Schernau ist ein Gemeindeteil der Stadt Dettelbach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Schernau hat eine Fläche von 5,561 km². Sie ist in 703 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7909,77 m² haben.
Bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Dettelbach am 1. Januar 1976 war Schernau eine selbstständige Gemeinde. Bis heute ist der Ort von seiner Vergangenheit als Kondominium geprägt. Sowohl die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach als auch die Würzburger Fürstbischöfe übten lange Zeit Einfluss auf die Bewohner aus. Den Markgrafen ist es zu verdanken, dass Schernau im 16. Jahrhundert protestantisch wurde.
Letztes Zeugnis der Glaubenskonflikte, die erst im 17. Jahrhundert beigelegt werden konnten, ist die Andreaskirche, die von beiden Konfessionen genutzt wird (Simultaneum). Daneben hat sich im Schernauer Ortskern ein Adelssitz erhalten, der bis heute von der Familie Roman bewohnt wird. Mitglieder dieses Adelsgeschlechts erreichten Franken im 18. Jahrhundert als vertriebene Hugenotten aus Frankreich. In Schernau hat sich die älteste Dorflinde im Landkreis Kitzingen erhalten.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Das Pfarrdorf Schernau liegt im Nordwesten des Dettelbacher Gemeindegebietes. Nördlich beginnt bereits der Landkreis Würzburg, die Gemarkung des Prosselsheimer Gemeindeteils Seligenstadt liegt Schernau am nächsten. Der Nordosten wird von zwei weiteren Dettelbacher Gemeindeteilen eingenommen: Von Norden nach Süden sind hier Neusetz und Schnepfenbach zu finden. Südwestlich erhebt sich Brück, mit dem Schernau über den Dorfbach verbunden ist. Im Süden beginnt die Gemarkung des Hauptortes Dettelbach. In unmittelbarer Nähe zum Dorf beginnt im Westen die bebaute Fläche von Euerfeld, das ebenfalls ein Dettelbacher Gemeindeteil ist.
Nächstgelegene größere Städte sind Volkach mit einer Distanz von etwa neun Kilometern und Kitzingen, welches ungefähr zehn Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 14 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Schernau an der Grenze zweier Naturräume, die allerdings beide Teil der Gäuflächen im Maindreieck innerhalb der Mainfränkischen Platten sind und sich deshalb in ihrer Morphologie stark ähneln. Die südlichen Gemarkungsteile werden durch die Hochflächen im südlichen Maindreieck gebildet. Der Naturraum präsentiert sich als etwa 300 m hohe Gäuhochfläche mit steilem Abfall zum Maintal. Ähnlich wie in der weiter nördlich gelegenen Gäufläche im nördlichen Maindreieck präsentiert sich die Landschaft als vom Menschen genutzte Fläche. Die Bodenzusammensetzung ermöglichte die tiefe Einkerbung der kleinen Bachtäler, wobei diese im Norden seltener als im Süden sind.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Deutschlands zählt. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurde um Schernau Weinbau betrieben. Heute spielt diese Sonderkultur allerdings keine Rolle mehr für die Wirtschaft des Ortes. Hier sind Muschelkalkböden mit einer Lettenkeuperschicht zu finden. Der Lettenkeuper nimmt nach Norden hin immer weiter ab. Hier nimmt dafür der Lehm- und Lößlehm immer dickere Schichten ein. Obwohl Schernau einige Kilometer vom Main entfernt liegt, prägt der Fluss das Dorf hydrologisch. Durch Schernau fließt der Schernauer Bach (auch Scherenbach, Schneiderbach) in Richtung des Mainzuflusses Dettelbach, im Süden des Ortes mündet ein unbenannter Bach im Schernauer Bach. Der Gereutgraben tangiert ganz im Norden die Gemarkung.
Dorfgliederung Im Zentrum der Gemarkung Schernau liegt das Haufendorf. Das Ortszentrum wird von einem Straßennetz in Hufeisenform gebildet, um das sich das frühneuzeitliche Schloss und die Pfarrkirche gruppieren. Von einer älteren Burg des Mittelalters weiter im Westen haben sich keine Überreste mehr erhalten. Schernau wuchs bereits im 18. und 19. Jahrhundert über dieses Zentrum hinaus nach Nordosten entlang des Schernauer Baches weiter. Hier entstanden die heutigen Straßen um den Berglesweg mit dem Friedhof, der 1802 aus dem Kirchhof verlegt wurde.
