mini|250px|Soldatinnen beim Feldtraining mini|hochkant|Erster weiblicher Ordonnanzoffizier äthiopischer Abstammung Die Dienstpflicht von Frauen in den israelischen Streitkräften (Israelischen Verteidigungsstreitkräften, Ivrit: Zva haHagana leJisra’el) besteht seit 1949. Israel ist derzeit neben Eritrea, Norwegen und Schweden eines der vier Länder, die eine Wehrpflicht für Frauen vorsehen, während die meisten westlichen Länder zu einer Berufsarmee übergegangen sind. Die meisten Länder erlauben inzwischen auch Frauen im Militär, oft auf freiwilliger oder beruflicher Basis, immer häufiger auch im Kampfeinsatz.
In rechtlicher Hinsicht existiert in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften eine völlige Geschlechtergleichstellung, so dass Frauen grundsätzlich der Dienst in allen Teilstreitkräften, Waffengattungen und Einheiten offensteht. De facto bestehen aufgrund historisch gewachsener Strukturen sowie unterschiedlicher Anforderungsprofile in den einzelnen Einheiten nach wie vor teils erhebliche Ungleichgewichte in der Geschlechterverteilung.
Geschichte mini|Soldatinnen bei Gefechtsübungen während des Palästinakriegs 1948
Vor der Staatsgründung Bereits vor der Gründung des Staates Israel kämpften Frauen in den paramilitärischen Untergrundorganisationen HaSchomer bzw. Hagana, aus denen später die israelischen Streitkräfte entstehen sollten. Der Dienst beschränkte sich hierbei meist, aber nicht nur, auf unterstützende Aufgaben, etwa im Sanitätsdienst oder der Kommunikation. Daneben dienten Frauen auch in den Auxiliary Territorial Service (ATS), der Frauenabteilung der britischen Streitkräfte. Während des Zweiten Weltkriegs dienten etwa 4.000 Frauen in der Hagana oder im ATS. In Tel-Aviv wurde Ende der 1940er Jahre ein Bataillon aufgestellt, in dem Frauen Aufgaben wie Sicherheit, Waffentransport oder als Beobachtungsposten übernahmen.
200px|mini|Eine Offizierin der Hagana demonstriert den Gebrauch einer Sten, Palästinakrieg 1948 Während des im Jahr 1947, noch vor der Gründung des Staates Israel ausbrechenden Palästinakriegs, der auf jüdischer Seite von den bestehenden paramilitärischen Organisationen bzw., nach der Staatsgründung, den israelischen Verteidigungsstreitkräften geführt wurde, hatte die ständige Personalknappheit zur Folge, dass Frauen nicht nur unterstützende Aufgaben wahrnahmen, sondern auch direkt am bewaffneten Kampf teilnahmen. Gerade in der Palmach, die einen Frauenanteil von bis zu 30 % erreichte, kämpften Frauen auch an vorderster Front. Allerdings scheint die Zahl von Frontkämpferinnen zu keinem Zeitpunkt sehr hoch gewesen zu sein. Unter den insgesamt über 1.000 Gefallenen der Palmach im Palästinakrieg waren nur 18 Frauen.Uta Klein: Wehrpflicht von Frauen: Erfahrungen mit Militär und Geschlecht in Israel. In: Jens-Rainer Ahrens, Maja Apelt, Christiane Bender (Hrsg.): Frauen im Militär: Empirische Befunde und Perspektiven zur Integration von Frauen in die Streitkräfte. Springer-Verlag, 2005, S. 197.
Nach der Gründung des Staates Israel Einführung der allgemeinen Wehrpflicht für Frauen mini|Offizierinnen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, 1950 Am 26. Mai 1948 gründete der erste Premierminister des neuen Staates Israel, David Ben-Gurion, die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Im September 1949 wurde von der Knesset die allgemeine Wehrpflicht für Frauen beschlossen – womit lediglich der Status quo bestätigt wurde.Louis Williams: The Israel Defense Forces: A People's Army. iUniverse, 2000, ISBN 0-595-14353-9, S. 321.
Ausschluss von Kampffunktionen Während im Palästinakrieg wegen der fortgesetzten Personalknappheit Soldatinnen der neu gegründeten Israelischen Verteidigungsstreitkräften weiterhin auch in kämpfenden Funktionen dienten, wurde später festgelegt, Soldatinnen nicht mehr an Fronteinsätzen teilnehmen zu lassen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war offiziell die Überlegung, dass verwundete oder gefallene Frauen der Truppenmoral abträglich wären und dass Frauen in der Kriegsgefangenschaft höheren Risiken als ihre männlichen Kameraden ausgesetzt wären, namentlich dem Risiko, vergewaltigt zu werden. Soldatinnen sollten daher nicht an vorderster Front kämpfen, wo das Risiko, dem Feind in die Hände zu fallen, am höchsten ist.
