre regte er an, den Sprachgebrauch des Zimbrischen wiederzubeleben. Schon wenige Jahre später war es wieder möglich, Zimbrisch in der Schule zu lernen.Die Zeit: „Wir sind Cimbern, wir reden tautsch“. 1. Februar 1980. Online auf www.zeit.de, abgerufen am 31. August 2014.
Große Verdienste um die Erforschung von Sprache und Kultur der Zimbern erwarb er sich durch das Verfassen eines zimbrischen Wörterbuches im Umfang von etwa 300 Aktenordnern, womit er zum wissenschaftlichen Ansprechpartner für Universitäten in Deutschland, Österreich und Italien wurde. Zirka 25.000 Wörter und Redewendungen sind darin enthalten. Dessen Besonderheit ist, dass damit in einem Werk die drei zimbrischen Sprachen der Dreizehn und der Sieben Gemeinden sowie der von Lusern dargestellt werden und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt werden. Dieses wurde von Anthony Rowley zusammen mit Remigius Geiser in eine elektronische Fassung überführt.
Außerdem engagierte er sich für die Pflege intensiver Kontakte mit den zimbrischen Gebieten in Oberitalien und beförderte damit die freundschaftlichen Beziehungen zu den Gemeinden des Landkreises Landshut, von denen viele Gemeindepartnerschaften zeugen, zu deren Mitbegründern er zählte. Auch der Landkreis Landshut selbst unterhält zur Provinz Vicenza und den Sieben Gemeinden auf der Hochebene von Asiago seit Jahrzehnten eine Partnerschaft. Die erste und damit älteste Partnerschaft existiert seit 1976 zwischen dem Markt Velden und der Gemeinde Roana.Markt Velden: Partnerschaft: Markt Velden – Gemeinde Roana. Online auf vg-velden.de, abgerufen am 31. August 2014.
Partnerschaften Begründung deutsche Seite italienische Seite 1976 Markt Velden Gemeinde Roana 1976Landkreis Landshut: . Online auf www.landkreis-landshut.de, abgerufen am 31. August 2014. Landkreis Landshut Provinz Vicenza 1988Gemeinde Adlkofen: Partnerschaft mit Badia Calavena / Italien. Online auf www.adlkofen.de, abgerufen am 21. Februar 2016. Adlkofen Badia Calavena 2001Gemeinde Tiefenbach: . Online auf www.tiefenbach-gemeinde.de, abgerufen am 31. August 2014. Tiefenbach Lusern
Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes (verliehen 1973). Außerdem erhielt er den italienischen Stern der Solidarität (Cavaliere; verliehen 1968) sowie die Bürgermedaille der Stadt Landshut. International erwarb er sich in sprachwissenschaftlichen Kreisen den Ruf als „Botschafter Bayerns in Oberitalien“.
Er wurde in mehreren oberitalienischen Gemeinden zum Ehrenbürger ernannt:
Roana (1974)Cimbri dei Sette Comuni de Tzimbar bon Zìban Komòin: Hugo Resch ricordato a Roana. Online auf www.cimbri7communi.it, abgerufen am 31. August 2014. Lusern Badia Calavena Giazza und Pladen.
mini|Denkmal für Hugo Resch in Roana 1994 ist er im Alter von 69 Jahren nach langer und schwerer Krankheit verstorben.Cimbern-Kuratorium Bayern e. V.: Wissenschaftliche Erläuterungen zum cimbrisch-deutschen Gesamtwörterbuch. Online auf www.cimbern-kuratorium-bayern.de, abgerufen am 21. Februar 2016. 2013 wurde ihm in Roana neben dem Cimbrischen Kulturinstitut ein Denkmal gesetzt. Auf dessen Gedenktafel steht „Somme unsarn Khsell Hugo Resch ein heftighe Borbaissgott“ (dt. Unserem Freund Hugo Resch ein großes Dankeschön). Aus Anlass des 20. Todestages wurde ihm zu Ehren am 3. Oktober 2014 am Hugo-Resch-Denkmal in Roana im Beisein von Vertretern der Gemeinde ein Gedenkakt abgehalten.Landshuter Zeitung: Botschafter Bayerns in Oberitalien, 15. August 2014.
Hugo Resch hat eine Tochter, Christine Fischer-Resch.
Werke Hugo Resch, Carlo Nordera: Lietzan–Giazza Hugo Resch: Vergleichendes Cimbrisches Gesamtwörterbuch Hugo Resch: Zimbrisches Tonarchiv
Literatur Cimbernland, Zeitschrift des Cimbern-Kuratorium Bayern e. V., seit 1984.
Weblinks Cimbern-Kuratorium Bayern e. V. „Das Tor zum Land der Zimbern“
Einzelnachweise
Kategorie:Germanist Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Wikipedia:Träger des Bundesverdienstkreuzes (Ausprägung ungeklärt) Kategorie:Träger des Ordens des Sterns der italienischen Solidarität Kategorie:Ehrenbürger im Trentino Kategorie:Ehrenbürger in Venetien Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 1994 Kategorie:Mann