Im 20. Jahrhundert umgab man den historischen Altort mit nur kleineren Neubaugebieten, die zumeist aus Ein- bzw. Mehrfamilienhäusern bestehen. Im Zuge dieser Erweiterungen wuchs die bebaute Fläche insbesondere in Richtung Westen (westlicher Teil der Schloßstraße) und Osten (Am Taubenberg, ab 1990).Erika Voltz: Schernau. Häuser erzählen ihre Geschichte. Dettelbach 2016. S. 9. Im Osten legte man auch den örtlichen Sportplatz an. Die Dorfmühle, die mit Wasser des Schernauer Baches betrieben wurde, entstand in einigem Abstand zum Altort in östlicher Richtung. Dem 20. Jahrhundert entstammen die beiden Aussiedlerhöfe, die im Süden des Altortes errichtet wurden.
In der Bayerischen Uraufnahme vom Beginn des 19. Jahrhunderts weist Schernau als eines der wenigen kleinen Dörfer benannte Straßennamen auf. So tauchen hier die spätere Scherenbachstraße (Bach-Gasse), der Brücklesweg (Brückles-Gasse), und die Schloßstraße (Schloss-Gasse und Schneiderbach) auf.
Die jahrtausendealte Inanspruchnahme der Landschaft durch den Menschen und die intensive landwirtschaftliche Nutzung ist der Grund, warum sich um Schernau nur wenige Flächen erhalten haben, die von den Naturschutzbehörden unter Schutz gestellt werden. Einige Biotope wurden markiert. Hier sind vor allem die Streuobstbestände zwischen Euerfeld und Schernau sowie mehrere langgestreckte Hecken zu nennen. Der gesamte Nordosten der Gemarkung wird außerdem als Vogelschutzgebiet kartiert. Das Schutzgebiet Ochsenfurter und Uffenheimer Gau und Gäulandschaft nordöstlich Würzburg ragt herein.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Gemarkung Schernau gehört zu den am längsten durchgängig besiedelten Punkten innerhalb des Dettelbacher Gemeindegebiets. Dies belegten Grabungen, die ab 1971 in den Fluren rund um das Dorf vorgenommen wurden.Hans Bauer: Dettelbach. Geschichte einer romantischen Stadt und ihrer Ortsteile. Kitzingen 1983. S. 296. Bereits in der Jungsteinzeit wurde das Areal regelmäßig von durchziehenden Jäger- und Sammlergruppen angelaufen. Zuvor war eine mittelneolithische Siedlung der Gruppe Bischheim im Westen des Ortes ausgemacht worden. Die Menschen dieser Epoche (ca. 4400–4200 v. Chr.) nutzten bereits Kupfer und verarbeiteten es zu Objekten wie Meißel oder Ringen. Um Schernau grub man ein Fruchtbarkeitsidol aus.
In der Bronzezeit verlagerten sich die Siedlungsschwerpunkte. Nun wurde vor allem ein Gebiet im Osten des heutigen Altortes dauerhaft besiedelt. Am Fuße des 275 Meter hohen Geiersberges lebten die Menschen noch in der Urnenfelderzeit. Zugehörig ist wohl ein Begräbnisplatz weiter nördlich der besiedelten Fläche. Zusätzlich wurde auch eine Siedlungsfläche im Nordwesten des Dorfkerns ausgegraben. Die Siedlungskontinuität soll hier sogar bis ins Mittelalter gereicht haben.
Existieren für die frühe Eisenzeit noch keine genauen Kenntnisse über die Zusammensetzung der Bevölkerung, können die Menschen der Latènezeit ab 450 vor Christus eindeutig als Kelten identifiziert werden. Im Zuge der Völkerwanderung überlagerten sich die Bevölkerungsanteile durch durchziehende Thüringer und Alamannen. Schließlich erreichten die Franken das Gebiet um Dettelbach und etablierten erstmals echte Verwaltungsstrukturen. So entstanden zwei Königshöfe in Prosselsheim und auf der Vogelsburg. In dieser Zeit entstand wohl auch das heutige Dorf, das auf das 8. nachchristliche Jahrhundert zurückgeht.