Ben Gurion sagte 1948: „[…] in einer Armee und im Krieg gibt es eine Realität der Ungleichheit, die es unmöglich macht, junge Frauen in Kampfeinheiten zu entsenden. Doch eine Armee benötigt auch unterstützende Einheiten. Und Frauen werden gebraucht, um in angemessenen Funktionen die Kampfkraft der Nation zu stärken, indem sie Männer von solchen unterstützenden Funktionen entbinden und ihnen damit den Kampf mit der Waffe ermöglichen.“Zitiert nach Louis Williams: The Israel Defense Forces: A People’s Army. iUniverse, 2000, ISBN 0-595-14353-9, S. 321.
In den Jahren nach der Staatsgründung dienten einige Pilotinnen in den israelischen Luftstreitkräften. Die erste Pilotin wurde im Jahr 1951 Yael Rom. Doch noch in den 50er Jahren wurde ein Rekrutierungsverbot verhängt, so dass Frauen nicht mehr zu Pilotinnen ausgebildet werden konnten.timesofisrael.com
Die Autorin Uta Klein führt den Ausschluss von Frauen aus Kampffunktionen (nicht nur in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften) eher auf allgemeine Wertvorstellungen bzw. biologistische Denkweisen zurück, wonach der Kampf als rein männliche Domäne angesehen werde. Das in Israel oftmals vorgebrachte Argument, Frauen seien in arabischer Kriegsgefangenschaft erheblichen Risiken ausgesetzt, wird von der Autorin in Zweifel gezogen.Uta Klein: Militär und Geschlecht in Israel. Campus Verlag, 2001, S. 171 ff.
Das Frauenkorps Frauen dienten in einem speziellen Frauenkorps (Chen) und versahen unterstützende Aufgaben in technischen und administrativen Bereichen wie in Schreibstuben, im Sanitätsdienst, der Kommunikation usw. Darüber hinaus wurden Soldatinnen des Frauenkorps auch als Lehrerinnen speziell in unterentwickelten Regionen eingesetzt. Die Führung des Frauenkorps lag meist bei früheren ATS-Mitgliedern, während frühere Palmach-Kämpferinnen generell wenig Interesse an einem Dienst im Frauenkorps zeigten.Uta Klein: Militär und Geschlecht in Israel. Campus Verlag, 2001, S. 127.
Darüber hinaus wurden und werden Frauen auch vielfach als Ausbilderinnen eingesetzt – und zwar auch für kämpfende Einheiten. Dies konnte zu der paradoxen Situation führen, dass Frauen zwar bspw. Panzerbesatzungen ausbilden, jedoch nicht selbst zu solchen gehören durften. Im Sechs-Tage-Krieg wurde eine junge Offizierin zu einer Gefängnisstrafe von vier Wochen verurteilt (von der sie nur eine Woche leistete), weil sie zur Front desertiert war.Louis Williams: The Israel Defense Forces: A People's Army. iUniverse, 2000, ISBN 0-595-14353-9, S. 324, 335.
1969 wurde die Anwältin Hava Inbar zur Richterin an einem Militärgericht berufen. Sie war weltweit die erste Militärrichterin.
Während des Jom-Kippur-Krieges 1973 und auch in späteren Jahren kam es in den Streitkräften wiederum zu Personalengpässen, dennoch fand für Frauen erst seit den späten 1970er Jahren eine stärkere Öffnung von Aufgabenbereichen jenseits unterstützender Tätigkeiten statt. Im Jahr 1986 wurde Amira Dotan, die damalige Befehlshaberin des Frauenkorps, die erste Soldatin der IDF im Generalsrang (Brigadegeneral – ivrit: Aluf).
