mini|Petrikirche in Ratzeburg mini|hochkant|Altar, Kanzel und Orgel in der Mittelachse der Langseite Die St.-Petri-Kirche oder Stadtkirche in Ratzeburg ist ein spätbarocker, lutherischer Kirchenbau, der als Querbau-Predigtkirche ausgeführt wurde.
Baugeschichte Die spätestbarocke und früh klassizistische St.-Petri-Kirche, von 1787 bis 1791 durch den Landbaumeister des Kurfürstentums Hannover Johann Friedrich Laves als reine Predigtkirche anstelle einer mittelalterlichen Vorgängerkirche erbaut, ist ein spätes Beispiel einer querschiffig angelegten Saalkirche. Altartisch, Kanzel und Orgelprospekt bilden eine raumhohe Einheit im Zopfstil. Damit gilt diese Kirche als mustergültig für den protestantischen Kirchenbau des 18. Jahrhunderts in Norddeutschland und fügt sich nach der Zerstörung der Ratzeburger Altstadt durch die Dänen 1693 in die ab dann neu, nach dem Vorbild der Stadt Mannheim, angelegte barocke Planstadt mit ihren streng rechtwinkligen Baublöcken ein.
Der Turm auf dem First der Kirche wurde erst wesentlich später im Jahr 1911 im neubarocken Stil durch den Architekten J. Wolff aufgesetzt.
Neben der Einheit von Kanzelaltar und Orgel besticht das Innere der Kirche durch die seitlichen Logen und die dreigeschossigen Emporen.
Während seines Bestehens war sie auch Garnisonkirche des Lauenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 9.
Nach der Gasteiner Konvention huldigten die Stände des Herzogtums Lauenburg am 26. September 1865 in der Kirche dem persönlich anwesenden König Wilhelm I. als ihrem Herzog. Das Herzogtum war damit mit der preußischen Monarchie in Personalunion verbunden.
Zum 75-sten Todestag von Ernst Barlach im Jahr 2013 wurde in der Kirche die 1931 geschaffene Plastik „Der lehrende Christus“ aufgestellt. Sie ist eine Leihgabe der Familie Barlach. Ernst Barlach ist auf dem Friedhof der Kirchengemeinde an der Seedorfer Straße beigesetzt.
Glocken Im Turm hängen heute insgesamt vier Glocken. Die älteste von ihnen stammt aus dem Jahr 1578 und wurde von Brun Hemminckhusen gegossen. In den Jahren 1656 und 1658 gossen die Gießer Stephan Wollo und Nicolaus Gage zwei Glocken für die Kirche. Neben diesen drei Läuteglocken existierten noch eine Zeichenglocke von 1516 und zwei Uhrglocken von dem Lübecker Ratsgießer Lorenz Strahlborn aus dem Jahr 1743. Bis auf die kleinste Läuteglocke von 1578 wurden alle anderen Glocken im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt. 1921 wurden dann als Ersatz drei Stahlglocken vom Bochumer Verein gegossen. Im Jahr 2001 musste die kleinste der Stahlglocken jedoch aufgrund eines Risses stillgelegt werden. Als Ersatz für diese Glocke wurde eine Glocke aus der profanierten Dreifaltigkeitskirche in Hamburg-Harburg gekauft und aufgehängt. Die Stahlglocke wurde in der Kirche zur Besichtigung aufgestellt.
Orgel Die Orgel wurde 1980 von der Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 31 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.Informationen zur Orgel
Hauptwerk: Pommer 16', Principal 8', Spielflöte 8', Oktave 4', Rohrflöte 4', Nasat ', Oktave 2', Cornett IV-V, Mixtur IV-VI, Trompete 8'. Schwellwerk: Gedackt 8', Quintade 8', Violflöte 8', Schwebung (ab f0)8' , Principal 4', Flûte Douce 4', Blockflöte 2', Quinte ', Sesquialter II, Scharff IV, Dulcian 16', Oboe 8', Tremulant. Pedal: Subbaß 16', Oktave 8', Gedackt 8', Choralbaß 4', Nachthorn 2', Hintersatz IV, Posaune 16', Trompete 8', Schalmei 4'. Koppeln: II/I, I/P, II/P
Geistliche Superintendenten des Herzogtums Sachsen-Lauenburg (1705–1877) Die Superintendenten und Landessuperintendenten waren zugleich Pastoren an der Petri-Kirche: 1705–1737: Johannes Elers, als Superintendent 1738–1743: Justus Hermann Ludwig Beneken 1744–1767: Johann Ernst Hohenholtz 1768–1787: Anton Gottfried Alberti 1788–1802: Johann Conrad Eggers 1802–1817: Carl Johann Conrad Wyneken 1817–1834: Friedrich Christian Block 1834–1853: Carl Friedrich Wilhelm Catenhusen 1854–1876: Albert Robert Brömel
Superintendenten des Kreises Herzogtum Lauenburg (1877–1924) 1877–1885: Albert Robert Brömel, nach der Eingliederung unter Beibehaltung von Titel und Funktion 1885–1887: Vakanz 1887–1911: Franz Jürgen Soltau, zuvor Propst in Töstrup 1911–1913: Theodor Valentiner, zuvor in Bredstedt 1914–1924: Johannes Lange, zuvor in Hamburg-Wandsbek
Landessuperintendenten des Sprengels Lauenburg (1924–1979) 1924–1944: Johannes Lange, seit 1. November 1924 mit neuer Amtsbezeichnung 1944–1959: Hans Matthießen, zuvor in Sahms 1959–1969: Ernst Fischer, zuvor in Lütau 1970–1979: Joachim Heubach, zuvor in Preetz.
Pröpste und Pröpstin Nach der Emeritierung Heubachs und mit der Gründung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche fielen die Lauenburgischen Sonderrechte weg; Lauenburg wurde einer der Kirchenkreise der Nordelbischen Kirche, geleitet von einem Propst. Erster Propst und damit Nachfolger Heubachs wurde 1981 Hermann Augustin. Ihm folgten Peter Godzik (Propst von 1998 bis 2007), Frauke Eiben (Pröpstin 2008 bis 2022, ab Mai 2009 im fusionierten Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg) und Philip Graffam (ab 2022).
Weitere Geistliche Martin Fischer-Hübner, Pastor von 1926 bis 1934
Literatur Hartwig Beseler (Hrsg.): Kunsttopographie Schleswig-Holstein. Neumünster 1974, S. 370 ff. Hermann Augustin: Die St. Petri Kirche im Herzen der Inselstadt Ratzeburg. Ratzeburg 2021.
Einzelnachweise
Weblinks
Geschichte (Förderverein St. Petri Ratzeburg) Gemeindeseite (Seite der Kirchengemeinde St. Petri Ratzeburg)
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