Mittelalter Erstmals erwähnt wurde das Dorf allerdings erst im Jahr 1205. In einer Urkunde taucht die Bezeichnung „Schernowe“ auf. Der Ort war einem herrschaftlichen Ansitz zugeordnet, der in der Frühzeit von den Grafen zu Castell beziehungsweise ihnen abhängigen Geschlechtern kontrolliert wurde. Allerdings verloren die Grafen im Laufe des Hochmittelalters die Gewalt über die Menschen des Dorfes. Stattdessen gelangte Schernau an die Würzburger Fürstbischöfe, die es wiederum an verdiente Ministerialen zu Lehen vergaben.
Der heutige Burgstall Schernau war 1321 in Händen des Hans von Vestenberg, der als Landrichter der Burggrafen von Nürnberg und Stifter in Erscheinung trat. Er begründete die nach dem Ort benannte Linie Vestenberg zu Schernau und Fürstenforst. Später gelangte die Burganlage und die Untertanen an den gleichnamigen Sohn, der als Landrichter von Hagenau tätig war. Die Vestenberg blieben im Besitz des würzburgischen Lehens über Schernau, vergaben aber nun vermehrt Afterlehen bzw. verpfändeten ihren Besitz.Fritz Mägerlein: Zur Ortsgeschichte von Schernau. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 121.
Durch diese Praxis gelangten in wenigen Jahren ganz unterschiedliche Herren an den Ort. 1385 ist Eberhard von Seinsheim im Besitz Schernaus, um 1400 kann Kunz von Braun hier nachgewiesen werden. Um 1490 nannte sich Moritz von Thüngen nach seinen Wohnorten sogar „von Reusenberg, Mainsondheim und Schernau“. Dazu kamen einzelne Untertanen, die dem Würzburger Stift Haug oder den Jesuiten zugeordnet waren.Hans Bauer: Dettelbach. Geschichte einer romantischen Stadt und ihrer Ortsteile. Kitzingen 1983. S. 298. Während die adeligen Verleihungen auch in den folgenden Jahrzehnten oftmals wechselten, stieg der Ort im 14. Jahrhundert zum Sitz eines eigenen Pfarrers auf.
Am 25. Oktober 1315 stiftete die Äbtissin Richiza (zu Castell, bzw. zu Hohenlohe-Brauneck) des Benediktinerinnenklosters in Kitzingen mit Genehmigung des Würzburger Domdechanten Goldstein von Ruedern die Pfarrei Schernau. Grund war die lange Anreise zum bisherigen Pfarrsitz in Kitzingen. Eine Kapelle im Ort wurde zur Pfarrkirche ausgebaut. Zunächst war Schernau Euerfeld als Filiale zugeordnet. Im 15. Jahrhundert stieg der Nachbarort aber ebenfalls zur Pfarrei auf.Fritz Mägerlein: Zur Ortsgeschichte von Schernau. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 125 f.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Das Wappen der Familie von Roman Im Jahr 1495 kam es zu einer großen Veränderung innerhalb der Herrschaftsstruktur des Ortes, die auch die folgenden Jahrhunderte prägte. Ritter Veit von Vestenberg übergab die Hälfte seines Schernauer Besitzes an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und erhielt es als Lehen aus deren Händen wieder zurück. Die Markgrafen versuchten bereits in den Jahrhunderten zuvor ihren Einflussbereich vor Ort auszubauen. Erstmals werden sie als Burggrafen von Nürnberg im Jahr 1376 in Schernau erwähnt.
In den folgenden Jahrhunderten blieb die Dorfherrschaft unter den Markgrafen und dem Würzburger Bischof bzw. den jeweiligen Lehensnehmern von deren Gütern geteilt. Dies führte zu einer Vielzahl an Problemen und schlug sich auch in der Organisation des dörflichen Zusammenlebens nieder, wo beide Herren einen Schultheiß einsetzten. Im Jahr 1564 starb die Schernauer Linie der Vestenberg aus und die Markgrafen setzten die Ritter von Stein zu Altenstein als ihre Nachfolger ein. Verschärft wurde die Situation noch durch die konfessionellen Konflikte, die ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausbrachen.
Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach hatten seit den 1520er Jahren die Ausbreitung des Luthertums in ihrem Einflussbereich immer wieder forciert. Obwohl in Schernau der Würzburger Fürstbischof das Patronatsrecht über die Pfarrer innehatte, gelang es ihnen 1576 sich dieses Rechts zu bemächtigen. Trotz des Protests aus Würzburg blieb der evangelische Pfarrer in Schernau und überzeugte die Bevölkerung nun ebenfalls den neuen Glauben anzunehmen. Bis 1624 war jedes Haus im Ort protestantisch geworden.