Formale Gleichstellung von Soldatinnen mini|180px|IDF-Ausbilderlehrgang der Infanterie Im Jahr 1994 klagte Alice Miller, eine Offizierin der Luftstreitkräfte, gegen das Verbot der Pilotinnenausbildung. Der Klage wurde 1995 vom israelischen Obersten Gericht stattgegeben. Die Luftstreitkräfte waren nunmehr gezwungen, Kandidatinnen, welche die Rekrutierungsvoraussetzungen erfüllten, zu akzeptieren.timesofisrael.com
Im Anschluss an die wegweisende Entscheidung des Obersten Gerichts, Frauen zur Pilotenausbildung zuzulassen, wurde in der Knesset ein Gesetzentwurf zur völligen Gleichstellung von Soldatinnen in allen Teilstreitkräften der israelischen Streitkräfte vorgelegt. Im Jahr 2000 wurde das Militärrecht um folgenden Passus ergänzt: „Das Recht von Frauen, in jeder Funktion in den Streitkräften zu dienen, entspricht dem Recht von Männern.“
Damit war de jure eine völlige Gleichstellung der Geschlechter hergestellt, prinzipielle Rekrutierungsverbote waren nun nicht mehr zulässig. Die Gesetzesnovellierung ist mit der Einschränkung versehen, dass die persönliche Befähigung von Kandidatinnen zu berücksichtigen ist. Die Rekrutierung und der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung hängen somit nach wie vor davon ab, inwieweit die physischen und psychischen Anforderungen erfüllt werden. Im Zuge der Novellierung der Militärgesetzgebung wurde im Jahr 2000 auch das Frauenkorps aufgelöst. Es existieren somit keine Einheiten mehr, die allein auf der Grundlage des Geschlechts formiert sind. Seit der Novellierung versehen mehr und mehr Frauen Dienst in bewaffneten Einheiten wie der Infanterie, der Artillerie oder der Panzertruppe. Im Jahr 2000 wurde das Karakal-Bataillon formiert, eine Infanterieeinheit, in der Frauen (etwa 70 % des Personalbestands) und Männer gemeinsam dienen. Die Soldaten der Einheit durchlaufen denselben Ausbildungsprozess wie jede andere Infanterieeinheit. Darüber hinaus versehen Frauen auch in der israelischen Grenzpolizei ihren Dienst.
Die erste Frau, welche die Ausbildung zur Kampfpilotin der israelischen Luftstreitkräfte erfolgreich beendete, war im Jahr 1998 die F-16-Navigatorin Sari Rahat. Roni Zuckerman wurde im Jahr 2001 im Alter von 23 Jahren die erste Jagdpilotin in der Geschichte der israelischen Luftstreitkräfte. Im Jahr 2004 wurde sie zur Pilotenausbilderin ernannt. Diese Aufgabe wird innerhalb der israelischen Luftstreitkräfte nur den besten Piloten übertragen.Yossi Katz: A Voice Called: Stories of Jewish Heroism. Gefen Publishing House, 2010, ISBN 978-965-229-480-7.timesofisrael.com
Der Zweite Libanonkrieg im Jahr 2006 war die erste militärische Auseinandersetzung seit 1948, in der Frauen gemeinsam mit Männern direkt an Kampfhandlungen teilnahmen. Die Helikopteringenieurin Keren Tendler war die erste Soldatin der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, die in Kampfhandlungen getötet wurde.
Rahmenbedingungen Pflichtwehrdienst mini|Offizieranwärterinnen mini|Schießübungen In Israel besteht grundsätzlich eine Wehrpflicht für Männer und Frauen, allerdings bestehen in Abhängigkeit vom Geschlecht Unterschiede sowohl hinsichtlich der Wehrpflicht wie auch der Pflichtdienstzeit. Nur Frauen im Alter von 18 bis 19 Jahren unterliegen der allgemeinen Wehrpflicht. Daneben können sich Frauen ebenso wie Männer für eine Laufbahn als Berufssoldatin entscheiden. Frauen von 20 bis 25 Jahren können sich freiwillig zum Wehrdienst melden, wobei mindestens zwölf Monate abgedient werden müssen. Der Frauenanteil unter den Berufssoldaten lag nach Klein (2001) zum damaligen Zeitpunkt bei ca. 10 Prozent. Uta Klein: Militär und Geschlecht in Israel. Campus Verlag, 2001, S. 151.
Es existieren einige Ausnahmetatbestände, welche eine Freistellung von Frauen vom Wehrdienst ermöglichen. Dies betrifft religiöse Gründe, Eheschließung, Schwangerschaft oder Mutterschaft.Uta Klein: Militär und Geschlecht in Israel. Campus Verlag, 2001, S. 150. Frauen, außer solchen, die in kämpfenden Funktionen gedient haben, werden in der Regel nicht zum Reservedienst einberufen, wenn sie verheiratet oder älter als 24 sind. Frauen, die im 20. Lebensjahr oder später nach Israel einwandern, sind vom Wehrdienst freigestellt, können sich jedoch freiwillig verpflichten.
Arabische Israelis – Frauen wie Männer – sind vom Wehrdienst freigestellt. Dies betrifft nicht die in Israel lebenden Beduinen, allerdings dienten aus kulturellen Gründen lange Zeit keine Frauen aus den Beduinenstämmen in den Streitkräften. Hier hat jedoch in den letzten Jahren ein gewisser kultureller Wandel eingesetzt. Die 1985 geborene Amira al Hayb war die erste Beduinin, die in einer kämpfenden Einheit diente.
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